Donbassfront. Eine Analyse.

igor strelkov - RIA via Andrey Stenin
igor strelkov – RIA via Andrey Stenin

erschienen bei donbassfront

Die zur Zeit ablaufenden inneren Prozesse in DVR und LVR folgen einer bestimmten Logik. Um diese Prozesse zu verstehen muss man in Gründungszeit der Republiken zurück gehen.

Am 11. Mai gab es das Referendum. Dieses Referendum wurde von den Kräften vorbereitet die unter Kontrolle von Renat Achmetov (Ostukrainischer Oligarch) standen. Doch nicht viele wissen, dass das Projekt DVR bereits 2004 geboren wurde. Einer der Gründer dieses Projektes plauderte mal aus, dass DVR als Refugium für Yanukowitsch nach der orangenen Revolution dienen sollte. Doch damals konnte man sich einigen, und das Projekt wurde verschoben.

Wieder aufgetaucht ist es dann Anfang 2014. Der Kern des Projektes besteht darin, dass die Donezker Oligarchie die Macht in der Region an sich reisst und damit die Regierung in Kiew erpresst und nach Zugeständnissen verlangt. Genau so hat es im März 2014 zuerst angefangen. Der „russische Frühling“ in Donezk wurde von den Achmetov unterstehenden Kräften (mit Gubarev als Frontmann) und in Lugansk von den Efremov (ein weiterer ostukrainischer Oligarch) unterstehenden Kräften (mit Bolotov an der Spitze) finanziert. Wissend wie der Hase läuft, hat man in Kiew diesen „Separatismusbewegungen“ entspannt zugeschaut und sogar das Referendum durchführen lassen. Die Kiewer Regierung wusste genau, dass die dahinter stehenden Kräfte den ganzen Protest nur zu gerne für wirtschaftliche Zugeständnisse runter spühlen würden. Doch dann kam der „Zufall“ in Person von Strelkov (bürgerlicher Name – Girkin) und seiner Gruppe, die am Anfang weniger als hundert Mann zählte. Am 12 April wurde von ihnen das Polizeipräsidium in Slawjansk besetzt. Wenn man ehrlich ist, sollte man genau dieses Ereigniss als den Anfang des „russischen Frühlngs“ betrachten. Die Gruppe um Strelkov stieß von Anfang an auf einen erbitterten Widerstand des neuen Regime in Kiew.

Also, am 11. Mai gab es das Referendum, am 12. Mai den Umsturz durch Stelkov, welcher zur Folge hatte, dass die Kräfte von Achmetov (teilweise) von der Macht in der Region entfernt wurden. Hier kommt ein weiterer „Zufall“ ins Spiel: der bereits am Anfang der Proteste von der SBU (Ukrainischer Staatssicherheitsdienst) fest genommene Gubarev (Achmetovs Mann), wurde kurz vor dem Referendum von Strelkov für einige von seiner Gruppe gefangen genommene SBU Offiziere eingetauscht. Die Rolle von Gubarev, der damals eine große Autorität in Donezk genoss, war entscheidend. Ihm ist zu verdanken, dass die zwei alten Freunde Strelkov und Borodaj die zwei höchsten Posten in der neuen Donezker Republik bekamen. Warum sie? Weil es damals logisch und offensichtlich schien. Den angekündigten Kurs auf Angliederung an die Russische Föderation, nach dem Beispiel der Krim, konnten am besten russische Staatsbürger umsetzen.

Aber … in Russland ist das alles gleich von Anfang an auf „Unverstädnis“ gestossen. Das war eine dermassen offensichtliche Falle, dass die russische Regierung sie leicht vermeiden konnte. In diesem Zeitraum (bis Ende Mai) agierte Strelkov auf eigene Faust und sammelte seine alten Kameraden um sich. Der „Durchbruch zur Grenze“ ist der Punkt an dem er volle (politische) Unterstützung vom Kreml bekommen hat und nun auch dessen Anweisungen befolgen musste. Ab diesem Moment begann die Volkswehr sich als der Kern einer zukünftigen Amee zu sehen, die bis nach Kiew oder sogar Lwow gehen würde, falls der Befehl dazu käme. Genau dann wandte sich Strelkov an die Menschen von  Donbass mit der Aufforderung sich der Volkswehr anzuschliessen. Es gab die Entscheidung eine Armee aufzubauen. Eine Befreiungsarmee. Diesem Prozess hat sich gleich von Anfang an auch Mozgowoj in LVR angeschlossen.

