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Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Wassergeister

Textübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Für die Zugehörigkeit der Wassergeister zu den Elben spricht folgende Sage des 8. Jhdts. (Vita Galli 27):

Als der Erwählte Gottes Gallus einst die Netze in die klare Flut während der Stille der Nacht senkte, hörte er einen Berggeist nach seinem Genossen rufen, der sich in den Abgründen des Sees befand. Auf dessen Antwort: „hier bin ich!“ entgegnete der Berggeist: „Mache dich auf zu meiner Hilfe! Siebe, Fremdlinge sind gekommen, die mich aus meinem Tempel geworfen haben; komm, hilf uns diese aus dem Lande treiben.‘ Der Wassergeist erwiderte: „Siehe, einer von ihnen ist auf dem See, dem werde ich aber niemals schaden können. Denn ich wollte seine Netze zerreiben, aber besiegt trauere ich. Mit dem Zeichen des Gebetes ist er stets umgeben und niemals vom Schlafe überwältigt.“ Als der heilige Gallus dieses hörte, schützte er sich allenthalben mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sprach zu ihnen; „Im Namen Jesu Christi befehle ich euch, weichet aus dieser Gegend und unterfanget euch nicht, irgend jemand hier zu verletzen.“ Er teilte seinem Abte das Erlebnis mit, und dieser rief die Brüder durch den Ton der Glocke in die Kirche. Aber noch ehe man das Gebet erhob, ließ sich ein schreckliches Geheul und Gebrüll durch die Höhen der Gebirge hören, und der Dämon entwich trauernd. — Noch ein zweites Zusammentreffen des heiligen Gallus wird in seiner Lebensbeschreibung erzählt: Als sein Diakon das Netz auswarf, erschienen ihm zwei Geister in Weibergestalt, die nackt am Ufer standen, wie wenn sie sich baden wollten, und indem sie ihm ihren entblößten Körper wiesen und Steine gegen ihn schleuderben, riefen sie: „Du hast jenen Mann in diese Wildnis geführt, einen ungerechten und neidischen Menschen, der uns immer übermächtig ist bei unseren bösen Taten.“ Vor dem Gebete des Gallus entflohen dann die* Geister durch den Lauf des Flusses bis zu dem Scheitel des Berges. Aber als sie die Netze ans Land zogen, hörten sie vom Gipfel des Berges Stimmen gleichsam zweier Weiber, die über den Tod der Ihrigen klagten und jammerten, daß sie fortan weder unter Menschen noch in der Wildnis leben dürften. Kurz nachher vernahm der Diakon zu dreimalen die Geister mit Geschrei von einem Berge fragen, ob Gallus noch in der Wildnis wäre oder sich fortbegeben hätte. — Wie hier die Seefrauen, die sich in das Gebirge zurückziehen, mit Steinen werfen, so schleudert der Nix nach seinem Opfer eine Keule. Ein siebenjähriger Knabe spielte mit seiuen Schwestern am Flußufer. Da stieg aus dem Wasser ein häßlicher, rauhhaariger Mann hervor, trat unter die Spielenden und sagte: „warum stört ihr mich hier?“ Alle flohen entsetzt, dem Knaben aber, der langsamer als die übrigen lief, warf er seine Keule in den Rücken, tötete ihn und sprang dann wieder in die Flut zurück (Thom. Cantiprat.).

Ein freundliches Geschick hat uns überhaupt verschiedene Nixensagen aus der heidnischen Zeit bewahrt.

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Deutsche Mythologie – Der Götterglaube

Textübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Allgemeine Bemerkungen.

