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Damaskus

Buchübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg


Die Berge am Ostabhang des Antilibanon öffnen sich, in der Tiefe erscheint weiss und grün, mit Kuppeln und Minarets, mit silbernen Bächen und dichten Baumgruppen eine orientalische Gartenstadt, Sie verschwindet, taucht wieder auf wie ein Gesicht der Wüste und verschwindet abermals, um von Neuem zu erscheinen. Es ist Damaskus, die paradiesesduftige.

Wir reiten durch hundert Gärten hinein. Rechts und links in malerischer Unordnung Bäume mit Südfrüchten, Gras mit feurigen Blumen, darunter jene berühmten Rosen, welche die Dichter des Orients so oft zum Gesang begeistert. Hier und da führt der Weg durch förmliche Laubenhallen, allenthalben rauscht es von Quellen und Bächen. So kommen wir in die Stadt, durch Gassen mit unscheinbaren Lehm wänden zur Seite und über einen von allerlei Trachten und Gestalten wimmelnden Bazar vor die Herberge. Wir staunen, dass wir in diesem schmutzigen Lehmhause wohnen sollen. Wir staunen noch mehr, als wir eintreten und im Innern die prächtigste Einrichtung finden, Mammorgetäfel, Springbrunnen, Wände mit schöner Malerei, hohe luftige Spitzbogenhallen — das Ganze ein Palast ans Tausend und Eine Nacht, reich, bunt, phantastisch über alle Erwartung, ein echter Ausschnitt aus der alten glanzvollen Zeit der Chalifen-Herrschaft. Und wie unser Gasthaus sind alle besseren Häuser in Damaskus, in irdener Schale ein goldener Kern.

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Bilder aus dem Orient – Der Orient

Buchübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Anmerkung Pfleger : Ein schön geschriebener Reiseführer aus dem Jahr 1864. Am Ende des Buches war ein Stadtansichtbild mit dem Namen „Gerusalemme “ welches wohl der frühere Name von Jerusalem war, vermute ich mal.

Der Orientale weiss nicht einmal, dass die Zeit überhaupt einen Werth hat; er redet langsam, weil der Gedanke ihm in schwerfälliges, weitfaltiges Bildergewand gehüllt ist, er bewegt sich langsam in der Art der Väter von Ort zu Ort, bedient sich des Pfluges, der vor dreitausend Jahren schon seine Felder ritzte, der einfachsten Mühle, des alterthümlichsten unbehilflichsten Schiffes.


Indem ich in Folgendem vesuche, einige von den Gegenständen zu zeichnen welche dem Wanderer im Morgenland am meisten imponiren, ihm die hehrsten oder anmuthigsten Erinnerungen wecken, halte ich für zweckmässig, als Einleitung ein Gesamtbild der orientalischen Welt vorauszuschicken, wie es sie in stillen Stunden allmälig aus der bunten Fülle von Eindrücken und Erlebnissen zusammensetzt, zu denen mir ein dreimaliger Besuch der Levante Gelegenheit bot.

Namen tauchen auf aus einer Stimmung, die etwas von einem narkotischen Rausch hat. Aus den Namen wanden Gestalten auf halb lichtem Hintergrund, bald blass wie Schatten bei Mondschein, unbestimmt, flackernd, verschwimmend wie Erscheinungen der Traumwelt, bald schärferen Umrisses und Gepräges, je nach der Macht, mit der ihre Urbilder auf die Seele gewirkt — das Ganze eine stille, farblose Fata Morgana am Horizont des Lethestromes, Schattenländer und Schattenmenschen. Sie kommen und gehen wie wanderndes Gewölk am dämmernden Himmel, kehren wieder, um zu bleiben und nach und nach Farbe anzunehmen, die einen eher, die andern später und weniger klar. Und cs wird heiterer, plastischer und wirklicher. Die wunderbare Sonne des Südens geht auf über dem Gedankenspiel, giesst ihre Strahlen auf die einzelnen Gebilde und umgibt sie mit einer Lichtatmosphäre von zauberhaftem Reiz. Auch das falbe Zwielicht der letzten fernsten Hintergründe färbt sich und erglänzt hier als weite dunkelblaue Meeresfläche, da als tief orangegelber Abendhimmel, dort als das brennend warme Violet von Gebirgen unter diesem Himmel, hier wieder als das flimmernde Goldgelb von Wüsten in der Gluth des Mittags.

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