Schlagwort-Archive: Kunst und Kultur

Die Bildende Kunst und das Jenseits

Buchübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Werke der bildenden Kunst sind zu allen Zeiten mit sehr verschiedenen Augen angesehen worden. So neigten und neigen die Künstler stets dazu, auch alte Kunst rein künstlerisch zu betrachten, d.h. von den geschichtlichen Voraussetzungen, unter denen das einzelne Werk entstanden ist, ganz abzusehen und seine Eigenart lediglich aus künstlerischen Gesichtspunkten zu erklären.

Bötticher sah im Tempel der Hellenen eine Schöpfung, die einmal, ein in sich geschlossenes Ganze, in die Welt getreten sei. Böcklin leitet den Mangel an Reliefwirkung in den Bildern Giottos von dem weißen Malgrund her, dessen sich der Künstler bediente. Und Adolf Hildebrand erklärt die Eigenart der Figuren Michelangelos so gut wie ausschließlich aus dem künstlerischen Bedürfnis, den größtmöglichen Lebensgehalt in einer möglichst kompakten Raumeinheit darzustellen: dieser künstlerische Zusammenhang der Erscheinung wirke bei seinen Werken so stark, daß die Bewegung als von einem inneren Vorgang motiviert oder als Ausdruck einer darzustellenden Handlung für den Beschauer gar nicht mehr in Frage komme.

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Die Bildende Kunst und das Jenseits

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Werke der bildenden Kunst sind zu allen Zeiten mit sehr verschiedenen Augen angesehen worden. So neigten und neigen die Künstler stets dazu, auch alte Kunst rein künstlerisch zu betrachten, d.h. von den geschichtlichen Voraussetzungen, unter denen das einzelne Werk entstanden ist, ganz abzusehen und seine Eigenart lediglich aus künstlerischen Gesichtspunkten zu erklären.

Bötticher sah im Tempel der Hellenen eine Schöpfung, die einmal, ein in sich geschlossenes Ganze, in die Welt getreten sei. Böcklin leitet den Mangel an Reliefwirkung in den Bildern Giottos von dem weißen Malgrund her, dessen sich der Künstler bediente. Und Adolf Hildebrand erklärt die Eigenart der Figuren Michelangelos so gut wie ausschließlich aus dem künstlerischen Bedürfnis, den größtmöglichen Lebensgehalt in einer möglichst kompakten Raumeinheit darzustellen: dieser künstlerische Zusammenhang der Erscheinung wirke bei seinen Werken so stark, daß die Bewegung als von einem inneren Vorgang motiviert oder als Ausdruck einer darzustellenden Handlung für den Beschauer gar nicht mehr in Frage komme.

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Deutsche Mystik und deutsche Kunst – Einleitendes und Literarisches

aus dem Kunstmuseum Hamburg
Es ist die Absicht der vorliegenden Arbeit, die innere Verwandtschaft der deutschen bildenden Kunst, — vom dreizehnten Jahrhundert, also von der gothischen Periode an bis zu ihrer Vollendung in der Renaissance-Blüte des beginnenden sechzehnten Jahrhunderts, — mit der deutschen Mystik, jener seit eben derselben Zeit bis zu der ihr verwandten Erscheinung der Reformation sich verbreitenden Philosophenrichtung und Weltanschauung nachzuweisen und den Einfluss der Letzteren auf das bildnerische Schaffen zu belegen.

Schon ein flüchtiger Vergleich dürfte Jeden vermuten lassen, dass sich manche Berührungspunkte und Beziehungen hier wohl finden lassen und dass das Unternehmen einer solchen Untersuchung nicht unnütz und erfolglos sein wird. Jedem, der sich in die Gedankenwelt unserer deutschen Mystiker, in jenen Quell reinsten Denkens, innerlichsten Sinnens und tiefsten Empfindens eingelebt hat, und dem zu gleicher Zeit die Schöpfungen unserer alten deutschen Kunst vertraut sind, wird wohl kein Zweifel bestehen darüber, dass es derselbe Geist ist, aus dem jene beiden Kulturerscheinungen erwachsen sind, von dem sie beide gleicherweise belebt und durchweht sind. Beide erscheinen zusammen mit der gleichzeitigen, zum Teil etwas früheren Poesie als der höchste Ausdruck der Kultur, die das Germanentum im Mittelalter sich gebildet hat, und man möchte die mystische Philosophie die hererfreuende und herzerhebende Blüte, die bildende Kunst die köstliche Frucht einer geistigen und kulturellen Bewegung nennen, deren kraftspendende gemeinsame Wurzel die germanische Volksseele ist. Man wird gewahr, wie es beiderseits dieselben Eigenschaften sind, die uns erfreuen, erquicken, erheben, und die uns beide Erscheinungen als innig verwandt und, gegenüber den Kulturerscheinungen anderer Nationen, fast als unzertrennbar erkennen lassen.

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