Schlagwort-Archive: Götterbild

Deutsche Mythologie – Die Göttinnen – Nerthus

Textübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Das älteste geschichtliche Zeugnis für die Verehrung der Erdgöttin bei den Ingwäonen bietet Tacitus (Germ. 40): „Weiterhin von den Langobarden wohnen die Reudigner und Avionen, die Anglier mul Variner, die Eudosen, Suardonen und Nuitonen, die alle durch Flüsse und Wälder geschützt sind. Bemerkenswert bei den einzelnen Völkern ist nichts, vereint verehren sie die Nerthus, das ist die Mutter Erde. Sie glauben, daß die Göttin eingreife in das Leben der Menschen und bei den Völkern einziehe. Es ist auf einer Insel im Ozean ein heiliger Hain, den niemand betreten darf, und in ihm ein geweihter Wagen, mit einer (weißen) Decke verhüllt. Nur dem Priester ist es gestattet, ihn zu berühren. Dieser weiß, wann sich die Göttin im Allerheiligsten auf hält, und er begleitet sie, wenn sie auf ihrem von Kühen gezogenen Wagen umfährt in frommer Haltung, unter Beobachtung heiliger Gebräuche und mit ehrfurchtsvollem Gebete. Frohe Tage gibt es dann und festlich geschmückte Orte, wohin die Göttin gastlich ihre Schritte lenkt. Die Waffen ruhen, des Krieges Stürme schweigen, alles Eisen ist verschlossen; Friede und Ruhe sind dann allein bekannt, dann allein geliebt, Ins derselbe Priester die des Verkehrs unter den Sterblichen satte Göttin ihrem Heiligtume zurückgibt. Dann wird der Wagen nebst den Tüchern und, wenn man glaulten will, die Gottheit selbst im einsamen See gebadet. Sklaven versehen dabei den Dienst, die sogleich derselbe See verschlingt. Daher de?* geheimnisvolle Schauer und die heilige Unwissenheit, was das sei, das nur dem Tode Geweihte schauen (D. S. Nr. 364).

Deutsche Mythologie – Die Göttinnen – Nerthus weiterlesen

Deutsche Mythologie – Tempel

Textübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

In offenbarem Widerspruche zu seiner eigenen Angabe (Germ. 9; S. 404) erwähnt Tacitus selbst Tempel bei den Deutschen. Das hochberühmte Heiligtum der Tanfana, das dem Erdboden gleich gemacht wird, kann nach dem Ausdruck und dem Zusammenhänge nur ein Tempel gewesen sein (Ann. 151). Ebenso muß die geweihte Stätte der Nerthusvölker ein Tempel sein (Germ. 40; S. 283). Das allerdings mag richtig sein, daß zur Zeit des Tacitus die Verehrung der Götter in der freien Natur noch überwog, aber schon vorher gab es bestimmte Tempel. Im Laufe der Jahrhunderte werden die Zeugnisse für feste Tempelbauten immer häufiger, bei Franken und Alemannen, Burgundern und Langobarden, Sachsen, Angelsachsen und Friesen. Auch die zahlreichen Ortsnamen, die von got. alhs, ahd. as. alah, ags. alh, ealh (lat. arx „sicherer Ort“, oder alaog, *dbuog „Hain?“) abgeleitet sind, beweisen, daß auch in Deutschland die Tempel häufiger geworden sind: Alahstatt in Hessen, in der Wette rau, mehrere Alstädde in Westfalen, Allerstädt bei Wiehe in Thüringen, (in alter Schreibung Alahstetti), Alahdorf bei Schwäbischhall, (jetzt in Altdorf entstellt), Alahesfelt in Hessen, Alsheim (Alahesheim) bei Worms und Speyer, Ahlberg bei Grebenstein in Hessen. Hierher gehört der Name des Gotenkönigs Alarich, der ags. Alachred und die alte Benennung der Zuidersee fries. Almere = Alcmar: Tempelmeer; der Alah oder Tempel, nach dem die Zuidersee hieß, stand in Stavern. Der Tempel zu Köln war mit mannigfachen Zierarten angefüllt, worin die Barbaren ihre Opfer darbrachten und sich dem Genüsse von Speise und Trank bis zum Übermaß hingaben (Greg. v. T.; V. patr. 6); aus Holz geschnitzte Abbildungen von erkrankten Gliedern waren in ihm aufgehängt (S. 350). Bei den Angelsachsen wie bei den Nordländern hieß der Tempel auch Hof (edes, i. templum, hofa). Ein Gehege umgab bei den Ags. die Opferstätte, in der Mitte stand ein Altar (ags. vigbed, veobed, wihabiuda: Tempeltisch). Einen mit Runeninschriften bedeckten Altar erwähnt vielleicht Tacitus (Germ. 3). Segimuntus war Priester am Altäre der Ubier (Ann. 139,57). Wie die Sprache lehrt, benutzte man einen einfachen Steinhaufen als Altar (ahd.haruc, ags. hearg, an. hörgr „Tempel“ zu lat. carcer?). Auf dem Altäre brannte das heilige Feuer, ein großer Kessel diente zum Auffangen des Blutes der Opfer bei den kimbrischen Priesterinnen. Die Sueben hatten einen anderen Opferkessel, eine Kufe, die 26 Maß Bier, etwas mehr oder weniger, enthielt. In das Blut wurde der Eidring und der Opferzweig getaucht, der als Sprengwedel und zur Losung diente. Im Innern des Tempels standen die roh geschnitzten Götterbilder und schwebten ihre heiligen Symbole, die in späterer Zeit sicherlich nicht mehr ausschließlich in den Hainen aufbewahrt wurden. Hierhin wurden auch die erbeuteten Waffen und Trophäen gebracht. Die Sitte, Banner und Fahnen bei Trauerfeierlichkeiten und bei Siegesfesten in den Kirchen aufzuhängen und um den Altar aufzustellen, ist ursprünglich heidnisch.

Deutsche Mythologie – Tempel weiterlesen