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Die mittelalterliche Buchmalerei des Abendlandes

Buchübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Dieses Buch umgreift ein Jahrtausend abendländischer Kunst. Es hebt an mit den Fragmenten frühchristlicher Buchmalerei, führt von ihnen zu den phantastischen Eingebungen fränkischer und irischer Mönche, leitet von hier zu den feierlichen Evangelienbüchern der Karolinger und Ottonen, den zarten, spitzbogigen Legenden der Gotik und mündet in jene um das Jahr 1400 entstandenen naturerfüllten Stundenbücher aus, die der Jugend der Brüder van Eyck zugehören, und in denen das Mittelalter sich zu Ende neigt.

Solchen tausendjährigen Kreis umfassen zu wollen, wird Vielen als Vermessenheit erscheinen. Denn was bisher an Arbeiten vorliegt — in einer Anmerkung am Schlüsse des Werkes wird eine kurze Übersicht über die Literatur gegeben —, beschränkt sich auf die Herausgabe einzelner wertvoller Handschriften oder auf eine Zusammenfassung kleinerer und größerer Gruppen. Und auch dies wurde in selbstgewählter Beschränkung auf ikonographische, liturgische, allenfalls stilgeschichtliche Betrachtung oder eingeordnet nach Ort und Zeit der Entstehung dargeboten.

Solche Arbeit ist wertvoll und notwendig, aber es ist offenbar, daß sie — ihrer Zielsetzung entsprechend — am Rande des Kreises stehen bleibt. Für die Mönche, die die Miniaturen malten, war naturgemäß der liturgische oder ikonographische Inhalt und der „Stil“ ihres Werkes kein außerhalb seiner selbst bestehender Wert, sondern Ausstrahlung der seelischen Kraft, die sie erfüllte. So soll über die Einstellung und die Ergebnisse der Wissenschaft hinaus — die natürlich nicht übersehen werden, aber nicht als Ziel und Selbstzweck gelten sollen — hier ein erstes Mal der Versuch gewagt werden, das Schaffen dieses Jahrtausends als Ausstrahlung religiöser Visionen zu deuten.

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Die altdeutsche Buchillustration

von Silvio

Bildverzeichnis der 85 Abbildungen im Text unten.

Die naive Sinnlichkeit des Auges ist dem Deutschen nicht gegeben, er muß sie sich immer erst erwerben. Er ist sachlich zu stark interessiert, um mit unbefangener Optik die Dinge in sich aufzunehmen. Und wenn er Künstler ist, dann neigt er dazu auszudrücken, was die Dinge sind, anstatt sie darzustellen.

Er hat nicht den ruhig und gesammelt auf den Dingen weilenden Blick des Romanen, aus dem eine rein sinnliche Darstellungskunst erwächst, er geht vielmehr mit einer geistigen Interessiertheit an die Dinge heran, an der sich nur ein vehementes, unsinnliches Ausdrucksverlangen entzünden kann. Er ist auch ein Gestalter, aber ein Gestalter im geistigen Sinne, nicht im sinnlichen Sinne. Mit anderen Worten: seine Kunst neigt immer zum Illustrativen, zum Vorherrschen der geistigen Bedeutsamkeit über das rein Darstellungsgemäße. Indem seine Kunst die Dinge nicht darstellen, sondern ausdrücken will, ist sie zur Illustration prädisponiert. Denn was die illustrative Kunst von der freien Kunst unterscheidet, ist ihre Abhängigkeit von einem rein geistigen, unanschaulichem Element, dem Text, dem geschriebenen oder gedruckten Wort. Diese Abhängigkeit gibt aller Illustration ihren eigentlichen Charakter. Nur da können wir von wahrer Illustration sprechen, wo dieser Abhängigkeit bewußt oder unbewußt Rechnung getragen ist.

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