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der deutsche Bauernkrieg

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Der Beginn der Unruhen. Gründe für ihre Ausdehnung.

Der deutsche Bauernkrieg; Untersuchungen über seine Entstehung und seinen Verlauf.

Die Anfänge der Unruhen liegen in ein gewisses Dunkel gehüllt. So bestimmt man an allen leitenden Stellen im Reiche im Gefolge der religiösen Bewegung, die sich an Luthers Namen knüpfte, Unruhen befürchtete, die, die an den Südabhängen des Schwarzwalds im Gebiete der Abtei von St. Blasien und unter den Bonndorfer Untertanen des Landgrafen von Stühlingen, im Mai resp. im Juni 1524 ausbrachen, hielt man zunächst für zu unbedeutend, um sich eingehender über sie zu unterrichten. In dieser Einschätzung liegt z. T. der Grund, daß eine Reihe von Zeitgenossen und die von diesen abhängigen Schriftsteller die Bewegung im südlichen Schwarzwald während des Jahres 1524 der Erwähnung kaum für wert erachteten. Für sie beginnt der Bauernkrieg erst mit den Unruhen in Oberschwaben, also mit dem Jahre 1525. So mag zu erklären sein, daß die Quellen darüber nur spärlich fließen.1)

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Hensel´s Sonntagsmatinee: Frau Doktor Käßmann schreibt den Luther ab

von H.-P. Schröder

Das Vierte Schisma

 

 

„Ein Prediger soll Zähne im Maul haben,
beißen und salzen
und jedermann die Wahrheit sagen.“

Aus „Schlag nach bei Luther“
von Martin Luther und Margot Käßmann

Sie kennen das, man sitzt beim Friseur oder Arzt, langweilt sich, greift nach einem der Blättchen, die sich dort herum treiben und die man im wirklichen Leben meidet, wie ein Verkehrstoter die ADAC-Motorwelt. Man erwartet Klatsch aus auf simpelnobel gebügelten Fürstenseparées oder saftige Tratschschläge, bestenfalls etwas zum Nachkochen, das eßbar ist und das Horoskop für eineiige Viellinge.

Und dann liegt da so ein verlockend bunthübsches Blatt obenauf, eines mit einem lustigen Schifflein auf dem Cover, wohl gar ein Urlaubsmagazin, ei schau! Man blättert zerstreut hin und her und stößt sich plötzlich an einer Schlagzeile: „Eigentlich nichts bereut“, – aha Crime, vielleicht gar Sex & Crime? – , doch von wegen, das Auge schweift und begegnet Piusbrüdern in Hellbraun.

Die Piusbruderschaft? Mitten zwischen dem japanischen Sänger Japsensoul gegen Rechts im vertraulichen Gespräch mit dem beruflichen Rechtsaufspürer Herrn Professor Heitmeyer und einem fröhlichgestimmten Artikel über jüdisches Leben in Rumänien?

Gegen Ende des besagten Aufsatzes über die Brüder im Geiste Pius tritt dann sogar noch der  dauerleugnende Bischof Richard Williamson auf, der Frauen rät, sich um ihren eigenen Kram, um die Kinder und um den Haushalt zu kümmern, anstatt Universitäten zu besuchen. Der ganze Artikel eine weichgebürstete Tour de unkenntlich gemachter christlicher Nächstenliebe, von der Takelage her mit einem ermahnenden Unterton an Gottes Stellvertreter in Rom übertüncht, ach´ Gottchen!, aus einem Platzpatronenrevolver mit einem Schuß Neid abgefeuert – wieso haben wir nur Platzpatronen und die dürfen es in echt? – verfasst von einer Art Kanzleimitarbeiter. Ich sehe wohl nicht recht? In einem Urlaubmagazin?

Schnell zurück zum Umschlag: chrismon plus baden, Das evangelische Magazin 06/2012.

Potz blitz, welch` Überraschung! Das erklärt`s und trimmt die Lust auf mehr. Gut gestimmt hinein in das Inhaltsverzeichnis. Was gibt`s?

