wohin im Bezirk Potsdam?

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Siehe auch Potsdam im Bild

Lieber Gast unseres Bezirkes!

Der Bezirksausschuß für Tourismus beim Rat des Bezirkes Potsdam hat sich unter anderem zur Aufgabe gestellt, Ihnen, lieber Gast des Bezirkes, den Bezirk in all seiner Breite und Vielfalt vorzustellen.

Die vorliegende Informationsschrift soll Ihre Reisefreude wecken, Sie über traditionsreiche sehenswerte Stätten informieren und durch altehrwürdige Städte führen. Wir stellen Ihnen mit der Broschüre „Wohin im Bezirk Potsdam?“ Nr. 3, die Sie eben erworben haben, die Kreise Königs Wusterhausen, Zossen und Jüterbog vor.

Blättern Sie um, und Sie werden erkennen, was Ihnen bisher unbekannt war und verborgen blieb. Zweifellos wird diese Schrift Ihr Interesse anregen, und Sie kommen zu der Überzeugung, ein Besuch der vorgesteilten Kreise lohnt sich. An Ort und Stelle werden Sie sehen und hören, wie die Werktätigen unserer Republik, geführt von der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei, der SED, arbeiten, lernen und leben.

Sie werden die großartigen Errungenschaften der Wissenschaft und Technik, neue Betriebe der Industrie und Landwirtschaft, moderne Wohnbauten, Schulen, Kindergärten, Kliniken, Kulturhäuser und Sportstätten sowie Erholungszentren kennenlernen, sich mit den Traditionen der deutschen Arbeiterklasse vertraut machen und die historische Bedeutung des Sieges der Sowjetarmee über den deutschen Faschismus verstehen lernen.

Sollten Sie die Absicht haben, weitere Kreise unseres Bezirkes kennenzulernen, dann empfehlen wir Ihnen die beiden erschienenen Broschüren „Wohin im Bezirk Potsdam?“ Nr. 1 und Nr. 2.

Wir sind ständig bemüht, Ihnen Ihre Wünsche zu erfüllen, und hoffen, daß wir mit unserer kleinen Schrift mit dazu beitragen, Ihnen Anregung für Ihren Aufenthalt in unserem Bezirk zu geben, und hoffen, daß die beim Besuch gewonnenen Eindrücke und die gesammelten Erfahrungen tiefe Eindrücke bei Ihnen hinterlassen.

Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Aufenthalt.

Bezirksausschuß für Tourismus beim Rat des Bezirkes Potsdam.
Kreis Königs Wusterhausen.

Kreis Königs Wusterhausen

Der Kreis Königs Wusterhausen ist mit etwa 4048 Hektar Seen und Gewässern und 47000 Hektar Wäldern und Holzungen ein ideales Erholungsgebiet. Etwa 55000 Erholungssuchende halten sich während der Sommermonate täglich in den Erholungsgebieten des Kreises auf. Darunter findet man sehr viele Berliner, die den Kreis Königs Wusterhausen auf Grund der reizvollen Landschaft und der verkehrsgünstigen Lage zur Hauptstadt sowohl für den Urlaub als auch für die Wochenenderholung bevorzugen. Viele Pionierlager und betriebliche Kinderferieneinrichtungen unterstreichen auch die Bedeutung des Kreises und seiner sehr schönen Seen für die Kinderferiengestaltung.

Ein weiteres Kennzeichen des Kreises Königs Wusterhausen, von dessen 56 Gemeinden nur wenige ohne Urlauber bleiben, ist das dichte Verkehrsnetz. Motorisierte Urlauber sollten sich dies zunutze machen und eine Fahrt durch die Erholungsgebiete des Kreises unternehmen.

Dazu benutzen Sie ab Michendorf den Berliner Ring der Autobahn. Am Schönefelder Kreuz biegen Sie auf die Autobahn Richtung Dresden ab und durchfahren so den Kreis von Norden nach Süden. Wer schnell zur idyllischen Kreisstadt mit ihren fast 11000 Einwohnern gelangen will, der bleibt auf dem Berliner Ring bis zur Abfahrt Königs Wusterhausen.


Dabei brauchen die Kraftfahrer nicht so sehr auf die Ortsschilder zu achten, denn schon von weitem werden sie darauf aufmerksam gemacht, daß sie bald am Ziel sind. Die Antennenmasten auf dem Funkerberg sind das weithin sichtbare Wahrzeichen der Kreisstadt. 1920 wurde von hier erstmalig eine deutsche Rundfunksendung ausgestrahlt. Heute sendet von Königs Wusterhausen die „Stimme der DDR“ ihre Programme in alle Welt. Auf diese Einrichtung ist es u. a. zurückzuführen, daß hier nach der Bezirksstadt Potsdam die meisten Beschäftigten im Post- und Fernmeldewesen zu registrieren sind.

Sehr bekannt wurde die Stadt in jüngster Zeit durch das Kombinat für industrielle Mast (KIM). Mit diesem Betrieb wurden Maßstäbe für die effektive industrielle Tierproduktion gesetzt. Vom KIM Königs Wusterhausen werden große Teile Berlins und die umliegenden Kreise mit hochwertigem eiweißhaltigem und kalorienarmem Geflügelfleisch versorgt. Die Tagesproduktion beträgt 27 t Fleisch und 450.000 Eier. Hinzufügen muß man, daß der seit 1969 produzierende Betrieb wesentlichen Anteil an der Errichtung weiterer industrieller Mastkombinate sowie an der Erarbeitung neuer Technologien hat.

Königs Wusterhausen, in dem u. a. die einzige Oberschule für Blinde und Sehgeschädigte unserer Republik ihren Sitz hat, ist eine wasserreiche Stadt. Ihre Einwohner finden ebenso wie viele Touristen immer wieder den Weg zur Neuen Mühle, jenem schönen Stadtteil, dem der Volksmund, begründet durch die vielen Wasserarme genau wie in Rangsdorf (Kreis Zossen), den Namen ,,Klein Venedig“ gegeben hat.

