vier Tage, um einen kalten Krieg zu erklären – voltairenet

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Obwohl es die viertgrößte Armee der Welt besitzt, kann das Vereinigte Königreich Russland ohne Verbündete nicht herausfordern. Es muss also einen casus belli erfinden und seine Partner so aufwiegeln, dass sie sich mit ihm gemeinsam exponieren.

Die gerade zu Ende gegangene Woche war außerordentlich reich an Ereignissen. Aber keinem Medium ist es gelungen, darüber zu berichten, weil alle absichtlich einige der Ereignisse verschleiert haben, um die von ihren Regierungen dazu abgegebene Narrative zu decken. London hat versucht, einen großen Konflikt zu provozieren, hat aber gegenüber Russland, Präsident Trump und Syrien verloren.

Die britische Regierung und manche ihrer Verbündeten, einschließlich des Außenministers (Secretary of State) Rex Tillerson, haben versucht, einen kalten Krieg gegen Russland zu starten.

Ihr Plan war, einerseits einen Anschlag gegen einen ehemaligen Doppelagenten in Salisbury und andererseits einen chemischen Angriff gegen die „moderaten Rebellen ’’ in Ghuta zu inszenieren. Die Verschwörer wollten das Bemühen Syriens, die Vororte der Hauptstadt zu befreien, und die Unordnung in Russland anlässlich der Präsidentschaftswahlen, ausnutzen. Nach diesen Manipulationen hätte das Vereinigte Königreich die USA angespornt, Damaskus, einschließlich des syrischen Präsidentenpalasts zu bombardieren und die Generalversammlung der Vereinten Nationen ersucht, Russland aus dem Sicherheitsrat auszuschließen.

Allerdings haben die syrischen und russischen Geheimdienste Wind davon bekommen. Sie waren überzeugt, dass die US-Agenten, die einen chemischen Angriff von Ghuta aus gegen Ghuta planten, nicht vom Pentagon abhingen, sondern von einer anderen US-Agentur.

In Damaskus hat der stellvertretende Minister für auswärtige Angelegenheiten, Faisal Makadad, in höchster Eile am 10. März eine Pressekonferenz einberufen, um seine Mitbürger zu alarmieren. Moskau hat seinerseits zunächst versucht, Washington auf diplomatischem Wege zu kontaktieren. Aber da Moskau wusste, dass der US-Botschafter, Jon Huntsman Jr., Direktor von Caterpillar, die Dschihadisten mit Maschinen zum Tunnelbau und zur Errichtung ihrer Befestigungen versorgt hatte, versuchte Moskau, die normalen diplomatischen Kanäle zu umgehen.

Hier also die Darstellung, wie die Ereignisse miteinander verkettet sind:

12. März 2018

Die syrische Armee beschlagnahmt zwei chemische Waffen-Laboratorien, das erste am 12. März in Aftris und das zweite, am nächsten Tag in Chifonya. Inzwischen ermutigt die russische Diplomatie die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW), die kriminalpolizeiliche Untersuchung von Salisbury zu beginnen.

Der britische Premierminister, Theresa May, beschuldigt im Parlament Russland grob, den Anschlag von Salisbury in Auftrag gegeben zu haben. Ihrer Meinung nach seien der ehemalige Doppelagent Sergei Skripal und seine Tochter mit einer militärischen Nerven-Substanz des Typs „in Russland entwickelt“ und mit dem Namen „Novitschok“ vergiftet worden. Wissend, dass der Kreml seine zum Feind übergelaufenen Bürger für ein legitimes Ziel hält, sei es also sehr wahrscheinlich, dass er das Verbrechen in Auftrag gegeben habe.

Das Novitschok ist durch das bekannt, was zwei sowjetische Persönlichkeiten, Lew Fjodorow und Vil Mirzayonov darüber offenbart haben. Der Wissenschaftler Fjodorow veröffentlichte im Juli 1992 einen Artikel in der russischen Wochenzeitung Top Secret (Совершенно секретно), in dem er auf die extreme Gefahr dieses Produktes aufmerksam machte und gleichzeitig vor der Nutzung der alten sowjetischen Waffen durch den Westen warnte, die Umwelt in Russland zu zerstören und das Land unbewohnbar zu machen. Im Oktober 1992 veröffentlichte er einen zweiten Artikel in den Nachrichten von Moskau (Московские новости) mit einem Chef der Spionageabwehr, Mirzayonov, in dem er die Korruption mancher Generäle und den von ihnen begangenen Handel mit Novitschok anprangerte. Sie wussten nicht, wem sie es hätten verkaufen können. Mirzayonov wurde zunächst wegen Hochverrats verhaftet und dann freigestellt. Wenn Fjodorow auch in Russland im August letzten Jahres starb, lebt Mirzayonov im Exil in den USA, wo er mit dem Verteidigungsministerium kollaboriert.

