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die Bahn von Bagdad nach Damaskus

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Im Februar d. J. machte die „Deutsche Orient-Korrespondenz“ auf die Tatsache aufmerksam, daß Sir Willcocks, der in Mesopotamien tätige Wasserbautechniker, sich den Ausbau einer Bahn zwischen Euphrat und Tigris mit einem Anschlußgleise nach Bagdad hätte konzessieren lassen.

Die „Deutsche Orient-Korrespondenz“ knöpfte hieran die Bemerkung, daß es fraglich erscheine, ob diese Bahnstrecke nur dazu dienen sollte, die Heranführung von Arbeitern und Arbeitsmaterial für die Kanalbauten zu erleichtern, oder ob nicht vielmehr dieser Bahnbau den Beginn des Ausbaues der von Sir Willcoxs vorgeschlagenen Bahnlinie Bagdad-Damascus bedeute. Kaum war diese Nachricht damals in die Presse erschienen, als auch sofort der Dementierapparat — diesmal im „Temps“ — in Bewegung gesetzt wurde. Die Deutschen sollten sich nur nicht so aufregen, hieß es; die Nachricht wäre falsch und an einer Ausführung des Projekts – nicht zu denken.

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Damaskus

Buchübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg


Die Berge am Ostabhang des Antilibanon öffnen sich, in der Tiefe erscheint weiss und grün, mit Kuppeln und Minarets, mit silbernen Bächen und dichten Baumgruppen eine orientalische Gartenstadt, Sie verschwindet, taucht wieder auf wie ein Gesicht der Wüste und verschwindet abermals, um von Neuem zu erscheinen. Es ist Damaskus, die paradiesesduftige.

Wir reiten durch hundert Gärten hinein. Rechts und links in malerischer Unordnung Bäume mit Südfrüchten, Gras mit feurigen Blumen, darunter jene berühmten Rosen, welche die Dichter des Orients so oft zum Gesang begeistert. Hier und da führt der Weg durch förmliche Laubenhallen, allenthalben rauscht es von Quellen und Bächen. So kommen wir in die Stadt, durch Gassen mit unscheinbaren Lehm wänden zur Seite und über einen von allerlei Trachten und Gestalten wimmelnden Bazar vor die Herberge. Wir staunen, dass wir in diesem schmutzigen Lehmhause wohnen sollen. Wir staunen noch mehr, als wir eintreten und im Innern die prächtigste Einrichtung finden, Mammorgetäfel, Springbrunnen, Wände mit schöner Malerei, hohe luftige Spitzbogenhallen — das Ganze ein Palast ans Tausend und Eine Nacht, reich, bunt, phantastisch über alle Erwartung, ein echter Ausschnitt aus der alten glanzvollen Zeit der Chalifen-Herrschaft. Und wie unser Gasthaus sind alle besseren Häuser in Damaskus, in irdener Schale ein goldener Kern.

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Bilder aus dem Orient – Der Orient

Buchübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Anmerkung Pfleger : Ein schön geschriebener Reiseführer aus dem Jahr 1864. Am Ende des Buches war ein Stadtansichtbild mit dem Namen „Gerusalemme “ welches wohl der frühere Name von Jerusalem war, vermute ich mal.

Der Orientale weiss nicht einmal, dass die Zeit überhaupt einen Werth hat; er redet langsam, weil der Gedanke ihm in schwerfälliges, weitfaltiges Bildergewand gehüllt ist, er bewegt sich langsam in der Art der Väter von Ort zu Ort, bedient sich des Pfluges, der vor dreitausend Jahren schon seine Felder ritzte, der einfachsten Mühle, des alterthümlichsten unbehilflichsten Schiffes.


Indem ich in Folgendem vesuche, einige von den Gegenständen zu zeichnen welche dem Wanderer im Morgenland am meisten imponiren, ihm die hehrsten oder anmuthigsten Erinnerungen wecken, halte ich für zweckmässig, als Einleitung ein Gesamtbild der orientalischen Welt vorauszuschicken, wie es sie in stillen Stunden allmälig aus der bunten Fülle von Eindrücken und Erlebnissen zusammensetzt, zu denen mir ein dreimaliger Besuch der Levante Gelegenheit bot.

