Das Deutsche Rathaus der Renaissance

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von Silvio

Die Rathäuser, die bisher in den grundlegenden architekturgeschichtlichen Handbüchern lediglich besonders günstige Spezimen zur Charakterisierung des Profanbaues im allgemeinen gebildet hatten, sind in einigen Veröffentlichungen der letzten Jahre zum Gegenstand besonderer Untersuchung gemacht worden.

So hat Bluntschli in einem Bande des «Handbuches der Architektur“ eine Anzahl von Rathäusern, nach Ländern geordnet, in chronologischer Folge einzeln beschrieben, mit kurzem verbindenden Text. Der Verfasser will dem Architekten eine Übersicht über schon Geleistetes und Anregungen für eigene Entwürfe geben. Auf die Darstellung eines Entwicklungsbildes im Sinne der Kunstgeschichte kam es ihm nicht an.

Die Arbeit von Stiehl über das deutsche Rathaus im Mittelalter erschien, als die vorliegende Arbeit fast abgeschlossen war. Da Stiehl in das «Mittelalter“ das ganze 16. Jahrhundert mit einbegreift, werden auch eine Anzahl Renaissance-Rathäuser behandelt. Er gruppiert die Rathäuser nach ihren verschiedenen Grundrißgestaltungen, wie sie sich aus den verschiedenen Stadtverfassungen ergeben. Damit schloß sich für ihn eine chronologische wie lokale Gliederung des Stoffes aus; denn es läßt sich ja auch, wie er in der Einleitung bemerkt, in der Ausbildung des Städtewesens keine einfache landschaftliche oder zeitliche Aufeinanderfolge aufstellen.

Neben diese verdienstvolle Untersuchung stellt sich die vorliegende Arbeit als ein bescheidener Versuch, dem Thema von der kunstgeschichtlichen Seite nahe zu kommen. Es handelte sich darum, die Wandlung zu beobachten, die das Rathaus während der Renaissanceperiode in seinem allgemeinen Verlauf über die verschiedenen Stadtverfassungen hinweg durchgemacht hat. Eine lokale Sonderung ist nur in ihren Hauptzügen gegeben worden. Es sollte gezeigt werden, wie die allgemeine künstlerische Entwicklung innerhalb der deutschen Renaissance sich in der besonderen architektonischen Aufgabe des Rathauses spiegelt. Dabei ist auch für den Grundriß eine Entwicklung angedeutet, die mir ebenso unabhängig scheint von der Form der Stadtverwaltung wie die Fassaden-Komposition. Denn gewiß wird eine Stadt, die sich um 1540 ein neues Rathaus bauen läßt, ein anderes bekommen, als eine Stadt, die bei genau gleichen Verwaltungsverhältnissen, will sagen gleichen Raumforderungen, sich dreißig Jahre später dazu entschließt. Und wenn die Grundrisse noch eine Verwandtschaft zeigen mögen, der Eindruck der Räume nach ihren Proportionen und ihrem Zusammenhang mit dem Außenbau wird jedenfalls ein ganz anderer sein.

Indem ich die Fassade an erster Stelle behandle, bin ich mir wohl bewußt, wie laienhaft das vom Standpunkt des Praktikers aus erscheint. Für den Nicht-Architekten bleibt es immerhin der natürlichere Weg. Und am Ende sollte beider Betrachtung auf eins hinauslaufen: den Grad der Wechselbeziehung zwischen Äußerem und Innerem klarzulegen, die Kombination und Beschaffenheit der Räume aus denselben Gesetzen und derselben Gesinnung heraus zu verstehen wie die Fassade. —

Eine Beschreibung der einzelnen Rathäuser ist vorangestellt, um eine Übersicht über das Material zu erleichtern und um den systematischen Teil zu entlasten. Auf absolute Vollständigkeit ist dabei verzichtet worden; es ist möglich, daß ein oder das andere Rathaus fehlt, zumal die Veröffentlichung einzelner Inventare noch aussteht, wodurch sich der Einblick in den genauen Bestand einiger Provinzen erschwert. Doch glaube ich alle für den Charakter und die Entwicklung des Renaissance-Rathauses wichtigen Denkmäler beigebracht zu haben.

Die dem Buch mitgegebenen Abbildungen hat zum größten Teil Herr cand. arch. Helmuth Grisebach an Ort und Stelle mit der Feder skizziert. Die Ansichten S. 50, 111 und 114; sowie die Wiedergabe der Nürnberger Rathausmedaille auf dem Titelblatt zeichnete Herr Dr. Friedrich Schoene. Beiden spreche ich auch an dieser Stelle meinen Dank aus.

Die Bedeutung des Rathauses im Stadtbild

Die Rathäuser des 16. und des beginnenden 17. Jahrhunderts — die Rathäuser, von denen in dieser Arbeit die Rede ist — besaßen im Rahmen ihrer Stadt eine größere Bedeutung als das Rathaus in unseren modernen großen Städten in der Regel aufzuweisen vermag. Bankgebäude, Warenhäuser, „Paläste“ verschiedenster Art machen ihm heute Konkurrenz. Damals war es oft der einzige größere Profanbau. Auf alten Stadtprospekten ist es neben den Kirchen das Rathaus, das sich mit seinem Giebel oder seinem Turm über die anderen Dächer erhebt. In einigen Städten, die sich einigermaßen ihre Silhouette gewahrt haben, können wir uns noch selbst davon überzeugen, in Sulzfeld a. M., in Paderborn, in Augsburg u. a.

Und wie im Prospekt der Stadt hatte auch im Stadtplan das Rathaus einen bevorzugteren Platz inne als in den dezentralisierten Grundrissen unserer heutigen Städte. Ebenso wie das Zugehörigkeits- und Abhängigkeitsgefühl, das den Bürger einer freien Reichsstadt mit seinem Rathaus verband, für uns verloren gegangen ist, ist auch sichtbarlich seine Lage im Kern des Stadtkörpers verschwunden. Nur in einzelnen zurückgebliebenen Orten hat sich etwas von der ursprünglichen Lage erhalten.

Das schönste Beispiel wird Rothenburg sein. Ob wir in der Postkutsche durchs Klingentor einfahren, ob wir zu Fuß von Schwarzenbronn her durchs Taubertal zum Burgtor hinaufkommen, ob von Süden durch das vorgeschobene Spitaltor oder auf dem jetzt gewöhnlichen Wege vom Bahnhof her — immer mündet die Straße auf dem Marktplatz beim Rathaus. Wenn uns nicht die Chronik erzählte, daß am Anfang die Burg gewesen sei und daß sich an diese die Stadt gemachsam herangebaut habe, so möchten wir glauben, vom Rathausplatz sei die Entwicklung ausgegangen. Er ist heute noch der klar ausgesprochene Mittelpunkt. Rothenburg gibt vielleicht so deutlich wie keine andere Stadt den Gegensatz der dominierenden bürgerlichen Stimmung des 16. Jahrhunderts zu dem kirchlichen Regiment mittelalterlicher Kathedralstädte.

Eine Ausnahme von der üblichen zentralen Lage bedeutet die vereinzelt vorkommende Lage des Rathauses an der Peripherie des Gemeinwesens. In Erbach und Marktbreit ist es noch jetzt so. In Kitzingen gibt ein alter Plan Auskunft über die ursprüngliche Stellung am Stadtende. Dabei ergibt sich einmal ein malerischer Zusammenschluß des Rathauses mit einem der Stadttore, oder das Rathaus profitiert von der unmittelbaren Nähe eines älteren Wachtturmes und kann auf einen eigenen Turm verzichten (Kitzingen). In der Regel hat jedoch das Rathaus seinen Sitz im Herzen der Stadt, wo dann oft die Stadtkirche einen willkommenen Hintergrund bildet.

Die Privatgebäude in der nächsten Nachbarschaft und auch die Zunfthäuser ordneten sich dem Rathaus unter. Das, was Theodor Fischer als eines der wichtigsten Kunstmittel im Städtebau bezeichnet, die »Gliederung der Massen nach herrschenden und beherrschten“ kommt in diesem Verhältnis des Rathauses zu seiner Umgebung deutlich zum Ausdruck. Wieder ist das unberührte Rothenburg die Stadt, in der man sich noch am besten davon überzeugen kann.

Dagegen hat sicherlich das Bremer Rathaus rein als Masse früher eine weit bedeutendere Rolle gespielt als jetzt, wo es von der Börse und den »Renaissance-Palästen“ des 19. Jahrhunderts überschrieen wird. Etwas von der ursprünglichen Erscheinung läßt sich zurückrufen, wenn man durch die gegenüber mündende Gasse, neben dem Schütting, auf den Markt zukommt und das Rathaus von den Häusern des engen Weges überschnitten, allmählich sich in seiner vollen Face entwickeln sieht, ohne von den neuen Nachbarn gestört zu werden.

Das reiche Gewand, in dem sich die Bremer Front präsentiert, war dadurch möglich, daß man alle Mittel auf die eine Fassade konzentrierte. Auch andere Rathäuser dieser Zeit haben dadurch ihre besondere Fassadenwirkung innerhalb ihrer Umgebung erreicht. Diese Ausbildung einer Schauseite kann als eine Eigentümlichkeit der Renaissancerathäuser bezeichnet werden. Das Mittelalter hatte auch bei umfangreichen Ausprägungen — man denke z. B. an die norddeutschen Backsteinrathäuser — eine gleichmäßige Behandlung aller freiliegenden Seiten bevorzugt. Einen Vorschlag, den man neuerdings für größere Rathausbauten gemacht hat, die architektonische Durchbildung auf den repräsentativen Teil zu beschränken und die übrigen Arbeits- und Verwaltungsräume in das dahinter liegende Bauland als bloßen Nutzbau zu verlegen, hat in gewisser Weise bereits Holl in Augsburg befolgt, indem er die Räumlichkeiten, die er von dem ohne künstlerische Schädigung nicht zu vergrößernden Hauptbau trennen wollte, in einen zurückliegenden einfachen Flügel verwies. —

Der Platz, an dem das Rathaus zu liegen pflegt, ist Veränderungen weniger unterworfen. Und da für ihn die Bedingungen im wesentlichen heute dieselben sind wie vor dreihundert Jahren, wird der moderne Architekt von den damaligen Anlagen lernen können. Im Anschluß an Camillo Sitte, der als Erster theoretisch die alten Dispositionen für unsere Zeit fruchtbar zu machen versuchte und die Platzfrage im allgemeinen eingehend erörtert hat2), soll hier auf das Verhältnis einzelner Renaissance-Rathäuser zu ihren Plätzen hingewiesen werden. Es handelt sich vor allem »um ein gutes Verhältnis zwischen Platzgröße und Gebäudegröße“. Rothenburg ist wiederum an erster Stelle zu nennen. Der Marktplatz scheint hier auf die Größe und das Format des Rathauses zugeschnitten. Er gehört in dieser Gestalt notwendig zu ihm wie sein Schatten. Dabei ist durch die Lage des Rathauses über Eck das Thema nicht das einfachste. Auch die Giebelfront verlangt ihren Spielraum.

Es ist jedoch kein Meter breit Platz zu viel oder zu wenig da, und man kann unter diesem Gesichtspunkt die Aufgabe des Eckerkers darin sehen, daß das Gebäude diesen Vorstoß macht, um den sich hier erweiternden Raum bis in den Winkel hinein zu beherrschen. Auch das unebene Terrain ist für die Wirkung ausgenutzt. Den Besucher, der, wie’s am häufigsten geschieht, von Südosten auf den Markt tritt, zieht die steigende Erdwelle zum Rathaus hin.