Ich konzentriere mich auf Aussage und übergehe – wem`s gefällt, der muß sich die Ausgabe gefälligst selbst besorgen – „Schnipsen, klatschen, singen: schon springt der Funke über“, „Langeweile ist gut: warum Kinder manchmal innere Leere brauchen (Leere gibt es nicht, inhaltsleere Lehren gibt `s gewiß.)“, „Nur üben führt weiter: Sternekoch (Kochen! Na also.), Vincent Klink mit Bassflügelhorn“ und „Wie es ist, beruflich Pornos und Gewaltfilme zu prüfen“ (Sex & Crime, super, endlich).

Zuerst kommt das Editorial von Burkhard Weitz mit dem Foto zweier Mädchen mit Guitarre, Unterschrift: „Groß rauskommen! Andreea und Leah von der jüdischen Gemeinde in Oradea“,  Seite 34 , dann auf Seite 10 „Friedengrüße aus Israel“,  von Seite 26 an, 4 Seiten Begegnung „Hallo Mr. Nazi! Oder: Rechte raus? Musiker Blumio trifft Forscher Wilhelm Heitmeyer“.

Rechte raus? Na klar, aber bitte ohne Fragezeichen. Das weiß doch jedes Kind. Rechte raus  wäre mit „Jawohl, wurde in Deutschland bereits durchgezogen“, zu beantworten. In einem Interview mit chrismon plus baden allerdings wohl nur dann, wenn man die Frage  an einen mittlerweile stellungslosen, atheistisch vorgebildeten, sich gegen Homoehe und für die Zulassung von Katholiken zur evangelischen Messe aussprechenden evangelischen Professor für Madrigalkunde mit entzogener Lehrerlaubnis richtet.

Zurück in das  Menü. Von Seite 34 bis Seite 40 „Rumänien Hardrock statt Klezmer und viel Zulauf: Endlich ist wieder Leben in der jüdischen Gemeinde“, Seite 40 bis 42 „Bild“-Zeitungsgründer Axel Springer und die Juden. Eine Schau im jüdischen Museum Frankfurt“ Seine Frau Friede Springer lebt übrigens noch, in seinem Geist und berät Frau Merkel. Mit seinem Geist vermutlich.

Und zum sanften Ausklang Seite 54, „Internet Historische Dokumente gesucht“, über evangelischen Widerstand gegen die Nazis. Ich bin entsetzt und einer Ohnmacht nahe.

Die Progressiven sind in die Jahre gekommen. So weit zurückgeblieben, so rückwärtsgewandt, die verkörpern ja das, was sie der Gegenseite vorwerfen, die sind ja erzkatholisch in evangelischen Augen.
Das hätte ich nicht geglaubt. Ich lehne mich kreidebleich zurück und denke an die Reformatoren.

Ich frage mich: “Junker Jörg, was würdest du  tun?“ und werde noch bleicher, als plötzlich eine Stimme ertönt: „Der hat sich im Refraktorium eingeschlossen und arbeitet an den Richtlinien für die nächste Reformation, einer längst  überfälligen Neuorientierung. Danach hat er die „Wir öffnen uns-Stunde“ im Gesprächskreis und vor der Schwangerschaftsgymnastik für potentielle Vaterkandidaten noch Küchendienst.
Nein, im Ernst, ich wollte dich nicht erschrecken, Bruder Martin beaufsichtigt gerade den Druck seines Universalwerkes, „Steht auf ihr lieben Teutschen wider die fremden Lügenbläser, die Wucherer, Kapitalteuffel und Volkzerstörer, die euch euer Land, euere Kinder und euere Freiheit abpressen“. Da muss jeder Buchstaben sitzen. Kann ich dir helfen?“

„Wer bist denn du?“  „Du kannst mich Uli nennen, also, wenn du mich frägst, was du tun kannst: Steck`s ein und mach` was d`raus. So haben wir das auch gemacht. Alle Macher machen das. Wir haben damals den Katholizismus samt Kurie und Papsttum eingesteckt. 1500 Jahre Vorarbeit, in guten wie in schlechten Jahren, schwupps in die eigene Tasche gesteckt und was d`raus gemacht. Allerdings war die Zeit reif dazu. Ihre ungeheuerlichen Verbrechen haben sie leider bis heute nicht ordentlich bereut. 100 % iges Vergessen lässt sich eben schwer erfoltern und nicht immer erfolgreich dauerhaft erkaufen. Jeder Seufzer muß ihnen abgetrotzt werden…… . Sie weinen mehr um die Leiden des Erlösers, als um die Leiden, die sie ihren Brüdern antun. Man könnte sentimental werden, wenn die Wut das zuließe.“
„Ich soll es einstecken?“ „Ja steck`s ein, die kriegen richtig Schotter, die drucken noch 5000 Exemplare für den Reißwolf, wenn es sein muß.“  „Auf deine Verantwortung.“  „Wenn`s weiter nichts ist.“
„Noch was, was ist mit den Bauern?“

