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Hensel´s Sonntagsmatinée: die Ermordung Dresdens

von H.-P. Schröder

Dresden 1944

Dresden Februar 1945: Nach dem Massenmord

 

„Warum meine Mitkriegsgefangenen und ich nicht umgebracht wurden, weiß ich nicht.“
Kurt Vonnegut in „Mann ohne Land“, Pendo Verlag, Seite  30

 

Lieber Kurt,

erlaube mir bitte, als ein der Gnade der späten Geburt teilhaftiger, obwohl, das muß sich erst noch beweisen, das mit der Gnade…. .

Noch `mal. Erlaube mir, als ein 7 Jahre später zufällig Dazugekommener, als ein 52er der Reserve, den Versuch, eine vorsichtige Antwort auf deine Warum-Frage ohne Fragezeichen zu geben.

Warum hat man euch nicht sofort an die Wand gestellt und kaltgemacht? Verdient habt ihr es. Was sind 30 tote Feinde im Verhältnis zu 100.000 toten Freunden, 30 Gräber gegen 100.000?

1 : 3333,3333 ad infinitum im Verhältnis, rein mechanisch gerechnet.

30 kann man mit einem Feuerstoß erledigen und in die Elbe werfen. Auf die Schnelle. Sie schaukeln dann eine Weile zufrieden mit dem Strome und den Nachbarleichen, dem angekokelten Feuerwehrmann und dem Kinderteil aus Unterleib mit Schürze, gen Norden, bis sie absänken in „Nacht und Schimmel“ dem Grund entgegen sehend.

Vielleicht erreichten ein paar von ihnen Meißen, oder Torgau, die Bestgenährten kämen vielleicht bis Wittenberg und ein vortrefflich Erhaltener mit guter Gesinnung bis Magdeburg, aber alle, alle  versänken in der Tiefe. Niemals erreichten sie Hamburg und das Tor zur Welt. Niemals wieder.

Aale und das was unten haust, nähmen ein Häppchen, oder zwei, und niemals kämen sie wieder aus dem grünen Schwarz zu uns nach oben. Niemals.

Oder… …
Oder auf den Rost mit ihnen, mit den 30 Amerikanern, auf die eisernen Schienen mit ihren Kadavern, zu ihren Opfern und vereint im Rauch gen Himmel. Verdient habt ihr es. Warum ist das nicht passiert, in Dresden, im Februar `45?  30 verschwinden zu lassen, wäre damals kinderleicht gewesen. Und durchaus menschlich.

Aber 100.000? Um die zum Verschwinden zu bringen, benötigt es eines größeren Aufwandes. Das macht man nicht so nebenbei, im Affekt, mit einer Salve. Das erfordert etwas Ausgeklügeltes, Feingetuntes. Das muß komponiert werden, von langer Hand geplant, wie ein festliches Menü muß das sein.

Zuerst drei, vier Fehlalarme zum Aperitif, dann die erste Vorspeise: Ein paar Maschinen, ein leichter Angriff mit Brandbomben, so ein, zwei tausend, dazwischen gesät Sprengbomben, danach abdrehen, Sirenen, Entwarnung, Feuerwehren rücken aus, Brände löschen, alles was noch lebt kriecht aus Bunkern und Unterständen, in den Operationssälen werden die Skalpelle geschliffen, gleich kommen Wagenladungen mit heißer Fracht,  Eimerketten selbstorganisieren sich, Flüchtende passieren die noch passierbaren Strassen. Alles ist aufgescheucht, in Bewegung.

Dann erscheint das Hauptgericht: Kälberbraten, mit und ohne Knochen.

Die zweite Welle erwischt alle. Die Feuerwehren, die Ärzte und Krankenschwestern, die Flüchtenden auf den Strassen. Ganz Viertel neigen sich um sich schlagend, in die schuttfahnigen Glutkanäle, zerbersten am Grund von Schluchten, kehren Unterstes nach oben, zermatschen das Weichere zu noch Weicherem, Steine zu Geröll, Geröll zu Staub, Staub zu Asche.

Bestialisch kreischend reißt der Tod die Feuerwehrleute in Stücke, mitsamt ihren Hydranten und ihren mechanischen Spritzen und ihre Tanks verdampfen so schnell, daß keine Zeit bleibt, Feuer zu fangen.

Im Tiefgeschoß eines Wasserreservoirs haben BDM-Mädchen Schutz gesucht. Dort unten klingen die Einschläge wie großkalibrige Artillerie, der Turm ist gepanzert, solide, steht etwas abseits. Er schüttelt sich von Zeit zu Zeit und bewegt sich zitternd. Hensel´s Sonntagsmatinée: die Ermordung Dresdens weiterlesen

die Opfer im Osten

Deutsches Reich 1871 – Grafi: wiki.genealogy.net

erschienen bei spdverbot


Am 18. April 1975 teilte Staatssekretär Fröhlich, Bundesministerium des Innern, mit: „Im Verlag für Öffentlichkeitsarbeit in Wirtschaft und Politik ist vor kurzem das Buch ‘Verbrechen an Deutschen – Die Opfer im Osten’ erschienen.“ Es handele sich dabei um „eine wörtliche Wiedergabe“ des Berichts des Bundesarchivs, der nur in 15 Exemplaren hergestellt und „als ‘VS-vertraulich’ eingestuft und gekennzeichnet worden“ sei. Von straf- oder zivilrechtlichen Schritten wolle man absehen, „weil entsprechende Maßnahmen der Veröffentlichung eine besondere- unerwünschte- Publizität verleihen würden.“ Für eine Beschlagnahmung der Auflage sei die Veröffentlichung wohl bereits zu breit gestreut.