So glücklich mit seinem Platz verwachsen wie das Rothenburger Rathaus ist vielleicht kein zweites. Doch nehmen auch die Rathäuser in Molsheim und Heilbronn, in Leipzig und Bremen die rechte Stellung zu ihren Plätzen ein. Sie beherrschen den Platz, ohne ihn zu erdrücken. Sein Breitformat entspricht dem der Rathäuser. Man ist keinen Augenblick im Zweifel, zu welchem Gebäude der Platz gehört. Die Lage des Molsheimer Rathauses ist städtebaulich außerdem dadurch interessant, daß seine freie Giebelseite als Abschluß der vom einen Stadttor herkommenden schmalen Straße erscheint. Wenig gut ist die Situation in Schweinfurt. Da liegt das Rathaus wie verloren an der Schmalseite eines Platzes, dessen große Tiefe in keinem Verhältnis steht zu dem zierlich komponierten Haus. Es füllt nicht einmal die Schmalseite aus und ist an die Ecke geschoben. Der Platz macht einen leeren, unwohnlichen Eindruck. Man möchte gern ein Stück davon abschneiden. Aus alten Stadtplänen ergibt sich, daß diesmal schon das 16. Jahrhundert einen Mißgriff getan hat. In einem ähnlich ungünstigen Verhältnis steht das Saalfelder Rathaus zu seinem Platz.— In Altenburg verhilft der Turm dem Rathaus, das in der Mitte der Breitseite eines ebenfalls sehr tiefen Platzes steht, zur Geltung. Nach beiden Seiten überschaut er gebietend den Platz. Außerdem hat man hier durch den den Hof abschließenden Torbau das Gebäude vor einer Isolierung bewahrt. Sitte führt diesen Fall als Beispiel für die Geschlossenheit einer alten Platzwand an. Zugleich bekommt die an sich nicht sehr umfangreiche Front eine breitere stattlichere Figur.

In den meisten Fällen erstreckt sich die Herrschaft des Rathauses nur auf den Platz, der etwa wie in Heilbronn gleich einem großen Vorhof ihm zugehört. Dagegen bildet das Paderborner Rathaus den Abschluß eines Straßenzuges, der sich zuletzt vor der Fassade zu einem Platz erweitert. Sie zieht eine ganze Strecke Weges den Blick auf sich, und die seitlich rahmenden Häuserfronten der Straße geben eine lebendige Fassung, so daß kein Vakuum entsteht, wie es bei einem der Breite aber nicht der Höhe des Gebäudes entsprechenden «Tiefenplatz“ geschähe.

Eine Disposition besonderer Art findet sich dort, wo das neue Rathaus in eine vorhandene Verkehrsader einschneidet. In derartigen Fällen hat man den Strom nicht um das Gebäude herumgeleitet, sondern schuf ihm einen Weg durchs Rathaus hindurch. Durch solch einen Torbau kommt es dazu, daß das Rathaus mit den sich angliedernden Häusern des Straßenzuges zu einer einheitlichen Gruppe sich bindet. Das Risalit des Schweinfurter Rathauses ist in dieser Weise in das Bild der am Rand des Platzes hinführenden Straße einbezogen worden, so daß die malerische Komposition, die dem Gebäude an sich eigen ist, in der Straßenperspektive sich fortsetzt. Nach diesem geschlossenen Ensemble ist der Riesenplatz eine um so unangenehmere Überraschung. Beim Rathaus von Emden, das mit seiner Breitseite vor die Hauptstraße geschoben ist, sitzt die Durchfahrt — dem Verkehrsweg zu Liebe — assymmetrisch in der sonst gleichmäßig aufgeteilten Front. Es kam dem Architekten mehr auf eine verständige Eingliederung in die gegebene Konstellation an, als auf eine an sich tadelfreie, aber schlecht in die Umgebung passende Fassade. Von den beiderseitigen Straßen aus wird klar, daß man es verstanden hat, bei dieser zunächst praktisch geforderten Anordnung sich eine künstlerische Wirkung zu schaffen. Auch in dem thüringischen Städtchen Mühlhausen ist die Ratsgasse unter dem Rathaus durchgeführt. Anderswo handelt es sich nur um einen Durchgang zu einem zweiten Platz wie in Leipzig und Gera.

Im 19. Jahrhundert war man nicht so fügsam gesonnen. Man präsentiert lieber ein öffentliches Gebäude für sich allein und verschafft, wenn notwendig, dem Verkehr durch «Freilegen“ ringsum den genügenden Raum. Die alten Rathäuser standen oft auch frei und wurden ringartig von Straßen und Plätzen umschlossen. So liegen namentlich in Schlesien die Rathäuser mit wenigen Ausnahmen auf dem „Ring“. Der Ring ist jedoch nicht auf allen Seiten gleich breit. Entweder wird er durch Anbauten wie Verkaufsstände und dergl. auf einer Seite beschränkt, oder man rückt das Gebäude, gleich den alten Brunnen, gegen eine Ecke des Platzes, damit es sich anlehnen kann. Außerhalb Schlesiens gehört die Placierung des Wittenberger Rathauses hierher.

Wo kein Platz zur Verfügung stand wie in Nürnberg gegenüber dem Chor der Sebalduskirche, oder wo der Platz nur eine beiläufige Beziehung zum Rathaus besitzt wie in Augsburg, mußte das Rathaus sich lediglich durch seine Fassadenphysiognomie aus der Häuserwand herausheben.

In Augsburg hat außerdem Holl, vielleicht weil er auf eine Nahwirkung durch eine Platzanlage verzichten mußte, nach einer Wirkung in der Stadtsilhouette verlangt, indem er nachträglich die Türme aufsetzte. Der Bau hätte dann, wie er selbst sagt, in als außer der Stadt ein heroischeres Ansehen. In der Tat wurden die beiden für den Reisenden, den sie aus der Ferne begrüßen, eher als die Kirchtürme, zum Wahrzeichen der Stadt. Würdiger konnte Holl, der das seltene Glück hatte, einer ganzen Stadt den Stempel seiner Eigenart geben zu dürfen, das Werk seines Lebens nicht beschließen. Es mag kein Zufall sein, daß man in derselben Zeit, in der die große Gesinnung eines Architekten solch eine Stadtsilhouette prägte, dazu kam, das Bild einer Stadt als Gesamterscheinung künstlerisch aufzufassen, d. h. daß man nach den bisherigen, nur registrierenden Prospekten anfing, eine malerisch gesehene Stadtansicht zu geben.

Beschreibung der einzelnen Rathäuser Süddeutschland Teil I

Oberrhein.

Ensisheim.

1535-1547.

Woltmann, Gesch. der Kunst i. Elsaß, S. 299 f. Kraus, Kunst u. Altert, i. Els.-Lothr., II, 78 f. Hausman und Polaczek, Denkmäler der Baukunst im Elsaß, S. 102 ff. (Hier die Vermutung, daß das von 1506 an erneuerte Rathaus von Basel vorbildlich gewirkt hat.) Stiehl, S. 75 f. Lambert und Stahl XXXI. Taf. 20, 21. — 1637 und 1735 restauriert.

Material: Gelber Sandstein aus Rufach.

Das zweistöckige, ein Walmdach tragende Gebäude besteht aus zwei rechtwinklig aneinanderstoßenden Flügeln, deren Innenseiten eine Ecke des Kirchplatzes bilden. An der Außenseite des freiliegenden Flügels führt die Hauptstraße des Ortes entlang.

Dieser reichere Teil des Gebäudes, der den großen Saal enthält, besteht im Erdgeschosse aus einer Halle, die sich in weiten Spitzbogentoren, zweien auf der Stirnseite, je dreien auf den Langseiten, öffnet. Ihr reiches, mit farbigen Rosetten besetztes Sterngewölbe wird von zwei freistehenden Pfeilern — der eine umgeben von sechs mehrfach eingeschnürten und ornamentierten Säulen—und von glatten an die Außenpfeiler sich anlehnenden Säulen getragen. An der Fassade liegen den breiten, starken Pfeilern Pilaster vor mit reich profilierten Gebälkköpfen, über denen sich das durchlaufende Gesims der Saalfenster weit vorkröpft Außerdem gliedert die Mauer über den Toren ein Gesims, das einen oblongen rechtwinkligen Rahmen um die Pilasterköpfe bildet. An dem oberen leichteren Geschoß tragen die Pilaster Faltwerk. Ein dünner über die Pilaster fortgeführter Gurt grenzt einen Mauerstreifen zwischen Fenstern und Dachgesims ab, der möglicherweise bemalt war. An der Stirnseite des Saalbaues werden außerdem die Felder über- und unterhalb des Gurtes noch einmal durch schlanke, vielfach gegliederte Kandelaberhalbsäulen halbiert. Die zu dreien zusammengenommenen rechteckigen Fenster, von denen das mittlere jedesmal erhöht ist, nehmen an der Stirnseite die Breite der Felder ein; die Fenster der übrigen Seiten sind z. T. von verschiedener Zusammensetzung und sitzen unregelmäßig in den breiteren Feldern. — An der Straßenfront kragt sich ein kleiner polygoner, vom Saal aus zugänglicher Balkon auf spätgotischer Konsole vor.

Am einfacher gehaltenen Querflügel ist nur der Gurt unterm Dachgesims durchgeführt. Vertikalglieder, abgesehen von den Eckpfeilern, fehlen. Aus diesem Flügel tritt gegen den Platz ein polygoner Turm vor, in dem eine bequeme breite Treppe unter einem Sterngewölbe den Zugang zum Obergeschoß vermittelt. Der Turm schließt mit dem Fassadengesims und trägt einen achteckigen Spitzhelm. Die Treppenfenster ruhen auf schrägem Gesims. Das niedrige Stichbogenportal wird von Kandelaberhalbsäulen und einem hohen, neuerdings mit einer Büste versehenen Aufsatz gerahmt

Das Erdgeschoß enthielt in seinem geschlossenen Teil „einen als Rüstkammer anzusprechenden, mit großer Einfahrt (von der Straße) zugänglichen Raum und einen kleinen Markthallensaal, ohne Verbindung mit dem Obergeschoß“1). Über beiden lag der große, jetzt mehrfach geteilte Versammlungssaal als einziger Nachbar des Hauptsaales. Dieser existiert noch in seinen ursprünglichen Abmessungen, ansehnlich breit mit einer ziemlich hohen geraden Balkendecke.

Molsheim.

Erste Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Hausman und Polaczek, a. a. O., S. 103, Taf. 92. — Das Datum an der Uhr, 1607; bezieht sich auf die Umrahmung und den Helm. Jetzt Amtsgericht.

Der rechteckige, zweistöckige Bau, der sich mit der Breitseite dem Marktplatz zuwendet, trägt ein hohes, steiles Satteldach mit dreistöckigen Giebeln über den Schmalseiten. Die Front, die im Verhältnis zum Dach niedrig erscheint, zeigt eine symmetrische Gliederung. Eine doppelläufige Freitreppe führt zu dem quadratischen Podest vor der niedrigen Bogentür. Über dem Podest erhebt sich, vorn auf zwei kurze kannelierte Pfeiler gestützt, ein viereckiges Uhrtürmchen, das in seinem oberen Teil späteren Datums ist, jedoch wohl einen ursprünglichen über das Dachgesims aufsteigenden Aufbau ersetzt Oberhalb der Uhr, deren figürliche Umrahmung ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert stammt, ist es gleich der geschweiften Kappe mit Schiefer verschalt.

