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Judenhass gesellschaftsfähig und überall präsent

von Jurij Belov

Immer wieder versuchen die Medien in Deutschland mit täglichen Berichten und dramatischer Information über wachsenden Judenhass die Bürger in Deutschland zu gewinnen, aktiv gegen die Nazis und sonstigen „Anti-Semiten“ zu kämpfen. Jedoch je öfter gewarnt wird, desto weniger Bürger glauben daran, dass „Anti-Semitismus“ durch Zensur und Verbote eines Tages verschwinden wird.


(News4Press.com)

Seit 2007 wurden Diskussionen darüber in der online-Presse erlaubt, um „die Meinung der Bürger zu erforschen“. Aber dabei kommt es oft zum Debakel: Sperrungen, Löschung der ungewünschten Beiträge und Editieren (nun „Kürzung“ genannt). Die Bürger zeigen jedoch sehr deutlich durch ihre Reaktionen ihr Unverständnis über diese Zensur. Es scheint so, dass das Problem des Judenhasses nicht am tatsächlichen Haß gegen die Juden liegt, sondern an den totalitären Methoden der unfreien Presse.

DIE ZEIT veröffentlichte aus gegebenen Anlaß (9.November) einen zweiteiligen Artikel von Martina Powell: „Judenfeindlichkeit ist gesellschaftsfähig geworden“ (1) und „Judenfeindlichkeit in allen Bevölkerungsgruppen präsent“ (2) Es wird behauptet JUDENHASS „gehört in Deutschland nicht der Vergangenheit an“, so Anetta Kahane (Amadeu-Antonio-Stiftung), die auch sagt: „Wir erleben derzeit einen starken Anstieg beim Antisemitismus, und niemanden scheint das richtig zu stören.“

Statistik über Judenhass

Die Zahl „antisemitischer Straftaten“ hat sich 2011-2013 um 10,9 Prozent erhöht, darunter fallen Delikte wie Pöbeleien gegen Jüdinnen und Juden, Brandanschläge auf Synagogen, Schändungen jüdischer Friedhöfe oder die Zerstörung von Stolpersteinen. Die Zahl der „antisemitischen Gewalttaten“ hat sich demnach sogar um 41,3 Prozent erhöht.“ (so das Innenministerium).

Anderseits: 2006 wurden mit 1.800 Fällen die meisten antisemitischen Straftaten registriert, 2011 wiederum erreichten die Zahlen mit 1.239 Fällen ihren bislang niedrigsten Stand. In den meisten Fällen handelt es sich um „Propagandadelikte“, Sachbeschädigungen, Volksverhetzungen sowie Verstöße gegen das Versammlungsgesetz. Nur die wenigsten Fälle seien laut Innenministerium Gewaltdelikte und tatsächlich auch systematisch geplant, wie beispielsweise im Fall von Brand- und Sprengstoffanschlägen gegen Gedenkstätten oder Synagogen. 2012 meldete das Innenministerium 2.464 Gewaltdelikte dieser Art, davon wurden 41 Fälle als „antisemitische Gewalttat“ deklariert.

Ralf Melzer von der Friedrich-Ebert-Stiftung behauptet: „Judenfeindliche Einstellungen werden immer offener, dreister und weniger versteckt gezeigt.“ Außerdem sei Antisemitismus vor allem eine Welterklärungsstrategie, die sich nicht nur in physischen Gewalttaten äußere: „Große Sorge bereitet uns deshalb vor allem jener Antisemitismus, der in der Mitte der Gesellschaft stattfindet.“

Dem Expertenbericht im Auftrag des Bundestages zu Folge stellte man bei etwa einem Fünftel der Bevölkerung einen latenten Antisemitismus fest. Es wird auch von dem sog. „sekundäre Antisemitismus“ gesprochen, also die Relativierung des Holocausts und Judenfeindlichkeit in Reaktion auf den Holocaust – bei knapp 24 Prozent der Deutschen verbreitet.

klassischer und moderner Judenhass

„Neben den „klassischen“ antisemitischen Vorwürfen“ – Juden besäßen zu viel Einfluss oder seien wegen ihres eigenen Verhaltens selbst „schuld“ an ihrer Verfolgung – spielen laut Experten mittlerweile andere Mutmaßungen und Vorwürfe eine viel stärkere Rolle: beispielsweise der Vorwurf, Juden zögen Vorteile aus dem Holocaust oder nutzten ihn für ihre Zwecke zulasten deutscher Belange aus.

Viel offener werde auch eine mit Antisemitismus aufgeladene Kritik an Israel artikuliert. Dabei sei Judenfeindlichkeit zwar besonders unter älteren und weniger gut qualifizierten Menschen verbreitet. Doch mittlerweile seien auch über alle Bevölkerungsgruppen hinweg antisemitische Einstellungen präsent, stellt die Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft fest.
Dieser Einschätzung schließt sich Riebe von der Antonio-Stiftung an: „Wer versucht, Antisemitismus nur den bildungsfernen Schichten oder politisch linken, rechten oder migrantischen Milieus zuzuordnen, verschließt die Augen davor, dass judenfeindliche Einstellungen in allen Gesellschaftsschichten immer weniger zurückhaltend gezeigt werden.“

warum ist das so?

„Warum das so ist, darüber lässt sich nur spekulieren. Vor allem in Debatten über den Nahost-Konflikt würden antisemitische Klischees oft unkritisch verbreitet“, sagt Melzer von der Ebert-Stiftung. Mit zunehmend zeitlichem Abstand zum Holocaust hätten zudem manche Menschen auch das Gefühl, judenfeindliche Einstellungen offener ausdrücken zu können.“

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