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Tibet und die englische Expedition

Buchübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg


Tibet ist das einzige unter den großen Kulturländern Asiens, dem es bis heute gelungen ist, sich ähnlich wie noch vor wenigen Jahrzehnten China, Japan, Korea, Annam u. a. streng gegen die Außenwelt abzuschließen.

Gegenwärtig scheint es aber, als ob die diplomatisch-kriegerische Verwickelung mit England auch für den mysteriösen Priesterstaat von Lhassa die Stunde heraufführen wird, wo er seine Tore dem Weltverkehr öffnen und sich in das große Netz des gemeinsamen Lebens einordnen muß, mit dem die Energie der weißen Rasse den Erdball umspinnt.

Mit wohlberechtigter Aufmerksamkeit verfolgt die Kulturwelt diesen Vorgang. Tibet ist infolge der Seltsamkeit und Großartigkeit seiner Landesnatur wie der Merkwürdigkeit seiner Zivilisation — gerade weil der hohe Reiz schwer zu lüftender Geheimnisse über ihm lag — schon lange ein Gegenstand größten Interesses für die geographische und ethnologische Forschung gewesen. In letzter Zeit beginnt aber auch für sein politisches Schwergewicht ein Verständnis in weitere Kreise zu dringen. Dieses Schwergewicht liegt in der Bedeutung, die der vor den Toren Indiens gelegene Erdraum für die britisch-indische Machtstellung besitzt, und noch darüber hinaus in dem weitreichenden Einfluß, den der Dalailama, der buddhistische Pabst, auf die Völkerwelt ganz Inner- und Ostasiens ausübt. Aus beidem erklärt sich die Wichtigkeit der Rolle, die Tibet gegenwärtig in dem großen Machtkampf zwischen England und Rußland zu spielen begonnen hat — oder, wie man heute, bei Eintritt einer ganz neuen, überraschenden Phase in der Geschichte Ostasiens, vielleicht richtiger und weiterschauend sagen muß: in dem künftigen Kampf der weißen und einheimischen Rassen um Asien überhaupt.

Im folgenden soll deshalb ein kurzer Abriß dessen gegeben werden, was wir heute über Tibet, seine Landesnatur, sein Volk und seine Geschichte trotz der Schwierigkeiten seiner Erforschung bereits wissen, mit besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse, die für die Pläne Englands von Bedeutung sind.

Text aus dem Buch: Tibet und die englische Expedition (1904), Author: Wegener, Georg.

Die einzelnen Buchkapitel:
Tibet und die englische Expedition – Einleitung
Tibet und die englische Expedition – Größe des tibetischen Reiches
Tibet und die englische Expedition – Die Entwicklung der Kenntnis von Tibet
Tibet und die englische Expedition – Die Landschaft
Tibet und die englische Expedition – Klima und Erzeugnisse
Tibet und die englische Expedition – Die Tibeter
Tibet und die englische Expedition – Verkehrswege und Handel
Tibet und die englische Expedition – Lhassa
Tibet und die englische Expedition – Die politische Geschichte Tibets bis zur Gegenwart
Tibet und die englische Expedition – Tibet und England
Tibet und die englische Expedition – Nachwort

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Kindesmissbrauch und Giftgas

„ozeangleicher Lehrer“ No. 14
„ozeangleicher Lehrer“ No. 14

Danke an Tanja

die wirkliche Welt des Dalai Lama

In westlichen Medien wird der 14. Dalai Lama gerne als Friedensapostel und Menschenfreund dargestellt, der selbstlos die Interessen der TibeterInnen gegenüber China vertritt. Doch die Realität sieht anders aus.

Lhamo Dhöndup, der spätere 14. Dalai Lama, kam 1935 im Dorf Takster zur Welt. Seine Familie dürfte relativ wohlhabend gewesen sein, obwohl er ausdrücklich betont, daß sie nicht zur Adelsschicht gehöre. Sein Lebensweg war ihm eigentlich schon vorgezeichnet, gab es doch bereits früh eigentlich untrügliche Zeichen seiner Bestimmung. So habe laut seiner Mutter der kleine Lhamo von Anfang an nur am oberen Tischende sitzen wollen und nur seiner Mutter gestattet, seine Eßschale zu berühren, in der Nacht vor seiner Geburt seien ihr im Traum außerdem zwei blaue Drachen erschienen. Ausgestattet mit so eindeutigen Vorzeichen, war der Rest eigentlich nur mehr Formsache. 1938 wurde Klein-Lhamo offiziell als Reinkarnation des fünf Jahres zuvor verstorbenen 13. Dalai Lama anerkannt.

Das Leben zur Zeit der Geburt des Dalai Lama wird in einer (autorisierten) Biographie paradiesisch geschildert. „Die Bewohner von Lhasa, ob arm oder reich, sind alle sehr friedlich. (…) Selbst die Bettler von Lhasa brauchen ihrem Gewerbe nur morgens ein paar Stunden nachzugehen um sich ihr tägliches Brot zu beschaffen. Am Abend sind sie alle selig betrunken. (…) Niemand muß sich allzusehr ins Zeug legen, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen.”. Der Dalai Lama selbst ergänzt, es sei „der fortwährende Einfluß des Buddhismus” gewesen, der eine „Gesellschaft des Friedens und der Harmonie” hervorgebracht habe. „Wir waren schlicht und einfach glücklich”. Soweit die Darstellung des Dalai Lama und seiner BewundererInnen. Doch wie sah die Realität aus?

Mary Craig etwa beschreibt in ihrem Buch “Tears of Blood – A Cry for Tibet” (das keineswegs Dalai Lama kritisch ist, im Gegenteil, es ist mit einem Vorwort des Dalai Lama versehen) die tibetische Gesellschaft so: „Es war eine mittelalterliche Feudalgesellschaft. Der tibetanische Bauer war ohne Zweifel Eigentum seines Herrn, egal, ob er Staatseigentum, klösterliche Anwesen oder den Boden einer der etwa zweihundert großen aristokratischen Familien bebaute. Als Gegenleistung für ein kleines Stück eigenes Land musste er ein gewisses Pensum abarbeiten. Den größten Teil seines Ertrags musste er seinem Herrn abliefern, für sich und seine Familie konnte er kaum das Nötigste behalten. Der Grundbesitzer durfte nicht nur die Höhe der Pacht nach Belieben festlegen, sondern auch drakonische Strafen verhängen, sollte der Bauer seinen Forderungen nicht nachkommen.”

Heinrich Harrer, Freund des Dalai Lama und ehemaliger SS-Mann, beschreibt die tibetische Gesellschaft so: „Die Herrschaft der Mönche in Tibet ist einmalig und läßt sich nur mit einer strengen Diktatur vergleichen.” Harrer beschreibt einen bestimmten Fall. Ein Mann hatte in einem Tempel eine Butterlampe gestohlen. Ihm wurden „öffentlich die Hände abgehackt und sein verstümmelter Körper in eine nasse Jakhaut eingenäht. Dann liess man die Haut trocknen und warf ihn in die tiefste Schlucht.”

Neben „VerbrecherInnen” hatten es Frauen im Tibet der Lamas besonders fein. Eine Frau durfte bei Ehebruch von ihrem Mann straflos getötet werden. Kein Wunder eigentlich bei näherer Betrachtung der am häufigsten verwendeten Bezeichnungen für Frauen: Kyemen (“mindere Geburt”), Tobmema (“die ohne Samen”) oder Tsandenma (“die mit Beschränkungen Behaftete”).

alles Karma

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