Symmetrisch zu dieser zentralen Anlage läuft auf beiden Seiten, über den Treppenansätzen beginnend, ein Altan vor dem Obergeschoß entlang; der südliche biegt rechtwinklig um die Frontecke herum und setzt sich auf der freiliegenden Giebelseite fort. Der Altan wird von kräftigen Renaissancekonsolen getragen. Die Brüstung besteht — gleich dem Treppengeländer — aus spätgotischen Maßwerkfüllungen.

Colmar ist hiermit jedenfalls das jetzige Kornhaus in Sulz gemeint, das früher als Rathaus gedient haben wird. Gemeinsam ist die Anordnung einer doppelten Freitreppe vor oblonger Front und das Heraufführen der Podestverdachung über das Dachgesims (in Sulz als Dacherker). Doch ist die Verwandtschaft nicht viel näher als mit anderen ähnlichen Anlagen am Oberrhein.

Das Erdgeschoß, das als Markthalle diente, öffnet sich nach allen vier Seiten in breiten Bogentoren. Das Obergeschoß, das allein den Saal enthielt, hat große, rechteckige Fenster, je zwei zwischen Mittelbau und Altantüren, zwei breitere, dreiteilige an der Südseite.

Die hohen Giebelwände sind durch Gurte und durch flache kannelierte Pilaster geteilt. Den Kontur bestimmen große derbe Voluten, die dem 17. Jahrhundert angehören mögen.

Mülhausen.

1552.

Woltmann, a. a. O., S. 300 ff. m. Abb. Lübkel, 272 f. Kraus, a. a. O., II, 450 ff. (Weitere Lit. ebenda). Stiehl S. 19 f. Auf den Fundamenten des 1551 durch Brand zerstörten gotischen Rathauses „angeblich in ganz den nämlichen Verhältnissen und Formen“ errichtet.

Drei nach oben niedriger werdende Stockwerke von oblongem Grundriß unter einem nicht allzu hohen Satteldach1). Vor der dem Markt zugewendeten Breitseite führt eine doppelte Freitreppe zum Hauptgeschoß. Die Richtung der ziemlich steil ansteigenden Treppenbalustraden wiederholt sich in den flachen, von schlanken Säulen gestützten Dächern2), die auf die niedrige geschweifte Kappe des rechteckigen Podestes hinlaufen. Von hier führt eine von Pilastern und Gebälk gerahmte Bogentür auf die Diele. Gegen den Markt öffnet sich der Vorplatz in einem auf Säulen ruhenden Bogen. Die Brüstungsmauer trägt das Stadtwappen.

Die Durchlochung der Fassade ist eine unregelmäßige. Im Erdgeschoß, das ehemals eine Halle einnahm, sind es neben den Spitzbogentoren einteilige Öffnungen mit derber Einfassung. Die zierlicher profilierten Fenster des Obergeschosses, die ebenfalls nicht mehr die ursprünglichen Dispositionen haben, sind zu zweien und zu dreien zusammengenommen; an der einen Giebelseite öffnet sich der Hauptsaal in zwei vierteilige Fenster, unter jedesmaliger Erhöhung des mittleren. Die Brüstungsgesimse sind durchgezogen.

Die zweistöckigen Giebel über den Schmalseiten werden von Viertelkreisscheiben und Voluten, nach oben von einem Halbkreistympanon eingefaßt.

Die eigentliche Gliederung der Fassade besteht in der Bemalung, die sich auch auf die Giebelseiten erstreckt. Das hohe Erdgeschoß ist durch eine Rustikamauer als Sockel charakterisiert. Das Hauptgeschoß ist als flachgedeckte auf Säulen ruhende Loggia gedacht, hinter deren Balustrade allegorische Figuren herabsehen. Zwischen die Fenster des niedrigeren dritten Stockwerks hat man gedrungene Nischen mit den Figuren der Tugenden angeord-net, von Pilastern als scheinbaren Stützen des Dachgeschosses flankiert. Der Hauptton der gemalten Architektur ist rotbraun, der der Figuren goldgelb. In dem mit grünen Ziegeln durchsetzten Schindeldach, aus dem vier „wohlgegliederte“ Kamine in symmetrischer Anordnung aufsteigen, setzt sich die Farbigkeit der Fassade fort.

Boersch.

Nach 1550.

Kraus, a. a. O. I, 32. Hausman und Polaczek a. a. O. 103, Taf. 94. — Treppenturm 1572. Erker 1615.

Ein oblonges, dreistöckiges Gebäude mit einem Satteldach, die Giebel einfach abgeschrägt. Die Stockwerke sind durch Gurte getrennt. In der Frontmitte tritt ein halbrunder Treppenturm vor, er überschneidet um ein Geschoß das Dachgesims und trägt einen Spitzhelm. An der einen Frontecke sitzt ein zweistöckiger Erker auf zwei Konsolen. Seine Fensterbrüstungen sind gefeldert und ornamentiert. Er schließt mit einer Maßwerkbalustrade. Das Erdgeschoß öffnete sich ehemals in mehreren breiten Rundbogentoren.

Straßburg.

(„Neuer Bau“ Hotel du Commerce.)

1582—1585.

Woltmann, a. a. O., S. 302 f. Kraus, a. a. O. I, 552 f.

O. Winkelmann, der Erbauer des alten Straßburger Rathauses,

1. d. Zeitschr. f. Geschichte des Oberrheins N. F. 8, S. 579 ff. Straßburg und seine Bauten 1894, S. 288 f. Leitschuh, Straßb. 1903, S. 72 f. Hausman und Polaczek, a. a. O., S. 104, Taf. 97. Bezold, a. a. O., Fig. 84. — Als Erbauer galt früher Daniel Specklin (Woltmann, Bezold, S. 105). Neuerdings vermutet man als Autor des Entwurfes Joh. Schoch, den Baumeister des Heidelberger Friedrichsbaues (Winkelmann a. a. O., Hausman, Elsäss. Kunstdenkm., S. 26). Nach Leitschuhs Meinung hat Wendel Dietterlin, der die Malereien im Inneren ausführte, auch die Fassade entworfen. Als ausführende Steinmetzen werden genannt Jörg Schmitt v. Schaffhausen und Paul Maurer v. Zürich. — Die Stadt ließ das Gebäude errichten, ohne eine bestimmte Verwendung dafür zu haben, nur um „den Platz in besseren Wohlstand zu bringen“. Allmählich erst siedelte die Stadtverwaltung in die neuen Räume über. Das Erdgeschoß wurde vermietet. — Im Hof befindet sich eine spätgotische Tür (1509) von einem älteren vor dem Neubau vorhandenen Bau (Statsmann, z. Gesch. d. deutschen Frührenaissance i. Straßb., 1906, S. 73). Mehrfach wiederhergestellt. Namentlich während der französischen Revolution demoliert.

Eine dreiflügelige Anlage von oblongem Grundriß, ein vierter Flügel wurde im 19. Jahrhundert hinzugefügt. Die lange Hauptfront liegt am Gutenbergplatz. Über drei Stockwerken sitzt ein niedriges, mit drei Reihen Gaupen besetztes Walmdach1). An der Fassade ist eine regelmäßige Gliederung durch Pilasterordnungen durchgeführt, wobei die Form der Träger und Gesimse von Geschoß zu Geschoß leichter und zierlicher wird. Das Erdgeschoß kontrastiert mit Pfeilerarkaden und Rustika zu den oberen Stockwerken, die beide rechteckige Öffnungen und glatt verputzte Brüstungswände zeigen2). Die Achsenteilung ist jedoch die gleiche und die oberen Vertikalglieder haben im Erdgeschoß ihre Vorbereitung. Auch der in den Obergeschossen stattfindende Stützenwechsel kündigt sich im Erdgeschoß an, indem den stärkeren kannelierten Pilastern kräftige toskanische Pilaster unterstellt sind, während sich die schlankeren, durch vertiefte Füllungen noch zierlicher wirkenden Träger mit Konsolen begnügen.

Die dreiteiligen Fenster nehmen die ganze Breite der Felder ein, so daß sie als ein nur durch die Pilaster unterbrochenes horizontales Band wirken gleich den durch die flachen Pilastersockel geteilten Brüstungen. Im Hauptgeschoß tragen die Fenster eine niedrige Volutenverdachung, im obersten stoßen sie unmittelbar an das Dachgesims.

Die Regularität der Fassade hält allein das Portal nicht inne; acht Bogenöffnungen liegen links, sechs rechts von ihm. Das erklärt sich daraus, daß die Fassade nicht vollständig frei am Platz,, sondern zum Teil in der Straßenmündung liegt. Vom Platz aus gesehen erscheint das Portal fast zentral. DieÄdikula-Umrahmung um die mit mit einem Stichbogen schließende Öffnung nimmt mit ihren Freisäulen fast die Breite zweier Fenster ein. Die Dreiecksbekrönung reicht ins obere Stockwerk hinauf.

Die Erdgeschoßhalle zeigt „Frührenaissance und Formen der Nachgotik“1). Die Grundrißeinteilung der oberen Geschosse, die durch eine Wendeltreppe verbunden waren, wurde erst nach Fertigstellung der Fassade festgestellt.

Kaysersberg.

1604.

Ein dreistöckiger Putzbau mit einem Walmdach, die Breitseite der Straße zugewendet. Einfache, rechteckige Fenster auf durchlaufenden Gesimsen. In der Frontmitte sitzt über der breiten, reichgewandeten Rundbogentür, bis zu deren Schlußstein seine reich profilierte Konsole hinabgeführt ist, ein rechteckiger, zweistöckiger Erker, der in der Höhe des Dachgesimses von einem Volutenaufsatz bekrönt wird. Hinter der rechten Frontecke, etwas zurücktretend, ist ein schlichter, polygoner Treppenturm angebaut mit einem sich wenig übers Hauptdach hebenden Spitzhelm.

Links von dem Mittelportal befand sich eine zweite, jetzt zum Fenster gestaltete Bogenöffnung von gleicher Art, die auf eine ursprüngliche Halle im Erdgeschoß hinweist. Im Hauptgeschoß finden sich zwei Säle, die übrigen Räume sind verbaut. Den Hof umschließt auf zwei Seiten eine offene Holzgalerie mit zierlicher Balustrade und geradem Gebälk auf gewundenen Säulen.

Gernsbach.

1617.

Lübke, I, 293. Bezold, S. 52. Bluntschli, S. 53. Am Portal das Datum 1618. Abb. Ortwein, Abt. 39, Bl. 1—6. Ein Joh. Jac. Käst hat es für sich als Familienhaus gebaut und nach seinem Wegzug der Stadt als Rathaus geschenkt.

Der schlanke, dreistöckige Bau aus rotem Sandstein bildet mit einer Giebelfront und zwei gleichfalls schmalen seitlichen Fronten die Ecke zwischen zwei „nicht eben breiten Straßen“. Die Rückseite schließt an Privathäuser an.

Aus der Ecke zwischen Giebelseite und der durch das Portal ausgezeichneten Nordfront kragt sich auf schlichter Konsole, als zierliches Schmuckstück gestaltet, ein zweistöckiger polygoner Erker vor. Er schließt in der Höhe des Hauptgesimses und trägt eine achtseitige geschweifte Kappe. Asymmetrisch über der Portalfront sitzt ein einstöckiger Dacherker.

