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was geht im Islam vor?

aus dem Kunstmuseum Hamburg

zu beachten: der Artikel wurde vor ca. 70 Jahren geschrieben

Die Rolle des Mohammedanertums in der Gegenwart

Ibn Saud, der König von Hedschas, vertritt am stärksten die Forderung nach einem unabhängigen Arabien. In seiner klug abwartenden und äußerst verschlossenen Haltung ist er den Briten seit langem ein unbehaglicher Faktor in ihrer Rechnung im Vorderen Orient.

Deutsche Kampfflugzeuge donnern über die Moscheen und heiligen Stätten des Islams in Nordafrika. Der Krieg hat sich bis auf den Boden der islamitischen Welt ausgedehnt. Hier besitzt England seine stärksten Bastionen, aber hier tritt gegen die Briten nicht nur der deutsche Flieger und Soldat zum Kampfe an, sondern auch der Nationalismus der arabischen Völker, an deren Fahnen der Halbmond des Propheten leuchtet. Unsere Truppen haben in Bosnien und auf dem übrigen Balkan Berührung gefunden mit den Überresten der Islamiten, die von den bis vor die Tore Wiens brandenden Wellen der Türkenheere auf dem Boden des Abendlandes zurückgelassen worden sind. Verschleierte Frauen gehen durch die Straßen von Sarajevo, und vom Turm der Moscheen in Saloniki ruft der Muezzin die Gläubigen. Ist nun der Islam eine dahindämmernde Religion des Fatalismus, wie manche meinen mögen? Gibt es einen Panislamismus, eine Einheit von politischer Bedeutung? Ist es der Islam oder das Nationalgefühl, das die Völker des Orients zum Kampf um die Freiheit antreibt?

Wer die Wirklichkeit des Islams von heute verstehen will, muß ein wenig zurückgreifen in die Vergangenheit. Denn vieles ist nur aus ihr erklärlich, und zum Ursprung drängen die lebendigen Kräfte des modernen Mohammedanismus, die mit einer geistigen Erneuerung ihres Glaubens auch Anspruch auf eine neue Weltgeltung verbinden. Islam heißt „Hingabe“. Daß Mohammed lbn Abdallah diese Lehre verkündete, weiß jedes Schulkind. Aus Elementen vorhandener Religionen, so des orientalischen Christentums, der jüdischen Religion und des arabischen Heidentums, aus religiöser Verzückung und im Glauben an ein nahe bevorstehendes Weltgericht, bei dem er seine Araber für das Paradies retten wollte, gewann der Prophet in jener kargen Wüstenlandschaft bei Mekka und Medina am Ostufer des Roten Meeres seine Offenbarungen und Gesichte. Dort vernahm er seine Visionen und die Worte Gottes, die dann in die 114 Suren des Korans gegossen wurden. Das war um die Zeit zwischen 570 und 632 nach der Zeitrechnung, und seitdem sind die Städte des Hedschas allen Gläubigen heilig. Es war eine völkisch-arabische Religion, die da entstand.

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Indogermanischer Volksglaube

Buchübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Vorrede

Wie ich einst unter dem Eindruck jahrelang fortgesetzter kulturhistorischer Wanderungen und Studien des Volklebens im nördlichen Deutschland den Versuch gemacht habe, in der Schrift »Der heutige Volksglaube und das alte Heidentum« aus den noch jetzt herrschenden Sagen und Traditionen die niedere, volkstümliche Mythologie der betreffenden Stämme in der Anlehnung der mythischen Gestalten an die Natur zu entwickeln: so beabsichtige ich mit den Untersuchungen, welche ich mit diesem Buche beginne, in aufsteigender Linie bis zur indogermanischen Mythologie vorzudringen, d. h. in großen Umrissen den Glaubensstand zu zeichnen, welcher sich etwa für die Zeit der Trennung der arischen Stämme, als sie Kolonisatoren nach Ost und West wurden, zu ergeben scheint.

Denn wenngleich, wie ich verschiedentlich schon ausgeführt habe, die religiöse Entwickelung derselben zu jener Zeit noch nicht zu dem Begriff des Göttlichen, selbst nicht im Homerischen Sinne, vorgedrungen war, sondern sich noch mehr oder weniger innerhalb des Stadiums einer einfachen »Naturanschauung« bewegte und die mythischen Elemente selbst noch in gewissem Sinne flüssig waren, so macht sich doch daneben schon ein gewisser homogener Hintergrund in betreff einer allgemeinen, mythisch-religiösen Weltanschauung bemerkbar, der als eine gemeinsame Entwicklungsphase in dieser Hinsicht anzusehen ist, die nur dann während und mit der Zeit der Sonderung der einzelnen Stämme zu Völkem teils zurückgedrängt, teils unterbrochen wurde, so daß eben nur aus den Niederschlägen, die sie in der Tradition gefunden hat, noch ein Bild derselben zu gewinnen ist.

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Rembrandt, ein Künstlerleben

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von Silvio

Das Schaffen Rembrandts schildern, heisst eine Schicksalstragödie schreiben: die Tragödie des Künstlers, die Tragödie der Kunst. Blicken wir zurück in die Zeiten des Mittelalters, in die Tage der Renaissance. Da waren Schaffende und Geniessende eins. Von der Kirche und den Königen gingen die Aufträge aus, und die grössten Künstler waren diejenigen, die das, was gewünscht wurde, am besten lieferten.

Heute ist das anders. Diejenigen, die irgend welchem Auftraggeber dienen — mag er Staat oder Publikum heissen — dienen in der Regel nicht der Kunst. Und die, die der Kunst dienen, gehen einsam, oft als Märtyrer ihren Weg. Wie kommt das ? Nun, die Erklärung liegt wohl darin, dass früher eine einheitliche Weltanschauung Schaffende und Konsumenten verband. Raffael und Tizian, Velasquez und Rubens dachten gar nicht daran, etwas anderes malen zu wollen, als was ihre Auftraggeber, freilich hochgebildete, forderten. In Zeiten des Gärens, wenn eine alte Weltanschauung ins Grab sinkt und eine neue sich vorbereitet, wird dieser Zusammenhang sich lösen. Künstler und Schriftsteller ziehen, von wenigen Intelligenten begleitet ins Neuland aus, während die träge Masse der beati possidentes noch im alten Gelände verharrt.

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