Die Großgaststätte „Neue Mühle“ bietet Speise und Trank in diesem malerischen Gebiet. Die alte Schleuse (errichtet 1869) ist mit ihrer Zugbrücke für jeden ein interessanter Blickfang. Bereits 1739 wurden hier mit einer Schleusenkammer aus Holz Kähne auf die Dahme geschleust. Ebenso wie die Havel im Gebiet um Potsdam verbindet die Dahme eine Anzahl von Seen des Kreises Königs Wusterhausen.

Wanderziele in der Nähe der Stadt sind der Krebssee, der Tiergarten und das Husareneck. Besonders zu empfehlen ist ein Aufenthalt in der beliebten HO-Gaststätte ..Seeschlößchen“ unmittelbar am Krüpelsee, in deren Nähe sich auch das Freibad befindet.

Nicht nur der motorisierte Tourist hat die Möglichkeit, schnell nach Königs Wusterhausen zu kommen. Gut erreichbar ist die Kreisstadt auch mit der S-Bahn aus Berlin oder von Potsdam mit dem Sputnik bis Zentralflughafen Berlin-Schönefeld und von hier mit der S-Bahn über Adlershof-Grünau.

Vom Bahnhof Königs Wusterhausen erreicht man in wenigen Minuten – auch eine Wanderung am Nottekanal ist sehr idyllisch – das Stadtzentrum mit dem ehemaligen Jagdschloß, in dem jetzt der Rat des Kreises seinen Sitz hat.

Wenige Kilometer nördlich der Kreisstadt liegt die Industriegemeinde Wildau mit dem bekannten VEB Schwermaschinenbau „Heinrich Rau“, dem bedeutendsten Industriebetrieb des Kreises. Die von hier in viele Länder zu liefernden Maschinen und Ausrüstungen werden heute dank umfangreichen Rationalisierungsmaßnahmen – so u. a. in der Gesenkschmiede – mit weniger manueller Arbeit und höherer Produktivität und Effektivität hergestellt.

Aber auch die Werktätigen des Kalksandsteinwerkes im nahegelegenen Niederlehme haben einen guten Ruf im Bezirk, besonders durch ihre Initiativen zur zusätzlichen Herstellung von Baustoffen, speziell für die Errichtung von Eigenheimen.

Unmittelbar nördlich von Niederlehme liegt der Ortsteil Ziegenhals direkt am Crossinsee mit der bedeutenden Ernst-Thälmann-Gedenkstätte. Im damaligen Sporthaus Niederlehme-Ziegenhals tagte am 7. Februar 1933 das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Deutschlands unter Vorsitz von Ernst Thälmann, bei der er die nächsten Aufgaben unter der hereinbrechenden Diktatur des Hitlerfaschismus darlegte. Durch sehr gründlich getroffene Sicherheitsvorkehrungcn gelang es damals allen beteiligten Genossen, nach ungestörtem Verlauf der Beratung Berlin sicher wieder zu erreichen. Die Ernst-Thälmann-Gedenkstätte wird jährlich von vielen tausend Gästen aus dem In- und Ausland besucht.

Von hier aus gelangt man auch mit der Fähre in die westlich gegenüberliegende Gemeinde Zeuthen mit ihren etwa 9000 Einwohnern, die sich ebenso wie die Nachbarorte Eichwalde und Schulzendorf als große Wohnsiedlung mit gepflegten Häusern und Gärten präsentiert.

Mit Hilfe der S-Bahn oder einem Kraftfahrzeug, aber auch mit dem Boot erreicht man in kurzer Zeit wieder die Kreisstadt, von der aus Zugverbindungen, neben der in die Hauptstadt, in zwei Richtungen bestehen:

Nach Friedersdorf und Beeskow (Richtung Frankfurt/Oder) sowie nach Teupitz, Groß Köris und Halbe (Richtung Gottbus, Görlitz).

Der Bahnhof ist aber zugleich auch Ausgangspunkt für zahlreiche Omnibuslinien in alle Teile des Kreises.

Auf der Fahrt in südlicher Richtung kommen wir zunächst nach Zeesen, der ersten Bahnstation nach der Kreisstadt. Der Zeesener See wiederum mit seinen Nachbarseen verbunden, wird wegen seiner S-Bahn-Nähe gern von den Berlinern aufgesucht. Nur eine Station weiter südlich erreichen wir die Gemeinde Bestensee, gewissermaßen Zentrum eines Naherholungsgebietes mit vier zum Baden einladenden Seen. Bestensee ist heute Sitz eines volkseigenen Betriebes mit ausgesprochener Exportintensität, des VEB Netzbau. Seine Angler- und Fischerutensilien finden Freunde in vielen Teilen der Welt. Außerdem werden hier mit moderner Technologie die beliebten Polyurethan-Erzeugnisse in einem Betriebsteil des Möbelkombinates „Neuzera“ hergestellt.

Fährt man die F 179 nach Süden in Richtung Märkisch Buchholz, so gelangt man über Pätz in ein landschaftlich sehr reizvolles Gebiet – die Dubrow. Dieses Naturschutzgebiet ist berühmt durch seinen etwa 200 ha großen Traubeneichenwald mit etwa 300 Jahre alten Baumbeständen. Seine artenreiche Bodenflora und die besondere Fauna – man findet dort neben Waldreitgras und Salomonriegel Fischadler, Graureiher und Hirschkäfer — machte die Dubrow bekannt. Der Name dieses Gebietes erinnert an die Geschichte: Die hier ansässigen Wenden nannten die Eichen ,,dup“ – daraus wurde schließlich Dubrow. Wer hier Muße und den nötigen Blick für die Tier- und Pflanzenwelt mitbringt, wird das Gebiet mit nachhaltigen Erlebnissen verlassen. Man sollte jedoch beachten, daß dieses Naturschutzgebiet wie jedes andere auch streng geschützt ist und nur auf den Wanderwegen betreten werden darf.

Noch etwas weiter südlich, mitten im Walde, liegt die Kleinstadt Märkisch Buchholz. Wer Ruhe sowie Abgeschiedenheit liebt und ein großer Naturfreund ist, wird diesen Ort und seine malerische Umgebung bevorzugen.