Die Geschoßansätze werden durch Gurte bezeichnet. Das kräftiger gebildete Dachgesims markiert auch die Basis des Giebels. Sämtliche Gesimse, auch die Brüstungs- und Verdachungsgesimse der zunächst liegenden Fenster, greifen um den Erker herum, so daß sich über und unter seinen allseitigen Öffnungen rechteckige Felder ergeben, die mit Kartuschen und Bandwerk gefüllt sind. Die Fassadenwand wird belebt durch die Rahmen der breiten rechteckigen Fenster: schmales Rollwerk an den Vertikalrändern und durchbrochene, reich profilierte Dreiecke mit kleinen Vasen in der Mitte als Bekrönung.

Der Giebel, in zwei Fenstergeschosse und einen mit einem Rundloch versehenen Aufsatz geteilt, hat die gleichen Gesimse und dieselbe Art Fenster wie die Fassade. Der Nachdruck liegt auf den durch Beschlagwerk, derbe Voluten und Obelisken gebildeten Rändern. Ähnliche Voluten hat der niedrige, mit einem Halbkreis zwischen Obelisken schließende Dacherkergiebel.

Die stattliche Umrahmung des Rundbogenportals besteht aus auf Sockeln ruhenden toskanischen Freisäulen, über denen sich das in der Wand sitzende Gebälk vorkröpft. Die Bekrönung, ein Relief in einer Kartusche, eingefaßt von großen fragmentierten Voluten, von einem Dreieck verdacht, überschneidet das Gesims des Erdgeschosses. Im Innern bildet eine Wendeltreppe die Verbindung der Stockwerke.

Schwaben.

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Rottweil.

1521.

Kunst- u. Alt. Denkm. i. Württemberg (Schwarzwaldkr.) II, 320 f. Ansicht der Hauptstraße mit dem Rathaus ebenda.

„Ein stattliches dreistöckiges Steingebäude im spätgotischen Stil, in den sich schon Renaissanceformen eingedrängt“ Das oberste Geschoß, das den Saal enthält, wird durch ein Gesims gegen die unteren abgegrenzt. Die rechteckigen, von Rundstäben eingefaßten Fenster der oberen Stockwerke sind zu vieren zusammengenommen unter Erhöhung des mittleren Paares.
Heilbronn,

Lübke I, 390f. Bezold, S. 51 f. 1535 brannte das alte Rathaus ab. 1580 findet sich als Datum an der Uhr, aus dieser Zeit stammt die Vorhalle. 1593 am Giebel im Hof, wohl gleichzeitig der zurückliegende Flügel.

Der dreigeschossige ungegliederte Rumpf von oblongem Grundriß trägt ein hohes Walmdach. An der Marktfront erstreckt sich vor dem Erdgeschoß eine gewölbte Vorhalle, die sich nach vorn in fünf Stichbogen auf gedrungenen jonischen Säulen öffnet. Zu beiden Seiten schließen Freitreppen an, die an den Ecken der Front beginnen und zu dem über der Halle sich hinziehenden Altan hinaufführen. Die Längserstreckung wird betont durch die steinerne Altanbrüstung: durchbrochene Bandwerkfüllungen zwischen Pfosten, die durch Figuren ausgezeichnet, auf starken Konsolen ruhen. Ähnliche Füllungen zeigen die Treppengeländer.

Dem horizontalen Vorbau begegnet als vertikaler Akzent in der Mittelachse der Fassade die Kunstuhr. Sie beginnt mit einer im zweiten Stock eingebauten astronomischen Tafel, die von korinthischen Halbsäulen und Gesimsen umrahmt wird. Über dem in Fassadenhöhe abschließenden Gesimse folgt ein Dacherker mit dem Zifferblatt, von Pilastern und kleinen Posaunenengeln in Nischen flankiert. In dem giebelförmigen Aufsatz darüber ein kleinerer Mondkalender zwischen Pilastern und Voluten, dann eine freihängende Glocke zwischen skul-pierten Pfosten und ein figürlich ornamentales Schlußstück als zierliche Bekrönung.

Die breiten rechteckigen Fenster mit noch gotischem Kehlenprofil, im unteren Geschoß mit steinernen Pfosten, sind von ungleicher Größe und nicht regelmäßig auf der glatten Fläche verteilt. Die beiden rechtwinkligen Altantüren sitzen symmetrisch zur Uhr. Die zwei an den Enden der Balustrade aufgerichteten Ritterfiguren unter Baldachinen sind, ebenso wie das im oberen Stock eingelassene Wappen, vom gotischen Rathaus übernommen.

Das Innere wurde vor kurzem vollständig erneuert. Die große Diele, die man vom Altan aus betritt, mit dicken Holzpfeilern unter der flachen Balkendecke, ist die alte. —

Der kurze Flügel, der in den neunziger Jahren des 16. Jahrhunderts an die rechte Schmalseite angebaut wurde, liegt, um den einheitlichen Eindruck der älteren Fassade nicht zu stören, bescheiden zurück in gleicher Fluchtlinie mit dem späteren Oberamtsgebäude. Er ist dreistöckig, von gleicher Höhe wie das Rathaus. Das breite rundbogige Durchgangsportal zum Hof ist an die linke Ecke gerückt. Es hat einen Rahmen von gebänderten Pilastern und verkröpftem Gebälk mit einer flachen Giebelbekrönung, einem Adler zwischen Beschlagwerk und Voluten. In den ungegliederten Obergeschossen sitzen je drei rechteckige Fensterpaare dicht beieinander. Über dem kräftig ausladenden Hauptgesims erhebt sich in der ganzen Breite des Flügels ein einstöckiger Giebelerker. Das rechteckige Fensterfeld wird von korinthischen Säulen eingefaßt und von einer Säule halbiert. Über ihren Sockeln läuft ein Gesims, auf dem die zwei rechteckigen, nach der Mitte gerückten Fenster aufsitzen. Die Umrahmung des Erkers besteht aus Beschlagwerk, das in Voluten und Obelisken ausgeht.

Von gleicher Art ist die Umrahmung des zweistöckigen Dacherkers im Hof. Flache Pilaster flankieren die Öffnungen, zwei rundbogige Speichertüren übereinander, die untere von rechtwinkligen Fenstern begleitet. Zu Seiten der oberen Tür liegt Beschlagwerk mit zackigem Volutenkontur. Der Erker schließt mit einer Sonnenuhr und einem Obelisken über einem männlichen Kopf in kreisrunder Umrahmung.

Augsburg.

1616—1620.

Wilh. Vogt, Elias Holl, Bamberg 1890. Weitere Lit. ebenda, p. 75. — 1614 trägt der damals 41jährige Elias Holl dem Ratsherrn Rembold beim Mittagessen den Plan eines neuen Rathauses vor. Er bekommt im Februar 1615 den Auftrag, das alte Rathaus abzubrechen und ein schönes neues an dessen Stelle zu errichten. Damit man das Glockenwerk des alten Rathauses während des Neubaues nicht außer Tätigkeit zu setzen braucht, überführt Holl die Glocken auf den benachbarten, zu diesem Zweck erhöhten Perlachturm am 1. Mai 1615. Holl reicht mehrere Visierungen ein. Am 25. August 1615 wird der erste Stein des südlichen Flügels gelegt. 1618 werden die Türme aufgesetzt. Am 3. August 1620 findet die erste Ratswahl im neuen Hause statt. Material: Ziegel, verputzt. Fensterrahmen und Gesimse in Kalkstein.

Das Rathaus liegt an dem langen Straßenzug, der sich von Süden nach Norden bald breit, bald eng, in leichten Biegungen durch die Stadt zieht. Schräg gegenüber der Fassade, die an der Fluchtlinie der Nachbarhäuser festhält, erweitert sich die Straße zu einem kleinen Platz, der jedoch nach seiner Lage und seinen Verhältnissen nicht unmittelbar zum Rathaus gehört. Der nördlichen Front liegt in geringer Distanz der Perlachturm gegenüber, während die Südseite vom Nachbarhaus aus durch eine Treppe getrennt wird, die zu der in einiger Entfernung hinter dem Rathaus entlangführendeh Straße hinabgeht. Denn das Rathaus sitzt in stark abschüssigem Gelände, so daß die rückwärtige Seite um zehn Meter höher ist als die Hauptfront.

Auf keiner Seite sonderlich viel Spielraum, aber nirgends derart eingebaut, daß das Wandsystem unterbrochen werden müßte, steigt das Rathaus, im Grundriß ein dem Quadrat genähertes Rechteck, in die Höhe. Ein festgebundener Körper ohne Vorbau, ohne ausgelegte Flügel. Doch, geben sich in der äußeren Gestalt die Hauptteilungen des Inneren klar kund. Die Westfront nach der Straße zeigt gleiche Gliederung wie die Ostfront, ebenso wie Nord-und Südfront übereinstimmen. Das breite Mittelstück der westlichen Hauptfassade, ein schwaches Risalit, das durch die Art seiner Durchlochung und durch das Hinaufführen über die Seitenteile, durch ein Satteldach und Giebelbekrönung ausgezeichnet wird, deutet auf den Hauptraum, der in der Mittelachse das Gebäude durchquert und an der Ostseite die gleiche Gliederung hervorruft. Die Nord- und Südseite haben
gleichfalls Mittelglieder, die sich ebenfalls als schwache Risalite mit besonderer Fensterordnung abzeichnen. Sie weisen auf die Treppenanlagen, über denen die Türme aufsitzen. Man hat die Breite der Treppenhäuser so genommen, daß die Fassadenteile rechts und links den entsprechenden Seiten der West- und Ostfront gleichen, so daß die Mittelglieder aller vier Seiten gleichmäßig flankiert und zugleich quadratische Grundrisse für die vier Eckteile gewonnen werden.

Die Gliederung dieser Eckteile ist diese: In dem hohen Erdgeschoß, das sich durch ein Gesims von den oberen Stockwerken abgrenzt, zwei Reihen von je vier nahezu quadratischen Löchern übereinander. Über dem Gesims zwei Reihen rechteckiger, länglicherFenster, die zu den Zimmern des zweiten und dritten Stocks gehören, und unter dem Dach viereckige Öffnungen eines Bodengeschosses, von gleicher Art wie im Erdgeschoß. Über dem Dachgesims läuft eine Balustrade, deren eng gestellte Baluster an den Ecken und in den Seitenmitten durch Pfosten, die mit Kugeln1) besetzt sind, unterbrochen werden.

Im Mittelbau ist die Durchlochung eine stärkere. Die Fenster, jedesmal sechs, reihen sich enger aneinander, und zwischen den Reihen sind die Mauerintervalle geringer oder durch Bekrönungen beschnitten. Die Halle im Erdgeschoß öffnet sich an der Westfassade in dem großen Portal, das jederseits von zwei langen Rundbogenfenstern begleitet wird. Dem entsprechen sechs solche Fenster im Osten. Über dieser Halle liegt ein Saal, niedrig im Vergleich zu seiner Ausdehnung, von derselben Höhe wie die Eckräume, mit denen er auch in der Fensterform, abgesehen von derGiebelbekrönung, übereinstimmt. Das wird anders im folgenden Geschoß, das den Hauptraum des Hauses, den sogenannten »goldenen Saal“ enthält. Erreicht über das Dachgesims hinaus und nimmt noch die untere Fensterreihe des Aufbaues für sich in Anspruch. Seine unteren Fenster strecken sich soweit hinauf, daß ihre Bekrönungen zugleich die Postamente der nächst höheren Fensterordnung abgeben. Diese sind zu ovalen Öffnungen umgestaltet.

