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der alte Mann und der Hund

Appenzeller Sennenhundwelpe - Bild: Wikipedia
Appenzeller Sennenhundwelpe – Bild: Wikipedia

von Ch. D.

Im Sommer traf ich ihn jeden Morgen, wenn ich zum Dienst ging. Da hatte der alte Mann seinen Flocki an der Leine, stakte mit ihm bis zur Wiese und dann erst ließ er ihn los.

Im Herbst wurde die Wiese eingezäunt und ein Schild stand plötzlich da: „Wohnbaublock der Firma Sowieso“. Da ging der alte Mann weiter hinaus aus der Stadt mit seinem Flocki, blieb oft sinnend vor dem Bauplatz stehen und Flocki gab am Eingang mehrere Visitenkarten ab. Später sah ich den alten Mann dann nicht mehr. Es gab Schnee, wenige Sonnentage und jeder hatte mit sich selbst zu tun.

Kurz vor Weihnachten, an einem Sonntag, fuhr ich mit Bekannten zum Tierheim hinaus, um einen Hund auszusuchen. Sie hatten sich am Stadtrand ein kleines Eigenheim gebaut und brauchten nun einen Hausgenossen. Und da sah ich Flocki wieder. Er saß bei den anderen Hunden im Zwinger, etwas abseits, traurig, einsam und ungeliebt. Vielleicht spürte er, daß ich ihn kannte, er kam zum Gitter, roch an meiner Hand als ich ihn streichelte und wedelte mit seinem Stummelschwänzchen. Dann trottete er langsam auf seinen Platz zurück.

Meine Freunde hatten sich einen Schäferhund ausgesucht und durften ihn gleich mitnehmen. Ich stand noch immer vor Flocki und überlegte: Konnte ich ihn mitnehmen? Ich wohnte möbliert und war den ganzen Tag nicht zu Hause. Würde ich jemanden finden, bei dem ich ihn tagsüber lassen konnte? Ich tauschte einen langen Blick mit Flocki, und dann… nahm ich ihn mit. Ich machte ihn an einer improvisierten Leine fest und wir gingen mit unseren Hunden los. der alte Mann und der Hund weiterlesen

Deutsches Land in meinem Geiste

von Helga Müller

Wiese Strohballen

*
Deutsches Land in meinem Geiste,
Deutsches Land in meinem Tun,
Deutsche Fehler der Geschichte,
zwingen mich, noch nicht zu ruhn.
 
Wurzeln, die in Tiefen drangen,
Wurzeln auch, am Stein erstarrt,
Wurzeln litten, leiden, leben –
alle in mir sind bewahrt.
 
Keinem Dämon werd ich weichen,
Deutschland, liebes Vaterland,
hinter keinem Scheinapostel schleichen,
ich schlaf hier und lieb mein Land.
 
Mühsam klären sich die Zeichen,
legen frei viel Lug und Tand,
den die Diener fremder Mächte
stülpten über unser Land.
Die faselten von Menschenrechten
und hoben für den Krieg die Hand
 
weder Bachelor noch Gender,
weder Gotteslästerei,
weder Eure falschen Sender,
machen meine Seele frei
 
Ihr da oben habt gelogen,
Ihr da oben seid durchschaut!
Tretet ab, samt euren Roben,
hier habt Ihr auf Sand gebaut!

 

die Illusion des freien Willens

von Dr. med. Ulrich Mohr

Der freie Wille ist das Hätschelkind eines verängstigten Verstandes. Wer nicht fühlen und nur denken kann, ist zum Zweifeln vor allem über die Zukunft verurteilt. Da Zukunft nie sicher ist, liegt es nahe, alles unter Kontrolle bringen zu wollen. Und Zukunft ist nicht das nächste Jahr, der nächste Monat, die nächste Woche, ja noch nicht einmal der nächste Tag, die nächste Stunde oder Sekunde. Die Zukunft ist der NÄCHSTE Moment, jener mathematisch unendlich kleine Punkt auf der Zeitachse Deines Lebens. Grund genug also, sich ständig zu ängstigen. Doch dies gilt wohlgemerkt nur, wenn man „im Kopf festhängt“ anstatt entspannt seiner Intuition zu folgen.

Die Verlagerung der Lebensführung vom Kopf zurück in den Bauch ist somit die große Chance für eine echte Bereicherung des täglichen Lebens. An dieser Erkenntnis laufen nahezu alle neuzeitlichen psychologischen und psychotherapeutischen Modelle vorbei. Angst macht blind. Dabei sind die entlarvenden Fakten so öffentlich, wenn es um die vermeintliche Kontrollierbarkeit der Zukunft geht. Es ist alles Schall und Rauch. Doch wie gesagt, es gibt keinen Grund, davor in Angst zu erstarren. Es lebt sich sehr viel leichter, schöner und erfüllter, wenn man nicht mehr verkrampft diese Illusion des schöpferischen, freien Willens aufrechterhalten muss.

Gott/das Leben/die Einheit würfelt nicht. Für das menschliche Dasein gab es nicht, gibt es nicht und wird es nie den geringsten Freiheitsgrad geben. Allerdings gibt es dann auch keine Abhängigkeit. Das ist die zugleich gute Botschaft. Denn alles ist EINS, somit ist die Trennung zwischen Schöpfer und Schöpfung nichts als eine irrige Konstruktion des menschlichen Verstandes. Alles ist in-formierter Äther, in Gestalt gebannter sich ständig wandelnder Äther (ein Begriff für das teilchenlose Kontinuum, zu dem Einstein im Alter wieder zurückfand) . Alles Existierende ist Wirbel in einem unendlichen Feld. Allein die Bewegung erzeugt in der Wahrnehmung Raum und Zeit, als wohlgemerkt nur relative Größen. Erwarte nicht, dass Du das soeben Gesagte wirklich verstehen kannst. Seine Richtigkeit ist nur zu erahnen, weil der Verstand nicht mit Unendlichkeit umgehen kann. Er ist ein Kind der Spaltung, der Zwei-heit, des Zwei-fels und damit dieser polaren, materiellen Welt.

Alle verzweifelten Versuche, die beobachtbare Wirklichkeit in die Richtung freier menschlicher Schöpferkraft und Willens beugen zu wollen, erzeugen nur und ausschließlich Probleme. Die einzig denkbare Freiheit ist die Freiheit des Bewußt-SEINS jenseits der menschlichen Existenz. Allerdings stellt sich hier die berechtigte Frage, ob es jenseits von Raum und Zeit, überhaupt noch Sinn macht, von Dingen wie z.B. Freiheit zu sprechen. Ich sage, sicher nicht.

Die gängigen Erklärungsmodelle dieses Universums übertreffen sich gegenseitig in dem Versuch, die zwischenzeitlich offensichtliche Einheit aller Dinge zu respektieren. Andererseits will man sich auf Biegen und Brechen die Nische des freien Willens erhalten: „Meine Gedanken und mein Wille gestalten meine Zukunft.“ Wer so denkt und handelt, hat ein Weltbild mit Ausnahmen. Doch Naturgesetze kennen keine Ausnahmen. Der Mut auf den Verzicht dieser ökologischen Nische für den Verstand trägt hingegen reiche Früchte.

Ich schreibe das so radikal klar, weil ich der Überzeugung bin, daß wir Menschen an einem Punkt angelangt sind, wo wir uns dieser Tatsache öffnen und stellen können. die Illusion des freien Willens weiterlesen