Zwischen Märkisch Buchholz und dem weiter westlich gelegenen Ort Halbe verdeutlicht eine Gedenkstätte unter Kiefern die Sinnlosigkeit des zweiten Weltkrieges. Im April 1945 tobte hier die große Kesselschlacht, mit der die faschistischen Generale das sichere Ende des Hitlerregimes hinauszuzögern versuchten. Statt einer Kapitulation zogen sie es vor, Zehntausende in den sicheren Tod zu jagen. Dieses letzte Aufbegehren kurz vor Beendigung des Wahnsinnskrieges kostete 60000 Menschen das Leben. 20000, unbekannte zumeist noch blutjunge Soldaten, die damals den Befehl erhielten, Berlin zu verteidigen und die faschistische Diktatur aufrecht zu erhalten, liegen hier auf dem Halber Soldatenfriedhof. Er sollte nicht nur die letzte Ruhestätte der Opfer dieses Krieges sein, sondern zugleich Mahnung und Aufforderung, alles zu tun, daß es niemals eine Wiederholung dieser Sinnlosigkeit gibt. Auf der Rückfahrt von Halbe, wo eine bedeutende holzverarbeitende Industrie vom wirtschaftlichen Wachstum unserer Republik kündet, kommen wir schnell zu einem der größten und schönsten Erholungsgebiete des Kreises: zum Teupitzer See. Wir benutzen dazu die sehr gut beschaffene Landstraße, die die Autobahn überquert, oder fahren eine Station mit der Eisenbahn bis nach Groß Köris.

Der Teupitzer See umfaßt eine Fläche von 4,5 Quadratkilometern, ist vier Kilometer lang und weist eine Tiefe von etwa 5 Meter auf.

Hat man ein Boot zur Verfügung, kann man einen Abstecher bis zum Wolziger See unternehmen und lernt dabei eine ganze Seenkette und bekannte Erholungsorte des Kreises Königs Wusterhausen kennen. Diese Seenkette bildet der Teupitzer mit dem Schweriner, dem Köriser und dem Hölzernen See. Daran schließen sich die Schmölde und der Lange See an.

Haben wir diesen passiert, so liegt mit dem Wolziger See der größte See des Kreises Königs Wusterhausen vor uns. Er erstreckt sich über eine Fläche von 5,8 Quadratkilometern und hat eine Tiefe von rund 7 Metern. Bei diesem Abstecher lernen wir auch solche bekannten Erholungsorte wie z. B. Groß Köris, Priems, Kolberg und Wolzig kennen, die wie alle Erholungsgemeinden des Kreises dem Zweckverband ,,Dahme-Tourist“ angeboren. Dieser Zweckverband hat sich das Ziel gesetzt, die Aufgaben zur Entwicklung des Erholungswesens zu koordinieren und die Erholungsgebiete weiterzuentwickeln, um den vielseitigen Bedürfnissen der Erholungssuchenden immer besser gerecht zu werden. Nach diesem Ausflug kehren wir zurück nach Teupitz. Hier empfiehlt sich eine Rast in der Gaststätte „Schenk von Landsberg“ oder man besucht, falls man die Absicht hat, um denTeupitzer See zu wandern (3 km) bzw. Richtung Töpchin zu fahren, die Gaststätte „Tornows Idyll“. Von Töpchin ist es nicht mehr weit nach Motzen. Der Motzener See ist ein Paradies für Campingfreunde. Wie die meisten Seen des Kreises hat auch er den Vorzug für die Erholungssuchenden gegenüber anderen Niederungsseen: Seine Ufer sind sandig, und da der Boden die Feuchtigkeit schnell aufnimmt, sind Regenfälle bald vergessen.

Fahren wir weiter Richtung Norden, erreichen wir Mittenwalde. Diese Stadt liegt zwar an keinem See, aber an einem ehemals für Berlin bedeutenden Gewässer dem Nottekanal. Auf diesem Kanal, der den Mellensee bei Klausdorf im Kreis Zossen mit dem Möllenzugsee bei Niederlehme verbindet, wurden früher die Ziegel von Motzen nach Berlin transportiert. Heute verbindet sich mit dem Namen des Städtchens Mittenwalde der VEB Untergrundspeicher. Mit Hilfe erfahrener sowjetischer Spezialisten entstand ein unterirdisches Lager für gasförmige Energieträger. Zu den historischen Baulichkeiten in Mittenwalde zählt die Pfarrkirche St. Moritz aus dem 16. Jahrhundert. Lohnenswert ist ein Blick auf den spätgotischen Altar. Die Reste der alten Stadtmauer weisen auf die Geschichte der Stadt hin und sind ein schönes Motiv für den Fotofreund.

Mit den letzten Ausflugstips haben wir uns immer mehr der Kreisgrenze zum Kreis Zossen genähert. Während die Oststäte des Motzener Sees noch zum Territorium des Kreises Königs Wusterhausen gehört, so liegt Kallinchen an der Westseite des Sees bereits im Kreis Zossen. Beenden wir also unsere Reise durch den Kreis Königs Wusterhausen, und wenden wir uns dem Kreis Zossen zu.

Zossen und das Zossener Hügelland

Erholung am Wasser wie an den Dahme-Seen des benachbarten Kreises Königs Wusterhausen – ist der Trumpf, den auch das Zossener Hügelland den Touristen bietet.

Von der Bezirksstadt Potsdam ist es auf kürzestem Wege über die Autobahn, Berliner Ring, zu erreichen. Von der F2 benutzen Sie die Auffahrt Michendorf, um schon nach knapp 30 Kilometern rechter Hand die Wasser des Rangsdorfer Sees blinken zu sehen.

Etwa auf halber Strecke sind wir an Ludwigsfelde vorbeigekommen — der Produktionsstätte des LKW W 50. 1936 entstand hier in der Genshagener Heide ein Motorenwerk der Daimler-Benz AG, in dem während des Krieges mehr als 7000 Gefangene, Zwangsarbeiter aus den faschistisch besetzten Ländern Europas und Frauen aus dem Konzentrationslager Ravensbrück Militärfahrzeuge reparieren mußten.

