Yamato

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Yamato ist der Name einer japanischen Landschaft. Da aus diesem Raum hervorragende japanische Soldaten hervor gegangen sind, ist der Name Yamato ein Sinnbild für Tapferkeit und Pflichterfüllung geworden. Nichts läßt sich von einem fremden Volk auf das eigene übertragen. Aber lernen können wir aus dem japanischen Beispiel, wie Tapferkeit und Mut im religiösen Grundgefühl wurzeln.

Es geschah im Jahre 1932 westlicher Zeitrechnung, daß ein japanischer Major, bei den Kämpfen um Schanghai schwer verwundet, die Besinnung verlor und so das Unglück hatte, in die Hände des Feindes zu fallen. Durch die vorrückenden japanischen Truppen wurde er hernach wieder befreit und zurückgeführt. Eines Tages war in der Presse zu lesen, daß der Major gerade auf dem Schauplatz der Kämpfe, in deren Verlauf er gefangengenommen worden war, sich den Freitod gegeben hatte.

Was vermittelt uns dieses Vorkommnis? — Nur weil er verwundet und besinnungslos lag, war der Offizier gefangengenommen worden; war das eine Schande für einen Krieger? Warum bereitete er seinem Leben ein Ende, statt sich weiter für das Vaterland einzusetzen und ihm mit seinen Kenntnissen, seiner Erfahrung, seinem Mut und seinem Geist zu dienen? — Nur aus dem Yamato-Geist her, jenem Geist des japanischen Menschen, ist seine Handlungsweise zu erklären.

In den Sagas im westlichen Japan ist die Tradition des kraftvollen Rittergeistes ganz besonders lebendig geblieben: die Grundlage für die Geisteserziehung des Saga-Ritters ist in dem Buch „Hagakure“, einem Werk über die ritterliche Moral, zu erblicken, in dem es heißt:

„Wenn du zwei Wege — Leben oder Tod — zu wählen hast, so wähle den letzteren.“

Der Major, der diese Lehre tief in sich trug, ging den Weg des Todes. Doch warum soll man den Tod suchen?

In dem Ritterkodex der japanischen Krieger von heute, „Senjinkun“ oder die Lehre im Kriegslager, heißt es:

„Lebend sollst du nicht die Schande des Gefangenen tragen; nach dem Tode sollst du nicht den schlechten Ruf von Schuld und Unheil hinterlassen.“

Von alters her gilt es in Japan als eine große Schande, in Gefangenschaft weiterzuleben; eher soll man sterben.

Es mögen im gegenwärtigen Krieg — anders als in alten Zeiten — gewisse Fälle nicht zu vermeiden sein, in denen man gefangengenommen wird; man mag durchaus der Ansicht sein, man brauche nicht unbedingt zu sterben, sobald man nur mit den hochentwickelten neuzeitlichen Waffen seine Pflicht, ja, sein Äußerstes getan hat, und man nützt seinem Lande viel mehr, indem man am Leben bleibt und seine Bestimmung — sei es im Kriege oder im Frieden — erfüllt. Eine solche Anschauung hat eine gewisse Berechtigung; der japanische Soldat indessen denkt anders: Wenn er in der Schande der Gefangenschaft weiterlebt, so bedeutet dies, daß er nicht bis zum Tode gekämpft hat, daß er noch die Möglichkeit gehabt hat, weiterzukämpfen, und er ist von tiefem Bedauern darüber erfüllt, daß er für Tenno, Vaterland und Volk nicht bis zum Tode gekämpft hat.

„Sei es zur See, wo meinen Leib das Seewasser tauft.
Sei es zu Land, wo mein Gebein in den Bergen das Moos deckt —
Allein für den großen Herrscher will ich kämpfen
Ohne einen Gedanken an mich.“

Wie dieses uralte Lied, das wir immer wieder anstimmen, zum Ausdruck bringt, ist es überhaupt nicht denkbar, daß der Soldat ins Leben zurückkehrt. — Lord Nelson sagte bei seinem Tode:

„Gott sei Dank, ich habe meine Pflicht getan“;

Der Japaner aber kämpft nicht um der Pflicht willen, sondern um sein Leben aufzuopfern. Erwin Bälz, einer der besten Kenner Japans, berichtet ein eigenes Erlebnis aus der Zeit des Russisch-Japanischen Krieges: Ein japanischer Bekannter besuchte ihn mit seinem Sohn, der am nächsten Morgen an die Front einrücken sollte. Nachdem der junge Mensch sich verabschiedet hatte, unterhielt sich Dr. Bälz mit seinem japanischen Bekannten über den Krieg; der alte Mann erzählte ihm, daß er vor vier Jahren beim Boxeraufstand den ältesten Sohn verloren hätte und nun den zweiten in den Krieg schickte. Er fuhr fort, daß sein in Ehre getragenes Familienwappen nunmehr keinen Träger mehr haben werde, da er keine weiteren Söhne habe. Bälz sagte ihm tröstend:

„Nicht alle, die zur Front gehen, sind zum Fallen bestimmt; ich glaube, Ihr Sohn wird mit großem Waffenruhm heimkehren.“

Der alte Vater schüttelte den Kopf und entgegnete:

„Nein, mein Sohn geht in den Kampf, um den Heldentod zu finden, nicht um lebend heimzukehren.“ —

Erwin Bälz stellt fest: Es war ein gelassenes Wort, wie es einem Philosophen zukommt. Diese Einstellung ist der wahre Grund, warum Japan bisher keinen Krieg verloren und auch im gegenwärtigen Krieg Großostasiens wundervolle Erfolge errungen hat. Es ist nichts anderes als eine todesmutige Tat, in den denkbar kleinsten Unterseebooten an die gewaltigen Kriegsschiffe der USA-Flotte heranzugehen und sie zu versenken. Die Selbstvernichtung der japanischen Flieger hat den Sinn, sich selbst als einen Teil der Bombenlast zu betrachten und in den Feind zu stürzen, um ihrer Bestimmung gerecht zu werden. Am 12. Dezember vorigen Jahres gab das Kaiserliche Hauptquartier bekannt, daß neun von zehn Marineflugzeugen sich selbst erfolgreich vernichtet haben. Dieser Heldengeist ist es, der das japanische Reich geschützt; dieser Heldengeist hat es der japanischen Wehrmacht bereits in den Jahren 1274 und 1281 gestattet, mit nur 50.000 Mann die weit überlegenen Mongolen, die etwa 150.000 Mann zählten, vernichtend zu schlagen und ihren furchtbaren Überfall abzuwehren. Im Chinesisch-Japanischen Krieg von 1894/95 und im Russisch-Japanischen Krieg von 1904/05 wurden die glänzenden Siege Japans eben durch diesen Geist herbeigeführt. Und auch die Soldaten, die heute im unerhört weiten Raum des Pazifiks zu Land, zur See und in der Luft kämpfen, sind alle darauf gefaßt, dem Vaterland ihr Letztes zu opfern und in die Reihen der Götter einzugehen.

Diejenigen, die einen solchen Geist als Fatalismus bezeichnen und in ihm eine sinnlose Verachtung des teuren menschlichen Lebens erblicken, sind weit entfernt davon, den japanischen Soldatengeist zu verstehen. Die kühnen Waffentaten der japanischen Soldaten sind Offenbarungen eben dieses kraftvollen Geistes, der für das Bestehen und die Ehre des Reichs, für die Gerechtigkeit und den wahren Frieden wirkt.

Es würde auch ein unverzeihlicher Irrtum sein, wollte man in diesem Geist auch nur eine Spur ursprünglicher Brutalität sehen. Die Liebe des japanischen Menschen zur Blume ist bekannt; seine Ästhetik läßt ihn jedoch nicht die Blume allein suchen, vielmehr schätzt er sie im organischen Verein mit den Blättern und Zweigen; deshalb schneidet er niemals die Blüte allein ab, sondern läßt sie an ihrem Zweig. Die japanische Zivilisation hat ihren Menschen nicht allein den hohen Opfergeist, sondern auch ein empfindsames Mitgefühl beigebracht. Dieses Mitgefühl bewährt sich in der Haltung des japanischen Soldaten gegenüber dem Feind, besonders dem gefangenen. Aus dem Mittelalter wird hierfür ein schlagender Beweis berichtet: Im Jahre 1184, im Verlauf eines erbitterten Bürgerkrieges, besiegte der hervorragende Krieger Kumagai einen Ritter aus dem feindlichen Lager, Atsumori, und nahm ihm nach der damaligen Kriegssitte den Kopf. Atsumori zählte noch nicht zwanzig Jahre, und von seinem frühen Tod erschüttert, legte Kumagai das Schwert ab, verließ den Ritterstand und wurde Priester, um als solcher sein Leben mit Gebeten für das Seelenheil des Gefallenen zu verbringen.

