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Deutsche Mystiker

aus dem Kunstmuseum Hamburg

„Wenn man das Leben fragte tausend Jahre lang: ,’Warum lebst du?‘ wenn es überhaupt antwortete, würde es nur sagen: ,ich lebe, um zu leben!‘ Das rührt daher, weil das Leben aus seinem eigenen Grunde lebt, aus seinem Eigenen quillt, darum lebt es ohne ein Warum: es lebt nur sich selber! Und fragt man einen wahrhaften Menschen, einen, der aus seinem eigenen Grunde wirkt: ,Warum wirkst du deine Werke?‘ wenn er recht antwortete, würde er auch nur sagen: ,ich wirke, um zu wirken‘.“

Meister Eckhart.

I. Abschnitt. Bild

MITTELALTERLICKE MÖNCHE und Prediger; strenge, eckige Gestalten in gegürteter Kutte, mit abgezehrten Asketenhänden, Händen von geißelnden Peinigern und gepeinigten Duldern; Händen, die mit knöchernen Fingern das Ungreifbare zu greifen suchen, die sich dem Unendlichen zudehnen, die ,,nach Gott tasten in seiner Tiefe“. Fleischlose, knochige Gesichter mit tiefliegenden, gerötet brennenden Augen, in denen des Leibes Zerrüttung und Verwüstung mit grauer Flamme leuchtet; Profile, wie in Holz geschnitten. —

Unirdisch, weitabgewandt, ins Ewige blickend und doch harte, erdstarke, wirkende Männer, sprach-gewaltige, hinreißende Redner, denen das Volk zuläuft, denen es sich unterwirft. Auf rauher Sandale schreiten sie einsame Wege, flüchtenden Gedanken und Gefühlen nach, in die eintauchend sie sich mit Gott geeint glauben, die sich aber immer wieder von ihnen lösen und dornige Pfade voranschweben. Mit Stachelgeißeln peitschen sie sich aus jeder noch so armseligen Behaglichkeit, treiben sie sich den Intuitionen nach, bis die tiefste unerschütterlichste Seelenruhe, wie die Blüte all ihrer Schmerzen und Leiden, ihnen gegeben wird und sie in völliger Gelöstheit vom Irdischen, in ,,aller Bilde Bildlosigkeit“ dem nahenden Gotte offen sind. —

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Die Bildende Kunst und das Jenseits

Buchübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Werke der bildenden Kunst sind zu allen Zeiten mit sehr verschiedenen Augen angesehen worden. So neigten und neigen die Künstler stets dazu, auch alte Kunst rein künstlerisch zu betrachten, d.h. von den geschichtlichen Voraussetzungen, unter denen das einzelne Werk entstanden ist, ganz abzusehen und seine Eigenart lediglich aus künstlerischen Gesichtspunkten zu erklären.

Bötticher sah im Tempel der Hellenen eine Schöpfung, die einmal, ein in sich geschlossenes Ganze, in die Welt getreten sei. Böcklin leitet den Mangel an Reliefwirkung in den Bildern Giottos von dem weißen Malgrund her, dessen sich der Künstler bediente. Und Adolf Hildebrand erklärt die Eigenart der Figuren Michelangelos so gut wie ausschließlich aus dem künstlerischen Bedürfnis, den größtmöglichen Lebensgehalt in einer möglichst kompakten Raumeinheit darzustellen: dieser künstlerische Zusammenhang der Erscheinung wirke bei seinen Werken so stark, daß die Bewegung als von einem inneren Vorgang motiviert oder als Ausdruck einer darzustellenden Handlung für den Beschauer gar nicht mehr in Frage komme.

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Die Bildende Kunst und das Jenseits

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Werke der bildenden Kunst sind zu allen Zeiten mit sehr verschiedenen Augen angesehen worden. So neigten und neigen die Künstler stets dazu, auch alte Kunst rein künstlerisch zu betrachten, d.h. von den geschichtlichen Voraussetzungen, unter denen das einzelne Werk entstanden ist, ganz abzusehen und seine Eigenart lediglich aus künstlerischen Gesichtspunkten zu erklären.

Bötticher sah im Tempel der Hellenen eine Schöpfung, die einmal, ein in sich geschlossenes Ganze, in die Welt getreten sei. Böcklin leitet den Mangel an Reliefwirkung in den Bildern Giottos von dem weißen Malgrund her, dessen sich der Künstler bediente. Und Adolf Hildebrand erklärt die Eigenart der Figuren Michelangelos so gut wie ausschließlich aus dem künstlerischen Bedürfnis, den größtmöglichen Lebensgehalt in einer möglichst kompakten Raumeinheit darzustellen: dieser künstlerische Zusammenhang der Erscheinung wirke bei seinen Werken so stark, daß die Bewegung als von einem inneren Vorgang motiviert oder als Ausdruck einer darzustellenden Handlung für den Beschauer gar nicht mehr in Frage komme.

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