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Deutsche Mythologie – Naturerscheinungen in Tiergestalt

Textübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Wir nennen noch heute die lichtweißen oder rötlichgelben Federhaufwolken des Morgen- und Abendhimmels Schäfchen oder Lämmergewölk; „der Herrgott hütet seine Schafe“, „der Schäfer treibt seine Schafe aus“. Für Wolken, die sich nicht bewegen, sagt man, „die Küh’sleh’n still“, ganz dunkle Wolken heißen Ochsen oder Bullkater: der in dunkler Wolkennacht aufzuckende Blitz erinnert an das im Dunkeln leuchtende Auge eines Katers, und bull kommt von bullern oder bollern her und bezeichnet das bollernde Rollen des Donners. Wir sind uns dabei wohl bewußt, daß wir nur eine poetische Metapher gebrauchen. Der Naturmensch aber ist von der Wirklichkeit dieses Naturbildes überzeugt wie noch heute gläubige Kiudergemüter, er schreibt diesen Wesen übernatürliche Eigenschaften zu und verknüpft mit ihnen abergläubische Vorstellungen: das Bild wird zum Mythus. Ein uud dasselbe Bild wird zum Ausdrucke verschiedener Naturerscheinungen verwandt. Der Eber ist ein erdaufwühleudes Tier; auch der Wind, namentlich der grollende Wirbelwind, wühlt plötzlich Staub und Erde auf ; folglich war der Eber (so schloß man) das den Wind verursachende Tier, das im Winde dahinfuhr. Oder man verglich den blendend weißen Blitz mit einem Zahne, dem Hauer eines grunzenden Ebers, oder der Eber ist das mythische Bild der Sonnengottheit, bei der Verhüllung der Sonne in dunkeln Wolken. Der schnelle Lauf des Wirbelwindes ließ an ein Pferd denken, das Heulen und Bellen des Windes an einen Hund, der sich an zugiger Stelle, wie dem offenen Herde, aschezehrend niederläßt; seine springende Bewegung und sein meckernder Laut an eine Ziege.

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Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Hausgeister

Textübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Da die elbischen Wesen sich überall in der Natur aufhalten und den Verkehr mit den Menschen lieben, dringen die Luft-, Feld- und Erdelbe auch in das Innere des Hauses ein und lassen sicli am Herde, in der Holzhammer, auf dem Boden, im Gebälk, in Küche und Keller, in Stall und Scheune nieder. Sie wirken segensreich auf das Gedeihen des Hausstandes ein und helfen den Menschen bei der Arbeit, erschrecken aber auch durch ihr nächtliches Poltern und Pochen die Bewohner. Daher gehen sie leicht in die Schutzgeister des Hauses über, in die Seelen des Ahnherrn un^ der Ahnfrau des Geschlechtes, die nach dem Tode hilfreich im Hause weilen, und es wird in den Sagen geradezu ausgesprochen, daß die Kobolde Seelen der im Hause Verstorbenen sind (D. S. Nr. 71). Daher rührt auch die Verwandlungsfähigkeit des Koboldes; er nimmt die Gestalt einer Feder, eines Marders, einer Schiauge (D. S. Nr. 78) und eines Eichhörnchens an (D. S. Nr. 75). Auf der andern Seite aber begegnen Züge, die den reinen Elfenglauben zeigen. Unverkennbar ist die Ähnlichkeit mit den Zwergen. In der Eifel sind die Heinzeimänner soviel wie Erdwichter, Erdgeister. Im Heinze-mannskopf bei Viermünden (Hessen) wohnen die Wichtelmännchen oder Heinzemännchen, kommen auch in die Häuser und halten ihre Tänze. Der Kobold trägt ein graues Käppchen, hat graues Haar und ein verschrumpftes erdfarbenes Gesicht, zuweilen ist sein Rock und seine Mütze rot. Er ist wie der Zwerg geschäftig, neckisch, gutmütig, aber auch bösartig. Zuweilen trägt der Hausgeist auch grünes Gewand, hat ein grünes Gesicht und grüne Hände, sein Antlitz ist verschrumpelt wie die Rinde eines Baumes, und in der Mark heißt er darum der grüne Junge: er gleicht also ganz einem Baum- oder Waldgeist und hat auch seine Wohnung bald im Hause, bald im Baume. Die hölzernen Nußknacker und die aus Hollundermark geschnitzten Stehaufmännchen sind volkstümliche Nachbildungen des Koboldes. Mit den Luftelben teilt er die Liebe zur Musik.

