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die Quellen der germanischen Mythologie

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Da du lebtest, lebte auch ich,
Da hättest du gerne gefangen mich.
Nun bist du tot, nun hast du mich,
Und daß ich sterbe, was hilft es dich?“

Über dem Beginn der griechischen Geschichte steht wie ein Morgenrot die homerische Poesie.

Hellenische und asiatische Fürsten verlassen ihre schimmernden Stadtpaläste, um zehn Jahre hindurch auf dem Gefilde zwischen dem schiffbedeckten Gestade, Priams hoher Feste und dem waldigen Idagebirge um schöne Weiber, Waffen, Schätze und Ruhm mit einander zu ringen. Dann fahren sie von Trojas rauchenden Trümmern in ihren dunklen Schiffen heim, manche von Insel zu Insel, von einem Abenteuer zum andern verschlagen, bis in die Tiefe des Hades hinab. Über alles ragt der Berg Olympos, auf dessen Gipfel unter Vater Zeus Lenkung die glanzvolle Götterfamilie wohnt, ewig und selig und doch oft von Liebe und Haß unter sich entzweit und in Liebe und Haß dem Treiben der Sterblichen dort unten zugewandt. So schwingen sie sich denn auch hilfreich oder verderblich zu ihnen herab oder empfangen droben den Fettdampf ihrer reichen Schlachtopfer oder die Gebete, die aus einfachen Tempeln zu ihnen aufsteigen. Auf einer nicht weiten und fest umrissenen Bühne, den Wogen und Inseln und Küsten des östlichen Mittelmeers, bewegen sich diese Menschen und diese Götter, nach Alter und Geschlecht, Geburt und Schicksal, Wuchs und Gemüt, Rang und Beruf scharf von einander geschieden. Ihre klare, milde, freie Schönheit, die reife und doch so frische Frucht einer langen Kultur, erquickt uns fremde Ungläubige noch heute, und ihr phantastisches Bild schwebt noch heute uns vor Augen wie eine zwar zerronnene, einst aber lebendig gewesene Wirklichkeit.

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Deutsche Mythologie – Der Mütter- und Matronenkultus

Textübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Wie jeder einzelne seinen Schutzgeist hatte, wie das Haus und die Flur unter dem Walten besonderer Mächte stand, so ward auch das Dorf, der Gau, die ganze Heimat der Obhut schützender Geister empfohlen. Mütterlichen Schutzgottheiten war bei den Angelsachsen die Zeit der Zwölften geweiht, die von Weihnachten bis Dreikönig fällt (Beda, De temp. rat. 15); „Nacht der Mütter“ (modra niht) hieß man sie und glaubte, daß die Seelen verstorbener einflußreicher, weiser Frauen daun segnend durch die Lande zogen. Gewiß war damit auch die Vorstellung gewaltiger Schicksalsfrauen verbunden. Aber erst durch fremden, gallischen Einfluß wurden diese Gestalten des Seelenglaubens im westlichen Deutschland zu dem Range von Gottheiten erhoben, ohne die eigentlichen Landesgötter zu verdrängen.

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Deutsche Mythologie – Die Göttinnen – Nehalennia

Textübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Von einer Göttin Nehalennia weiß man erst wieder seit dem 5. Januar 1647. Heftige Ost- und Nordostwinde tobten an der batavischen Insel Walcheren (an der Scheldemündung) und legten bloß, was Jahrhunderte lang unter dem Dünensande verborgen gewesen war. Beim Eintritt der Ebbe erblickten die Bewohner von Doomburg, einem Städtchen an der Nord Westküste, 45 Trümmer von Säulen, Altären und Statuen mit Inschriften und Darstellungen. Aus ihnen ging hervor, daß man die Reste eines Tempels der Nehalennia vor sich hatte. Von diesen Denksteinen sind 22 noch heute erhalten, die übrigen bei einem Brande verloren gegangen. Im Herbst 1870 wurde abermals bei Doomburg aus dem Flugsande des Strandes ein Altar der Nehalennia ans Tageslicht getrieben.

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Deutsche Mythologie – Der Kultus – Der Götterdienst im Staatsverbande

Textübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Unter freiem Himmel oder unter dem Schutze eines großen heiligen Baumes tagte die Landgemeinde. Das germ. Wort Thing bezeichnet die öffentliche Versammlung, die Gerichtsstätte war zugleich Opferstätte und stand unter dem Schutze der Götter, vor allem des Tius, der darum den Beinamen Thingsus führte (S. 209), aber auch des Donar und Wodan. Die Land gemeinde ist zugleich Heeresversammlung und dient zur Musterung der waffenfähigen Schar (Caesar, b. g. 6S5; Tac. Germ. 11. 13. 22; Hist. 464). Sie entscheidet über Ackerverteilung, Krieg und Frieden, über Verbrechen, durch die man sich den ganzen Stamm und seine Götter zu Feinden macht, über Landesverrat, Übergang zum Feinde und Feigheit, Die Gerichtsstätte war von der Umgebung durch einfriedende Haseln ausgeschieden. Die Hasel war dem Gott des Waffen- und Rechtsstreites Tius heilig, mit ihr wurde der zur Walstatt wie zum Thing bestimmte Platz eingehegt. Die Haselung war das äußere Zeichen der Weihung des Feldes, der Übergabe in den Schutz des großen Himmelsgottes. Die Stecken wurden durch heilige Bänder verbunden, und der Priester vollzog dann die Heiligung der Stätte.

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