Schlagwort-Archive: Christentum

Der Krieg

Textübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

WENN WIR IM FOLGENDEN über den Krieg handeln, so wird uns vor allem interessieren, welche Stellung unsere Gegenwart ihm gegenüber einnimmt, und ferner was solche Stellungnahme etwa für die Zukunft des Krieges bedeuten könnte.

In solcher Hinsicht ist mir nun heute von jeher nichts bemerkenswerter gewesen, als das schroffe Aburteil Leo Tolstois und des modernen Sozialismus, die sich nicht scheuen, den Krieg als einen Mord zu bezeichnen.

Ich sage nicht zuviel, wenn ich ausspreche, daß mich dieses Aburteil, als ich ihm zum erstenmal begegnete, erschreckt hat; ja, daß ich es geradezu als eine frevelhafte Blasphemie empfand. Es begreift sich indessen Erscheinungen wie Tolstoi und dem modernen Sozialismus gegenüber von selbst, daß man sich von einer so schroffen, ja viel-leichtsogar furchtbaren Form solchen Aburteils nicht verleiten lassen durfte, es von der Hand zu weisen, ohne zuvor seiner eigentlichen Meinung und den Ursachen seiner Formulierung auf den Grund gedrungen zu sein.

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Die Bildende Kunst und das Jenseits

Buchübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Werke der bildenden Kunst sind zu allen Zeiten mit sehr verschiedenen Augen angesehen worden. So neigten und neigen die Künstler stets dazu, auch alte Kunst rein künstlerisch zu betrachten, d.h. von den geschichtlichen Voraussetzungen, unter denen das einzelne Werk entstanden ist, ganz abzusehen und seine Eigenart lediglich aus künstlerischen Gesichtspunkten zu erklären.

Bötticher sah im Tempel der Hellenen eine Schöpfung, die einmal, ein in sich geschlossenes Ganze, in die Welt getreten sei. Böcklin leitet den Mangel an Reliefwirkung in den Bildern Giottos von dem weißen Malgrund her, dessen sich der Künstler bediente. Und Adolf Hildebrand erklärt die Eigenart der Figuren Michelangelos so gut wie ausschließlich aus dem künstlerischen Bedürfnis, den größtmöglichen Lebensgehalt in einer möglichst kompakten Raumeinheit darzustellen: dieser künstlerische Zusammenhang der Erscheinung wirke bei seinen Werken so stark, daß die Bewegung als von einem inneren Vorgang motiviert oder als Ausdruck einer darzustellenden Handlung für den Beschauer gar nicht mehr in Frage komme.

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Die Bildende Kunst und das Jenseits

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Werke der bildenden Kunst sind zu allen Zeiten mit sehr verschiedenen Augen angesehen worden. So neigten und neigen die Künstler stets dazu, auch alte Kunst rein künstlerisch zu betrachten, d.h. von den geschichtlichen Voraussetzungen, unter denen das einzelne Werk entstanden ist, ganz abzusehen und seine Eigenart lediglich aus künstlerischen Gesichtspunkten zu erklären.

Bötticher sah im Tempel der Hellenen eine Schöpfung, die einmal, ein in sich geschlossenes Ganze, in die Welt getreten sei. Böcklin leitet den Mangel an Reliefwirkung in den Bildern Giottos von dem weißen Malgrund her, dessen sich der Künstler bediente. Und Adolf Hildebrand erklärt die Eigenart der Figuren Michelangelos so gut wie ausschließlich aus dem künstlerischen Bedürfnis, den größtmöglichen Lebensgehalt in einer möglichst kompakten Raumeinheit darzustellen: dieser künstlerische Zusammenhang der Erscheinung wirke bei seinen Werken so stark, daß die Bewegung als von einem inneren Vorgang motiviert oder als Ausdruck einer darzustellenden Handlung für den Beschauer gar nicht mehr in Frage komme.

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