Aus den Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland 1975; S. 207; Fußnote; Nachzulesen hier.

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Wilfried Ahrens; Verbrechen an Deutschen:

Dr. med. Arnold Niedenzu, Facharzt für Chirurgie, aus Rössel:

„Ich glaube auch, daß nur ganz wenige Russen diese furchtbaren Verbrechen nicht mitgemacht haben.”

„Während des Russeneinfalls in Ostpreußen war ich als leitender Arzt des St. Josefskrankenhauses in Rössel dort geblieben. Erst nach Ablösung durch einen polnischen Arzt habe ich am 12.12.1945 Ostpreußen verlassen.“

Rössel und Umgebung war infolge völligen Versagens der zuständigen deutschen Stellen nicht evakuiert worden. Nur wenige Einwohner haben sich noch rechtzeitig vor den Russen in Sicherheit bringen können. Die Stadt wurde nach ganz unbedeutender Gegenwehr am 28.1.1945 nachmittags besetzt. Sofort kam es zu ausgedehnten Plünderungen, Brandstiftungen, Gewalttätigkeiten und Vergewaltigungen, Mord und Totschlag. Schon in den ersten Tagen sind in Rössel 60 Personen erschlagen oder erschossen worden.

Es handelte sich um Frauen, die sich nicht vergewaltigen lassen wollten, Männer, die sich schützend vor ihre Frauen und Kinder stellten, Leute, die nicht rasch genug mit ihren Uhren oder Schnapsflaschen herausrückten. In vielen Fällen war überhaupt ein Motiv nicht ersichtlich. So wurden im kath. Hospital drei Männer und fünf Frauen erschossen, in der Stadt eine Lehrerwitwe mit vier Kindern. Diese ersten Opfer konnten erst nach einer Woche in einem Massengrab beigesetzt werden.

In der Umgebung wurden vorwiegend größere Bauern und Gutsbesitzer erschossen. In einem der benachbarten Dörfer, Plössen, ist die Hälfte der Einwohner umgebracht worden, in dem Dorf Trautenau (Kreis Heilsberg) mehr als die Hälfte. Auffallend hoch ist auch die Zahl der erschossenen Geistlichen: Pfarrer Lindenblatt/Rastenburg, Zagermann/Glockstein (von zwei Russen durch Kopfschuß tödlich versetzt), Ludwig/Santoppen, erschossen von demselben russischen Offizier, den er noch abends zuvor bewirtet hatte. Marquwardt/Plausen zwischen zwei Schwestern erschossen; die Schwestern fielen ohnmächtig um und entgingen wohl nur so dem gleichen Schicksal.

Schon nach den ersten Tagen wurde zu uns ins Krankenhaus eine Wöchnerin mit sehr schwerem Lungenschuß eingeliefert. Als ein Russe sie vergewaltigen wollte, machte sie ihm klar, daß sie dicht vor der Niederkunft stünde. Daraufhin trat ihr der Russe auf den Bauch und schoß auf sie; das Kind wurde vorzeitig geboren, die Mutter kam in fast hoffnungslosem Zustand ins Krankenhaus, ist aber nach Monaten geheilt.

Die Vergewaltigungen nahmen ein unvorstellbares Ausmaß an. Nach meinen Erfahrungen darf ich behaupten, daß von den Frauen und Mädchen zwischen 50 und 15 Jahren nur 10% verschont geblieben sind. Der Russe machte vor nichts halt: Greisinnen (bis 80 Jahre), Kinder (bis 10 Jahre abwärts), Hochschwangere und Wöchnerinnen. Die Vergewaltigungen gingen unter den widerlichsten Umständen vor sich. Die Russen überfielen häufig schon tags die Frauen, vorwiegend aber nachts drangen sie durch die zerbrochenen Fenster oder durch die eingeschlagenen Türen, ja durch das abgedeckte Dach in die Häuser und stürzten sich auf die unglücklichen Frauen und Mädchen. Meist mit vorgehaltener Waffe. Häufig hielten sie die Pistolenmündung direkt in den Mund des unglücklichen Opfers. Häufig war es so (man sträubt sich, es zu schreiben), daß das weibliche Wesen von mehreren festgehalten wurde, während sich die Wüstlinge nacheinander bei der Vergewaltigung ablösten. So manche Frau ist anschließend erschossen worden (z.B. eine mir sehr gut bekannte Frau K.), eine andere (Frau D.) ist anschließend erschossen und dann noch mit dem Auto überfahren worden. Häufig wurden die Frauen bei der Vergewaltigung noch in übelster Weise geschlagen, gestochen oder sonst mißhandelt.

Ich glaube auch, daß nur ganz wenige Russen diese furchtbaren Verbrechen nicht mitgemacht haben. Es bestand da kaum ein Unterschied zwischen Offizier und gewöhnlichem Soldaten. Als ein 10jähriges Kind mit schweren Zerreißungen nach Vergewaltigung ins Krankenhaus gebracht wurde, wandte ich mich an den polnischen Dolmetscher bei der GPU, ob es denn gar keine Möglichkeit gäbe, diesem entsetzlichen Treiben Einhalt zu gebieten. Daraufhin sagte er mir: „Anfangs war es erlaubt, da ist es natürlich schwer, es jetzt zu verbieten.”

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