der Westen drängt Iran, die Bombe zu bauen

iranischer Atomwissenschaftler Akbar Etemad

erschienen bei 20min.ch

Danke an Christoph

Akbar Etemad gilt als der Vater des iranischen Atompogramms. In einem Interview wirft der in der Schweiz ausgebildete Physiker dem Westen Heuchelei vor – und warnt vor einem Angriff.

Der heute 81-jährige Akbar Etemad, der Vater des iranischen Atomprogramms, lernte sein Handwerk an der ETH Lausanne, arbeitete 15 Jahre in der Schweiz bei der BBC (die heutige ABB) in Baden und am Forschungsreaktor in Würenlingen. Mit diesem Schweizer Know-how wurde er unter dem Schah von Iran in den 70er Jahren zum ersten Direktor der iranischen Atombehörde. Schon damals war der Bau einer Bombe ein Thema. Und heute? Gegenüber dem Schweizer Fernsehen nimmt Etemad ausführlich Stellung.

War es einfach für Sie, 2007 in den Iran zurückzukehren?
Akbar Etemad:
Es waren die Iraner, die mich einluden zurückzukommen. Ich sagte ihnen, dass ich nur zurückkehre, wenn ich nichts mehr mit Atomenergie zu tun habe. Ich komme zurück als freier, unabhängiger Mensch und sie akzeptierten das.

Hat denn das Mullah-Regime nie versucht, von ihrem Wissen zu profitieren?
Doch. Sie wollten mich als Berater für die Atomenergiebehörde gewinnen. Ich sagte nein. Ich will nie Berater werden, sondern frei sein. Wenn sie aber meine Meinung wissen wollen zu diesem und jenem, dann gebe ich sie ihnen.

Was denken Sie eigentlich über dieses Mullah-Regime?
Das geht mich nichts an. Der Iran als Land geht mich etwas an. Ich liebe mein Land und die Leute. Ich lebe mit ihnen, wer auch immer das Land regiert. Natürlich machen die Leute, welche das Land regieren, den Leuten Probleme. Aber ich mische mich da nicht ein.

Sie lassen sie in Ruhe und Sie können machen, was Sie wollen?
Genau. Sie respektieren mich. Sie sagen mir, dass ich damals einen guten Job gemacht habe. Und sie anerkennen, dass sie nur wegen meiner damaligen Vorarbeit so weit sind, wie sie heute sind.

Der Westen sagt, der Iran wolle eine Bombe bauen. Stimmt das?
Nein. Der Punkt ist doch, dass der Westen den Atomwaffensperrvertrag geschaffen hat, ihn aber selbst nicht einhält. Der Geist dieses Vertrags ist: Solange du deine Verpflichtungen einhältst, darfst du ohne Einschränkung forschen. Er geht aber noch weiter: Die anderen Staaten, welche die Technologie besitzen, sind verpflichtet, dir zu helfen. Aber sie verweigern dem Iran die Unterstützung mit dem Vorwand: Wenn wir euch helfen, dann baut ihre eine Atombombe.

Aber wissen Sie, ob es in der Vergangenheit Vorbereitungen für eine Bombe gab?
Nein. Wir machten nie Bombenvorbereitungen in der Vergangenheit. Aber schon damals, als ich verantwortlich war in der Organisation, dachte ich mir, es ist meine Pflicht, alle Richtungen in der Forschung offen zu lassen. Ich liess damals meinen Mitarbeitern freie Hand, in verschiedenen Gebieten zu forschen. Ich sagte ihnen nicht, das darfst du und das nicht.

Heisst das, Sie durften auch die Option einer Bombe erforschen?
Keine Regierung entscheidet plötzlich über Nacht, wir machen morgen eine Bombe. Es ist eine politische Frage. Wenn sie fühlen, ich brauche sie, unsere Sicherheit ist in Gefahr, dann machen sie Nuklearwaffen. Heute hat der Iran keinen Plan, eine Bombe zu bauen. Aber wenn der Druck von den westlichen Ländern weiter anhält, dann drängen sie den Iran regelrecht dazu. Israel, Pakistan, Indien, Russland – alle um uns herum haben die Bombe. Warum haben diese Länder das Recht dazu, der Iran aber nicht? Das ist nicht fair.

Fakt ist doch aber, dass es vor 2003 ein Militärprogramm gab, das dann gestoppt wurde. Heute haben die Iraner alle Bestandteile für eine Bombe zusammen. Aber der Entscheid, sie zu bauen, ist noch nicht gefallen. Stimmt das?
Ja und nein. Es stimmt nicht, dass die Iraner vor 2003 ein Militärprogramm hatten, auch wenn die US-Geheimdienste dies behaupten. Davon konnten die Iraner damals nicht einmal träumen. Es stimmt aber, dass der Iran heute sagt, wir haben das Recht, alle Technologien zu besitzen. Und es stimmt, wir sind an der Schwelle, alle nötigen Technologien beieinander zu haben. Aber wir haben nicht entschieden, eine Waffe zu bauen. Es ist wie in Deutschland oder Japan. Die haben die Fähigkeit, aber sie bauen die Bombe nicht, weil sie sie nicht brauchen. Genau gleich ist es im Iran. Wenn sie sie nicht brauchen, machen sie keine, wenn sie eine bräuchten, würden sie eine bauen. Das ist ziemlich klar oder?