Auf ihren rechteckigen Rahmen sitzen durchbrochene Segmentbogen, die mit ihren Scheiteln ans Dachgesims stoßen. Der zweistöckige Bau über dem Dachgesims wird durch eine glatte StreifenUmrahmung in sechs längliche Felder geteilt, welche die Fortsetzung bilden für die von unten auf betonte, allein durch die Anlage der Fenster hervorgebrachte vertikale Gliederung. Die untere Reihe gehört — wie gesagt — noch zum Saal; die obere zu einem Raum, der unmittelbar über der unteren Reihe einsetzt und eine von Säulen getragene flache Decke hat, der sogenannten „Modellkammer“. Der vor dem Satteldach sitzende Giebel hält sich ebenfalls an die vertikale Teilung der Fassade. Das große, ehemals mit dem Reichsadler geschmückte Mittelfeld hat die Breite von zwei Fensterfeldern, mithin die des Portals. Die von glatten Pilastern eingefaßten Seitennischen entsprechen je einem Feld. Ein Dreieck liegt über dem Gebälk des Mittelstückes, ein größeres, daß die Nischen mit einbegreift, bildet den äußeren Rahmen. Hinter der Dreiecksspitze erhebt sich als schließliche Krönung ein aufrechter Pinienzapfen, das Wahrzeichen Augsburgs.

Die vollkommen sich entsprechenden zwei Treppen erhalten ihr Licht durch drei Paar schlanke Rundbogenfenster, die in der Höhe der breiten Podeste also zwischen den Fensterreihen der Eckräume sitzen. Die untersten zwei durchschneiden das Erdgeschoßgesims.

Die Türme beginnen über den Treppenhäusern mit quadratischen Sockeln, die von derselben Höhe sind wie der Mittelbau und von der gleichen Gliederung in den Streifenrahmen und Fenstern. Auf die Vierecke folgen schlanke Achtecke; die hier wiederkehrende Streifenumrahmung der acht Felder wird verstärkt durch Eckpilaster und ein schlicht herumgeführtes Gebälk. In jedem der schmalen Felder sitzt ein Rundbogenfenster und ein Rundloch darüber, beide rechteckig umrahmt, das obere von durchbrochenem Giebel bekrönt. Flache Dreiecke umgeben die Basis der achtseitigen, bauchigen Helme.

Drei Stufen führen zum Hauptportal, dessen Breite zwei Fensterfeldern entspricht und dessen Archivolte die Fensterhöhe erreicht. Es hat einen stark vorspringenden Rahmen in den toskanischen Säulen und dem breiten Gebälk, über dem ein vom zweiten Stock aus zugänglicher Balkon ausladet. Dieses Eingangstor und das Wappenfeld des Giebels sind die einzigen Sonderexistenzen an der Fassade. — Zwei symmetrisch sitzende kleine Türen mit Dreiecksverdachung dienen als besondere Zugänge zu den Seitenräumen.

Das Hauptportal ist die rechte Einführung in die großen Abmessungen der Halle, des »Flöz“. Er wird durch acht Pfeiler, die Kreuzgewölbe tragen, in drei Schiffe geteilt. In der Mitte der Langseiten liegen die Zugänge zu den Treppen, die unter flachen Tonnen gradläufig, aber noch ziemlich steil hinaufführen. Der Raum über der Halle, der „obere Flöz“, ist niedriger. Dieser Eindruck wird verstärkt durch die flache Kassettendecke, die von korinthischen Säulen — in gleicher Anordnung wie die Pfeiler unten — gestützt wird. Um so überraschender wirkt der Saal im dritten Geschoß. Breite und Tiefe sind dieselben. Doch erscheint er weiträumiger durch das Fehlen der Freistützen. Seine Höhe vollends ist etwa die der zwei unteren Geschosse zusammen. Die Lichtführung geschieht, wie in den unteren Stockwerken, von den Schmalseiten her. Über sechs hohen Fenstern, die niedrige Brüstungen haben, folgen sechs ovale Öffnungen und unter der Decke noch eine gleiche Zahl quadratischer Löcher. Diese setzen sich auch an den Langseiten fort. Außerdem liegen hier in der Höhe der ovalen Öffnungen rechteckige Fenster einer über den Seitengemächern laufenden Galerie.

Während die Eingangshalle an der Schmucklosigkeit des Außenbaues festhält, werden im oberen Flöz Stützen, Decke und Türeinfassungen reich in Form und Dekorierung. Aber viel bedeutender ist die Steigerung im „goldenen Saal.“ Die Wände sind in der ganzen Höhe durch Malereien regelmäßig gegliedert: zwischen den Türen ornamentierte, von Pilastern flankierte Felder, zwischen den dunkeln Gangfenstern Nischen mit großen Figuren; ein breiter Fries mit Putten, Fruchtkränzen und Wappen darüber. Konsolenpaare tragen über ver-kröpftem Gesims die schwere Kassetten decke, in deren Hauptfelder Gemälde eingelassen sind1). Die übrigen Felder sowie die Rahmen sind mit reich vergoldeten Ornamenten besetzt. Statt der zwölf Türen, die in den unteren Geschossen vom Mittelraum zu den Seitengemächern und Treppen führen, sind es hier nur sechs, prächtiger gefaßt mit ausladender Bekrönung. Vor allem die Treppenportale sind schwer und üppig, im Gegensatz zu den schlichten Doppelbogen der Treppenzugänge unten sind sie als Prunkstücke der Langwände höher und breiter als die seitlichen Türen, von Säulen flankiert mit durchbrochenen Giebelaufsätzen und Figuren. — Die Seitenräume nehmen dieselbe Entwicklung wie der Mittelbau. Im Erdgeschoß sind sie mehrfach geteilt als Wachtzimmer, Archiv und dergl. ohne besondere Dekoration. Im zweiten Stock haben die westlichen Zimmer (Rats- und Gerichtsstube) den quadratischen Grundriß, die Ostzimmer (Steuerstube mit Vorzimmer, Proviant- und Baustube) sind gleichmäßig halbiert. Sie sind getäfelt und tragen Kassettendecken. Die Gemächer neben dem goldenen Saal mit reicherer Täfelung und kostbaren Decken haben alle vier quadratischen Grundriß. Es sind die sogenannten Fürstenzimmer, die nicht den Verwaltungsgeschäften dienen, sondern lediglich der Repräsentation. Von den an der genannten Galerie liegenden Räumen, die niedrige, kassettierte Decken haben, wurde der eine als Küche benutzt.

Franken und Hessen.
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Höchst.

Vor 1550.

Bau- und Kunstdenkm. d. östl. Taunus II, 27. Abb. d. früh. Zustandes ebda. „Die Bauformen weisen auf das 16. Jahrh. hin.« Jetzt in verändertem Zustand in Privatbesitz.

Ein zweistöckiges Eckhaus von quadratischem Grundriß. Das hohe Dach schließt nach Norden und Westen mit Treppengiebeln, deren Stufen mit Kugeln besetzt sind. Zwei ebensolche Giebel erheben sich über der Süd- und Ostfront. Das Erdgeschoß öffnete sich auf der Südseite in vier Arkaden. Die Fenster des Obergeschosses sind rechteckig, gekuppelt. Die Wand ist ohne jede Gliederung, auch die Fassadengiebel trennt kein Gesims vom Unterbau.

Erbach.
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Hauptbau 1545.

Kunstdenkm. d. Großherzogt. Hessen, Kreis Erbach

Das zweistöckige Rathaus, von rechteckigem Grundriß, bildet eine Gruppe mit dem rechtwinklig sich anschließenden Torbau, der einst die kleine Stadt abschloß. In dem aus Werksteinen errichteten Erdgeschoß befindet sich eine Versammlungshalle, die sich nach der Torseite in Rundbögen öffnet. Dahinter liegen Gefängnisse, an der Rückseite des Hauses gegen ein Flüßchen ein Anbau von 1551. Das Obergeschoß durch ein Gesims getrennt, ist in Fachwerk ausgeführt und verputzt. Der Dachstuhl stammt aus dem 18. Jahrhundert. Eine Wendeltreppe führt zum Sitzungssaal. — Der zweistöckige Torbau besitzt an seiner der Stadt zugekehrten Westfront gotische Elemente. Dagegen hat die Ostfront 1593-94 ein Renaissancegesicht bekommen. Einmal durch die Besetzung der Giebelschrägen mit Voluten und fächerförmigen Aufsätzen und ein verziertes Obeliskengebilde auf der Spitze; dann durch das, nicht in der Giebelachse sitzende, Bogenportal, das von Pfeilern und Gebälk gerahmt wird.

Darmstadt.
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1555.

Lübke II, 493.

Material: Haustein verputzt.

Von oblonger Grundform. Dreistöckig mit einem nicht allzu hohen Satteldach. Über der dem Marktplatz zugewendeten Breitseite sitzen nach den Ecken hin zwei breite Dacherkergiebel, durch Pilaster und Gurte gegliedert, von Voluten gefaßt. Zwischen beiden erhebt sich zentral ein Glockentürmchen aus dem Dachfirst. Die symmetrische Aufteilung der Fassade durchbricht der den linken Giebel überschneidende viereckige Treppenturm, der mit einem Satteldach und Volutengiebel schließt. Das Erdgeschoß öffnete sich ursprünglich in Arkaden. Das große reichgerahmte Portal sitzt asymmetrisch zu den Giebeln. In den glattverputzten Obergeschossen breite rechteckige Fenster. Die Giebel über den Schmalseiten haben die gleiche Fassung wie die Frontgiebel.

Kitzingen.
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1561.

Restauriert 1894, wobei die Giebel die Sgraffitobemalung erhielten.

Material: Bruchstein verputzt, Sandsteingliederungen.

Von unregelmäßig trapezförmigem Grundriß, nach drei Seiten frei, die eine Langseite an einer Gasse, die zwei Giebelseiten an dem (verkleinerten) Marktplatz und an der Hauptstraße.

Auf das Erdgeschoß folgen zwei durch dünne Gesimse getrennte Stockwerke. An die nördliche Schmalseite lehnt sich, nicht in der Mittelachse, ein glatter, runder Turm, ein Drei viertelkreis im Grundriß. Er schließt in der Höhe des zweiten Stockwerkes mit einem kräftigen Gesims, sein ein-gezogener Spitzhelm überschneidet die drei Giebelgeschosse. Diese, gleich denen des südlichen Marktgiebels, werden durch schwach profilierte Pilaster begrenzt. Die Giebelstufen füllen Kreissegmente, die mit dem halbkreisförmigen oberen Abschluß und den auf den Pilastern sitzenden Kugeln einen anspruchslosen Kontur bilden. Die Fenster sind nur an den Giebeln symmetrisch, sonst in ungleichen Abständen eingeschnitten, meist gekuppelt, an der Marktfront zu dreien gruppiert, wobei das Mittlere erhöht ist. Eine eingebaute Wendeltreppe an der Nordwestecke bekommt ihr Licht durch rautenförmige Öffnungen, die die Gesimse durchbrechen.

Die gradläufige Haupttreppe liegt an der östlichen Ecke der Südfront, unmittelbar hinter der Bogentür, die von Pilastern flankiert und von einer Inschrifttafel und einem Dreieck bekrönt wird. In der Frontmitte führt ein breites Tor zu der gewölbten Halle, die neben der Treppe das Erdgeschoß einnimmt. Die Teilungen der oberen Stockwerke sind nicht die alten. Im ersten Geschoß bestand eine größere Diele mit Freistützen, im zweiten ist u. a. der geräumige getäfelte Ratssaal erhalten und, in Verbindung mit dem Turmraum, die Kämmerei.

Rothenburg.
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1572—78.