sc stenin riaBezeichnend ist, dass sowohl Bolotov in Lugansk als auch Achmetovs Leute in Donezk das Ganze nicht nur nicht unterstützten sondern auch noch aktiv behinderten. Die Pläne von Achmetov-Efremov liefen denen von Stelkov-Mozgowoj diametral entgegen. Die ersten sind ein fester Teil des Oligarchenregimes, die zweiten seine Hauptgegner. Der Taktik der Oligarchen war einfach: die Einheiten von Strelkov und Mozgowoj werden von der Versorgung und Nachschub abgeschnitten (was zu 90% gelang) und die ganze Idee der Republiken wird diskreditiert (Donezk wurde zu einem Bandenparadies). Nach dem Plan sollte Stelkov von der ukrainischen Armee und der Nationalgarde in Slavjansk vernichtet werden. Danach wäre Mozgowoj dran. Währenddessen erobert die Armee die Kontrolle über die Grenze zurück. Danach ergeben sich die „Revolutionäre“ (Achmetov und Efremov) mit gutem Gewissen der Kiewer Regierung und kriegen ihre „Zugeständnisse“.

Der Rückzug von Strelkov aus Slavjansk Anfang Juli macht alle Pläne sowohl in Kiew als auch der östlichen Oligarchen zunichte. Es ist nicht einmal das Wichtigste, dass Strelkov, übrigens mit einer beirets 4000 Mann starken Brigade und mehreren Dutzend Panzerfahrzeuge, lebend aus Slavjansk entkam. Das Hauptproblem war nun, dass alle Vorteile des Oligarchenplanes sofort zu Nachteilen wurden. Die bei Slavjanks stationierten ukrainischen Truppen waren aufgrund ihrer Strukturen erst in 1,5/2 Wochen an der neuen Stelle einsatzbereit. Gleichzeitig boten nun Truppen an der südlichen Grenze plötzlich eine offene Flanke zum Angriff dar (was kein Problem war, solange Strelkov in Slavjansk gebunden war). Der Angriff begann auch am 12 Juli. Alles was danach von der Junta kam, war der Versuch ihre Brigaden von der Vernichtung im südlichen Kessel zu retten. Es zeichnete sich ein Wendepunkt im Krieg ab: zuvor scheuten sich die Volksmilizen davor, die Kiewer Armee im „offenen Feld“ anzugreifen. Der südliche Kessel ist der erste erfolgreiche Versuch.

Während dieser Zeit durchlebten die Volksmilizen einen Wandel, der die späteren politischen Metamorphosen am politischen Olymp von DVR (und bald wohl auch von LVR) nötig machten. Nach dem Rückzug aus Slavjansk hat Strelkov für Ordnung in Donezk und Umgebung gesorgt. Alle bewaffneten Gruppierungen wurden entweder entwaffnet oder haben sich unter sein Kommando gestellt. Das brachte eine Menge frische Leute, bewaffnet doch absolut Kampf-unerfahren. Strelkov macht einen riskanten Schritt und verteilt einen großen Teil seiner Leute zwischen den Donezker Einheiten. Das erleichtert den Erfahrungstransfer und stärkt den Zusammenhalt. Die praktisch ununterbrochenen Kämpfe härteten die nun Strelkov unterstehenden Einheiten zusätzlich ab. Das Batailon von Mozgowoj wuchs in der Zeit bereits zu einer Brigade. Währenddessen spielte die passive Haltung Bolotov’s (Efremov’s Mann in Lugansk) gegen ihn selbst : praktisch alle Freiwilligen gingen nun zu Stelkov oder Mozgowoj und nicht zu ihm.

Und so kam es Anfang August zu der Situation dass die Armee von Strelkov bereits 10000 Mann zählt (nach eigenen Angaben). Diese Leute sind kampferprobt und kennen sich nicht nur im Verteidigen, sondern auch im Angreifen aus. Doch wenn die Dezentralisierung im Verteidigungsfall noch auszuhalten war, ist sie im Angriffsfall absolut tödlich (dass man ohne einen einheitlichen Kommandostab nicht angreifen darf, beweisen übrigens horrende Verluste der ukrainischen Armee). Der nächste Schritt musste eine Vereinheitlichung der militärischen und politischen Strukturen sein. Regionaler Egoismus von Bolotov, der nicht weiter reicht als die Grenzen von Lugansk, muss gebrochen werden. Die neuliche Reise von Mozgowoj nach Moskau macht alle Spekulationen über den Nachfolger obsolet. Wahrscheinlich wird Bolotov eine gesichtswahrende Rückzugsvariante angeboten (oder ist bereits angeboten worden). Wer den politischen Arm der Administration anführen wird ist noch unsicher, beim militärischen ist alles klar. Ähnliches ist in DVR bereits passiert – Borodaj ist weg, Zacharenko hat die Zügel übernommen.