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Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Waldgeister

Textübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Da alles Leben in der Natur beseelt gedacht wurde, schrieb man auch den im Erdinnern wirkenden Geistern das Wachstum und die Entwickelung der Vegetation zu. Der Wind rauscht in den gewaltigen Waldriesen und streicht über die weiten Grasfiächeu dahin. Die elbischen Wesen, die im Winde, in der Luft und in den Wolken hausen, müssen auch in den Bäumen des Waldes, in dem grünen Weidelande und in den wogenden Saatfeldern ihren Wohnsitz haben. Sind schon an und für sich die Übergänge zwischen den einzelnen elfischeu Geistern kaum bemerkbar, so sind die Wald- und Feldgeister oft gar nicht von einander zu unterscheiden. Wie die Hausgeister, helfen die Holzfräulein in Thüringen und Franken, die wilden Leute in Baden, die Saligen in Tirol zur Erntezeit den Arbeitern, treten in den Dienst des Menschen, besorgen das Vieh im Stalle und segnen Vieh- und Vorratskammer. Der Schrat ist Kobold und Waldgeist. Wie alle Elbe streben die Waldfrauen nach der Verbindung mit sterblichen Männern, den Waldmann verlangt nach schönen, christlichen Frauen. Die Waldgeister rauben kleine Kinder oder ziehen sie an sich und töten sie; oft sieht man die Geraubten grüngekleidet in ihrer Gesellschaft (D. S. Nr. 50). Der den Wald erfüllende Nebel oder weiße, an den Bergen hangende Wölkchen gelten als die Wäsche der Waldfrauen. Wenn im Frühlinge und Herbste zerrissenes Nebelgewölk vom Gebirge aufsteigt, wenn „der Wald raucht“, dann kocht das Buschweibchen: die Nebelstreifen sind der Rauch von seinem Herde (S. 118). In der norddeutschen Tiefebene vertreten die Unnererdschen und weißen Weiber die Waldgeister des deutschen Südens. Sie wohnen unter der Erde oder unter schönen Bäumen und krausen Büschen, auf freiem Felde oder in kleinen Erdhügeln, aber auch in Waldlichtungen oder unter den Wurzeln alter Bäume. Die Holz- und Moosfräulein wohnen als Waldgeister in hohlen Bäumen oder Mooshütten, betten ihre Kinder auf Moos oder in Wiegen von Baumrinde, schenken grünes Laub, das sich in Gold verwandelt, und spinnen das zarte Miesmoos, das oft viele Schuhe lang von einem Baume zum andern gleich einem Seile hängt. Aber man warf ihnen als Feldgeistern auch beim Leinsäen einige Körner in die Büsche des nahen Waldes, ließ bei der Ernte drei Hände voll Flachs für sie auf dem Felde liegen oder ließ bei der Heu- und Kornernte einige reife Ähren, einen Büschel stehen, als dem Holzfräulein, dem Waldfräulein zugehörig. Das ‘Holzfräulein sitzt zur Erntezeit, in Flachshalme eingewickelt, auf einem Baumstumpfe im Walde. Den saligen Fräulein wurden nach dem äJtesten Zeugnisse, das auch ausdrücklich ihre Namen nennt, des Abends Speisen auf den Tisch der Wohnstube bei offenen Fenstern gestellt (Berthold von Regensburg).

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