1570 fanden Vorbereitungen zum Wiederaufbau des 1501 abgebrannten Marktflügels des got. Rathauses statt. Am 9. März 1570 ließ der Rat den Baumeister Nie. Hoffmann aus Halle, der damals in Schweinfurt das Rathaus baute, kommen, um mit ihm des Baues wegen zu verhandeln. Hoffmann fertigte einen Kostenanschlag über die Steinmetzarbeiten zum Neubau „nach Ausweißung der Visirung“. Eine Visirung, d. h. ein Entwurf, war also schon vorhanden und zwar war diese vor Ankunft Hoffmanns von dem Rothenburger Steinmetzen Leonhard Weidmann gezeichnet worden, der dafür 15 Taler erhielt. Weidmann wollte wahrscheinlich den Bau nach seinem Entwurf selbst ausführen, denn auch von ihm ist ein Kostenanschlag über die Steinmetzarbeiten erhalten. Da er aber nach anderen Aufzeichnungen damals höchstens Anfang der Dreißiger war, mag er als zu unerfahren für die Leitung eines solchen Baues gegolten haben.

Der Rat erbat sich am 5. Sept. 1572 vom Rat in Nürnberg dessen Stadtmeister Wolf Löscher von Plauen „als einen feinen berümbten und erfarenen Stattmeister, der viel schöner Bäu verricht und gemacht haben soll“. Löscher führte den Bau von Ende Sept. 1572 bis 11. Aug. 1573, an welchem Tage ihn der Rat nach Nürnberg an dortige Bauten zurückrief. Das Rathaus kam unter seiner Leitung höchstens bis auf Sockelhöhe, da die Abbruchs- und Fundierungsarbeiten viel Zeit beanspruchten. In den Baurechnungen wird er kurz als „Meister Wolf“ aufgeführt, und hierauf mag die Meinung zurückzuführen sein, als habe der spätere Nürnberger Stadtmeister Jac. Wolff, der Vater des Nürnberger Rathauserbauers, das Rathaus in Rothenburg entworfen und ausgeführt. Löscher war damals ein alter Mann, er klagt über Leibesschwachheit und will selbst beurlaubt sein. Sein Verdienst um das Rathaus ist jedenfalls nicht erheblich. Nach Löschers Weggang wirkte der bis dahin als Polier beschäftigte Steinmetz Hans von St. Annaberg in Sachsen als Werkmeister bis zur Fertigstellung unter Dach, Ende 1576.

Leonh. Weidmann, der eigentliche Schöpfer des Baues, arbeitete vom Nov. 1572 bis zur Vollendung als Steinmetz in der Hütte und wird eine Zeitlang auch als Polier in den Rechnungen aufgeführt. Er war gleichzeitig Bildhauer und lieferte die hauptsächlichsten Bildhauerarbeiten für den Bau (Ritterfigur auf dem Südgiebel, Adler und Stadtwappen in der „Ausladung“, d. h. über den Arkaden).

Über den Arkadenbau berichtet der Stadtmeister Caspar Füxlein unterm 16. Jan. 1673, daß drei Kreuzgewölbefelder des Vorbaues heruntergefallen und daß es sehr gefährlich sei, bei nassem Wetter „auf dem obern gang zu gehen oder zu stehen“. Die daraufhin erfolgende Instandsetzung scheint sehr umfangreich gewesen zu sein. Es werden die ganze Balustrade, Hauptgesims, Fries und Architrav abgetragen und erneuert, auch einzelne Kapitäle und Säulen neu hergestellt worden sein, denn an einem der Gewölbeansätze findet sich das Meisterzeichen Füxleins mit der Jahreszahl 1681. Daß der Vorbau überhaupt erst zu dieser Zeit entstanden — noch Stiehl nennt ihn später hinzugefügt —, ist nicht richtig. Er wurde mit dem Rathaus gleichzeitig aufgeführt, sonst könnte später von keinen Schäden und keiner Instandsetzung die Rede sein.

Eine Ansicht des gotischen Rathauses vor dem Brand findet sich auf einem Gemälde des Herlin in Bopfingen (1472) und auf der Außenseite des 1. Flügels am Hochaltar der Jacobskirche in Roth. (Haack, Friedr. Herlin, Straßb. 1900, Tf. 10, danach unsere Abb. 37.) Im Rothenb. Archiv hat Herr Häffner den Entwurf zu einer Giebelfassade gefunden, der um 1570 für den Rathausbau entstanden zu sein scheint. Er weicht von der ausgeführten Fassade ab und ist nicht bezeichnet.

Der dreistöckige Bau aus hellem gelben Sandstein, das hohe Satteldach ziegelgedeckt, schließt sich mit der westlichen Langseite seines rechteckigen Grundrisses an den gotischen Flügel. Die östliche Langseite liegt am Marktplatz, die südliche Giebelfront an der breit einmündenden Herrengasse, die nördliche Schmalseite an einem kurzen Durchgang kommt nicht zur Geltung.

Die Hauptansicht ist gegenüber der Südostecke. An dieser Ecke sitzt ein Erker, der mit seinem obersten Stock ein Stück des großen Südgiebels abschneidet. Ungefähr in der Mitte der Marktfront durchbricht ein Treppenturm, der wenig aus der Fassade vortritt, das Dach, seiner Funktion nach von stärkerer Figur und höher als der Erker. Der Marktseite liegen Arkaden vor, die mit einem Altan schließen. Da der Platz sich nach Norden zu beträchtlich hebt, ist auf der südlichen Hälfte ein Stufenunterbau notwendig, der in das steigende Gelände allmählich hineinläuft.

An der Südseite sitzt, nicht ganz in der Achse des Giebels, ein großes Rundbogenportal, stark akzentuiert durch eine Ädikulaumrahmung: kannelierte jonische Säulen auf hohen Sockeln, ein breites Gebälk; über der Giebelverdachung auf Postamenten drei Vögel, die das Erdgeschoßgesims überschneiden. Links daneben eine kleine rechteckige Tür mit einer Giebel-Verdachung auf Konsolen. Zu Seiten der Türen je ein Fenster. Rechts oben ein viereckiges Loch, das ein Gegenstück an der Ostfront neben der Erkerkonsole hat. Im Gegensatz zu dem sockelmäßigen Erdgeschoß sind die beiden Obergeschosse durch Gesimse und Fensteranordnung gleichartig horizontal geschichtet. Die je nach ihrer Bestimmung verschieden kräftig gebildeten Gesimse erscheinen zum Stockwerkbeginn und als Abschluß gegen den Giebel, als durchgezogene Brüstung und als Verdachung der gruppierten Fenster. Auf der Südseite sind es zwei Gruppen von zwei und vier Fenstern. Auf der in gleicher Weise gegliederten Ostfront sind die Fenster nördlich und südlich vom Turm zu zweien, neben dem Erker zu dreien zusammengenommen. Die der Mauer vorgelegten rechteckigen Rahmen sitzen auf den Brüstungsgesimsen auf. — An dem Giebel ist eine regelmäßige Gliederung, die im Erdgeschoß gar nicht, in den Obergeschossen nur in horizontalem Sinne vorhanden war, vollkommen durchgeführt. Die vier Stockwerke werden durch Brüstungsgesimse unter den rechteckigen Öffnungen in sich noch einmal geteilt. Durchlaufende halbrunde Stäbe, über denen sich die Gesimse verkröpfen, geben die vertikale Gliederung, so, daß in der Mittelachse Fenster zu sitzen kommen. Es ergibt sich eine reguläre Anordnung rechteckiger Felder mit gleichmäßiger Durchlochung. Die Außenwinkel jedes Geschosses sind ausgemauert, von Voluten eingefaßt. In kleinen Kugeln klingen die Rundstäbe aus. Die Spitze des Giebels bildet über einem Dreieck die Figur eines Ritters.

Der entsprechende Nordgiebel hat die gleiche Umrahmung und die gleiche horizontale Teilung. Vertikalglieder fehlen. An dieser Rückseite sitzt in der Erdgeschoßmitte ein großes Bogenportal, wie das Südportal allein für das isolierte Erdgeschoß bestimmt. Rechts davon eine kleine rundbogige Tür für eine Wendeltreppe, die ihr Licht bekommt durch drei rautenförmige Fenster, die die Stockwerkgesimse durchschneiden. Außerdem gibt es hier in den Obergeschossen je drei Fenster, von denen zwei gekuppelt sind.

Der Erker springt mit fünf Seiten eines Achtecks aus der Ecke vor. Er ruht auf einer reich profilierten Konsole mit einem geschweiften Wulst als Hauptform. Seine drei Geschosse entsprechen den zwei oberen Fassadengeschossen und der unteren Giebelhälfte. Die horizontalen Teilungen stimmen mit denen der Fassade und des Giebels überein. Die herumgreifenden Gesimse binden ihn fest an den Gebäuderumpf. Nach allen fünf Seiten öffnen sich Fenster. Die Felder über und unter den Öffnungen sind mit Halbbalustern, an den Ecken mit fazettierten Steinen besetzt. Die Stirnbinde unter der eingeschnürten Zwiebelkuppel enthält Rundlöcher. Die Vermeidung jeder kahlen Fläche und die starke Durchlochung macht den Erker als vorgekragten, halb in der Luft hängenden Bauteil leicht und zierlich.

Der Treppenturm schiebt sich mit drei Seiten eines ebenfalls achteckigen Grundrisses aus der Fassade heraus, in die gleiche Fluchtlinie mit dem Erker. Er wird von den Arkaden überschnitten, durchbricht das Dach und hat auf seinem nunmehr freien achteckigen Stamm eine geschweifte Haube, die in einer Laterne ausgeht. Seine Fenster laufen im Gegensatz zu den Fassadenfenstern in den zwei unteren Reihen schräg, dem Gang der Wendeltreppe folgend. Die oberste Reihe, oberhalb des Treppenlaufs, sitzt auf horizontalem Gesims auf. Sonst ist der Turm nicht gegliedert.

Die große Dachfläche wird durch Gaupen belebt.

Die Arkaden öffnen sich gegen den Markt in neun, nach den Seiten in einem Bogen. Sie sind in die in kräftiger Rustika behandelte Mauer so eingeschnitten, daß breite massige Pfeiler stehen geblieben. Diesen liegen auf Sockeln ruhende toskanische Halbsäulen vor, um welche Rustikabänder herumgreifen. Das Gebälk über den Säulen trägt die den Altan umziehende Balustrade. Die vasenförmigen Baluster werden in der Fortsetzung der Säulen und über den mit Wappen verzierten Schlußsteinen der Bögen von Pfosten abgelöst. Das Mittelstück der Arkaden vor dem Portal ist durch einen Giebelaufsatz ausgezeichnet, der die Balustrade überschneidet, als Krönung einen Doppeladler zwischen zwei allegorischen Figuren trägt.

Die Umrahmung der Rundbogentür im Turm ist von der gleichen Art wie die des südlichen Portals. Nur sind es hier toskanische Säulen und über dem Gebälk sitzt eine Inschrifttafel zwischen kleinen jonischen Säulen, von Beschlagwerk und Säulen umgeben. —

Über die Wendeltreppe geht es zu den Obergeschossen, in beiden liegt ein geräumiger Vorplatz, in den der Treppenturm mit fünf Seiten seines Polygons hineinschneidet3). Die nicht allzu hohe flache Balkendecke wird von zwei freistehenden Steinsäulen gestützt, das eine Mal von jonischer, das andere Mal von dorischer Bildung. Von der unteren Diele führt eine kleine Tür auf den Altan. Nördlich und südlich schließen sich Amtszimmer und Nebengelasse an, zu dem größten, dem hellen südlichen Eckzimmer, gehört der Erker. Die Türen in der Diele sind, den Außenportalen entsprechend, von Säulen eingefaßt und haben Giebelverdachung. An dem nördlich an den Vorplatz anschließenden Flur mündet jene Nebentreppe, deren diagonal orientierte Fenster gelegentlich der Nordfront erwähnt wurden. Der Vorplatz nimmt die ganze Tiefe des Neubaus ein. Mehrere Verbindungsgänge führen in den älteren Teil hinüber, der als Hauptraum den großen Saal enthält.

