Hensel´s Sonntagsmatinée: Agrarplaneten – Teil VII

von H.-P. Schröder

 

Eine Geschichte in Fortsetzungen – Nur für reife Leser!

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Sie schauten trübsinnig vor sich auf den Tresen. Herr Fohu warf einen Blick auf den Klonometer. „Noch vier Frauls bis zum Anschlussflug. Wann müssen sie weiter? Oder werden sie abgeholt?“

Herr Te schien einer guten Gelegenheit nachzutrauern, sein Sechsauge wedelte matt mit den Wimpern. „Wie bitte?“ „Wann müssen sie weiter?“ „Wie weiter?“ „Ich meine, wann reisen sie weiter?“

„Ich bin freier Handelsvertreter lieber Herr Fohu, auf keinen Fall bevor ihre Geschichte zuende ist.“

„Wo war ich stehen geblieben, ach ja, bei der Kontaktaufnahme. Die Instrumente registrierten eine weitere Zunahme des Gehirnvolumens. Das alleine war schon erstaunlich, noch erstaunlicher war, daß in dem dicklichen Subjekt ein Plasmant heranwuchs.“ Herrn Te`s Sechsauge begann zu schielen, er versuchte es mit einem Tentakel gerade zu rücken. Ein putziger Anblick.

„Wir hielten ihnen eine Ansprache aus dem Baum heraus und stellten uns als ihre Schöpfer vor, von denen sie Anweisungen entgegenzunehmen hätten, das Ganze kombiniert mit dem übliche Lightshowprogramm, sie wissen schon Blitz, Donner, Bodenwackeln und die Stimme mit viel Baß.“

Das Düdelphon summte. „Angwang von Te. Jaa, jaa, – äh zur Zeit ist es etwas ungünstig, ich sitze hier mit einem netten Herrn von Protonprotein zusammen, ja Pro-ton-pro-tein. Ich rufe zurück, so in drei Stratos, geht das? Ja?, vielen Dank.“

Er klappte das Gerät zusammen. „Lästig, diese Vertreter, oh entschuldigen sie bitte, ich vergaß.“

„Wir beschlossen das Experiment mit einem an die örtlichen Verhältnisse angepassten Entwicklungsprogramm für Privatplaneten fort zu setzen, intelligent genug schienen sie zu sein, die Plasmanten. Das Übliche. Gehorsamskonditionierung, Apportieren mit Abliefern, Glaubenssysteme für Stressperioden, eine Auswahl an Götterhimmeln, das kleine 1 mal 1 und der Schnupperkurs in Naturwissenschaften.“

Ei eye ei (2)

„Sie vermehrten sich unablässig, ein einmaliger Glücksfall von Selbstreplikation, ausserdem fütterten sie sich gegenseitig mit Hausmannskost und sie sind nicht zu blöd, zumindest nicht alle.“

Nach Phase Eins warfen wir sie aus der Plantage. Seit der Zeit läuft vieles von selbst, der Arbeitsdienst, die sinnfreien Unterhaltungsprogramme, die freiwilligen Marathonläufe und die Parteiversammlungen. Mittlerweile betreiben sie sogar Bergbau und produzieren Kleinserien für uns.

Die Cleversten lassen die Anderen für sich arbeiten und bemerken nicht, daß wir uns von allem die Hälfte abzweigen, zu Anfang geschah das über die Opferschiene. Das stellte sich jedoch als zu aufwendig heraus, jetzt nehmen wir uns, was wir brauchen und verpassen ihnen anschliessend einen Hypnoseblock.

Ab und zu führen sie Kriege wegen Lächerlichkeiten, dann bekommen sie von uns einen Dämpfer, ein Donnerwetter, ein, zwei Vulkanausbrüche oder eine kleine Síntflut. Sonst werden sie zu übermütig und das mindert die Ernteerträge. Natürlich streng natürlich. Alles geht seinen geregelten Gang. Ihre weisen Männer versuchen immer wieder, heraus zu finden, was das Ganze soll und überbieten sich gegenseitig mit tollen Theorien über den Sinn des Lebens und die Natur der Schöpfung, wie sie es nennen. Ihre neuesten Stilblüten hängen dann am Schwarzen Brett in unserer Kantine, das sorgt für gute Stimmung beim Essen.“

Beim Warten (2)

Herr Te schaute zum Zentralklonometer. „Was?, schon vier Spam?, man plaudert und plaudert. Ich sollte so langsam weiter. Wie sieht es denn jetzt aus, auf ihrer Spielwiese?“

„Kurz vor der Serienreife. Die Endphase läuft. Eine erste Probenernte wurde gerade eingefahren.“

(Fortsetzung folgt)

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(letztes Drittel des verlinkten Artikels)

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