Wie bei den Dämonen ist bei den Naturgöttern der Zusammenhang mit den zugrunde liegenden Naturerscheinungen gelockert, ja oft aufgelöst; der Glaube, daß es die großen Naturmächte sind, von denen Wohl und Wehe des menschlichen Daseins abhängt, ist mehr und mehr zurückgetreten. Die Götter sind zu wunderbarer Größe und Herrlichkeit gesteigerte Menschen, Idealbilder von Königen und Fürsten, von erstaunlicher Kraft und Weisheit. Wie Zeus, Hera, Apollo idealisierte Hellenen sind, so sind Wodan, Frija, Donar ideale Germanen. Eine bestimmte Rangordnung unter den Göttern gab es ursprünglich nicht; jeder war in gewissen Lebenslagen der Höchste, der Donnerer, wenn das Gewitter tobte, der Windgott, wenn es stürmte. Solch ein „Augenblicksgott“ ist ferner die Gottheit, die eine einzelne bestimmte Ernte schützt oder eine einzelne bestimmte Waffe zum Siege lenkt und eben in der Garbe, in der Lanze selbst wohnt. Sie entwickelt sich zu einer „Sondergottheit“, die nunmehr ein für allemal der Ernte, dem Kriege vorsteht, und wird schliesslich zu einem „persönlichen Gott“, der immer reicher und idealer ausgestattet wird und alle zusammen gehörenden „Sondergötter“ in sich vereinigt, Darum haften auch ethische Elemente den Götter anfangs nur locker und äußerlich an; *der Gewittergott ist wohl ein gewaltiger, kriegerischer Held und nur wenig von dem Gescblochte der Riesen unterschieden, aber leuchtende Reinheit und Erhabenheit einer höchsten sittlichen Kraft hat er ursprünglich nicht.

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Deutsche Mythologie – Der Kultus – Opferspeise

Textübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Die älteste Opferspeise waren die wuchtigsten Erzeugnisse der Ackerwirtschaft wie der Viehzucht; der Krieger wird blutige Opfer, der Hirt und Ackerbauer wird Vieh und was die Herde, der Acker, das Feld und der Haushalt bietet, darbringen: Milch, Butter, Eier, Körnerfrüchte, Honig, Pflanzen, Blumen, Brot und Wein. Mit unblutigen Opfern mußte sich der einzelne begnügen, blutige Opfer, die an den großen Jahresfesten fielen, wurden von der Familie oder der Gemeinde dargebracht.

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Indogermanischer Volksglaube

Buchübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Vorrede

Wie ich einst unter dem Eindruck jahrelang fortgesetzter kulturhistorischer Wanderungen und Studien des Volklebens im nördlichen Deutschland den Versuch gemacht habe, in der Schrift »Der heutige Volksglaube und das alte Heidentum« aus den noch jetzt herrschenden Sagen und Traditionen die niedere, volkstümliche Mythologie der betreffenden Stämme in der Anlehnung der mythischen Gestalten an die Natur zu entwickeln: so beabsichtige ich mit den Untersuchungen, welche ich mit diesem Buche beginne, in aufsteigender Linie bis zur indogermanischen Mythologie vorzudringen, d. h. in großen Umrissen den Glaubensstand zu zeichnen, welcher sich etwa für die Zeit der Trennung der arischen Stämme, als sie Kolonisatoren nach Ost und West wurden, zu ergeben scheint.

Denn wenngleich, wie ich verschiedentlich schon ausgeführt habe, die religiöse Entwickelung derselben zu jener Zeit noch nicht zu dem Begriff des Göttlichen, selbst nicht im Homerischen Sinne, vorgedrungen war, sondern sich noch mehr oder weniger innerhalb des Stadiums einer einfachen »Naturanschauung« bewegte und die mythischen Elemente selbst noch in gewissem Sinne flüssig waren, so macht sich doch daneben schon ein gewisser homogener Hintergrund in betreff einer allgemeinen, mythisch-religiösen Weltanschauung bemerkbar, der als eine gemeinsame Entwicklungsphase in dieser Hinsicht anzusehen ist, die nur dann während und mit der Zeit der Sonderung der einzelnen Stämme zu Völkem teils zurückgedrängt, teils unterbrochen wurde, so daß eben nur aus den Niederschlägen, die sie in der Tradition gefunden hat, noch ein Bild derselben zu gewinnen ist.

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