Schweinfurt.
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1570—72.

F. Stein, Monumenta sunfurtensia hist. Schweinf. 1875. Lübke, I, 457. Stiehl, S. 126ff. — Anno 1569 hat Meister Niklaus Hofmann, Steinmetz von Hall in Sachsen, dem das Rathaus von Steinwerk zu machen angedingt, erstlich Stein zu hauen angefangen.« Am 17. März 1570 fand die Grundsteinlegung, am 19. Mai 1572 die Einweihung statt.

Material: Haustein verputzt, Sandsteingliederungen.

Das Rathaus liegt an der nördlichen Schmalseite des tiefen Marktplatzes in der westlichen Ecke. An der Westfront mündet eine Straße ein, östlich schließen Privathäuser an. An die Rückseite stößt ein langer Saalbau, der hofartig von Häusern umschlossen wird.

Der dreistöckige nahezu rechteckige Kern des Gebäudes trägt ein hohes Satteldach mit Giebeln nach Osten und Westen. Aus diesem Kern entwickeln sich mehrere Ausbauten. An der Westfront, gegen die Straße springt, seitlich orientiert, ein dreistöckiger Erker vor. Aus der Marktfront schiebt sich in der Mitte, ungefähr in halber Fassadenbreite, ein weit ausladendes Risalit vor, dreistöckig mit einem Giebel an der Stirn. Sein Erdgeschoß nimmt eine breite rundbogige Torfahrt ein, die im Zuge der von Westen nach Osten am Rand des Platzes entlangführenden Straße liegt. Vor der Mittelachse des Risalits wächst aus einem rechteckigen Vorbau und einem quadratischen Altan darüber ein polygones Erkertürmchen auf, das über die Giebelspitze emporsteigt und in zwei Laternenkuppeln endigt.

Die Fassade rechts und links vom Risalit ist gleichmäßig gegliedert. Neben einem großen, von ornamentierten Pilastern und Gebälk umrahmten Bogenportal, das zum Erdgeschoßgewölbe führt, sitzt nach der Mitte zu eine kleinere Tür, durch die man über Wendeltreppen zu den Amtsräumen gelangt. In den rautenförmigen Treppenfenstern und den Fensterpaaren über dem großen Portal waltet dieselbe Symmetrie.

Die zum größten Teil gekuppelten Fenster ruhen auf Gesimsen, der einzigen horizontalen Gliederung der Wand, die auch um das Risalit herumläuft. Vielfacher gegliedert ist das zierliche Erkertürmchen. Außer den Fenstergurten hat es Gesimse in der Fußbodenhöhe der Stockwerke und nochmals Bänder oberhalb der Fenster. Alle sind leicht verkröpft über den Eckgliedern, dünnen Pilastern und Halbsäulen in der Giebelzone. In den oberen Geschossen öffnen sich Fenster nach allen fünf Seiten und schließen sich mit den Fenstern des Risalits zu einem breiten horizontalen Bande zusammen.

Gegen das Dach schließt ein wohlgebildetes Konsolengesims und eine aus Maßwerkfüllungen und Pfosten bestehende Brüstung. Sie setzt sich über den Seiten des Risalits und um den Erker der Westfront fort. An den drei Giebeln erscheint sie als geschlossene Brüstungsmauer.

Der westliche Erker überschneidet mit einem niedrigen Geschoß die Giebelbasis und reicht mit seinem geschweiften Dach bis zur halben Giebelhöhe hinauf. Er wird mehrfach durch Gurte geteilt gleich dem Fassadenerker, außerdem gliedern ihn schlanke flache Pilaster.

Die Giebel über der West- und Ostseite (letzterer durch ein angebautes Dach fragmentiert) sind fünfgeschossig. Sie sind gleichmäßig gegliedert durch Halbsäulen und durch Gesimse in Stockwerkhöhe und unter den Fenstern. Die Halbsäulen endigen in kurzen Freisäulen, die vielleicht Figuren tragen sollten. Einfache Voluten begrenzen die Ränder. Der vom Erker überschnittene Marktgiebel zeigt die nämliche Teilung.

Das Erdgeschoß, unabhängig von den Obergeschossen, enthält Lagergewölbe. Am Fuß des Erkers liegen Wachtstuben. Die Wendeltreppen führen gleichmäßig in den oberen Stockwerken auf eine flachgedeckte Diele, die man in späterer Zeit durch Abtrennung mehrerer Amtsstuben beschnitten hat. Zwischen den in den Raum eingebauten Treppen liegt der Zugang zu dem Risalitzimmer, das in Verbindung mit dem Erker durch fünfzehn Fenster Licht empfängt. Der Saal im Rückflügel, dessen Länge etwa der Fassadenbreite entspricht, ist von der Diele sowie durch einen besonderen Aufgang vom Hof aus zugänglich. In seinem heutigen Zustand kommt er nicht zur Geltung.

Marktbreit.
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1579.

Lübke, I; 458. Ortwein; Abt. 54; Bl. 11. Stiehl, S. 94. — Der Torbau 1600. Steinmetz H. Hessebrodt und Zimmermeister Leonhard Görz.

Material: Grauer, ehemals verputzter Bruchstein. Sandsteingliederungen.

Das Rathaus liegt mit seiner einen Langseite unmittelbar an dem Breitbach, der den Ort nördlich begrenzt. Der an die Nordostecke stoßende Torbau überbrückt das Flüßchen und bildet zugleich den Abschluß der an der Front vorbeiführenden Straße, die sich durch die große Durchfahrt hindurch ins Freie fortsetzt. Die anderen Seiten des rechteckigen Baues liegen ebenfalls an Straßen.

Das Erdgeschoß, durch die Unebenheit des Geländes von verschiedener Höhe, schließt mit einem Gesims gegen die zwei Obergeschosse, die ohne Teilung aufsteigen. Dagegen ist der dreistöckige Fassadengiebel vor dem hohen Satteldach durch ein Gerüst von Freisäulen und verkröpften Gesimsen regelmäßig gegliedert. Die schlanken Säulensockel ruhen an der Giebelbasis auf starken Konsolen. Breite kräftige Voluten bilden die Ränder. Die Träger endigen in Kugeln. Zu oberst steht als figürliche Krönung ein heiliger Georg.

Der rückwärtige Giebel ist lediglich durch horizontale Gurte geteilt, hat schlichtere Voluten und einen halbrunden Abschluß: An der Langseite sitzt ein Speicherausbau mit ähnlich gebildetem Giebel.

Die Fenster, unregelmäßig angeordnet, haben steinerne Pfosten, im oberen Geschoß sowie am Torbau Vorhangschlüsse.

Das für sich abgeschlossene Erdgeschoß enthielt Verkaufs- und Vorratsgewölbe. Eine an der südlichen Langseite eingebaute steinerne Wendeltreppe und eine von der Hauptfront zugängliche hölzerne Stiege führen auf eine geräumige Diele mit niedriger von vier geschnitzten Holzsäulen getragener Balkendecke. Durch eine kleine, von Pilastern und kannelierten Säulen gerahmte, mit farbigen Intarsien geschmückte Tür tritt man in die an der Südostecke liegenden Rats- und Schreibstuben. Die Wände, die tiefen Fensternischen und die flache, kassettierte Decke des Eckzimmers sind vollständig getäfelt. Das dunkle Holz trägt Reste alter Bemalung. — Im dritten Geschoß sind zwei weitere Räume an der Südwestseite von der Diele abgetrennt.

Der Torbau, »ein an sich selbständiger Bau, wohl von demselben Meister«1), differiert in der Stockwerkhöhe mit dem Hauptgebäude. Das Erdgeschoß mit der stattlichen, von derber Rustika umgebenen Bogenöffnung schließt mit kräftigem Gebälk. Das Obergeschoß, das sich in zwei gekuppelten Fensterpaaren öffnet, grenzt sich mit einem starken Gesims gegen den Giebel ab. Dieser wird in zwei Geschossen durch breite Pilaster geteilt. Die untere Ordnung ruht auf fazettierten Sockeln. Ein Gurt läuft unter den Fenstern. Im oberen Stock eine Uhr. Der Volutenkontur ist zackig, lebhafter als am großen Giebel. Auf jeder Seite des Torbaues erhebt sich ein eben solcher Giebel vor dem Dachstuhl, der eine Durchdringung zweier Satteldächer darstellt, mit einem schlanken Glockentürmchen auf der Vierung.

Kidrich.
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1585. (?)

Bau- und Kunstdenkm. d. Rheingaus 203 f. m. Abb.

Material: Verputzter Bruchstein. Sandsteingliederungen.

Zwei Stockwerke unter hohem Satteldach. Die Breitseite an einem Platz, der Kirche des Dorfes gegenüber. Aus dem Obergeschoß treten — nach den Ecken der Front auseinandergerückt — zwei rechteckige Erker auf je drei Konsolen vor, mit kleinen geschweiften Giebeln. Eine Bogentür führt zur Treppe, ein Bogentor zum Erdgeschoß. Die Fenster sind rechteckig, gekuppelt. Die Wand ist nicht gegliedert, dagegen sind die Erker durch Gesimse und den Zusammenschluß der Fenster horizontal geteilt. Der eine der schmucklosen Giebel der Schmalseiten endigt in einem Kamin mit durchbrochenem Aufsatz.

Grettstadt.
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1590.

Altfränkische Bilder 1903.

Ein zweistöckiger Bau von oblongem Grundriß mit hohem Satteldach. Er steht frei in der Ecke eines Platzes. Vor der dem Platz zugekehrten Langseite liegt eine einarmige flachüberdachte Freitreppe Das quadratische Podest vor der Eingangstür zum oberen Stock ist erkerartig umschlossen und trägt in der Höhe des Dachansatzes einen vierseitigen Spitzhelm. Das Obergeschoß ist auf den Langseiten in Fachwerk ausgeführt, die beiden Giebelfrontensind massiv: Die Ecken in Haustein, die durch dünne Gurte geteilten Flächen verputzt. Die dreistöckigen Giebel sind nur durch Stockwerkgesimse gegliedert und wenig durchlocht. An den Rändern lange, kräftig geschweifte Voluten.

Lohr.
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1601.

Lübke, I, 456. Dach und Giebel modern.

Ein dreistöckiger „Quaderbau“, dessen von Kreuzgewölben überdecktes Erdgeschoß sich mit großen weiten Arkaden auf reich gegliederten Pfeilern öffnet. Eine Arkade jeder Seite ist durch Vorgesetzte Säulen ausgezeichnet. An der rechten Langseite tritt ein polygoner Treppenturm vor, der mit zwei Geschossen und einer geschweiften Haube über das Fassadengesims hinaufsteigt. Die Stockwerkansätze sind an Turm und Fassade durch Gesimse bezeichnet. Die regelmäßig angeordneten Fenster sind gekuppelt, noch gotisch profiliert. In beiden Obergeschossen ist der Grundriß der gleiche. Ein geräumiger Vorsaal, dessen flache Holzdecke auf zwei runden Freistützen ruht, liegt vor dem Sitzungssaal.

Sulzfeld.
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1609.

