wussten Sie, daß …

von H.-P. Schröder

… General Eisenhower auf seiner Deutschlandausplündernunddeutscheermordentour 1944–1945, u. a. wie ein kleiner Hoteldieb versilberte Kaffeelöffel, einen der Griffe der Eingangstür zum Zugangstunnels des Kehlsteinhauses in Berchtesgaden mitgehen ließ, nur daß es sich bei dem Griff um eine von Professor Bernhard Bleeker* entworfene Bronzeplastik handelt (Größe siehe Abbbildung) und daß dieser Griff, (nebst einigen anderen Sächelchen, wie die Wahrscheinlichkeit vermuten lässt) jetzt uralter Eisenhowerscher Familienbesitz ist? Und wissen Sie, wo sich der zweite Griff befindet?

Na? Na?

Richtig! In einer anderen amerikanischen “Privatsammlung“.

(aus: Beierl, Geschichte des Kehlsteins, Berchtesgaden 2016 )

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* Professor Bernhard Bleeker

Ausstellungen (Auswahl)

1911: Sommer-Ausstellung der Münchner Secession

1912: Grosse Kunstausstellung in Dresden

1912: Kunstausstellung der Münchener Secession

1914: Münchner Original-Plastik, Galerie Heinemann, München

1915: Münchner Neuen Secession, 1. Frühjahrs-Ausstellung

1924: Münchener Neue Secession, 10. Ausstellung

1932: Düsseldorf-Münchner Kunstausstellung im Kunstpalast Düsseldorf

1934: Große Münchener Kunstausstellung in der Neuen Pinakothek

1936: Heroische Kunst in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München

1937: Figur und Komposition im Bild und an der Wand. Plastik-Architektur-Graphik in der Neuen Pinakothek

1937: Münchner Jahresausstellung in der Neuen Pinakothek

1937: Große Deutsche Kunstausstellung im Haus der Deutschen Kunst zu München

1937: Deutsche Baukunst, CXLIV. Ausstellung der Vereinigung der Wiener Secession unter dem Titel Deutsche Plastik am Reichssportfeld Berlin in Wien

1937: Großen Deutschen Kunstausstellung im Haus der Deutschen Kunst zu München

1938: Deutsche Plastik der Gegenwart in Warschau und in Krakau

1940: Große Deutsche Kunstausstellung im Haus der Deutschen Kunst zu München

1941: Große Deutsche Kunstausstellung im Haus der Deutschen Kunst zu München

1942: Der deutsche Westen. Malerei und Plastik der Gegenwart in Köln

1942: Deutsche Plastik der Gegenwart in Zagreb

1943: Münchner Künstler der Gegenwart in Köln

1943: Junge Kunst im Deutschen Reich im Wiener Künstlerhaus

*1950: Werke europäischer Plastik im Haus der Kunst

*1961: Ausstellung zur Entwicklung der Münchner Bildhauerei, Plastik und Zeichnungen im Kunstverein München

Die Akademie der bildenden Künste wurde Ende 1944 geschlossen, Bleekers dortiges Atelier durch Bomben schwer beschädigt. Auch seine Villa in der Haushoferstraße im Januar 1945 durch eine Luftmine stark beschädigt. Vernichtet wurden auch sämtliche Werkzeuge, Drehstühle und Modelle, insgesamt eine Arbeit von etwa acht Jahren. Bleeker erhielt eine Einweisung in ein Künstlerheim in Berchtesgaden, jedoch ließ sich die Familie dort nicht nieder, sondern zog nach kurzem Aufenthalt bei der Familie des 1935 verstorbenen Flugzeugkonstrukteurs Hugo Junkers in Grünwald, in das Schloss Seehaus bei Waging am See, anschließend siedelte sie um nach Eichham, einem Ortsteil von Teisendorf.

