Archiv der Kategorie: Ressort Kultur

Deutsches in Wort und Werk präsentiert von Silvio

der Islam in Afrika: seine Verbreitung und politische Bedeutung

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Wer während der letzten Jahre die Ereignisse in Deutsch-Ostafrika oder im Hinterlande von Kamerun aufmerksam verfolgt hat, den wird es nicht wundergenommen haben, dass auf dem letzten Kolonialkongress in Berlin die Islamfrage aufs lebhafteste behandelt wurde. Immerhin hat es doch viele überrascht, dass wir in unseren Kolonien mit einem starken mohammedanischen Faktor zu rechnen haben und zwar nicht nur in Ostafrika, sondern auch im Hinterlande von Kamerun und Togo.

Während der Islam im Osten an der Küste sitzt und mit dem Handel langsam in das Innere vordringt, kommt er im Westen aus dem Inneren und zwar in Kamerun aus der Tschadseegegend, und in Togo aus der Sahara und den angrenzenden Steppengebieten, wo er besonders durch das Handelsvolk der Haussa vermittelt wird. Der Islam ist auf verschiedenen Wegen in Afrika eingedrungen. Nordafrika (Aegypten und das Berberland) übernahm den Islam von den einwandernden Arabern, die hier auf den Trümmern des byzantinischen Reiches von der Mitte des siebenten Jahrhunderts ab das Kalifenreich gründeten, das sich bekanntlich auch über Vorderasien ausdehnte. Auf den Karawanenwegen durch die Sahara und durch das obere Niltal drang der Islam allmählich nach Zentralafrika vor, wo ihm schon um 1100 das grosse Reich Kanem-Bornu seine Entstehung verdankte.

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die Kolonialfrauenschule in Witzenhausen

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Deutsche Frauen, deutsche Ehre, Deutsche Treue übern Meere !

Je mehr die Entwicklung unserer Kolonien vorwärtsschreitet, um so mehr hat sich auch die Erkenntnis Bahn gebrochen, wie wichtig die Mitarbeit der Frau auf diesem Gebiete ist. Nur durch geordnete häusliche Verhältnisse und echt deutsches Familienleben unserer Ansiedler werden die Kolonien auch innerlich deutsch werden. Darum müssen wir Frauen aus den besten Kreisen unseres Volkes hineinführen in die koloniale Arbeit. Aber wir wollen nicht, dass unsere jungen Männer unvorbereitet und ungeprüft in die Kolonien übersiedeln, wie viel weniger dürfen wir unsern Frauen und Mädchen zumuten, ohne geeignete Vorbildung und ohne zuverlässigen Rückhalt an die schwere Aufgabe des kolonialen Lebens heranzutreten.

Von diesem Gesichtspunkte ausgehend ist im Jahre 1908 die Gründung der Kolonialfrauenschule in Witzenhausen an der Werra erfolgt. Die Schule ist ein Internat für Töchter gebildeter Stände, welche in den Kolonien entweder eine Berufsstellung einnehmen oder sich selbständig machen wollen. Die Ausbildung der Schülerinnen soll eine möglichst praktische sein. Aber diese praktische Ausbildung soll sich aufbauen auf guter theoretischer Grundlage in den verschiedenen Fächern.

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vom Deutschtum im Ausland

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Die südlichsten deutschen Schulen der Erde. I.

von Dr. Siegfried Benignus

Die südlichsten deutschen Schulen der Erde sind im Südteil des mittleren Chile, den Provinzen Llanquihue und Valdivia, sowie in dem grösstenteils zu Argentinien gehörigen Ostpatagonien anzutreffen. Konnten schon zwei der ersteren, diejenigen in den Städten Osorno und Valdivia, ihr fünfzigjähriges Bestehen feiern, so reicht die Gründung der letzteren erst ganz kurze Zeit zurück.

Aber auch in diesen beiden Landgebieten hat sich, wie allüberall, der alte Satz bewahrheitet, dass die Deutschen dem Deutschtum nur erhalten werden können, wenigstens doch noch in den ersten Generationen, wenn sie festgeschlossene Gemeinden bilden und eigene Schulen halten. Im Gegensatz zum Sohne Grossbritanniens fehlt leider selbst heutigen Tages noch des öftern dem einzelnen Deutschen im Ausland das stolze Selbstbewusstsein und der felsenfeste Rückhalt am Mutterland, um nicht gar bald ein Glied fremden Volksstammes zu werden.

