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Deutsche Mythologie – Naturerscheinungen in Tiergestalt

Textübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Wir nennen noch heute die lichtweißen oder rötlichgelben Federhaufwolken des Morgen- und Abendhimmels Schäfchen oder Lämmergewölk; „der Herrgott hütet seine Schafe“, „der Schäfer treibt seine Schafe aus“. Für Wolken, die sich nicht bewegen, sagt man, „die Küh’sleh’n still“, ganz dunkle Wolken heißen Ochsen oder Bullkater: der in dunkler Wolkennacht aufzuckende Blitz erinnert an das im Dunkeln leuchtende Auge eines Katers, und bull kommt von bullern oder bollern her und bezeichnet das bollernde Rollen des Donners. Wir sind uns dabei wohl bewußt, daß wir nur eine poetische Metapher gebrauchen. Der Naturmensch aber ist von der Wirklichkeit dieses Naturbildes überzeugt wie noch heute gläubige Kiudergemüter, er schreibt diesen Wesen übernatürliche Eigenschaften zu und verknüpft mit ihnen abergläubische Vorstellungen: das Bild wird zum Mythus. Ein uud dasselbe Bild wird zum Ausdrucke verschiedener Naturerscheinungen verwandt. Der Eber ist ein erdaufwühleudes Tier; auch der Wind, namentlich der grollende Wirbelwind, wühlt plötzlich Staub und Erde auf ; folglich war der Eber (so schloß man) das den Wind verursachende Tier, das im Winde dahinfuhr. Oder man verglich den blendend weißen Blitz mit einem Zahne, dem Hauer eines grunzenden Ebers, oder der Eber ist das mythische Bild der Sonnengottheit, bei der Verhüllung der Sonne in dunkeln Wolken. Der schnelle Lauf des Wirbelwindes ließ an ein Pferd denken, das Heulen und Bellen des Windes an einen Hund, der sich an zugiger Stelle, wie dem offenen Herde, aschezehrend niederläßt; seine springende Bewegung und sein meckernder Laut an eine Ziege.

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Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Foseti

Textübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Fern von der Heimat hatten germanische Söldner der friesischen Heeresabteilung ihrem obersten Gotte Tius Thingsus, dem Befehlshaber und Vorsitzenden des in Heer und Thing versammelten Volkes, einen Weihstein gesetzt. Aber noch unter einem andern Namen, als Foseti, verehrten sie ihn daheim.

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Indianerleben

Buchübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

In diesem Buche beabsichtige ich, einige Indianerstämme, die ich während meiner Reise 1908 — 1909 näher kennen gelernt habe, zu schildern.

Ich habe das intime Leben dieser Menschen, ihre Gesellschaft, ihre Häuslichkeit, ihren Kampf ums Dasein, ihre Streitigkeiten, ihre Erziehung, ihre Moralbegriffe, ihre Religion und ihre Sagen hier zu schildern versucht.

In erster Reihe habe ich somit einen Beitrag zur Kenntnis der sozialen Verhältnisse im Gemeinwesen der Indianer liefern wollen.

Ich habe versucht, die Indianer kennen zu lernen und habe auch Sympathie für sie empfunden. Ich habe, so gut es ging, das Leben der Indianer zu leben, sie zu verstehen gesucht. Ich habe mit ihnen gefischt, getanzt, gesungen und getrunken. Ich habe zu vergessen gesucht, daß ich ausgezogen bin, um diese Menschen zu studieren, und nicht, um nur mit ihnen zu leben und mich zu amüsieren.

Ich habe diese Indianer als Mitmenschen betrachtet. Unter vielen trockenen Tatsachen habe ich hier Menschen zeigen wollen, die der Sympathie des Lesers würdig sein dürften. Meine Reise ist durch die Freigebigkeit meines Freundes Arvid Hernmarck zustande gekommen. Ich bin ihm deshalb zu großem Danke verpflichtet. Mit seinem bekannten Interesse für die Schweden, die Südamerika kennen lernen wollen, hat mir Herr Generalkonsul Axel Johnson auf den bequemen Dampfern, die den immer blühenderen schwedischen Handel nach Argentinien vermitteln, freie Reise und freie Frachten gewährt.

Nordenskiöld, Indianerleben.

Großen Dank schulde ich Frau Rosa Hernmarck, dem früheren Ministerresident O. Gylden, dem Legationsrat H. von Bildt und dem Apotheker H. Enell, welche teils zu meiner Ausrüstung beigetragen, teils meine Sammlungen verwaltet haben. Bei meinen umfassenden Streifzügen in Bolivia bin ich sowohl in der Hütte des Armen wie von dem reichen Estanciero mit außerordentlicher Gastfreiheit aufgenommen worden. Bei den Indianern wie bei den Weißen habe ich mich als Hausfreund betrachtet.

