Schlagwort-Archive: Weltanschauung

Indogermanischer Volksglaube

Buchübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Vorrede

Wie ich einst unter dem Eindruck jahrelang fortgesetzter kulturhistorischer Wanderungen und Studien des Volklebens im nördlichen Deutschland den Versuch gemacht habe, in der Schrift »Der heutige Volksglaube und das alte Heidentum« aus den noch jetzt herrschenden Sagen und Traditionen die niedere, volkstümliche Mythologie der betreffenden Stämme in der Anlehnung der mythischen Gestalten an die Natur zu entwickeln: so beabsichtige ich mit den Untersuchungen, welche ich mit diesem Buche beginne, in aufsteigender Linie bis zur indogermanischen Mythologie vorzudringen, d. h. in großen Umrissen den Glaubensstand zu zeichnen, welcher sich etwa für die Zeit der Trennung der arischen Stämme, als sie Kolonisatoren nach Ost und West wurden, zu ergeben scheint.

Denn wenngleich, wie ich verschiedentlich schon ausgeführt habe, die religiöse Entwickelung derselben zu jener Zeit noch nicht zu dem Begriff des Göttlichen, selbst nicht im Homerischen Sinne, vorgedrungen war, sondern sich noch mehr oder weniger innerhalb des Stadiums einer einfachen »Naturanschauung« bewegte und die mythischen Elemente selbst noch in gewissem Sinne flüssig waren, so macht sich doch daneben schon ein gewisser homogener Hintergrund in betreff einer allgemeinen, mythisch-religiösen Weltanschauung bemerkbar, der als eine gemeinsame Entwicklungsphase in dieser Hinsicht anzusehen ist, die nur dann während und mit der Zeit der Sonderung der einzelnen Stämme zu Völkem teils zurückgedrängt, teils unterbrochen wurde, so daß eben nur aus den Niederschlägen, die sie in der Tradition gefunden hat, noch ein Bild derselben zu gewinnen ist.

Indogermanischer Volksglaube weiterlesen

Rembrandt, ein Künstlerleben

.

von Silvio

Das Schaffen Rembrandts schildern, heisst eine Schicksalstragödie schreiben: die Tragödie des Künstlers, die Tragödie der Kunst. Blicken wir zurück in die Zeiten des Mittelalters, in die Tage der Renaissance. Da waren Schaffende und Geniessende eins. Von der Kirche und den Königen gingen die Aufträge aus, und die grössten Künstler waren diejenigen, die das, was gewünscht wurde, am besten lieferten.

Heute ist das anders. Diejenigen, die irgend welchem Auftraggeber dienen — mag er Staat oder Publikum heissen — dienen in der Regel nicht der Kunst. Und die, die der Kunst dienen, gehen einsam, oft als Märtyrer ihren Weg. Wie kommt das ? Nun, die Erklärung liegt wohl darin, dass früher eine einheitliche Weltanschauung Schaffende und Konsumenten verband. Raffael und Tizian, Velasquez und Rubens dachten gar nicht daran, etwas anderes malen zu wollen, als was ihre Auftraggeber, freilich hochgebildete, forderten. In Zeiten des Gärens, wenn eine alte Weltanschauung ins Grab sinkt und eine neue sich vorbereitet, wird dieser Zusammenhang sich lösen. Künstler und Schriftsteller ziehen, von wenigen Intelligenten begleitet ins Neuland aus, während die träge Masse der beati possidentes noch im alten Gelände verharrt.

Rembrandt, ein Künstlerleben weiterlesen