Flieger des ersten Weltkrieges: Oliver Freiherr von Beaulieu-Marconnay

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Der Dienst für das Vaterland macht die Jungen zu Männern, der Krieg läßt die Tapferen zu Helden werden. Was machte es schon aus, daß Oliver Freiherr von Beaulieu-Marconnay bei Beginn des Weltkrieges noch nicht einmal 16 Jahre alt war! Der am 13. September 1898 als Sohn eines preußischen Hauptmanns in Berlin-Charlottenburg geborene spätere Flieger saß im August 1914 noch in der Sekunda des Berliner Bismarck-Gymnasiums.

Er verließ die Schule zu Ostern 1915 mit der Reife für die Prima und trat im Juni 1915, also immer noch nicht 17 Jahre alt, als Fahnenjunker bei der Ersatz-Eskadron des 4. preußischen Dragoner-Regiments von Bredow ein. Es war das gleiche Regiment, bei dem auch Lothar von Richthofen, der Bruder Manfreds, gestanden hatte. Im Frühjahr 1916 erhielt Oliver bei Kämpfen in den Rokitno-Sümpfen die Feuertaufe, wurde am 28. Juli, noch nicht achtzehnjährig, zum Leutnant befördert und sah sich für seinen Schneid im Herbst des gleichen Jahres mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse belohnt. Wie so viele Kavalleristen, denen der Stellungskrieg nicht genügte, meldete sich der junge Offizier nun zur Fliegertruppe, kam nach vollendeter Ausbildung im Herbst 1917 zur Jagdstaffel II, an deren Staffelführer, dem Pour-le-mérite-Flieger Veltjens, er ein glänzendes Vorbild hatte. Der gleichen Staffel gehörten u. a. auch die Leutnants Hantelmann, Klein und Hugo Schäfer an. Was diese Staffel geleistet hat, ergibt sich aus dem Heeresbericht, der feststellt, daß sieben Flugzeuge dieser Gruppe in fünf Monaten 157 feindliche Flieger zum Absturz gebracht hatten. An diesen Erfolgen war „Bauli“, wie er von den Kameraden genannt wurde, in nicht geringem Grade beteiligt.

Er hatte am 28. Mai 1918 den ersten Luftsieg errungen. Seine weiteren Leistungen ergeben sich am besten aus der Tatsache, daß er, der noch nicht Zwanzigjährige, Ende August 1918 zum Führer der Jagdstaffel 19 ernannt wurde, die übrigens gleich der Staffel 15 zum Jagdgeschwader II gehörte. Bis zum 16. Oktober 1918 hatte der junge Beaulieu die Zahl seiner Erfolge auf 26 erhöht. Drei Tage später traf ihn beim Kampf mit einem Engländer die tödliche Kugel. Er atmete noch, als man ihn aus dem abgestürzten Flugzeug heraushob. Noch an seinem Todestage, dem 26. Oktober, erreichte den jungen Helden im Kriegslazarett von Arlon der Pour le mérite, vierzehn Tage vor Abschluß des Waffenstillstandes. Er war der jüngste Ritter dieser höchsten Auszeichnung. Kaum zwanzigjährig war ein Leben vollendet, dem in kurzer Frist viel Großes zu tun beschieden war. Eines jungen Ritters Name steht aufgezeichnet im Buche der Geschichte des Weltkrieges, und selten kann das alte Dichterwort eine bessere Anwendung finden als auf Oliver von Beaulieu:

Wen die Götter lieben, den nehmen sie in seiner Jugend zu sich.

weitere Personen: Ernst von Hoeppner, Hermann Thomsen, Karl Allmenroeder, Oliver Freiherr von Beaulieu-Marconnay, Paul Bäumer, Otto Bernet, Hans Berr, Rudolf Berthold, Walter Blume, Erwin Böhme, Oskar Freiherr von Boenigk, Carl Bolle.

Siehe auch:
Deutsche Geschichte-Zeittafel
Germanen kämpfen um Europa
Die Wikinger, eine neue germanische Welle.
Das Reich der Deutschen beginnt
Großtaten des deutschen Volkes-Das Rittertum und seine Aufgaben
Großtaten des deutschen Volkes-Deutsche gewinnen Raum im Osten
Deutsche Bauern und Bürger sichern das Neuland.
Deutsche Städte — deutsche Kunst.
Großtaten des deutschen Volkes-Die deutsche Hanse.
Der deutsche Bauer und sein Schicksal
Eine neue Welt tut sich auf— Große Erfindungen
Fürstentrotz und Glaubensstreit zerstören das Reich.
Die Not ruft den Erneuerungs willen des Volkes wach.
Martin Luther, der Reformator.
Volkskämpfe im Schatten der Reformation.
Der Kampf deutscher Fürsten gegen Kaiser und Papst.
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Am Glaubensstreit geht das Reich zugrunde.
Der Dreißigjährige Krieg (1618—1648).
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Das Reich unter Kaiser Wilhelm II.
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Die Schmach von Versailles und die Republik.

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