die Hallo-Mädchen

aus dem Kunstmuseum Hamburg


Der Telephonbetrieb beschäftigt heute tausende und abertausende von Frauen und Mädchen, die unter dem Namen ‘Telephone operators“ bekannt sind. Der Zudrang zu diesem Erwerbszweig ist wohl einerseits auf die günstige Arbeitseinteilung, die dort vorherrscht, zurückzuführen; andererseits jedenfalls auch auf die Tatsache, dass die Telephonbeamtinnen gut behandelt und gut bezahlt werden.

Der Beruf der Telephongehilfin wird von vielen eine „ideale Beschäftigung für das weibliche Geschlecht“ genannt. Und nicht mit Unrecht. Zunächst wird, wie bereits eingangs erwähnt wurde, die Telephonbeamtin gut bezahlt und ihr Avancement steht ausser Zweifel. Obzwar sie eine besondere Lehrzeit für ihre Berufsarbeit durchzumachen hat, erhält sie diesen Unterricht gratis, und ausserdem wird ihr während der Lehrperiode ein gutes Salär bezahlt. Der Unterricht wird ihr von kompetenten und rücksichtsvollen Personen erteilt, die ihr die ersten Schritte auf dem neuen Lebenswege anziehend und interessant zu gestalten verstehen.


Nachdem das junge Fräulein ihre kurze Lehrperiode beendet, wird ihr Salär von Fall zu Fall erhöht, wenn Arbeitsleistung und Benehmen befriedigen, und innerhalb einer verhältnismässig kurzen Zeit erhält sie eine mehr als anständige Entlohnung, die für ihren Lebensunterhalt ausreicht.

Was sind nun ihre Aussichten auf Verbesserung?

Die Mehrzahl der Telephonbeamtinnen haben eine geradezu vorzügliche Chance für Beförderung zu höheren Stellungen in den Centralbüros. Es gibt da viele Aufsichts- und Exekutivstellungen, mit denen höhere Saläre verknüpft sind, und die sämtlich aus den Reihen der Gehilfinnen oder Apparatbeamtinnen gefüllt werden. Und da sich der Betrieb immer mehr ausdehnt, wächst auch die Zahl dieser besseren Stellungen, so dass eine beständige Nachfrage nach kompetenten und vorwärts strebenden jungen Damen mit Führereigenschaften vorhanden ist.

Ist die Anstellung dauernd?

Es ist in der Geschichte der Gesellschaft selten vorgekommen, dass Telephongehilfinnen auch nur temporär wegen Mangel an Arbeit entlassen wurden. Solange eine Angestellte des Centralbüros eine gute Führung an den Tag legt und ihre Arbeit ordentlich tut, ist ihre Stellung gesichert Und das bezieht sich auf alle Rangordnungen. Die Gesellschaft weist unter ihren Angestellten mit berechtigtem Stolz auf eine grosse Zahl tüchtiger Flauen reiferen Alters und Erfahrung, die ohne Ausnahme aus den untersten Stellungen hervorgegangen und heute verantwortliche Stellungen — Vertrauensstellungen — inne haben.


Die Telephonistin arbeitet in einer angenehmen, kongenialen Atmosphäre. Die Centralbüros sind geräumig, hell und gut ventiliert. Ueberall peinlichste Sauberkeit. Die Stühle, die von den Gehilfinnen am Umschalterbrett benutzt werden, sind eigens so gebaut, dass sie den höchsten Grad von Komfort liefern.

Wenn die Telephonistin dienstfrei ist, steht ihr ein behagliches Erholungs- und Ruhezimmer zur Verfügung, wo sie lesen oder sich nach Herzenslust unterhalten kann. Zeitungen und Zeitschriften liegen da auf, und bequeme und attraktive Möbel gestalten ihre Ruhepausen zu einer äusserst genussreichen und gründlichen Erholung. Daneben gibt´s ein einladendes Speisezimmer, woselbst die Gesellschaft nahrhafte und gut zubereitete Speisen zum tatsächlichen Kostenpreise verabreicht. Allenthalben macht sich das Interesse fühlbar, das die Gesellschaft an dem Wohlbefinden der Angestellten nimmt. Die Gesundheit der letzteren wird durch den Ausschluss aller mit körperlichen Leiden behafteter Personen geschützt, falls diese Leiden die Gesundheit der übrigen Angestellten gefährden könnten.

Ein äusserst wichtiger und wünschenswerter Vorzug des Telephondienstes, ein Vorzug, der nicht hoch genug angeschlagen werden kann, namentlich mit Rücksicht auf die jüngeren Mädchen, ist das absolute Freisein von unliebsamen Einflüssen. Die Telephongehilfin steht unter der unmittelbaren Aufsicht von Frauen und geniesst allen möglichen Schutz während ihres Aufenthaltes im Telephongebäude. Sie hat keine Gelegenheit, mit dem Publikum in persönlichen Kontakt zu kommen; ihre Gefährtinnen im Betrieb sind gesunde, intelligente junge Mädchen, mit denen sie bald zu ihrem eigenen Vorteile enge Freundschaft schliessen mag — mit einem Wort, die ganze Atmosphäre, in der sie arbeitet, ist geläutert und gesund.


Die Arbeit selbst ist für sie gerade so interessant wie sie für das Publikum wichtig ist. Sie schliesst all die Elemente in sich, die sie zufrieden, froh und interessiert erhalten. Sie ist grundverschieden von der Fabrikarbeit, wo sie den ganzen Tag über neben einer seelenlosen Maschine stehen müsste. Keine monotone widerwärtige Arbeit, keine trockene Buchführung. Keine unangenehme oder mühsame Handarbeit, die ihre Kräfte überbürden würde. Es ist ein angenehmer öffentlicher Dienst, wo jeder Augenblick mit Interesse und ewig regem und wechselndem Leben angefüllt ist.

Was für Qualifikationen muss nun die angehende Telephonistin besitzen?

Nur geweckte, intelligente, sich selbst achtende Mädchen von gutem Charakter und Ruf werden ausgewählt. Die besten Referenzen werden verlangt. Applikantinnen müssen zum mindesten die Elementarschule oder deren Aequivalent absolviert haben. Sie müssen gesund sein und dürfen nicht beim Sprechen anstossen oder bei ihrer Aussprache eine fremdländische Klangfärbung verraten. Mit anderen Worten: Normale amerikanische Mädchen, die ihre Arbeit ernstnehmen und zuverlässig sind.

Bildverzeichnis:
New York-Telephon-Zentrale
New York-Telephon-Zentrale-Speisesall
New York-Telephon-Unterricht
New York-Telephon-Erholungsraum

Siehe auch:
Wir Deutsch-Amerikaner
Deutsch-Amerika
Die Deutsch-Amerikaner und das Kaiserreich
Wie das alte Österreich starb
Wie das alte Österreich starb II
Die Deutschen in Amerika
Die Deutschen in Amerika II
Eine Audienz bei Richard II. (Richard Strauss)
Die Lüge als Fundament
„Deutsch-Amerikas“ Mission
Schundromane auf dem Scheiterhaufen
Lincoln und das deutsche Element
Die Geschichte der Revolution
Der Aufbau Palästinas
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Vaterland vor der Wiedergeburt
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