Der antifaschistische Widerstandskampf ist hier eng mit der Gruppe des Kommunisten Arthur Ladwig verbunden, dessen Namen heute das Ludwigsfolder Kulturhaus trägt. Er gehört zu jenen unvergessenen Kämpfern der Arbeiterklasse, die von den Nazis im KZ ermordet wurden. Seit 1952 wurden in dem Motorenwerk Motorroller hergestellt. Als am 18. Juli 1965 jedoch der erste Lastkraftwagen des Typs W 50 vom Band rollte – Ergebnis der Zusammenarbeit im Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe erhielt Ludwigsfelde das Stadtrecht. Die inzwischen 18000 Bürger, die zum großen Teil in modernen Wohnblocks zwischen märkischen Kiefern, Lärchen und Birken leben, haben ein Durchschnittsalter von 32 Jahren – auch deshalb zählt Ludwigsfelde zu den jüngsten Städten der Deutschen Demokratischen Republik.

Der vielseitige W 50 – am 18. Dezember 1974 lief der 150000. Wagen vom Band – rollt heute in der Standardausführung, als Kipper, Milchtanker, mit Montagemast, als Möbeltransporter, als Kran- und Feuerwehrfahrzeug mit 30-m-Leiter auf den Straßen vieler sozialistischer Länder und junger Nationalstaaten.

Auf unserer Fahrt zum Rangsdorfer See passieren wir auch die Abfahrt zur F 101. Sie führt geschichtlich Interessierte ins wenige Kilometer nördlich gelegene Großbeeren. Dieses langgestreckte Straßendorf ist durch die Schlacht bei Großbeeren (1813) bekannt geworden, die ein wichtiges Ereignis im deutsch-russischen Befreiungskrieg gegen die napoleonische Fremdherrschaft war. Ein Gedenkturm, von dem Sie einen Blick über die Landschaft des Teltow haben, erinnert daran. Heute arbeitet in Großbeeren das Institut für Gemüseproduktion der Akademie der Landwirtschaftswisscnschaften der Deutschen Demokratischen Republik. In Großversuchen hat es z. B. die Produktion von Möhren und anderen Gemüsekulturen unter einer Bitumenschicht erprobt.

Wir haben indes den Berliner Ring an der Abfahrt Rangsdorf verlassen und sind von der F 96, die erst jüngst rekonstruiert und ausgebaut wurde, rechts zum Rangsdorfer See abgebogen. Der Campingplatz am Ostufer liegt neben dem Strandbad mit der Strandgaststätte.

Zu Saisonbeginn 1976 werden hier Bungalows und komplett ausgerüstete Zelte vor allem ausländischen Touristen zur Verfügung stehen.

Aus diesen Bemühungen wird der Aufschwung deutlich, den das Erholungsgebiet in den letzten Jahren genommen hat. Baden und Bootfahrten sind Freizeitbeschäftigung Nr. 1, dies wird durch eine Ausleihe von Strandkörben und Booten unterstützt.

Der Rangsdorfer See hat jedoch noch mehr zu bieten. Schon seit Jahrzehnten ist er das Wochenendziel von Naturfreunden, die das Vogelschutzgebiet am Westufer und das Naturschutzgebiet Krumme Lanke besuchen wollen. Wanderungen organisiert der Ortsklub des Kulturbundes der DDR. Es gehört allerdings ein geschultes Auge dazu, um in Schilf und Röhricht den großen Brachvogel, die Rohrdommel und eine Anzahl anderer seltener Sumpfvögel und Wasservögel zu entdecken. Außerdem sollten Sie daran denken, daß Vogelschutzgebiete eingerichtet werden, damit seltene Arten von Vögeln hier ungestört leben, brüten und Junge aufziehen können. Für fröhlich-laute Wanderungen in großem Kreis und „Abstecher“ von den Wegen ist ein solches Schutzgebiet also nicht geeignet. Empfehlenswerte Wanderziele sind weiter der Glienicker Weinberg, der den Blick auf das hauptstädtische Gebiet der Müggelberge öffnet, und „Klein-Venedig“, ein von zahlreichen Wasserläufen durchzogener Ortsteil der mehr als 6000 Einwohner zählenden Gemeinde Rangsdorf.

Der Rangsdorfer See, der seiner geringen Tiefe wegen relativ schnell zufriert, wird zunehmend das Ziel winterlicher Wochenendausflüge. Eisläufen, Eishockey sowie Eisschießen stehen auf dem Programm. Für Rodeln und Skifahren bietet sich die Römerschanze an.

Nicht jeder liebt Fahrten ins Blaue. Wir empfehlen Ihnen deshalb, vor Fahrtantritt den Rat der Gemeinde Rangsdorf, Abt. Erholungswesen (Tel. 428), anzurufen. Hier erhalten Sie die gewünschten Auskünfte.

Von Rangsdorf kehren Sie auf die F 96 zurück und streben in südlicher Richtung dem zweiten großen Erholungsgebiet des Hügellandes zu. Dabei bietet sich eine Rast in der Kreisstadt Zossen an, wobei wir Ihnen das HO-Hotel „Deutsches Haus“ empfehlen können. In dieser Stadt berät und beschließt der Kreistag als Volksvertretung dieses Territoriums auch über die Erweiterung und Modernisierung der Ferienzentren. Um die Fahrmüdigkeit aus den Gliedern zu schütteln, unternehmen wir einen Gang durch den Stadtpark. Das Alte Torhaus und Reste der Ringmauer erinnern an die Geschichte der Stadt.

In Zossen können wir von der F 96 nach Mellensee abbiegen, einem der beiden Urlaubsorte am gleichnamigen See. Unsere Fahrt zum Freibad mit der nahegelegenen „Seeschenke“ führt uns am Nottekanal entlang. Auf diesem sehr alten künstlichen Wasserlauf schwammen früher die Kähne mit bei Sperenberg gewonnenen und gebrannten Stuck- und Estrichgips nach Berlin. Nach mehr als 700jährigem Abbau wurden die Gipsbrüche 1958 endgültig stillgelegt.

