Schlagwort-Archive: Nordgermanen

Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Donar

Textübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Bereits in indogermanischen Zeit ist der Gewittergott vom Himmelsgotte getrennt gewesen. Wie Indra neben Dyaus bei den Indern, Herakles neben Zeus bei den Griechen, steht Donar-Thor neben Tius-Tyr bei den Germanen. Der Gewittergott erscheint wie ein blondbärtiger oder rotbärtiger Riese von übermäßiger Kraft, ein gewaltiger Esser und Trinker, ein heldenhafter Drachentöter; die Freude am derben Dreinschlagen ist ihm eigen, wenig kümmert er sich um Sitte und feine Lebensführung. Sein starker Arm bringt Macht und Sieg, öffnet die Schleusen des Himmels und läßt den warmen Regen niederrauschen; das Gedeihen der Herden und Felder, der Saat und Ernte hängt von seiner Huld ab, aber auch der Segen des Hauses und der Nachkommenschaft. Er ist Heftig und doch gutmütig, furchtbar in seinem Grimme, freundlich und freigebig gegen seine Verehrer. Er ist mehr der Gott der Bauern als der Krieger, er steht weniger im Mittel punkte des Stammeskultus als im kleinen Kultus des täglichen Lebens. Ein Gewitter verkündet nach dem Glauben der Germanen den Zorn der Himmlischen; wenn unheilbedeutender Hagel auf die Schilde schmettert, ziemt dem Menschen, den Kampf abzubrechen. Ein Gewitter hilft dem Kaiser Marc Aurel zu seinem großen Siege über die Quaden; Hagel vereitelt im Jahre 537 die Mordpläne der Brüder Chlothars, sie und ihr Heer werfen sich unter den Schilden zu Boden und bitten Gott um Verzeihung, daß sie etwas gegen ihr Blut unternommen haben. Ein Gewitter verhindert 20 Jahre später die Schlacht zwischen den Söhnen Chlothars.

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Deutsche Mythologie – Vorstellungen vom Anfang und Ende der Welt – Das Ende der Welt

Textübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Derselbe Fatalismus, der die germ. Krieger jauchzend in das Wetter der Speero trieb, der den Losorakeln im häuslichen Leben wie im öffentlichen Kultus eine solche Bedeutung beimaß, dehnte mit unheimlicher Konsequenz seine Anschauungen auch auf die Götter aus und faßte scharf und deutlich auch das letzte Schicksal der Welt und der Götter und die letzte Zukunft ins Auge. Wie der deutsche Mann kämpft und ringt und sich der Feinde erwehrt, so sind auch seine Götter in endlosem Streite gegen die finstern Mächte begriffen. Bei den Griechen lag der siegreiche Kampf der Olympier gegen die Titanen weit, weit in der Vergangenheit, der Germane dachte sich den letzten Kampf seiner Götter in der Zukunft, und nicht die Götter behaupten die Walstatt, sondern ihre Gegner. Und diese Anschauung von dem künftigen Weltuntergänge kann in der germanischen Welt nur in Form einer Verkündigung und Prophezeiung verbreitet gewesen sein; weise Frauen vor allem und tiefsinnige Dichter werden sich von Anfang an ihrer angenommen und sie in Zusammenhang mit der Entstehung der Welt besungen haben. Es ist eine erschütternde Tragik ohnegleichen, daß ein Volk seine Götter verdammt, die es nach seinem Bilde geschaffen und zu seinen Idealen erhoben hatte, weil sie ihm nicht mehr genügten. Solange die gegenwärtigen Zeitläufe bestehen, solange wird Unrecht auf der Erde wie im Himmel geschehen; auf der Idee der Sühnung beruht die germ. Vorstellung des Weltunterganges.

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Die Entdeckung Amerikas durch die Nordgermanen

Buchübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Der 400jährige Gedenktag der Entdeckung Amerikas hat allerorten diesseits und jenseits des Oceans Schriften hervorgerufen, in denen die Heldenthat des Kolumbus und die Bedeutung der neuen Welt für die Kulturentwicklung der alten gefeiert wird. Bei solcher Gelegenheit wird auch zugleich mit ein Blick auf die vorkolumbische Entdeckung Amerikas geworfen, denn dass die Nordgermanen schon Jahrhunderte vor den Spaniern ihre Schiffe an Amerikas Küste getummelt haben, ist anerkannte Thatsache, an der heute kein Verständiger mehr zweifelt. Ja, es sind Schriften entstanden, es sind Reden gehalten worden, die ausschliesslich diesem Thema galten. Noch jüngst veröffentlichte eine solche Monographie E. Gelcich in der Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, in der der Verfasser wohl berechtigte Zweifel an die Berichte der alten Nordländer knüpft, da eine unbefangene Beurteilung der Quellen auf zu grosse nautische Unwahrscheinlichkeiten stosse. Und doch haben diese nur ihren Grund in einer falschen Auffassung der Quellen; man fusst immer noch auf dem ungesichteten Material, wie es in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts Rafn, Finnur Magnüsson und andere zusammen getragen haben, ohne die neueren Forschungen von G. Storni zu berücksichtigen, die allein einen Lichtstrahl in das Dunkel verwirrender Berichte werfen.

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