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Deutsche Mythologie – Die Seele als Atem, Dunst, Nebel, Schatten, Feuer, Licht und Blut

Textübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Das ist in den allgemeinsten Zügen die Seelentheorie, wie sie allen Völkern eigen ist, in der das Leben, der Geist, der Atem, Träume und Visionen in einen gewissen Zusammenhang gebracht werden, um das eine durch das andere zu erküren. Selbst in den Sprachen der zivilisierten Völker finden wir noch ihre Spuren. Noch heute sagen wir: er ist außer sich, er kommt zu sich, und wenn er wirklich tot bleibt, bestätigen wir, er ist nicht mehr zu sich gekommen; in dem ersten Falle bezeichnen wir mit „er“ den geistigen, in dem anderen den leiblichen Menschen. Wenn das Volk sagt, „er“ geht um, meint es seinen Geist. In einer gesunden oder kranken Haut stecken, aus der Haut fahren, sind bekannte Redensarten. Das Wort Geist, das Bewegliche, bedeutet vielleicht den erregten und bewegten Lufthauch; west- und ost-germ. Seele gehört zu aitttos „beweglich, regsam“ und hängt mit dem Namen für See, got. saiws, zusammen: es ist nicht ausgeschlossen, für Seele an den sich bewegenden Atem zu denken. Ostgerm. und gehört zur Wurzel anan und vergleicht sich, lat. an-ima Luft, Wind, Atem. Auf dieselbe Wurzel geht auch ahd. ano, der Ahne, zurück. Der Ahn ist der Totliegende, Verstorbene, der ausgeatmet hat; auch nhd. „ahnen“, voraussehen, kann zu der Wurzel an gehören. Man faßte also die als Atem den Leib verlassende Seele als Wind, als Lufthauch auf. Darum glaubt man noch heute, daß sich beim Verscheiden eines Menschen die Luft im Sterbezimmer mit leisem Wehen bewege, daß großer Sturm entstünde, wenn sich jemand erhängt habe, daß man ein Fenster oder eine Tür für die Seele öffnen müsse, wenn sie den Leib verlasse, und daß man eine Tür nicht stark zuschlagen dürfe, sonst klemme man die Seele ein.

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Hensel´s Sonntagsmatinee: der Kleine Unterschied

von Hans-Peter Schröder

 

Expressionistische SF: Fiction expresses Science, Science expresses Fiction

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Die Götter sind zurück!“ „Die Götter sind!“ Das Gerücht drang durch die Mauern, übersprang Gräben, eroberte die Stadtviertel. „Hast du schon gehört?“

Es läuft summend über die Treppen, versteckt sich in Schränken und versammelt sich auf den weiten Plätzen:

Hast du schon gehört?“ „Die Götter sind zurück!“

Wo?, wo sind sie?“

Die Nachricht taucht in die Keller, schwimmt in der Menge, rast von einem Ohr zum ander`n Ohr.

Wo?, wo sind sie?“

Im Tempel, wo sonst!“

Hast du etwas gesehen?“

Nein“, sagt der Eine, „nur gehört. Wie ein leises Säuseln in der Luft.“

Ich hab`s gesehen“, schreit sein Nachbar aufgeregt und fuchtelt mit den Armen, ganz rot im Gesicht: „Ein Blitzen, direkt über dem Allerheiligsten, ein Wusch und alles war elektrisch. Hallelujah! Ich bin gleich auf die Knie gefallen.“

Nein, nein, ihr begreift nicht“, ruft der Schmied entsetzt, das ist das Ende, das ist das Ende.“ Ach, wie recht er doch hatte.

Manche öffnen freudig Fässer, ein guter Anlaß und sie schenken aus: „Heute beginnt das Paradies. Was kümmert uns ein morgen.“

Zum Tempel, zum Tempel.“

Drinnen in der Kühle verharrt der Hohepriester, bewegungslos massig vor dem Hochaltar. Er steht gebückt, Stille lastet auf ihm, seine Hände tasten blind nach den heiligen Gegenständen. Er beginnt zu zittern. „Jetzt bitte keine Schwäche Herr, bitte keine Schwäche.“

Eine Ewigkeit danach treten die Novizen ein, verbeugen sich, heben das Tuch.

Golden steht es da, schlank, schimmernd, voller Vorsprünge und kleiner Türme, rußgeschwärzt die Unterseite. Das prächtige Gefährt der Götter.

Fünf Zentimeter ragt es empor.

Der Hohepriester greift zur heiligen Lupe.

*