Sie hatten jedoch eine überraschende und für den Touristen bedeutende Nachwirkung. Ihnen verdankt der Mellensee sein klares, etwas salzhaltiges Wasser, das ihn bei den Badenden so beliebt macht. Seit 1907 war nämlich in diesen wie auch in den Krummen See Solwasser geleitet worden, das aus den tiefer liegenden Steinsalzschichten in die Gipstagebaue aufstieg.

Für den Naturfreund ist die Salzflora, von Interesse, die am Mellensee. aber auch an natürlichen Salzstellen und den tiefblauen kleinen Gewässern wächst, die sich in den ehemaligen Gipsbrüchen gesammelt haben.

Letztere sind allerdings günstiger von Klausdorf aus zu erreichen, dem am Südufer des Mellensees gelegenen, wohl bedeutendsten Ferienzentrum dieses Gebietes. Mehrere Bungalows, die Jugendherberge, Betriebsferienheime und ein großer Campingplatz ermöglichen es, daß in dem kleinen Ort jährlich mehr als 15000 Gäste aus dem In- und Ausland Ferien machen können.

Der Camper findet einen Platz mit eigenem Badestrand, einen Versorgungswagen – außerdem liegen zwei Verkaufseinrichtungen des Ortes in geringer Entfernung-, Stromanschluß und gute sanitäre Anlagen (Waschräume, WC). Fünf Campinghotels (komplett eingerichtete Zelte) stehen ebenfalls zur Verfügung. Obwohl es am Mellensee zahlreiche Badestellen gibt, bleibt das große Strandbad mit seiner Gaststätte Hauptanziehungspunkt der Erholungssuchenden. Neben Booten werden hier auch Sportgeräte und Fahrräder ausgeliehen.

Die für manchen recht anspruchsvollen Wandervorschläge – um den Mellensee zum S-Bahnhof Wünsdorf 8 km, zu den Gipsbrüchen bei Sperenberg 10 km, in den kleinen Erholungsort Zesch am See 12 km – verlieren ihre Schrecken, wenn man sie per Rad verwirklicht.

Übrigens bucht auch das Reisebüro für Klausdorf. Es belegt Privatquartiere und ein Ferienheim, das vom Zweck verband „Erholungswesen Klausdorf“ eingerichtet wurde. Dieser Verband, in dem die Orte Klausdorf und Mellensee zusammenwirken, hat wesentlich zum guten Ruf des Feriengebietes beigetragen. Das zeigt sich nicht zuletzt in solchen Kleinigkeiten wie den Beschäftigungsmöglichkeiten für Kinder, die sich auf drei ständig durch neue Geräte komplettierten Spielplätzen austoben können, und an dem gut ausgestatteten großen Kulturraum mit Fernsehapparat und Gesellschaftsspielen, der sich ebenso wie die Gemeindebibliothek für regnerische Tage anbietet.

Ähnlich wie am Rangsdorfer See gibt es Ansätze, Klausdorf auch für Winterausflüge attraktiv zu machen. Wenn der Mellensee zugefroren ist, stehen Eiskegeln und Eisschießen auf dem Programm. All diese Bemühungen um eine vorbildliche Betreuung der Urlauber sind auch dadurch gewürdigt worden, daß Klausdorf den Titel „Staatlich anerkannter Erholungsort“ erhielt.

Auch für Klausdorf einige informatorische Tips: Der Zweckverband für das Erholungswesen (beim Rat der Gemeinde Klausdorf unter Telefon Sperenberg 308 zu erreichen) und der Ortsbeauftragte des Reisebüros geben Ihnen Auskünfte. Außerdem werden hier Wohnwagen und Privatquartiere vermittelt, die allerdings in der Saison schnell ausgebucht sind. Für den Campingplatz Klausdorf liegt ab 1975 – wie in den meisten Kreisen des Havelbezirkes – die Vermittlung in den Händen der Zentralen Campingplatz-Vermittlung, die in der Bezirksstadt Potsdam eröffnet wurde. Die bisherige Direktvermittlung über die Räte der Gemeinden entfällt damit. Wir empfehlen Ihnen also, diese zentrale Campingplatzvermittlung Potsdam, Am Alten Friedhof 1, aufzusuchen, anzuschreiben oder anzurufen (Tel. 23021).

Eine vereinfachte Antragstellung, weniger Absagen – die Übersicht über freie Plätze im Bezirk erleichtert Ersatzangebote – und besondere Bemühungen um kinderreiche Familien sind einige Vorzüge dieser Einrichtung.

Für die Jugendherbergen — auch die in Klausdorf – gibt es ebenfalls eine zentrale Vermittlung für den Bezirk Potsdam. Sie befindet sich gleichfalls in der Bezirksstadt, Otto-Nuschke-Straße 13, und ist unter der Telefon-Nr. 26252 zu erreichen. Diese neuen Regelungen bedeuten jedoch nicht, daß Sie ohne Chancen sind, wenn Sie unangemeldet auf einem der Zeltplätze im Kreis Zossen ankommen. Für einmalige Übernachtungen werden stets einige Plätze freigehalten, die an Ort und Stelle vergeben werden. Gleiches gilt für die Jugendherberge. Mit einer ganzen Gruppe unangemeldet anzureisen, ist allerdings aussichtslos.

Wir verabschieden uns vom Möllensee. Folgen wir der F 96 weiter in Richtung Süden, können wir zum östlich davon gelegenen Zesch am See gelangen. Das Dörfchen hat zwar nur 90 Einwohner, dafür aber einen großen Campingplatz (mit Badestelle) für 450 Personen. Ort und Zeltplatz sind etwa 1000 Meter voneinander entfernt und durch eine gut ausgebaute Straße verbunden. Der Platz entspricht noch nicht den modernsten Ansprüchen, wird jedoch ständig weiter verbessert. So erhält er zur Zeit einen Stromanschluß. Außerdem verfügt er über eine Ausleihe von Sportgeräten, Ruder- und Paddelbooten.

Die hügelige Waldlandschaft, in die zahlreiche Seen eingebettet sind, lädt zu Spaziergängen und Wanderungen ein. Am besten ist sie vom Zescher Weinberg aus zu überblicken. Mit Hilfe eines Fernglases können Sie sogar den Berliner Müggelturm und den 1 hohen Golm im Niederen Fläming sehen.