Von rechteckiger Grundform. Zwei Seiten sind eingebaut, an einer Langseite läuft eine Straße. Die schmale Fassade wendet sich einem kleinen Platz zu. Hier erhebt sich über dem dreistöckigen Rumpf, der glatt verputzt ohne jede Gliederung mit schlicht eingelassenen Fenstern aufsteigt, ein zweistöckiger reich verzierter Giebel. Er wird durch hoch-sockelige, ornamentierte Pilaster und dünne sich verkröpfende Gesimse in gleichmäßige Felder geteilt und bekommt durch Beschlagwerk, durch stark entwickelte Voluten und schlanke Obelisken sowie durch ein nach oben abschließendes, von Voluten eingefaßtes, von einem Obelisken bekröntes Wappenschild einen höchst lebhaften Umriß, mit dem er über die nahe Stadtmauer hin nach dem Main sieht. — Der rückwärtige Giebel, der das Satteldach nach hinten abschließt, hat einfache Staffeln.

Neben dem Giebel sind es die beiden Portale, die sich durch ihre reiche Umrahmung von der ruhigen Fassadenwand abheben: der in der Mittelachse sitzende breite Zugang zum Erdgeschoß und links davon die kleinere Tür zur Treppe. Das Tor, im Rundbogen schließend, wird von kannelierten Pilastern flankiert, über deren breitem Gebälk ein von Voluten umklammertes Wappen aufsitzt. Türlaibung, Zwickel und Pilaster sind mit fazettierten Quadern durchsetzt, abwechselnd mit dicken Kugelknöpfen; den gleichen Schmuck hat der Fries. — Das zierlichere Treppenportal, das mit einem Korbbogen schließt, begleiten auf hohen Sockeln ruhende, korinthische Freisäulen. Über dem ver-kröpften Gebälk erhebt sich ebenfalls ein Wappen zwischen Voluten. Der Fries ist mit Bandwerk durchsetzt, die Bogenzwickel mit Masken.

Das Erdgeschoß enthält Lagergewölbe und Kramläden an der Straßenseite. Die Treppe an der linken Frontecke führt gradläufig hinauf. Das erste Geschoß, jetzt zu Schulzwecken benutzt, ist verbaut, im zweiten1) schließt sich an den Vorplatz nach dem Markt zu das getäfelte Ratszimmer an, auf der anderen Seite Schreibstube und Küche.

Nürnberg.
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1616-22.

Mummenhof, das Rath. i. N. 1891. (Weitere Lit. ebenda). M. weist nach, daß der bisher als Autor genannte Eucharius Holzschuher wohl «Baumeister des Rats“ aber nicht Architekt im eigentlichen Sinn und Bauleiter gewesen ist. Er war lediglich Deputierter des Rats für Bauangelegenheiten, ein Verwaltungsbeamter, gegenüber den «Werkleuten“. Der »Werkmeister“ und Erbauer hieß Jacob Wolff.

Es sind drei Projekte erhalten:

1. Das erste bringt die dem alten Rathause benachbarten Privathäuser, die wegen Raummangels bereits zu Verwaltungszwecken zugezogen waren, unter ein Dach und läßt den gotischen Saalbau vollständig intakt.

2. Das zweite will ebenfalls den Saalbau, in etwas veränderter Form, beibehalten, setzt aber daneben eine ganz neue vierstöckige Fassade mit drei Dacherkern (Abb. 19).

3. Das dritte (ausgeführte) konservierte den Saal, kleidet ihn aber nach außen völlig in das neue Fassadengewand2.

Wie weit Wolff an dem zweiten Projekt beteiligt ist, läßt sich nicht feststellen.

Am 10. Juni 1616 fand die Grundsteinlegung statt. Vollendet wurde der Bau 1622.

Material:Ursprünglich weißer, sehr stark nachgedunkelter Sandstein.

Ein glattes Gefüge, nur an den Ecken Kettenquadern, die sich auch an den Dachbauten fortsetzen. Patinierte Kupferdächer. Die Hauptfront streckt sich an einer wenig breiten Straße hin, die nach Norden zum Burghügel nicht unerheblich ansteigt.

Der ursprüngliche Plan war, das Gebäude vierflügelig auszubauen. Doch kam außer dem Westflügel nur ein Teil des in stumpfem Winkel anstoßenden Nordflügels zur Ausführung. Der Südflügel, der von dem Saal eingenommen wird, behielt nach Süden und Osten die alte Fassung. Neu umkleidet wurde nur die Südwestecke in der Tiefe des Turmaufsatzes. Die Flügel umschließen einen Hof, dessen Ostseite z. T. von einem älteren Bau herrührt, z. T. den nordöstlichen modernen Erweiterungsbauten angehört.

Die westliche Hauptfassade hat über einem Sockelgeschoß zwei Obergeschosse mit langen gleichmäßigen Fensterreihen. Über dem Kranzgesims zieht sich eine Balustrade am Rand des nicht hohen Dachstuhles hin, aus dem drei «turmartige Aufsätze“ in der Mitte und an den Ecken aufwachsen. —

Das Sockelgeschoß tritt in entschiedenen Kontrast zu den Obergeschossen. Es hat die starke Steigung der Straße auszugleichen. An der Südwestecke erreicht es die halbe Höhe der Fassade. Hier ist Platz für zwei Fenster übereinander auf der nördlichen Hälfte nur für eine Reihe quadratischer Löcher. Ferner sind die drei Portale, der steigenden Straße gehorsam, in der Öffnung und Rahmung verschieden groß, so daß das Mittelportal kleiner ist als das Südportal. Das Mittelportal sitzt unter dem mittleren Dachaufsatz, die beiden anderen symmetrisch dazu1).

Das Sockelgeschoß schließt mit einem glatten Gesimsband, auf dem die sechsunddreißig Fenster des folgenden Geschosses unmittelbar aufruhen, in regelmäßiger Ordnung dicht aneinandergereiht. Ein breiter Mauerstreif darüber und wieder ein schlichtes Gesimsband, auf dem sich die zweite Reihe Fenster in gleicher Weise anschließt. Entgegen den unteren Fenstern ist jedes zweite abwechselnd mit einem Giebel oder einem Kreissegment bekrönt, die in den Fries des breiten Kranzgesimses hineinstoßen. Das auf enggereihten Konsolen ausladende Gesims und die Balustrade, die vor den Dachbauten durchgeführt ist, geben einen gewichtigen horizontalen Abschluß. Die enggestellten Baluster werden von Pfosten abgelöst, die vor den an das Geländer geschobenen Dachbauten, deren Pilastergliederung entsprechend, dichter zusammenrücken.

Der mittlere dieser Dachbauten hat ein quadratisches, sechs Fenster breites Grundgeschoß. Aus seinem flach anlaufenden Dach erhebt sich ein zweifenstriges, ebenfalls quadratisches Stockwerk, dem in gleicher Weise, nochmals verjüngt, eine sechseckige Laterne mit Rundbogenöffnungen folgt und ein sechsseitiger Zwiebelhelm. — Die ungefähr halb so hohen Eckbauten haben über drei-fenstrigem, ebenso gegliedertem Unterbau ein viereckiges Türmchen mit breitem Bogenfenster nach jeder Seite und einem vierseitigen geschweiften Helm.

Die im Korbbogen schließenden Portale erhalten vor ihrer breiten flachen Pfeilerrahmung einen starken Akzent durch toskanische Säulen, über denen sich das oberhalb der Archivolte laufende Gebälk vorkröpft.

Darüber ein ausladendes, von einem Wappenschild durchbrochenes Dreieck mit Figuren auf den Schrägen. Die drei Wappenschilde überschneiden das Erdgeschoßgesims; die ungleiche Höhe des Geschosses wird durch die Pfeiler und Säulensockel ausgeglichen.

Die aus der Mauer vortretenden Fensterrahmen sitzen derart auf dem Brüstungsgesims auf, daß sie nur drei Seiten der Öffnung umschließen. Übrigens ist die Breite der Fenster gleich der halben Höhe und bei der oberen Reihe beträgt die Entfernung vom Segmentbogen resp.Drei-ecksscheitel zur Öffnung eine Fensterbreite. Außerdem stehen die Fenster beider Geschosse in einem bestimmten Verhältnis zueinander: Es fällt nämlich die verlängerte Diagonale einer unteren Öffnung mit der einer oberen benachbarten zusammen. Mithin umgibt die Mauer die Öffnung in verhältnismäßig gleicher Stärke. — Durch eine überwölbte Pfeilerhalle, an die sich zur Rechten die Schatzgewölbe anschließen, kommt man auf den Hof. Er liegt infolge des alten Saalbaues nicht symmetrisch zur Fassade, sondern mehr nördlich. Seine Nord-, Süd- und Westfront rühren von Wolff her. Das Erdgeschoß behält, im Gegensatz zu italienischen Höfen, den SockelCharakter der Straßenfront. Die ungeteilte Mauer öffnet sich nur in breiten Bogentoren, rechtwinkligen Löchern und Türen, die zu Nebentreppen führen. Die Obergeschosse sind dagegen gleichmäßig in Arkaden aufgelöst, fünf auf den Schmalseiten, neun auf der Langseite. Glatte Pfeiler, deren untere Ordnung auf dem über Konsolen verkröpften Erdgeschoßgesims ruht und ein vorspringendes Gesims trägt, deren obere Ordnung mit einem breiten dorischen Gebälk gegen das Dach schließt, bilden die rechteckigen Rahmen, an die sich die kürzeren, durch Archivolten verbundenen Pfeiler anlehnen. Die (heut verkleinerten und verglasten) Öffnungen haben Dockengeländer, von derselben Form wie die Balustrade über der Fassade. An der Südseite des Hofes liegt die breite gradläufige Haupttreppe. Außer ihr führt eine besondere Treppe zum ersten Stock im nördlichen Flügel, der außerdem noch die sogenannte «schöne Treppe“ enthält.

In dem Zwischengeschoß, das sich aus dem hohen Sockelbau auf der Seite des alten Saales ergibt, befanden sich die Losungsstuben. In dem Stockwerk darüber liegen die der Verwaltung dienenden Zimmer nebeneinander an einem Korridor, der sich nach dem Hof in den erwähnten Arkaden öffnet. Das zweite Geschoß, der Repräsentation gewidmet, enthielt sechs z. T. saalartige Räume, die ungleich kostbarer und prunkvoller ausgestattet waren als die Zimmer im ersten Stock.

Text aus dem Buch: Das deutsche Rathaus der Renaissance (1907), Author Grisebach, August.

Siehe auch:
Das Deutsche Rathaus der Renaissance – Vorwort
Die Bedeutung des Rathauses im Stadtbild
Beschreibung der einzelnen Rathäuser Süddeutschland Teil I
Beschreibung der einzelnen Rathäuser Süddeutschland Teil II
Beschreibung der einzelnen Rathäuser Norddeutschland
Beschreibung der einzelnen Rathäuser Norddeutschland – Niedersachsen und die Ostseeländer
Beschreibung der einzelnen Rathäuser Norddeutschland – Ober-Sachsen. Brandenburg. Schlesien
Das Deutsche Rathaus der Renaissance – Fachwerkrathäuser
Die allgemeine Entwicklung des Rathauses – Die Fassade
Die allgemeine Entwicklung des Rathauses – Grundriß und Aufriß
Das Deutsche Rathaus der Renaissance – Die lokalen Sondercharaktere

Ein Gedanke zu „Das Deutsche Rathaus der Renaissance

  1. lieber Silvio,
    Du machst hier eine interessante kunsthistorische und national sehr wertvolle Arbeit. Finde ich. Danke!
    Bleib auch trotz Gegenwind immer vorn
    Zieh den Hut,
    jo

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