Am wohlsten habe ich mich bei den Indianern gefühlt!

Text aus dem Buch: Indianerleben (1912), Author: Nordenskiöld, Erland.

Das Buch kann hier herunter geladen werden.

Die einzelnen Buchabschnitte
Indianerleben – Einleitung
Indianerleben – Reise nach dem Arbeitsfeld
Indianerleben – Der Calilegua
Indianerleben – Unter den Indianern am Rio Pilcomayo
Indianerleben – Unter den Indianern am Rio Pilcomayo (Fortsetzung)
Indianerleben – Das Indianerhaus
Indianerleben – Der Kampf ums Dasein
Indianerleben – Indianerkinder
Indianerleben – Männer und Frauen
Indianerleben – Trinkgelage
Indianerleben – Das Tabakrauchen
Indianerleben – Medizinmänner, religiöse Vorstellungen
Indianerleben – Vom Matacoindianer Na-yás erzählte Sagen
Indianerleben – Kunst und Industrie
Indianerleben – Krieg und Frieden
Indianerleben – Handel
Indianerleben – Besuch in fremden Dörfern
Indianerleben – Das Verhältnis zu den Weißen
Indianerleben – Das Land der Chané- und Chiriguanoindianer
Indianerleben – Vom Lande der Chané- und Chiriguanoindianer
Indianerleben – Der Indianer als Historiker
Indianerleben – Alltagsleben in den Chané- und Chiriguanohütten
Indianerleben – Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern
Indianerleben – Nahrungszweige
Indianerleben – Zubereitung der Speisen
Indianerleben – Spiele
Indianerleben – Das Leben der Indianerkinder
Indianerleben – Alltagskleidung
Indianerleben – Reinlichkeit
Indianerleben – Vom Mutterleib bis zum Grabe
Indianerleben – Häßliche Worte, Homosexualität, Selbstmord, Schamgefühl u. a.
Indianerleben – Häuptlinge und Gesetze
Indianerleben – Trinkgelage bei den Chanés und Chiriguanos
Indianerleben – Kunst und Industrie
Indianerleben – Sage und Religion
Sage und Religion – 1. Der Weltuntergang und der Raub des Feuers
Sage und Religion – 2. Der Weltuntergang und der Raub des Feuers
Sage und Religion – Geister- und Tiersagen
Indianerleben – Die katholischen Missionen unter den Chiriguanos
Indianerleben – Die Furcht vor den Gummigegenden
Indianerleben – Frondienste für die Weißen
Indianerleben – Die Tapieteindianer
Indianerleben – Kultur und Sprache der Tapieteindianer
Indianerleben – Tapietesagen
Indianerleben – Die Tsirakuaindianer
Indianerleben – Schlußwort

Aktualisierung:
Kartenskizze – die Verbreitung der Indianerstämme in den Grenzgebieten Bolivias und Argentiniens hinzugefügt.

Aktualisierung:
7 Indianerabbildungen hinzugefügt.

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Indogermanischer Volksglaube

Buchübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Vorrede

Wie ich einst unter dem Eindruck jahrelang fortgesetzter kulturhistorischer Wanderungen und Studien des Volklebens im nördlichen Deutschland den Versuch gemacht habe, in der Schrift »Der heutige Volksglaube und das alte Heidentum« aus den noch jetzt herrschenden Sagen und Traditionen die niedere, volkstümliche Mythologie der betreffenden Stämme in der Anlehnung der mythischen Gestalten an die Natur zu entwickeln: so beabsichtige ich mit den Untersuchungen, welche ich mit diesem Buche beginne, in aufsteigender Linie bis zur indogermanischen Mythologie vorzudringen, d. h. in großen Umrissen den Glaubensstand zu zeichnen, welcher sich etwa für die Zeit der Trennung der arischen Stämme, als sie Kolonisatoren nach Ost und West wurden, zu ergeben scheint.

Denn wenngleich, wie ich verschiedentlich schon ausgeführt habe, die religiöse Entwickelung derselben zu jener Zeit noch nicht zu dem Begriff des Göttlichen, selbst nicht im Homerischen Sinne, vorgedrungen war, sondern sich noch mehr oder weniger innerhalb des Stadiums einer einfachen »Naturanschauung« bewegte und die mythischen Elemente selbst noch in gewissem Sinne flüssig waren, so macht sich doch daneben schon ein gewisser homogener Hintergrund in betreff einer allgemeinen, mythisch-religiösen Weltanschauung bemerkbar, der als eine gemeinsame Entwicklungsphase in dieser Hinsicht anzusehen ist, die nur dann während und mit der Zeit der Sonderung der einzelnen Stämme zu Völkem teils zurückgedrängt, teils unterbrochen wurde, so daß eben nur aus den Niederschlägen, die sie in der Tradition gefunden hat, noch ein Bild derselben zu gewinnen ist.

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