Was war der Grund für diesen Wechsel? Die Strategie hat sich geändert. Der ursprüngliche Plan sich der Russischen Föderation anzuschliessen wurde mit Weggang Borodajs entgültig beendet. Nun tritt der neue Plan in Kraft, einen unabhängigen Staat auf dem Territorium der ehemaligen Ukraine aufzubauen. Dieser Staat soll all die Splitter der ehemaligen Ukraine aufnehmen, von denen es Bald sehr viele geben wird. Für den Aufbau dieses Staates eignen sich weder Leute mit russischen Pässen, noch solche die ihre Lojalität bereits selbst in Frage gestellt haben (mit Blick auf Lugansk). Somit sollten die Personenwechsel niemanden überraschen oder verwundern. Neue Aufgaben erfordern neue Menschen. Aus den ehemaligen Staatsbürgern der Ukraine wird eine neue politische Führung zusammengestellt, die das Projekt anführen wird, das schon bald über die Grenzen von DVR und LVR hinaus gehen könnte.

Quelle: donbassfront

8 Gedanken zu „Donbassfront. Eine Analyse.

  1. 2. Versuch, diesmal mit Rotem Kreuz.

    Diese Hilfslieferung finde ohne Beteiligung des russischen Militärs statt, betonte Kremlsprecher Dmitri Peskow später. Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Montag, Russland werde in Zusammenarbeit mit dem IKRK eine Hilfslieferung in die Ukraine schicken.

    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/europa/redaktion/russischer-konvoi-mit-hilfsguetern-auf-dem-weg-in-die-ostukraine.html

    Fragt sich nur, was sie sich diesmal einfallen lassen. Unbekannte auf den Konvoi schießen lassen?

  2. Danke sehr interessante Analyse . Sollte sich die Armee des Donpass in den winter retten koennen wird es problematisch fur die Ukraine und die Ukranische Armee. Es ist moeglich dass die Ukrainische Armee dem nicht gewachsen ist und die Desserdationen sehr stark zu nehmen.

  3. Ja, eine gute Analyse..des Personenkarussels mit dem „Branding“: Made by VSA und EU!
    und…Auflösungserscheinungen in Kiev:
    Vitali Klitschko im Kampf gegen den Maidan
    EM, 08.08.2014 – Dramatische Wende in Kiew: Vladimir Klitschko, einst einer der Hoffnungsträger der Maidan-Revolution, verlangt nun als Kiewer Bürgermeister, dass die letzten Besetzer den Unabhängigkeitsplatz räumen. Klitschko, der im Mai gewählt und einen Monat später vereidigt wurde, hat sich mit seinen Forderungen nach dem Abzug der Kämpfer die einstigen Revolutionäre zu Feinden gemacht.

    Über dem Maidan stehen seit Tagen immer wieder dichte schwarze Rauchwolken. Barrikaden aus Autoreifen brennen und die Forderung Klitschkos an die Aktivisten auf dem Platz, ihre Zelte abzubauen, verhallen ungehört. Die verbliebenen Kämpfer fühlen sich von Klitschko verraten. Vor allem kritisieren sie, dass er Geschäftsleute und Millionäre in seine Stadtregierung aufgenommen hat. Die seit vielen Monaten auf dem Maidan lebenden Revolutionsveteranen wollen ihre Zeltbehausungen mit Gewalt verteidigen und vor der Stadtverwaltung nicht weichen.

    Wie sie wissen ließen, wollen die letzten Maidan-Veteranen nun an der Macht beteiligt werden und einen angemessenen Lohn für ihren Kampf gegen Janukowitsch erhalten. Vielleicht, so rechnen sie sich aus, könnten sie in einem der Staatsbetriebe oder in der Stadtverwaltung unterkommen. Klitschko dagegen sagt, die Revolution sei vorbei und die einstigen Kämpfer sollten endlich ihre schwarzen Wollmasken und die Baseballschläger ablegen und nach Hause gehen. Auf der Internetseite seiner Partei Udar (Schlag) ließ Klitschko mitteilen, die Polizei hätte in den Zelten der Maidan-Veteranen „Pistolen, Granaten, Messer und Molotowcocktails“ gefunden. Auf dem Maidan würden sich heute vor allem Obdachlose und Kriminelle tummeln. Die Bevölkerung wünsche in ihrer Mehrheit, dass der Platz nun endlich geräumt werde.
    http://www.eurasischesmagazin.de/ticker/Als-Buergermeister-von-Kiew-fordert-Vitali-Klitschko-die-Maidan-Veteranen-auf-endlich-nach-Hause-zu-gehen/184

    Fähre geht wieder..
    http://www.eurasischesmagazin.de/artikel/Zug-von-Sewastopol-nach-Moskau-faehrt-ueber-Strasze-von-Kertsch/14022

    ++++
    Lügen und Verrat…. Die (Schein)Revolution des Regimes in Kiev „entlässt ihre Kinder“!
    und die Krim ist nicht mehr von Festland abgeschnitten..So schnell geht das.