Weiter geht unsere Fahrt. An der Südgrenze des Kreises Zossen liegt Baruth. Sein eingeschossiges Barockschloß ist von einem Park umgeben, den der Landschaftsgärtner P. J. Lenne, vor allem durch seine Tätigkeit in Potsdam-Sanssouci bekannt, angelegt hat. Weiter bietet sich hier eine Glashütte zur Besichtigung an. Naturliebhaber finden in der Umgebung Niederungswälder, Naßwiesen und Sümpfe mit ihrer typischen Tier- und Pflanzenwelt.

Auf der Rückseite, die uns auf der F 96 wieder nach Norden führt, biegen wir nach etwa 10 Kilometern in westlicher Richtung nach Sperrnberg ab. Es war einst das Zentrum der bereits erwähnten Gipsbrennerei und verfügte über mehrere Ziegeleien. Die Heimatstube zeigt Handwerksgeräte aus jener Zeit und erlaubt einen Einblick in die Bestrebungen der Arbeiter, meist ehemalige Büdner und Kätner, die sich organisiert gegen Ausbeutung und Unterdrückung zur Wehr setzten. Sie hatten dabei in ihren polnischen und italienischen Klassengenossen, die ursprünglich als Lohndrücker ins Land geholt worden waren, treue Mitstreiter.

Ehe Sie die Heimfahrt antreten, können Sie noch einen Abstecher in das wenige Kilometer nördlich Sperenbergs gelegene Saalow machen. Hier steht die letzte Windmühle des Kreises Zossen, ein malerisches Motiv für ein Urlaubsfoto. Saalow ist jedoch nicht durch die Mühle, sondern durch sein großes Krankenpflegeheim ein Begriff geworden. Der Heimkomplex, der in den letzten Jahren rekonstruiert und erweitert wurde, beherbergt 615 alte und hilfsbedürftige Bürger, die von 260 Mitarbeitern betreut werden.

Mit diesem Einblick in die Sozialpolitik des sozialistischen Staates beenden wir unseren Ausflug in den Kreis Zossen. Über Trebbin erreichen wir in der Spargelstadl Beelitz die F 2, die uns in nördlicher Richtung in unseren Ausgangsort – die Bezirksstadt Potsdam – zurückbringt.

Jüterbog und der Niedere Fläming

Wenn Sie uns in den Kreis Jüterbog und den Niederen Fläming folgen – einen Höhenrücken, als dessen höchste Erhebung der Golmberg 178 m über dem Meeresspiegel liegt, dann erwarten Sie bitte kein für den Massentourismus ausgebautes Gebiet mit Campingplätzen, Strandbädern und Jugendherbergen wie im Zossener Hügelland. Dennoch lohnt sich die Rundfahrt, zu der wir Sie einladen, für Geschichtsinteressierte ebenso wie für Wanderlustige und Naturfreunde. Auch zu unserem Ausflug in den Kreis Jüterbog brechen wir von Potsdam in Richtung Michendorf auf. Hier fahren wir jedoch nicht auf die Autobahn, sondern folgen weiter der F 2. Über Beelitz, ein Zentrum des Spargelanbaus, erreichen wir nach knapp 40 Kilometern Fahrt Treuenbrietzen. Der Name der gut 7000 Einwohner zählenden Kleinstadt, die 1216 erstmals urkundlich erwähnt wurde, geht auf die slawische Bezeichnung für Birke zurück.

Das am Nordrand des Flämings gelegene Treuenbrietzen hatte im Mittelalter eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. An der alten Handelsstraße Berlin-Leipzig gelegen, war es besonders durch seine fleißigen Tuchmacher und Wollspinner zur Blüte gekommen. Zwei Kirchen aus dem 13. Jahrhundert sind steinerne Zeugen der Stadtgeschichte, über die das Heimatmuseum im spätromanischen Zentralbau nähere Auskunft gibt.

Heute ist die Stadt Standort von Betrieben der elektrotechnischen und der holzverarbeitenden Industrie. Das Fahrzeugwerk, das Hänger und Kipperaufbauten herstellt, wirkt mit den Ifa-Automobilwerken Ludwigsfelde zusammen, die wir bei unserer Fahrt durch den Kreis Zossen kennengelernt haben.

Treuenbrietzen ist in einem originellen Berliner Bänkellied „verewigt“ worden. Es erzählt die: erschröckliche Geschichte vom Frauenzimmer Sabinchen, das durch einen ungetreuen und diebischen Schuhmachergesellen erstochen wurde. Wenn Sie in der Gaststätte am Markt eine Rast einlegen, finden Sie diese Geschichte in Bild und Wort an der Wand.

An der F 102, auf der wir jetzt die 20 Kilometer in die Kreisstadt Jüterbog zurücklegen, liegt hinter Treuenbrietzen der Ortsteil Frohnsdorf. Von der Ausflugsgaststätte „Alte Eiche“ aus können wir das Quellgebiet der Nieplitz, aber auch den links der Straße gelegenen „Zart“ besuchen, ein Naturschutzgebiet. In den feuchten, z. T. von Auen- (Laub-) Wäldern bewachsenen Niederungen lebt eine spezifische Tier- und Pflanzenwelt. Mit etwas Glück können wir den seltenen Schwarzstorch beobachten oder finden Frühjahrsblüher wie Lärchensporn und Anemone. Gerade im Frühjahr ist ein Spaziergang empfehlenswert. Natürlich gilt auch hier, daß die Tiere in solchen Schutzgebieten möglichst wenig gestört und die Pflanzen geschont werden sollen. Wären wir im Sommer 1974 in die Kreisstadt gekommen, hätten uns Festspieltrubel empfangen. 1174 – vor 800 Jahren also – wurden dem heute 14000 Einwohner zählenden Jüterbog nämlich die Stadtrechte verliehen. Erstmals urkundlich erwähnt wurde es allerdings bereits 1006/08 – alsjutriboc. Diesem slawischen Namen, der als „nach Morgen zugewandt“ gedeutet wird, macht es durch sein Aufblühen in den letzten Jahrzehnten alle Ehre. Hier haben sich die Märkischen Möbelwerke, dazu Betriebe der Papier-, Nahrungs- und Genußmittelindustrie – zur Zeit entsteht eine Trockenmilchfabrik – angesiedelt, deren Werktätige die vom VIII. Parteitag der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands beschlossene Hauptaufgabe erfüllen helfen, das materielle und kulturelle Lebensniveau des Volkes der DDR ständig zu erhöhen.