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Der ehemalige russische Spionageabwehr Offizier Vil Mirzayonov ist in die Vereinigten Staaten übergelaufen. Mit 83 kommentiert er den Fall Skripal aus Boston.

Das Nervengift Novitschok wurde in einem sowjetischen Labor in Nurus, im heutigen Usbekistan hergestellt. Nach der Auflösung der Sowjetunion wurde es von einem US-Spezialisten-Team zerstört. Usbekistan und die Vereinigten Staaten haben daher notwendigerweise Proben dieser Substanz besessen und studiert. Sie sind beide fähig sie herzustellen.

Der britische Minister für auswärtige Angelegenheiten, Boris Johnson, hat den russischen Botschafter in London, Alexandre Yakovenko, einbestellen lassen. Er stellt ihm ein Ultimatum von 36 Stunden, um zu überprüfen, ob bei den Novitschok-Beständen etwas fehlt. Der Botschafter antwortet ihm, dass nichts fehlt, weil Russland alle von der Sowjetunion geerbten chemischen Waffen zerstört hat und die OPCW dazu einen Bericht erstellt hat.

Nach einem Telefongespräch mit Boris Johnson verurteilt auch der US Außenminister, Rex Tillerson, Russland für den Anschlag in Salisbury.

Unterdessen findet im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine Debatte über die Situation in Ghuta statt. Die permanente US-Vertreterin, Nikki Haley, erklärt dort: „Fast vor einem Jahr, nach dem Sarin Gasangriff in Khan Schaykhun durch das syrische Regime, hatten die Vereinigten Staaten den Rat gewarnt. Wir haben gesagt, dass angesichts der systematischen Untätigkeit der internationalen Gemeinschaft, Staaten manchmal gezwungen sind, selbst zu handeln. Der Sicherheitsrat hat nicht gehandelt, und die USA haben die Air Base, von der aus Al-Assad seinen Angriff mit chemischen Waffen durchgeführt hat, beschossen. Wir wiederholen die gleiche Warnung heute.“

Die russischen Geheimdienste lassen Dokumente des amerikanischen Generalstabes umlaufen. Sie zeigen, dass das Pentagon bereit ist, den Präsidentenpalast und die syrischen Ministerien zu bombardieren, nach dem Vorbild der Einnahme von Bagdad (3-12 April 2003).

Beim Kommentieren der Erklärung von Nikki Haley enthüllt der russische Minister für auswärtige Angelegenheiten, welcher den Fall von Khan Schaykhun immer als „westliche Manipulation“ gekennzeichnet hat, dass die falschen Informationen, die das Weiße Haus zu der Zeit in die Irre geführt und zur Bombardierung der Basis von Al-Schayrat geführt haben, aus einem britischen Labor kamen, das nie angegeben hat, woher es seine Proben hatte.

13. März 2018

Das russische Außenministerium veröffentlicht eine Pressemitteilung, die eine mögliche US-Militärintervention verurteilt und die ankündigt, dass Moskau in angemessener Weise antworten würde, falls russische Staatsbürger in Damaskus betroffen wären; der russische Präsident ist nämlich verfassungsrechtlich für die Sicherheit seiner Bürger verantwortlich.

Offizielle diplomatische Kanäle umgehend, wendet sich der Leiter des russischen Generalstabs, General Valeri Gerassimow, an seinen amerikanischen Amtskollegen, General Joseph Dunford, um ihn über seine Angst vor einem chemischen Angriff unter falscher Flagge in Ghuta zu informieren. Dunford nimmt die Sache sehr ernst und alarmiert den US-Verteidigungsminister, General Jim Mattis, welcher Präsident Donald Trump informiert. Angesichts der Überzeugung der Russen, dass es sich um einen hinterhältigen Anschlag ohne Wissen des Pentagons handle, beauftragt das Weiße Haus Mike Pompeo, Direktor der CIA, die Verantwortlichen dieses Komplotts zu identifizieren.

Wir kennen das Ergebnis dieser internen Untersuchung nicht, aber Präsident Trump hat die Überzeugung gewonnen, dass sein Staatssekretär, Rex Tillerson, daran beteiligt war. Er wird sofort angewiesen, seine offizielle Afrikareise zu unterbrechen und zurück nach Washington zu kommen.

Theresa May schreibt an den Generalsekretär der Vereinten Nationen, um Russland zu beschuldigen, den Anschlag von Salisbury bestellt zu haben und um eine Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats einzuberufen. Ohne zu zögern weist sie 23 russische Diplomaten aus.

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