Entnazifizierungsverfahren und Rehabilitierung

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges erging am 29. Oktober 1945 eine Verfügung des Kultusministeriums, nach der Bleeker auf Weisung der Militärregierung mit sofortiger Wirkung von seinem Dienst als ordentlicher Professor an der Akademie in München enthoben und die Auszahlung seiner Bezüge eingestellt wurden. 1946 wurde gegen Bleeker ein Entnazifizierungsverfahren eingeleitet. Der ursprüngliche Klageantrag lautete auf Einreihung in die Gruppe II der Belasteten, jedoch milderte das Gericht die Strafe: Bleeker wurde in die Gruppe III der Minderbelasteten eingereiht. Zu Ungunsten Bleekers wertete man seine Mitgliedschaft in der NSDAP von 1932 bis 1945, ferner seine Mitgliedschaften im Reichslehrerbund, in der Reichskammer der bildenden Künste, im Reichskolonialbund, in der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt, in der Reichskulturkammer, im NS-Dozentenbund und seine Betätigung als Dozentenbundführer an der Akademie der bildenden Künste München. Bleeker galt als Aktivist nach dem Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus“ nach Artikel 7. I. 3. und 7. II. 1. Zu seinen Gunsten wertete man seine „nachweisbare Unterstützung und Förderung rassisch und politisch Verfolgter“ nach Artikel 39. II. 4.[17] Nach Einspruch wurde Bleeker im Oktober 1948 in die Gruppe IV der Mitläufer eingereiht. Das Entnazifizierungsverfahren hatte für Bleeker nur geringfügige Nachteile, da er bereits nach kurzer Zeit wieder gesellschaftlichen Status erlangte.

Nach Konstituierung der DDR 1949 wurde dem Künstler angeboten, überzusiedeln und als Restaurator zu arbeiten. Er blieb jedoch bis zu seinem Tod 1968 in München.

Bleeker beteiligte sich noch an mehreren Ausstellungen – so nahm er auch an der Ehrenausstellung der Münchner Neuen Secession anlässlich der 800-Jahre-Feier der Stadt München im Kunstverein München teil – und wurde 1951 zum ordentlichen Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste sowie der Akademie der schönen Künste Wien ernannt. Des Weiteren wurde er als freischaffender Künstler Mitglied im „Berufsverband Bildender Künstler Münchens e. V.“* und führte noch bis Anfang der 1960er verschiedene Aufträge durch.

Ehrungen

1917: Königliche Ludwigs-Medaille in Gold, Abteilung A für Wissenschaft und Kunst, verliehen durch König Ludwig III.

1922: Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste[21]

1923: Ehrenbürger der Ludwig-Maximilians-Universität München[22]

1925: Erinnerungsmedaille Kronprinz Rupprechts, Silber mit Band

1928: Bayerischer Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst (Abteilung Kunst)

1942: Ordenszeichen in Silber, welches der Künstler vom Staatsministerium für Unterricht und Kultus[23]

*1956: Förderpreis für Bildende Kunst der Landeshauptstadt München für Plastik

*1961: Goldene Ehrenmünze der Stadt München[24]

https://de.wikipedia.org/wiki/Bernhard_Bleeker

1930

Mitglied in der Preußischen Akademie der Künste.
Für das Grab Franz von Stucks fertigt Bleeker eine Grabmalplastik an.

1931

Vor der Technischen Hochschule München wird seine Bronzeplastik „Der Rossebändiger“ aufgestellt.
Für den Reichstag schafft er ein Porträt von Friedrich Ebert.
Es entstehen Porträtbüsten von Max Liebermann, Paul von Hindenburg und Max Slevogt.

1935

Er schafft eine zweite Version des „Toten Kriegers“ für die Hindenburg-Gruft im Tannenberg-Denkmal.

1937

Bleekers Neoklassizismus trifft sich mit den Kunstvorstellungen des NS-Regimes. Er erhält den Auftrag für eine Porträtbüste von Adolf Hitler. Er überarbeitet seine 1935 im Auftrag der Reichsärztekammer erstellte Hitler-Büste mehrfach. Bis 1944 entstehen so 25 Exemplare für die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP).
Werke von ihm sind auf der Großen Deutschen Kunstausstellung vertreten.

1944

Denkmal „August Neidhardt von Gneisenau“ für die Stadt Posen (heute: Poznan, Polen).

1944/45

Bleekers Atelier und Wohnung werden im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört. Er übersiedelt nach Teisendorf (Oberbayern).

1945

Durch seine Arbeit für die NSDAP hat Bleeker den Ruf eines „Nazibildhauers“. Er wird seines Lehramts an der Akademie enthoben.

1947

Rückkehr nach München. Er erhält Aufträge für Brunnengestaltungen und Porträts.

1951

Er wird als Mitglied der Akademie der Schönen Künste in Wien aufgenommen und Ehrenmitglied der Münchner Akademie.
Bleeker gilt als einer der Hauptvertreter der Münchner Bildhauerschule, als bedeutender Bildnisplastiker sowie Vertreter der neoklassizistischen Monumentalskulptur.

1956

Kulturpreisträger der Stadt München.

1961

Bleeker erhält die Ehrenmünze der Stadt München.

1968

11. März: Bernhard Bleeker stirbt in München.

Kai-Britt Albrecht, Lutz Walther

Dezember 2000

https://www.dhm.de/lemo/biografie/biografie-bernhard-bleeker.html

(wird fortgesetzt)

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