„Der traurette Bauer“
Bauernkriegsdenkmal in Nußdorf/Pfalz, Bronze und Sandstein. Geschaffen von Peter Brauchle nach einer Zeichnung Albrecht Dürers. Errichtet 2002. Finanziert durch Spenden der Nußdorfer Bürger

*

„Oh, – das würde er gerne ungeschehen machen. Eine schwere Schuld, ein schwerer Fehler, sie sind unsere Opfer und unsere Märtyrer. In dem Punkt haben wir versagt. Wir haben sie im Stich gelassen. Mach`s besser als gut und richte Denen genau aus, was wir dir gesagt haben, jedes Wort“, antwortet die Stimme und verweht.

Ich hab`s gewagt. Ich hab das Heft gemopst, ich konnt` nicht anders und habe hiermit meinen Fall öffentlich gebeichtet.

Evangelisch geklaut, katholisch die Absolution erhalten. Sicher kein Einzelfall. Das Beispiel sollte Schule machen: Ökumene die funktioniert.

Ein  Scherz, liebe Freunde, doch mehr als nur ein kleiner Scherz.

Wie man hört und liest und sieht, ist das Feuer der Reformation in Deutschland noch nicht erloschen, da glimmt´s noch dann und wann inmitten all` der Asche, was mich zu „Bestellen sie jetzt“ auf Seite 13 und zu Frau Doktor Käßmann bringt, seit ihrer Umbesetzung Reformationsbotschafterin der evangelischen Kirche: „Margot Käßmann präsentiert Martin Luther.“ Ehrlich gesagt, umgekehrt wäre es mir lieber.

Eine Kompilation von Texten Martin Luthers für alle Zeit- und Lebenslagen, unter dem Titel „Schlag nach bei Luther“, von Frau Käßmann nach Stichworten geordnet, mit Lesebändchen, 14 Euro 90 Cent.

Liebe Frau Käßmann, er hallt immer noch durch deutsche Lande, ihr Satz „Nichts ist gut in Afghanistan.“ Wer Ohren hat zu hören, der hört. ihn. Der erste Satz eines Absatzes, der, wäre er konsequent zuende gesprochen und gehandelt worden, Deutschland verändert, re formiert hätte.

Konservative Theologie der Befreiung im Geist der Väter. Flammend auferstanden aus den Ruinen einer mittlerweile erstarrten, institutionalisierten Ersatzreligio, strebt dieser Satz, aus reformatorischen Wurzeln stammend, zu den reformatorischen Wurzeln re ligio hinauf, weist er aus der Erstarrung angepasster Konformität an verrohte Sitten, mit dem Geist klaren Denkens,  wieder hinaus in die Verpflichtung aufrechten Handelns.

Wenig gehört dazu, in Zeiten organisierter Verirrung Führer zu sein. „Nichts ist gut in Afghanistan“. Ein Führungssatz, einer Führungskraft würdig.

Wollte ihr Ahnherr Martin Luther  eine neue christliche Religion oder wollte er das Bestehende vom Ungeist befreien, die Auswüchse und Wucherungen abschneiden, die der katholischen Kirche UND der christlichen Religion unweigerlich den Garaus gemacht hätten, zu einer Zeit, in der schwache Päpste nach Macht strebten, die Kurie pflichtvergessen und die Priesterschaft ohne Vorbild, selbstvergessen, im Land der niederen Triebe hausten?

Und was ist mit heute? Mit der Zerstörung der Gemeinschaft, der Relativierung der Ethik, der Vergiftung kultureller Wurzeln, der Verbrennung von Archiven und der Zerstörung archäologischer Stätten, was mit der Bedrohung des kollektiven Gedächtnisses durch eine Heerschar räudiger Ratten aus dem Abgrund? Haben Sie dazu nichts zu sagen?