Im vergangenen Weltkrieg gelangten japanische Freiwillige, die in der kanadischen Armee dienten, an der Westfront zum Einsatz; unter ihnen befand sich der Freiwillige Isomura, der bei einem Angrifff auf einen deutschen Verwundeten stieß. Der Verwundete gab durch schwache Bewegungen zu erkennen, daß er furchtbaren Durst litt, und ohne zu zögern gab ihm Isomura aus seiner Feldflasche zu trinken, in der sich noch ein letzter Rest kostbaren Wassers befand. Mittlerweile war ein britischer Soldat herangekommen, der den verwundeten Deutschen mit dem Bajonett anfiel; Isomura warf sich dazwischen und rief: „Siehst du denn nicht, daß der Mensch schwer verwundet ist?“ — „Ach was“, entgegnete der Brite, „verwundet oder nicht verwundet — jeder Feind mehr, der getötet wird, ist für uns ein Gewinn.“ — „Wo ist denn deine christliche Nächstenliebe?“ „Die habe ich zu Hause gelassen, als ich in den Krieg zog“, entgegnete der Brite.

Ebenfalls im Weltkrieg hört der japanische Freiwillige Morooka einen blutjungen Gegner, den er mit dem Bajonett angriff, „Mutter!“ rufen. Als er das Wort hörte, das ihm bekannt war, konnte er nicht zum zweitenmal mit dem Bajonett gegen den Feind stoßen, und dieser soll auf diese Weise, wenngleich verwundet, gerettet worden und später in die Heimat zurückgekehrt sein.

Die Japaner halten es zwar für unter ihrer Würde, gefangengenommen zu werden, doch haben sie ein tiefes Mitgefühl für die Gefangenen, die sie selbst machen. Im Laufe des russisch-japanischen Krieges kamen viele Russen als Gefangene nach Japan, und keiner unter ihnen wird sich wohl ohne Dankbarkeit der großzügigen Behandlung erinnert haben, die ihm in Japan zuteil wurde. Eine solche Haltung gegenüber dem verwundeten Feind gilt in Japan seit alters als Tugend. Aus der Geschichte geht deutlich hervor, daß die am Mongoleneinfall beteiligten feindlichen Koreaner, die in japanische Hand fielen und keiner besonderen Behandlung wert waren, eine menschenfreundliche Aufnahme gefunden haben; der Kaiser von Korea hat sich sogar veranlaßt gesehen, der japanischen Regierung in einem Schreiben seinen Dank für eine solche Behandlung zum Ausdruck zu bringen. Hierbei ist zu bedenken, daß es sich beim Mongoleneinfall um eine denkbar gefährliche Bedrohung Japans und seines Volkes gehandelt hat. Im Russisch-Japanischen Krieg fiel der I. Division und der II. japanischen Armee die Fürsorge für die ersten russischen Gefangenen zu; es wurde eine Besichtigung der Gefangenen befohlen, die den Zweck hatte, die japanischen Soldaten mit den Uniformen, Kennzeichen und Merkmalen des Gegners vertraut zu machen. Eine Anzahl Mannschaften einer bestimmten Kompanie stellte sich bei der Besichtigung jedoch nicht ein, und als Grund hierfür wurde folgende Überlegung festgestellt: Es ist eine Schande, als Soldat gefangengenommen zu werden, und es ist unerträglich, als Gefangener das Gesicht dem Feinde zeigen zu müssen; der Samurai begreift die Gefühle des Samurai und erspart ihm diese Demütigung. — Aus diesem Grunde nahmen die Soldaten an der Besichtigung der russischen Gefangenen nicht teil. — Die feindlichen Offiziere, die den Befehl gaben, alle Japaner, selbst die gefangenen, zu töten, dürften die Haltung der japanischen Soldaten nicht verstanden haben.

Auf einem der Schauplätze des gegenwärtigen Krieges Großostasiens, den Philippinen, wurde Anfang Januar eine Anzahl japanischer Zivilisten von den USA-Truppen niedergemetzelt; in der Geschichte Japans kommen solche Greueltaten nicht vor.

Die Japaner kämpfen heute für das Vaterland und für alle Völker Großostasiens, sie kämpfen einen opfervollen, schweren Kampf, in dem sie an sich selbst die härtesten Anforderungen stellen; nichtsdestoweniger haben sie tiefes Mitgefühl für die Mitmenschen, und aus diesem Umstand werden im Verlauf der Kämpfe zahlreiche bezeichnende und rührende Vorkommnisse entstehen, die in die Geschichte des Krieges eingehen und dort ihrerseits Zeugnis ablegen werden für den Geist Japans, den Yamato Tamashii.

Kazuichi Miura.

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