Den Grundstein zu dieser Entwicklung half die örtliche Arbeiterbewegung legen, die in dem seit 1832 durch den preußisch-deutschen Militarismus immer stärker zur Garnisonsstadt profilierten Jüterbog besonders schwierige Kampfbedingungen hatte. Dennoch wurde die SPD bereits 1890 stärkste Partei – eine Parallele zu dem Sieg, den die Arbeiterbewegung 1912 im „Kaiserwahlkreis“ Potsdam -Spandau – Osthavelland mit der Wahl Karl Liebknechts in den Reichstag errang.

Zu den unvergessenen Söhnen der Flämingstadt gehört Erich Jeserick, der als Vorsitzender der KPD-Ortsgruppe von den Faschisten ermordet wurde. An ihn und seine Mitkämpfer erinnern heute eine Gedenktafel am Rathaus, das Heimatmuseum, in dem u. a. eine Fahne des Roten Frontkämpferbundes aufbewahrt wird, und das VVN-Denkmal in der Schillerstraße.

Auch der sowjetischen Soldaten, die im Kampf um die Befreiung des deutschen Volkes vom Faschismus ihr Leben gaben, wird durch zwei Ehrenfriedhöfe gedacht. Ein Ausflug in das mittelalterliche Jüterbog, das als wirtschaftliches und religiöses Zentrum der gleichnamigen Provinz und Schnittpunkt zweier Handelsstraßen (Sachsen-Pommern und Magdeburg-Lausitz-Schlesien) beträchtliche Bedeutung hatte, lassen die Klassenkämpfe der deutschen Geschichte wiedererstehen.

Ansehenswert ist die Nikolaikirche aus dem 15. Jahrhundert. Hier ist ein wertvoller dreiflügeliger Altar zu sehen, der dem humanistischen Maler Lucas Cranach d. Ä. zugeschrieben wird. An einzelnen Ausstattungsstücken der Kirche -Kanzel (1608), Orgelprospekte (1728 bis 1747), Sakramentshäuschen aus Sandstein (um 1500) sowie Gewölbe- und Wandmalereien (Mitte 15.Jahrhundert)-lassen sich deutlich die in dieser Zeit bedeutenden Kunstepochen ablesen. In der Nikolaikirchc hielt aber auch 1519 mit Thomas Müntzer jener Mann aufrüttelnde Predigten gegen Willkür und Verfall der katholischen Kirche, der als zentrale Figur des Großen Deutschen Bauernkrieges eben jene unterdrückten Klassen zu einem machtvollen Versuch einte, feudale Lasten abzuschütteln und ein Reich der Freiheit und des Menschen aufzurichten.

Das Rathaus auf dem Marktplatz mit dem Mauritius-Standbild an der Nordostseite – nach einem verheerenden Brand im Jahre 1478 als Schutzpatron durch Bischof Ernst von Magdeburg übergeben – birgt in seinem Innern das sehenswerte Bürgermeisterzimmer. Interessant ist dieses aber nicht nur durch die geschnitzte Tür mit der Figur eines Landsknechtes und das bemerkenswerte Sterngewölbe, sondern auch durch die Vergleichsverhandlung, die hier 1535 in Sachen Junker von Tronka und Hans Kollihase stattfand. Den mutigen Kampf des Pferdehändlers gegen junkerliche Willkür hat der Dichter Heinrich von Kleist in seiner Novelle „Michael Kohlhaas“ ein bleibendes Denkmal gesetzt.

So vermitteln die alten Gebäude, die Reste des Marienklosters und der Wehranlagen mit den Stadttoren weit tiefere Erkenntnisse als jene Holzkeulen, die früher als Touristenattraktion galten. Der Spruch über jedem der drei Stadttore: „Wer seinen Kindern gibt das Brodt und leidet nachmals selber Noth, den schlage man mit der Keule todt!“ hat in der sozialistischen Gesellschaft seinen Sinn verloren.

Wenn Sie einige Tage in Jüterbog bleiben wollen, bieten sich dafür die Hotels „Fläming“ und „Goldener Stern“ an. Allerdings empfehlen wir rechtzeitiges Anmelden, denn hier – nahe dem „geographischen Mittelpunkt“ der DDR — machen viele Nord-Süd-Reisende Zwischenstation. Als Abwechslung bietet die Stadt alljährlich im Juni/Juli Heimatfestspiele, bei denen z. B. die Jüterboger „Heimatspieler“ – eins der bekanntesten Laientheater der Republik – auftreten und die BSG „Fläming“ (ihr Träger ist das Volkseigene Gut Kaltenhausen) mit einer leistungsstarken Pferdesportsektion, die auf ihrer modernen Sportanlage an der Straße nach Luckenwalde schon mehrfach Ausrichter von DDR-Meister-schaften war, zum Reiten für jedermann einlädt. Allerdings ist letzteres auf besondere Ereignisse beschränkt – eine durchgängige Reittouristik wie in einigen ausgesprochenen Erholungsorten gibt es nicht.

Lohnend ist ein Besuch des Heimatmuseums im ehemaligen Abthof. Neben Zeugen der Geschichte der Arbeiterbewegung finden Sie hier bäuerliches Gerät, Keramiken, Blaudrucke und holländische Trachten. Das ist nicht verwunderlich, wenn man weiß, daß der Fläming um 1100 von holländischen und flämischen Einwanderern besiedelt worden ist, die ihm den Namen gaben und zahlreiche Dörfer gründeten. Während der 800-Jahr-Feier ließen die Jüterboger die Trachten und Bräuche dieser Vorfahren wieder aufleben.

