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der Staatsbegriff im Mittelalter

aus dem Kunstmuseum Hamburg


Das Mittelalter ist die Zeit des Feudalismus. Früher galt die germanische Gefolgschaft, galt germanische Treue als die Quelle des Lehnswesens.

Seitdem sich jedoch gezeigt hat, daß auch die Japaner einen vollständig ausgebildeten Feudalstaat besaßen, dessen Entwicklung sachlich wie zeitlich mit der des Frankenreiches übereinstimmt, ist diese Ansicht nicht mehr aufrechtzuhalten. Ich denke mir den Hergang vielmehr so: In den Weltreichen war die Gleichheit des einzelnen vor dem Gesetz ziemlich weit durchgeführt Berühmt ist der Erlaß Caracallas über das römische Bürgerrecht.

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Deutsche Mythologie – Der Maren- oder Alpglaube

Textübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Mit dem Seelenglauben hängt der Marenglaube aufs engste zusammen. Die Erscheinungen des Traumlebens werden durch den Alpdruck zu wahrhaft erschreckender Lebhaftigkeit gesteigert. Die Seele des Verstorbenen lebt nicht nur fort und tut sich dem Lebenden im Schlafe kund als luftiges Gebilde oder als körperliches Wesen in Tier- oder Menschengestalt, sondern es gibt auch Menschen, deren Seele plagen und drücken geht, während der Leib zu Hause bleibt, und diese Irrfahrt kommt dem Menscheu beim Erwachen wie ein Traum vor. Oder die Trude läßt ihren Körper draußen vor dem Hause stehen, und wenn man ihn anredet oder anrührt, so fällt er zusammen, und die Trudenseele in dem Hause stößt einen furchtbaren Schrei aus. War der Tote einem Lebenden feindlich gesinnt, so mußte er auch über das Grab hinaus ihn zu schädigen suchen. Diesen Angriffen stand der Mensch im Schlafe wehrlos gegenüber; er fühlte im Traume, wie eine grauenvolle Macht, gegen die er sich nicht schützen konnte, ihm die Kraft der Glieder verrenkte, sich auf ihn stürzte und ihn quälte und drückte, so daß er matt und blutlos dahinsiechte. Dieses Wesen hatte wie die Seele des Toten die Fähigkeit, verschiedene Gestalten anzunehmen; oft genug trug die nächtliche Erscheinung die Gesichtszüge und die Gestalt von Bekannten, um desto sicherer das wehr- und arglose Opfer zu überfallen; oder ein wildes Ungeheuer, ein Bär, ein Igel, eine Katze, eine Schlange hockte auf der Brust des Träumenden und sog gierig seinen Atem ein. Man sah, fühlte und hörte, daß diese Erscheinung wirklich und persönlich da war, daß es ein fremdes, meist feindliches, zuweilen buhlerisches Wesen war, und so entstand neben dem Seelenglauben die Vorstellung einer quälenden, würgenden, tötenden oder minnenden, kosenden Macht; denn Männer werden von Frauen und Frauen von Männern gedrückt. Im Traumleben wurzelt also dieser Glaube, aber nicht in dem gewöhnlichen, sondern in dem bei weitem lebhafteren Alptraum. Alle Erzählungen, die den nächtlichen Besuch des Alps und der Mare bei einem Schläfer schildern, sind als Wiedergabe einer Traumbegebenheit ohne weiteres verständlich, und von der Wahrheit dieser Berichte kann sich noch heute jeder überzeugen, der an Alpdrücken leidet. Die volkstümliche, mythische Anschauung und die rationalistische Erklärung des Alptraumes gibt Rosegger in humorvoller Weise iu seinem Novellenkranze „Sonderlinge aus dem Volke der Alpen“ (1881, S. 36):

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Deutsche Mythologie – Die Riesen – Name und Art der Riesen

Textübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Eine uralte germanische Bezeichnung der Riesen hat bereits Tacitus überliefert (Germ. 46). Jenseits der Finnen im hohen Nordosten beginnt die Fabelwelt: die Ellusier und Etionen haben Gesichter und Antlitze von Menschen, Leiber und Gliedmaßen wilder Tiere (S. 146). Etja, Etio (urgerm. *etanaz), an. iotunn, ags. eoton, as. etan (as. Etanasfeld, thür. Etenes-leba) gehört zu etan „essen“ und bedeutet „gefräßig“. Noch im 11. Jhd. (Adam. Brem. 4, 25. 19) wird, wie in der nordischen Mythologie durchgängig, das Heim aller Unholde und Riesen in den Nordosten verlegt. Diese merkwürdige Übereinstimmung läßt sich nur dadurch erklären, daß“ seit unvordenklichen Zeiten die germanische Weltansicht sich die Riesen im Nordosten hausen dachte. An der Grenze der Welt lebt nach der Dichtung des Mittelalters ein ungeheueres, nur zu Fuß und mit Stahlkolben kämpfendes Geschlecht, das mit dem grünen Home der Drachen bedeckt und mit ihrer Schnelligkeit begabt ist (Wolfram Wilh., Titurel), und ein besonderes Riesenreich begegnet auch sonst in der Sage (Rother 767). Eine andere urgerm. Bezeichnung war urisaz, stark, kraftvoll (ahd. turs; vgl. den Ortsnamen Tursinriut, Tirschenreut; Turislöon = Riesen walden, jetzt Dorla bei Fritzlar, und die Eigennamen Thurismund, Thurisind; mhd. türse, Schweiz, türsch, dürst, ags. dyrs, an. Jjurs). Der Name von Armins Gattin, Thusnelda, gehört nicht hierher, er bedeutet nicht die Riesen (Thursen) Kämpferin (Thursinhilda), sondern büsnello ist die Kraftkühne.

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