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Die Nordwest-Passage – Abschied vom Gjöahafen

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Meine Polarfahrt auf der Gjöa 1903 bis 1907

Achtes Kapitel


Mit dem lebhaftesten Interesse sahen wir, wie bei den zunehmenden Frühlingstagen die einförmige Schneedecke, die uns von allen Seiten umgab, allmählich von immer neuen Tierspuren in den verschiedensten Mustern gestreift und wie karriert wurde. Einige Fuchsspuren hatten wir ja den ganzen Winter hindurch wahrgenommen, dann waren eines Morgens die ersten Schneehühner dagewesen, und sie hatten mit ihren trippelnden, befiederten Füßen einen wunderlichen, bizarren Freudentanz aufgeführt.

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dem Eismeer entgegen

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Meine besten Wünsche für meine Freunde, die Netschjillieskimos, fasse ich zusammen in dem einen, daß ihnen die Zivilisation niemals nahen möge!

Meine Polarfahrt auf der Gjöa 1903 bis 1907

Erstes Kapitel


Der einzige, der bei unserer Abreise Zeichen von Rührung kund gab, war der Himmel, aber der tat es auch mit allem Nachdruck. Als wir in der Nacht vom sechzehnten auf den siebzehnten Juni den Anker lichteten, regnete es in Strömen. Sonst war die Nacht still und dunkel, und nur unsere Nächsten waren auf das Schiff gekommen, um uns Lebewohl zu sagen. Aber trotz Regen und Dunkelheit und trotz des letzten Abschieds war die Stimmung auf der Gjöa heiter und froh. Die Interimszeit der letzten Wochen, ohne eigentliche Arbeit, hatte uns alle ermüdet. Für meine persönlichen Gefühle kann ich keinen Ausdruck finden, und möchte es auch nicht. Die Anstrengungen der letzten Zeit, um alles vollends in Ordnung zu bringen, die Unruhe, daß wir immer und immer noch nicht abfahren konnten, und meine verzweifelten Anstrengungen, die fehlenden Gelder zusammenzubringen — dies alles hatte mich stark mitgenommen und mir Leib und Seele angegriffen.

Aber nun war es überstanden, und niemand könnte die unsägliche Erleichterung beschreiben, die uns überkam, als die Jacht vom Ufer wegglitt. Außer den sieben Teilnehmern an der Expedition waren nur noch meine drei Brüder an Bord, die uns zum Christiania-Fjord hinaus das Geleite gaben. Es war still und ruhig auf der Gjöa, die ganze Navigation wurde vorläufig von einem Schleppdampfer besorgt, den wir vor dem Bug hatten. Die Wache war dem Steuermann überlassen, sowie unsern sechs Hunden. Diese Hunde hatten schon bei der zweiten Expedition der „Fram“, die sie mit nach Hause gebracht hatte, gute Dienste geleistet. Arme Tiere! Es wäre besser gewesen, man hätte sie in Eis und Schnee zurückgelassen, anstatt sie dahin zu schleppen, wo sie sich, besonders in diesem Frühling, der so ungewöhnlich warm war, sehr übel befanden. Da standen sie nebeneinander angebunden und sahen in dem Regen jammerwürdig aus — denn Regen ist das Schlimmste, was man einem Polarhund bieten kann. Schon auf der Herreise hatten sie eine Seefahrt in Regen-und Nebelwetter durchmachen müssen, und jetzt war ihnen auf der Rückkehr eine zweite beschieden. Aber nun ging es ja auch wieder dahin — wo die armen Schelme daheim waren!

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die Menschen um den magnetischen Nordpol

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Meine besten Wünsche für meine Freunde, die Netschjillieskimos, fasse ich zusammen in dem einen, daß ihnen die Zivilisation niemals nahen möge!

Meine Polarfahrt auf der Gjöa 1903 bis 1907

Siebentes Kapitel


In diesem Kapitel will ich versuchen, meine persönlichen Eindrücke von den Eskimos, mit denen wir an der Nordostküste von Amerika zusammengetroffen sind, wiederzugeben, das heißt, meine Beobachtungen über ihr Leben und ihren Kampf ums Dasein.

Unsre Auffassuugen über diese Eskimos waren sehr verschieden, und ich kann wohl sagen, daß jeder einzelne von den sieben Mitgliedern der Gjöaexpedition sein ganz besondres Urteil über diese Eskimos hatte. Wegen deren Sprache und Aussprache lagen wir täglich im Streit, ja wir einigten uns gewissermaßen nicht um ein einziges Wort. Würde daher ein andres Mitglied als ich von diesen Menschen erzählen, dann würden dessen Schilderungen gewiß in vielen Punkten von den meinigen ab weichen, ohne daß man sagen könnte, welches die richtigere und wahrere von beiden wäre. Wenn ich nun von diesen Bewohnern des magnetischen Pols, den Netschjillieskimos erzähle, werde ich sie nur so darzustellen versuchen, wie sie mir entgegengetreten sind und wie ich sie habe kennen lernen. Es gibt auf diesem Gebiet gar vielerlei Quellen und Autoritäten, wo ich hätte nach-sehen können, um meinen Lesern ein erschöpfenderes Kapitel über die Eskimos zu geben; aber ich habe diese Bücher absichtlich nicht gelesen, gerade weil ich fürchtete, ich würde dann vielleicht das erzählen, was andre gesehen und erlebt hätten, und nicht ich selbst. Wegen meiner mangelhaften Kenntnis ihrer Sprache mögen freilich auch einige irrtümliche Auffassungen der Erklärungen, die mir die Eskimos gaben, mit unterlaufen, aber ich glaube doch zuversichtlich sagen zu können, daß die Hauptsachen richtig sein werden. Unser Alphabet hat Buchstaben genug, die Laute der Eskimo – Aussprache wiederzugeben; deshalb habe ich die annähernd ähnlichen Buchstaben genommen und dem Laut so nahe wie möglich zu kommen versucht.

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Die Nordwest-Passage

Buchübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Meine Polarfahrt auf der Gjöa 1903 bis 1907

Einleitung

Von jener Zeit an, wo die alten Phönizier beim Morgengrauen unserer Kultur sich an den Küsten des Mittelmeers entlang gleichsam vorwärts tasteten, bis auf den heutigen Tag sind wißbegierige Männer über unbekannte Meere und durch dunkle Wälder immer weiter vorgedrungen. Bisweilen langsam und mit einem hundertjährigen Stillstand dazwischen, bisweilen aber mit Riesenschritten, wie damals, wo die Entdeckung Amerikas und die großen Weltumschiffungen die Erdkugel selbst aus dem Nebel des Unbekannten und des Vorurteils befreiten.

Sicherlich sind viele Entdeckungsreisende nur von der Sehnsucht nach den Reichtümern getrieben worden, die sie in unbekannten Ländern und Meeren zu finden hofften, ja man kann von den meisten Endeckungsreisen behaupten, daß sie ohne die Grundlage von materiellen Zielen und Erwartungen gar nicht zustande gekommen wären.

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