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Deutsche Mythologie – Tempel

Textübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

In offenbarem Widerspruche zu seiner eigenen Angabe (Germ. 9; S. 404) erwähnt Tacitus selbst Tempel bei den Deutschen. Das hochberühmte Heiligtum der Tanfana, das dem Erdboden gleich gemacht wird, kann nach dem Ausdruck und dem Zusammenhänge nur ein Tempel gewesen sein (Ann. 151). Ebenso muß die geweihte Stätte der Nerthusvölker ein Tempel sein (Germ. 40; S. 283). Das allerdings mag richtig sein, daß zur Zeit des Tacitus die Verehrung der Götter in der freien Natur noch überwog, aber schon vorher gab es bestimmte Tempel. Im Laufe der Jahrhunderte werden die Zeugnisse für feste Tempelbauten immer häufiger, bei Franken und Alemannen, Burgundern und Langobarden, Sachsen, Angelsachsen und Friesen. Auch die zahlreichen Ortsnamen, die von got. alhs, ahd. as. alah, ags. alh, ealh (lat. arx „sicherer Ort“, oder alaog, *dbuog „Hain?“) abgeleitet sind, beweisen, daß auch in Deutschland die Tempel häufiger geworden sind: Alahstatt in Hessen, in der Wette rau, mehrere Alstädde in Westfalen, Allerstädt bei Wiehe in Thüringen, (in alter Schreibung Alahstetti), Alahdorf bei Schwäbischhall, (jetzt in Altdorf entstellt), Alahesfelt in Hessen, Alsheim (Alahesheim) bei Worms und Speyer, Ahlberg bei Grebenstein in Hessen. Hierher gehört der Name des Gotenkönigs Alarich, der ags. Alachred und die alte Benennung der Zuidersee fries. Almere = Alcmar: Tempelmeer; der Alah oder Tempel, nach dem die Zuidersee hieß, stand in Stavern. Der Tempel zu Köln war mit mannigfachen Zierarten angefüllt, worin die Barbaren ihre Opfer darbrachten und sich dem Genüsse von Speise und Trank bis zum Übermaß hingaben (Greg. v. T.; V. patr. 6); aus Holz geschnitzte Abbildungen von erkrankten Gliedern waren in ihm aufgehängt (S. 350). Bei den Angelsachsen wie bei den Nordländern hieß der Tempel auch Hof (edes, i. templum, hofa). Ein Gehege umgab bei den Ags. die Opferstätte, in der Mitte stand ein Altar (ags. vigbed, veobed, wihabiuda: Tempeltisch). Einen mit Runeninschriften bedeckten Altar erwähnt vielleicht Tacitus (Germ. 3). Segimuntus war Priester am Altäre der Ubier (Ann. 139,57). Wie die Sprache lehrt, benutzte man einen einfachen Steinhaufen als Altar (ahd.haruc, ags. hearg, an. hörgr „Tempel“ zu lat. carcer?). Auf dem Altäre brannte das heilige Feuer, ein großer Kessel diente zum Auffangen des Blutes der Opfer bei den kimbrischen Priesterinnen. Die Sueben hatten einen anderen Opferkessel, eine Kufe, die 26 Maß Bier, etwas mehr oder weniger, enthielt. In das Blut wurde der Eidring und der Opferzweig getaucht, der als Sprengwedel und zur Losung diente. Im Innern des Tempels standen die roh geschnitzten Götterbilder und schwebten ihre heiligen Symbole, die in späterer Zeit sicherlich nicht mehr ausschließlich in den Hainen aufbewahrt wurden. Hierhin wurden auch die erbeuteten Waffen und Trophäen gebracht. Die Sitte, Banner und Fahnen bei Trauerfeierlichkeiten und bei Siegesfesten in den Kirchen aufzuhängen und um den Altar aufzustellen, ist ursprünglich heidnisch.

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Die Entdeckung Amerikas durch die Nordgermanen

Buchübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Der 400jährige Gedenktag der Entdeckung Amerikas hat allerorten diesseits und jenseits des Oceans Schriften hervorgerufen, in denen die Heldenthat des Kolumbus und die Bedeutung der neuen Welt für die Kulturentwicklung der alten gefeiert wird. Bei solcher Gelegenheit wird auch zugleich mit ein Blick auf die vorkolumbische Entdeckung Amerikas geworfen, denn dass die Nordgermanen schon Jahrhunderte vor den Spaniern ihre Schiffe an Amerikas Küste getummelt haben, ist anerkannte Thatsache, an der heute kein Verständiger mehr zweifelt. Ja, es sind Schriften entstanden, es sind Reden gehalten worden, die ausschliesslich diesem Thema galten. Noch jüngst veröffentlichte eine solche Monographie E. Gelcich in der Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, in der der Verfasser wohl berechtigte Zweifel an die Berichte der alten Nordländer knüpft, da eine unbefangene Beurteilung der Quellen auf zu grosse nautische Unwahrscheinlichkeiten stosse. Und doch haben diese nur ihren Grund in einer falschen Auffassung der Quellen; man fusst immer noch auf dem ungesichteten Material, wie es in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts Rafn, Finnur Magnüsson und andere zusammen getragen haben, ohne die neueren Forschungen von G. Storni zu berücksichtigen, die allein einen Lichtstrahl in das Dunkel verwirrender Berichte werfen.

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