Sie bestätigen also, dass der Iran alle Zutaten zusammenstellt und Vorbereitungen trifft, um bereit zu sein, wenn der Entscheid kommt, eine Bombe zu bauen?
Nein. Nicht ganz. Es stimmt, sie forschen in verschiedenen Gebieten. Und da gibt es keine Begrenzungen. Und gemäss dem Atomwaffensperrvertrag ist das ihr gutes Recht. Warum sie das tun, weiss ich nicht. Ich sehe nicht in die Köpfe der Regierenden im Iran.

Die Verhandlungen mit dem Iran endeten bisher in der Sackgasse. Sehen Sie einen Ausweg?
Was der Westen momentan macht, ist illegal und gegen den Atomwaffensperrvertrag. Sie sagen, sie möchten den Iran daran hindern, Nuklearwaffen zu bauen. Doch mit all dem, was sie momentan machen, drängen sie den Iran dazu. Wie soll man aus dieser Sackgasse herauskommen? Ich sehe überhaupt keinen Weg. Im Moment geht es gar nicht um das Atomprogramm. Man hat diesen Vorwand gefunden, um dem Iran Sanktionen aufzuerlegen und Druck auszuüben.

Was ist denn das Ziel des Westens?
Wäre es nicht die Nuklear-Frage, hätten sie etwas anderes gefunden. Das Problem ist doch, dass der Iran heute eine Position vertritt, die der Westen nicht akzeptieren kann. Es ist ein Kampf und der geht weiter. Ich sehe überhaupt keine Lösung in der jetzigen Situation.

Bleibt also mit anderen Worten nur die Option krieg?
Nein! Ich glaube der Westen ist nicht in der Lage, einen Krieg gegen den Iran zu führen. Iran ist nicht Afghanistan oder Irak. Iran ist ein sehr starkes Land, auch militärisch. Die Iraner sind jederzeit bereit, das eigene Land zu verteidigen, wie sie es gegen Saddam Hussein getan haben. Israel und die USA schaffen es nicht, den Iran anzugreifen. Tun sie es trotzdem, würde das den ganzen Nahen Osten in Aufruhr versetzen. Wenn der Westen die Sanktionen nicht aufhebt, gibt es keine Lösung.

Und wenn die Sanktionen aufgehoben würden?
Dann käme der Iran vielleicht zu einer Lösung mit dem Westen. Das heisst: Zusammenarbeit im Bereich Atomenergie. Und in diesem Fall würden sie selber die Uran-Anreicherung bis 20 Prozent aufgeben.

Und damit die Möglichkeit eine Bombe zu bauen?
Ja genau.

Sind Sie über die aktuelle Situation nicht besorgt?
Nein, überhaupt nicht. Aber was mich erstaunt ist, dass Israel jeden Tag dem Iran mit einem Angriff droht. Aber niemand sagt: Woher nehmt ihr das Recht, den Iran anzugreifen? Der UNO-Sicherheitsrat existiert da wie nicht. Er sollte sagen: Ihr dürft nicht ein anderes Land angreifen. Israel hat Irak, Syrien und den Libanon angegriffen und niemand sagte etwas. Und jetzt sagen sie, der Iran könnte irgendwann eine Atombombe haben. Angenommen, es wäre so: Niemand baut eine Atombombe, um sie einzusetzen. Man baut eine Atombombe, um sich zu verteidigen.

Aber hat nicht Präsident Ahmadinedschad gesagt, man werde Israel auslöschen?
Das hat er nie gesagt!

Was hat er dann gesagt?
Er sagte, Israel würde von der Karte ausgelöscht – aber nicht vom Iran – weil es historisch falsch sei, dass Israel an diesem Ort existiere und deshalb werde es eines Tages von der Karte verschwinden. Er sagte nicht, der Iran mache dies.

Wer dann?
Die Geschichte. Israel kämpft mit den arabischen Ländern und nicht mit dem Iran. Ich verstehe nicht, warum der Westen das immer gegen den Iran umdreht? Ich habe ganz genau gelesen, was Ahmadinedschad sagte. Er wurde falsch übersetzt im Westen. Absichtlich.

Das Interview wurde den Medien von der «Rundschau» zur Verfügung gestellt. (kri)

Quelle: 20min.ch

2 Gedanken zu „der Westen drängt Iran, die Bombe zu bauen

  1. Sehr gut und glaubwürdig. Das sollten sich die Reporter in den Konzernen im Westen mal hinter die Löffel schreiben; aber die bekommen ja vorgeschrieben, was sie schreiben sollen. Und außerdem dohen sie uns, mit der ewigen Kriegshetzerei um von der Zerstörung unserer Länder durch die Plutokratie abzulenken. Anscheinend kann Israel nur existieren, wenn sie anderen drohen mit ihrem Söldner-Wauwau USA.

  2. Also, eins muß man den Itzen anerkennen. Die können arbeiten wie die Tiere wenn es darum geht wiedereinmal vertrieben zu werden.
    Und das tun DIE z.Z. mit aller Kraft auf allen Kontinenten.

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