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Zeitalter des Nationalismus : Der Staatsbegriff in der Neuzeit

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Die Begriffe der Vergangenheit wirken bis in die Gegenwart noch fort. Die französische Revolution, die alles über den Haufen stürzen, alles frisch beginnen will, die sogar eine neue Zeitrechnung einführt, als ob mit der Hinrichtung Ludwig XVI. erst die Weltgeschichte begönne — gerade sie ist der deutlichste Beweis dafür, daß man den alten Sauerteig nicht so schnell verdaut:

Die Girondisten berufen sich auf Brutus und Cassius, Bonaparte auf Cäsar. Nicht die Revolution selbst, sondern die Gegenwirkung, die sie hervorrief, hat zu völlig neuen Umständen geführt. Napoleons Trachten nach einer Universalmonarchie regte die schlummernden Instinkte der Völker an. In Italien, in Deutschland, in den Niederlanden, und später auch in Polen, Böhmen und Ungarn, in Serbien, Bulgarien und Rumänien hub eine volkliche Bewegung an, die sich in der jüngsten Gegenwart bis nach Südafrika, Rußland, Türkei und Marokko fortpflanzte. Die Krone aller solchen Bestrebungen war der Nationalstaat.

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Deutsche Reichs- und Staatswappen

Buchübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

25 Deutsche Reichs- und Staatswappen, Flaggen und Kokarden

Bemerkung über die Landesfarben.

Die hier vorgeführten Landesfarben der einzelnen deutschen Staaten sind nach den besten vorhandenen Quellen angegeben. In welcher Reihenfolge die Farben auf den betreffenden Landes flaggen erscheinen sollen, steht nicht überall mit Sicherheit fest. Für das deutsche Reich ist die bekannte Reihenfolge amtlich verordnet.

Für Preussen ist die von Schwarz (oben) und Weiss (unten) quergeteilte Landesfahne officiell und von altersher allgemein eingeführt; eine Ausnahme hiervon machen jedoch die Fähnchen der preussischen Kavallerie, welche gerade umgekehrt, oben Weiss, unten Schwarz, geteilt sind — ein Umstand, der schon zu vielen Missverständnissen Veranlassung gegeben hat. Daneben führt Preussen auch noch eine sog. Handelsflagge, bei welcher das Flaggentuch dreifach quergeteilt ist: oben Schwarz, in der Mitte Weiss, unten wieder Schwarz, der weisse Streifen mit einem Adler belegt. Ausserdem giebt es dann noch einzelne besondere behördliche Sonderflaggen. Ungeachtet mehrerer amtlicher Vorschriften herrscht hierin mancherlei Verwirrung; selbst die meisten Königlichen Behörden flaggen unvorschriftsmassig und tragen dadurch noch zur Vergrösserung dieser Verwirrung bei. Die in neuester Zeit erschienenen amtlichen Verordnungen dürften geeignet sein, endlich auf diesem Gebiete Wandel zu schaffen.

In Bayern, wo die Landesfarben blau-weiss sind, zeigt die Königliche Flagge das Flaggentuch ganz und gar in diesen Farben gerautet, so wie der Mittelschild des im Album dargestellten Wappens; das Tuch ist in der Mitte mit der goldenen Königlichen Namenchiffre belegt. Die Landesflagge ist (nach Siebmacher’s Allgem. Wappenbuch, Abt. Flaggen, nach amtlichen Quellen bearbeitet, Nürnberg bei Bauer & Raspe) ebenso, aber ohne den Namenszug; es werden jedoch vielfach auch einfach blau-weiss (oder weiss-blau) quergeteilte Flaggen geführt. Die gerauteten verdienen ihres schöneren, malerischen Aussehens wegen jedenfalls den Vorzug.

Für das Königreich Sachsen giebt das vorgenannte Werk die Landesflagge von Grün (oben) und Weiss (unten) geteilt an, es wird jedoch vielfach auch die umgekehrte Reihenfolge geführt. Vermutlich liegt hier die Sache ebenso wie oben bei Preussen erwähnt. Ebensowenig ist man in den Sächsischen Herzogtümern über die Reihenfolge von Grün und Weiss allenthalben sicher, da es hier, wie vielfach auch sonst, an eine*r unzweideutigen amtlichen Feststellung fehlt.

Neben den Landesfarben gibt es in einigen Ländern noch sogenannte Hausfarben, deren Führung jedoch nicht dem Publikum, sondern nur den Mitgliedern des betr. Fürstenhauses zusteht. Auch die Farben der Kokarden stimmen nicht überall mit denen der Flaggen überein!

25 Heraldische Erläuterungen.

Deutsches Reich.


Der hier dargestellte Adler mit darüber schwebender Kaiser-Krone, der deutsche Reichsadler, ist das Wappen des deutschen Reiches; er darf nicht in einem Schilde, sondern muss frei schwebend dargestellt werden. Dagegen ist das Wappen des deutschen Kaisers ein goldener Schild, auf welchem die Kaiserkrone ruht und welcher von der Kette des schwarzen Adlerordens umgeben ist. Im Schilde befindet sich der Reichsadler ohne Krone und ohne die Ordenskette. Dieser durch Allerhöchsten Erlass festgestellte Unterschied ist wohl zu beachten!

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