Das 6000 Einwohner zählende Landstädtchen Osorno, im Departement der Provinz Llanquihue, darf sich rühmen, durch die am 22. Januar 1854 gegründete Escuela Alemana die älteste deutsche Schule in Chile, die Zweitälteste Südamerikas überhaupt zu besitzen. Nur die Germaniaschule in Buenos Aires ist wenige Jahre früher eröffnet worden

Die Väter deutscher Kolonisation in Chile, der Ingenieur und Oberstleutnant Bernard Philippi, der preussische Konsul Flindt, und der Kassierer Kindermann der Importfirma Huth & Co., hatten 1846 auf ihre grossen Ländereien etwas südlich des Valdiviaflusses, besonders auf das 30 Kilometer von Osorno entfernte Gut Bella Vista, zehn Familien und eine Anzahl junger Männer, meist aus Kurhessen, kommen lassen. Die trüben Zeiten politischer, wirtschaftlicher und sozialer Not der achtundvierziger Jahre in Deutschland, sowie die Propaganda der „Gesellschaft für nationale Auswanderung“ in Stuttgart und Berlin brachten seit 1849 einen grösseren Zuzug deutscher Auswanderer auch nach Osorno, einem alten, aber bedeutungslosen und verwahrlosten Flecken, und seiner Umgebung, Kleinbauern und Handwerker, doch auch wohlhabende und gebildete Männer. Da von einem eigentlichen Schulunterricht nicht die Rede sein konnte, so zwang schon das Gebot der Selbsterhaltung die deutschen Familien bald nach ihrer Ankunft zur Gründung einer deutschen Schule. vom Deutschtum im Ausland weiterlesen

der Vertrag von Virten 843

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Das Reich wollte führen, nicht aber die Welt beherrschen. Frankreich wollte die Welt erobern und von Paris aus herrschen.

Gleich einem heroischen Gipfel ragt die Gestalt Karl des Großen am Aufgang unserer Geschichte. Nach den Stürmen und Wirren der Völker-Wanderungszeit faßte er zum ersten Male die germanischen Volksstämme in seinem großfränkischen Reich zusammen, das in jedem Betracht die Vorhalle unserer späteren Reichsbildung darstellt. Und indem er, weit seiner Zeit vorauseilend, mit kluger und harter Hand die deutschen Stämme zusammenzwang, schuf er die Voraussetzung zur Bildung des späteren mitteleuropäischen Reichskerns: Deutschland. Er hat der Entwicklung des germanischen Abendlandes die Richtung gewiesen, die sie trotz aller Umwege und Rückläufigkeiten beibehalten hat bis auf den heutigen Tag. Von dem erhöhten Standpunkt der wiedererstandenen Reichsmacht ist es uns heute möglich, die Tragik sowohl als auch die innere Notwendigkeit der schicksalhaften Vorgänge unserer Vergangenheit zu begreifen, zu welchen auch jener folgenschwere Teilungsvertrag von Virten zu zählen ist.

Schon ein Menschenalter nach dem Tode des ersten Frankenkaisers zerfiel sein Reich in drei Teile. Die 843 in dem Vertrag von Virten (Verdun) gezogenen Grenzen haben mit Volkstumsgrenzen nichts zu tun. An Ludwig den Deutschen fiel in der Hauptsache der von den deutschen Stämmen diesseits des Rheins und der Alpen besiedelte Raum mit den ihm ostwärts vorgelagerten Marken. Der Beherrscher des Mittelreiches, Lothar I., gebot über Aachen und Rom. Er war Kaiser, Hoheitsrechte über die Reiche seiner beiden jüngeren Brüder standen ihm jedoch nicht zu. Was westwärts von ihm lag, gehörte mit der spanischen Mark zum westfränkischen Reich.

Die nationalstaatlich gerichtete Geschichtsschreibung einer hinter uns liegenden Zeit feierte den Vertrag von Virten als die Geburtsstunde Deutschlands und Frankreichs. Von unserem heutigen Standpunkt aus gesehen, bildet dieser Teilungsvertrag, der die nationale Aufspaltung Europas einleitete, den Ausgangspunkt eines bitteren, wenn auch unvermeidlichen Umwegs unserer Geschichte. Zwar verlagerte sich der Schwerpunkt der weiteren Reichsentwicklung nach dem germanischen Kernland des Abendlandes, nämlich nach Ostfranken; der germanisch geführte fränkisch-langobardische Westen und Süden des karolingischen Reiches aber ging fortan eigene Wege. Virten ist die erste Station auf jenem Schicksalsweg Deutschlands und Europas, der über die deutsche Reichsschöpfung des Mittelalters und sieben Jahrhunderte der Zersplitterung zu dem ersehnten gesamtgermanischen Reich der Zukunft führt.

In welchem Licht sehen wir nun das ostfränkische Reich? Es hatte sich 843 aus größeren Zusammenhängen herausgelöst und wäre gerade in dieser Form schwerlich entstanden, hätte nicht Karl der Große die letzten selbständigen westgermanischen Stämme in das Frankenreich hereingeholt. Seine Lage war nicht übermäßig günstig, jedenfalls nicht besser als die des Mittel- und Weltreichs, und wenn es diesem im Verlauf eines Menschenalters einen Vorsprung abgewann, dann verdankt es ihn seinem ersten König, Ludwig dem Deutschen.

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