  4. http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/08/12/rotes-kreuz-verhandelt-mit-russland-und-ukraine-ueber-hilfe-fuer-ost-ukraine/
    ***
    Bewährungsprobe für Ostukrainehilfe und “Rotes Kreuz” oder zeigt hier KIEW wieder sein wahres Gesicht!?
    Denn auch das Rote Kreuz ist nicht sooo sauber…!

    ***
    Russischer Hilfskonvoi Richtung Ostukraine aufgebrochen
    sachlicher Bericht…bis auf die Bemerkungen des Jewblers Fabius!
    Nach der Einigung auf eine internationale Hilfsmission für die Ostukraine sind heute rund 280 Lastwagen mit Hilfsgütern von Moskau aus in die Region aufgebrochen.
    http://www.youtube.com/watch?v=2J_LFuha0Gg

    Die Lügen der Golineh Atai vom ARD! ..aus Kiew!
    “Die Rede ist von”/ …”sollen”…/ “sprechen von einem Trojanischen Pferd”!

    http://www.youtube.com/watch?v=CzSVhDy5Ms0

    Eine Unverschämtheit!
    “Rätsel” um Hilfskonvoi aus Russland usw.
    Frau Golineh Atai- sie lügen und unterstellen etwas ..
    DAS ist übelste ARD_DESINFO!
    Frau Goline Atai ..Danke für ihre “Meinung”! : Ihren könnte-sollte-Lügen-Bericht können sie vergessen! Sie betreiben sublime und offene Desinformation! Trojanisches Pferd? Sie vermuten nur …Hören Sie endlich damit auf! Es geht um dringende Hilfe–sonst nichts. Wie schäbig sie und ihre Kollegen doch sind.

  5. Interessant.
    Strelkov soll bereits in Tschetschenien und Bosnien tätig gewesen sein. Also ein Berufs-Söldner, vermutlich von Russland bezahlt, von wem sonst? Russland macht’s also genauso wie die VSA. Insofern hält sich meine Sympathie für Russland in Grenzen. Denn vermutlich sind auch dort im Hintergrund Kräfte am Werk, denen allgegenwärtige Unruhe in den Kram passt.
    Wer aber ist nun dieser Zacharenko, welcher nach diesem Artikel für eine von Russland unabhängige Variante eintreten soll??

  6. Dazu passt: DAGMAR HENN: VERBRANNTE BRÜCKEN http://www.vineyardsaker.de/russland/dagmar-henn-verbrannte-bruecken-siehe-fussnote-1/
    „…Es sind aber nicht nur Grundregeln im Bereich der Diplomatie mal so eben über den Jordan geschickt worden. Amnesty International scheint sich wieder auf seine Ursprünge in den Zeiten des kalten Kriegs zurückzubesinnen und agiert als US-Propagandaapparat. Die UN-Menschenrechtskommission hat ebenso viel an Glaubwürdigkeit verloren. Die OSZE ist schwer angeschlagen. Und nun muss das Internationale Rote Kreuz, das immerhin zwei Weltkriege unbeschadet überstanden hat, um seinen Status ringen, und es ist fast kein Weg erkennbar, auf dem es entkommen könnte.
    Denn wenn es seinen eigentlichen Auftrag erfüllt, und die aus Russland gestarteten Hilfstransporte nach Donezk und Lugansk eisern verteidigt, dann wird es einen massiven Angriff sämtlicher westlicher Medien zu gewärtigen haben. Tut es das allerdings nicht, verletzt es seine eigenen Normen in einem Ausmass, dass von seinem jetzigen neutralen Status nichts übrigbleibt.
    Kaum jemand wundert sich darüber, dass sämtliche Strukturen, die zum Zwecke der Konfliktbegrenzung oder -beendung entstanden sind, eine nach der anderen zu Klump gehauen werden. Dabei ist das ein weit stärkeres Warnsignal als NATO-Manöver oder das Gekreische des irren Dänen Rasmussen. Sie benehmen sich,. als wäre nichts von all dem mehr nötig, wenn sie mit dem fertig sind, was sie vorhaben. Als gäbe es kein Morgen.“

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