Und was ist mit der Überschwemmung durch  transatlantischen Unrat, was mit den Betrügereien und der Ausplünderung unseres Landes durch Großbetrüger und Bankenkartelle, was mit der Zerstörung persönlicher Verdienstmöglichkeiten durch Zwang immer größerer Volksteile in die Abhängigkeit wuchernder, gesichtsloser, unverantwortlich und menschenverachtend mit und gegen Menschen handelnder Konzerne und was ist mit dem täglichen Verrat, begangen von Marionetten im Dienst genau jener zerstörerischen satanischen Kräfte?

Martin Luther bezieht, aus tiefempfundener  Einsicht eines Humanisten heraus, wortgewaltig eindeutig und kristallklar Stellung  gegen die Kehlenstecher und Halsabschneider und deren Zinsforderungen, gegen die betrügerischen Kaufleute, gegen die Habgier und das Geld- und Goldraffen, kurz gesagt gegen das Monopol. Und heute findet sich die ganze Welt im Würgegriff!

Was würde Luther heute schleudern, Frau Käßmann? Und wie lautet ihre persönliche Bilanz, abseits vom Zitatepicken und vom Schick-auf-Party-gehen? Bisher haben wir außer einem einzigen kurzen Satz nichts gehört. Das „Schweigen der Belämmerten“ wird von keinem Bäh! unterbrochen. Sie werden Ihrer Verantwortung nicht gerecht.

Luther wollte keine Erstarrung, er wollte re ligio re formato, er wollte einen Vorgang, der vor geht. Gehen, heißt das Zauberwort. Liebe Frau Käßmann, die katholische Kirche probiert gerade das reformatorische Gehen mit den Brüdern im Geiste Pius. Wenn sich dies als ein Gehen auf dem Holzweg herausstellen sollte, nun gut, man hat`s probiert.

Ihre Seite probiert das Gehen auf rutschigen Hochglanzseiten. Sie,Verehrte Frau Professor Doktor Käßmann ahnen vielleicht bereits, daß dies nicht gut gehen kann. Das, was uns die Mord- und Totschlag-Probleme beschert und uns den Hals zuschnürt, ist Ergebnis der giftigen Herrschaft der Schlechten, der hinten herum Vordrängler, der Schnatterer und der Lauen, der Sprücheklopfer, ist verknüpft mit dem  Schweigen der Bürokraten, mit der Gier der Habegeize und mit den Untaten der Feigen und der Sadisten. Unsere Mitmenschen, das sind wir. Unsere Zeit, das ist die Zeit der Reformation.

Brüder im Geiste, es herrscht Bedarf an Reformatoren, an echten, nicht an bunten Fähnchenschwenkern und Kirchenklatschern. Damit ist kein Massenmord zu verhindern. Aufstehen muß man, hoch auf die Kanzel, wo die Stimme weit trägt und den Mund laut aufmachen. Furchtlos bekennen. Aufgehört damit, Komplize zu sein. Es gibt nichts zu verlieren in der Ewigkeit. Das Unrecht beim Namen nennen. Namen nennen. Und aufhören, mit Ihnen zu saufen. Entschuldigung.

Nichts ist gut in Afghanistan und anderswo, weil  in Deutschland die Fundamente beschädigt sind.

Und dann der blöde Fehler, nicht der nachts, das war kein Fehler, das war normal, nein, der tragische Fehler, den Mund zu halten und zurück zu gehen. Im entscheidenden Augenblick in die Defensive zu gehen und sich dadurch vom Nachschub des Zuspruchs abzuschneiden, den Sie nur in der Offensive erhalten hätten und erhalten werden, das war ein taktischer Fehler. Grass hat ihn wiederholt.

Die Zeit ist reif, jetzt müssen es die Menschen werden. Wenn Sie bei Martin Luther keine Antwort finden, dann fragen sie Ulrich von Hutten. Schlag nach bei Hutten. Was würde der sagen, zu denen, die nachts im Schutz roter Ampeln lauern wie Wegelagerer und zu all den Anderen, die ihr Schandmaul aufreißen?

Er hätte es ihnen gestopft. Mit einfachen Worten. Klar, eindeutig, kraftvoll, laut, unwiderlegbar.

Wie ein treuer Reformator. Wie ein Humanist. Im Glauben gewiss. In der Gewissheit unerschütterlich.