Namen tauchen auf aus einer Stimmung, die etwas von einem narkotischen Rausch hat. Aus den Namen wanden Gestalten auf halb lichtem Hintergrund, bald blass wie Schatten bei Mondschein, unbestimmt, flackernd, verschwimmend wie Erscheinungen der Traumwelt, bald schärferen Umrisses und Gepräges, je nach der Macht, mit der ihre Urbilder auf die Seele gewirkt — das Ganze eine stille, farblose Fata Morgana am Horizont des Lethestromes, Schattenländer und Schattenmenschen. Sie kommen und gehen wie wanderndes Gewölk am dämmernden Himmel, kehren wieder, um zu bleiben und nach und nach Farbe anzunehmen, die einen eher, die andern später und weniger klar. Und cs wird heiterer, plastischer und wirklicher. Die wunderbare Sonne des Südens geht auf über dem Gedankenspiel, giesst ihre Strahlen auf die einzelnen Gebilde und umgibt sie mit einer Lichtatmosphäre von zauberhaftem Reiz. Auch das falbe Zwielicht der letzten fernsten Hintergründe färbt sich und erglänzt hier als weite dunkelblaue Meeresfläche, da als tief orangegelber Abendhimmel, dort als das brennend warme Violet von Gebirgen unter diesem Himmel, hier wieder als das flimmernde Goldgelb von Wüsten in der Gluth des Mittags.

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Damaskus: menschliche Schutzschilde

resiste siriaerschienen bei chartophylakeion tou polemou

Ein kleines Stimmungsbild aus Damaskus. Quelle: KP.ru. Sogar Reuters hat vom Berg Qasyun berichtet: eine Aktion von “Assad-Anhängern” natürlich. Bestimmt alles „Alawiten“.
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Der Berg Qasyun gilt als eines der Symbole von Damaskus, als eine Kultstätte und als lauschiger Ort für Rendezvous. Keiner von den Einwohnern der Stadt hat je daran gedacht, dass die auf diesem Berg befindlichen Luftabwehrstellungen ihn zu einem der Hauptziele für Bombenangriffe machen könnten. Die dort befindliche Basis „verschließt“ faktisch den Himmel über der syrischen Hauptstadt.
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Nicht von ungefähr haben die bewaffneten Banden es im vergangenen Frühjahr versucht, diesen kargen, verwitternden und von Furchen durchzogenen Berg zu besetzen. Fast drei Tage lang musste die Luftwaffe die Banditen angreifen, die sich auf einer benachbarten Höhe verschanzt hatten. Der Großteil wurde liquidiert, die übrigen haben sich in den weitläufigen, fast nur aus Eigenbau bestehenden Stadtvierteln verkrochen, welche die Hänge dieses Damaszener Symbols besetzen. Auch heute noch ist es hier nicht gerade ruhig. Um zu einem der Aussichtspunkte zu gelangen, muss man wohl ein Dutzend Checkpoints passieren. Allerdings öffnet einem der Titel „russische Journalisten“ in Syrien immer noch Tür und Tor. An einem der Checkpoints zeigt man uns sogar ein Porträt Putins, das jemand mit einem Farbdrucker ausgedruckt hat.

Am Aussichtspunkt ist es noch still, allein der Wind fährt geräuschvoll durch die Vorhänge aus alten Armeezelten. Allzu viele Freiwillige sind es noch nicht: der Organisator sagt uns, die übrigen kommen später – „Die Leute haben noch in ihren Familien, auf Arbeit und beim Studium zu tun“.

Es weht eine Brise, es ist kühl, obwohl am Fuß des Bergs eine geradezu afrikanische Hitze und eine schwere, an eine Saune erinnernde Atmosphäre herrscht. Mitunter hört man vom gegenüberliegenden Hang des Berges schwere Artillerie hämmern, wir sitzen derweil in einem der letzten Cafés, das noch nicht durch den Mangel an Touristen und Kunden pleite gegangen ist, und schauen voller Schrecken auf die Karte der Kampfhandlungen, die sich zu unseren Füßen bis zum Horizont erstreckt. Rauchsäulen steigen aus Richtung Daraya auf; offenbar hat man beschlossen, diesen Vorort endgültig dem Erdboden gleichzumachen. Dann und wann wirft die Artillerie ein paar Flammen nach Ghouta. Doch die gewaltigsten Einschläge treffen Dschobar.

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Anmerkung: wir kennen das Szenario vom Tripolis, Bab-al-Azizia. Es ist ihnen egal, wieviel tausend Leiber sie zerfetzen müssen, um zu ihrem Ziel zu gelangen!