Ehe wir die Kreisstadt wieder verlassen, möchten wir Sie noch über drei Ausflugsziele unterrichten. Lassen Sie den Wagen einmal auf dem Parkplatz stehen und wandern Sie zu Fuß die Nuthe entlang in nördliche Richtung. An der Bürgermühle und der historischen Holländer Mühle vorbei erreichen wir Kloster Zinna. Um 1170 gegründet, ist das dortige Zisterzienserkloster das älteste der Mark Brandenburg. Erhalten sind die in Backsteingotik ausgeführte alte und neue Abtei sowie die Klosterkirche. Im Abtshaus ist ein Heimatmuseum eingerichtet; sehenswert sind vor allem mittelalterliche gotische Fresken, die übermalt waren und erst 1958 wiederentdeckt wurden.

Die Heidelinde ist angeblich der Ort, an dem die Wenden (Slawen) getauft und damit zur christlichen Religion „bekehrt“ wurden.

Als zweites Ausflugsziel bietet sich Neuheim an. Das nordwestlich von Jüterbog gelegene Dörfchen verdankt seinen guten Ruf dem VEB Gablona. Umsiedler aus Nordböhmen begründeten hier nach dem zweiten Weltkrieg eine Produktion von Modeschmuck. Heute stellen rund 800 Beschäftigte Ketten, Broschen, Ohrringe, Manschettenknöpfe u. ä. her, die nicht nur in der DDR gefragt sind. Davon zeugen die beachtlichen Exportabschlüsse auf den Leipziger Messen. Regelmäßig treffen sich die Neuheimer Schmuckhersteller mit ihren berühmten Kollegen aus dem tschechoslowakischen Bijouteriezentrum Jablonec zum Erfahrungsaustausch. Diese freundschaftliche Verbindung hilft ihnen, den neuesten Modetendenzen gerecht zu werden.

Unser dritter Tip gilt dem etwa 10 Kilometer südlich von Jüterbog an der Straße nach Seyda gelegenen Dennewitz. Hier errangen die verbündeten russischen und preußischen Truppen 1813 einen wichtigen Sieg in den Befreiungskriegen gegen die napoleonische Fremdherrschaft. Eine Gedenktafel erinnert an dieses Ereignis. Von Jüterbog, das wir nun endgültig verlassen, führt uns die F 102 20 Kilometer in südöstliche Richtung, wo wir nach Wiepersdorf abbiegen. Auf unserer Tour haben wir immer wieder bestätigt gefunden, daß der Kreis Jüterbog durch eine hochentwickelte, immer mehr nach industriellen Methoden produzierende Landwirtschaft geprägt wird. Ihre effektive Produktion und ihre hohen Erträge sowohl bei der Getreide als auch bei der Hackfruchternte machten die Kooperativen Abteilungen Pflanzenproduktion Oehna, Niedergörsdorf und Marzahna nicht nur im Kreis- und Bezirksmaßstab bekannt. Sic genießen auch einen guten Ruf über die Bezirksgrenzen hinaus.

Diese intensive Landwirtschaft hat natürlich entscheidenden Einfluß auf das Bild der Landschaft, das sich dem Besucher bietet. So ist der Niedere Fläming im Gegensatz zum Hohen weniger waldreich. Eine Ausnahme bildet jedoch Wiepersdorf und seine malerische Umgebung. In diesem Gebiet, das die Jüterboger liebevoll „Ländeken“ nennen, öffnet sich dem Besucher eine vom bisher Gesehenen stark unterscheidende Landschaft.

Schloß Wiepersdorf, das von einem schönen Park umgeben ist, beherbergt heute Schriftsteller. In dieser Hinsicht ist es auch vorbelastet. Von 1811 bis 1859 lebte hier Bettina von Arnim mit ihrer Familie und ihrem Freundeskreis. Durch ihren Gatten Achim von Arnim, ihren Bruder Clemens von Brentano sowie die Gebrüder Grimm, die häufig zu Gast weilten, wurde Wiepersdorf bereits damals zu einem literarischen Zentrum. Dieser Kreis bedeutender Persönlichkeiten hat entscheidenden Anteil daran, daß deutsche Volksmärchen und Volkslieder gesammelt wurden und erhalten blieben. Vielen ist die Sammlung deutscher Volkslieder „Des Knaben Wunderhorn“ von Achim von Arnim und Clemens von Brentano bekannt, und „Grimms Märchen“ stehen heute in fast jedem Bücherschrank und erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit bei den Kindern.

Wir hoffen, daß hier im Südzipfel Ihr Eindruck bestätigt worden ist: Auch der Kreis Jüterbog – wenngleich für den Tourismus noch nicht in gleichem Maße erschlossen wie das Zossener Hügelland oder die Dahme-Seen bei Königs Wusterhausen – hat besuchenswerte Schönheiten.

Wenn Sie für Ihre Rückfahrt in die Bezirksstadt einen anderen Weg wählen wollen, können Sie in Jüterbog nördlich auf die F 101 abbiegen. Etwa 75 Kilometer Fahrt liegen dann noch vor Ihnen.

Siehe auch:
On the Nile – Cairo to Luxor
Egypt, Ägypten, Egyptian Arabic
Switzerland, Schweiz, Suisse, Svizzer, Svizra
Venezia, Venedig, Venesia, Venice
Austria: Schönbrunn, Prague, Trieste
Wien – alte Stadtansichten
Acropolis of Athens
Nürnberg/Heidelberg und Umgebung im Bild

Weitere Stadtansichten:
Alte Stadtansichten der Hansestadt Bremen
Geschichte der deutschen Baukunst in Bild
Deutsche Baukunst des Mittelalters und der Renaissance in Bild
Die freie Stadt Danzig
Alte Stadtansichten Dresden Teil 1, Teil 2 und Teil 3.
Frankfurt am Main
Potsdam
Dresden im Mittelalter
Dresden im 16. JAHRHUNDERT
Dresden im 17. JAHRHUNDERT
Dresden im 18. JAHRHUNDERT
Dresden VON 1830 BIS ZUR GEGENWART

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