Ret Marut, aus seiner Verirrung 1919 heraus, über die Coallaboration der,- angeblich -, unsterblichen Politmaden

von H.-P. Schröder

„Ret Marut (B. Traven) – Im freiesten Staate der Welt“

Er ist nicht nur der freieste Staat der Welt, sondern er hat auch das freieste Wahlrecht der Welt. Ein Wahlrecht, das demjenigen Manne, der eine oder zwanzig große Zeitungen besitzt oder der sich nur die Mühe macht, einige Millionen geschickt abgefaßter Flugblätter drucken und verbreiten zu lassen, die Möglichkeit bietet, soviel Einfluß auf die Wahl zu gewinnen als er nur immer mag. Ein Wahlrecht, das den Beichtstuhl und die Kanzel, das Ehebett und das Sterbelager zu politischen Propaganda-Zwecken gebrauchen läßt, ist in der Tat das freieste Wahlrecht der Erde. Es wurde nachgewiesen, daß die Wähler für die Sozialdemokratische Partei sich ungefähr aus einem Drittel Frauen und aus zwei Dritteln Männer zusammensetzen: die Wähler für die offiziellen Christus-Schänder dagegen aus zwei Dritteln Frauen und aus einem Drittel Männer. Und ein solches Wahlrecht gilt als Ausdruck des Volkswillens.

Der freieste Staat der Welt in der Tat: Wucherer und Schieber, Raubmörder und Mörder von Revolutionären leben in Wonne und Wollust, Arbeiter und Revolutionäre dagegen werden hingeschlachtet, in Gefängnissen und Zuchthäusern gemartert. Daß es einmal so kommen würde, wenn die Sozialdemokraten die Macht hätten, habe ich sozialdemokratischen Arbeitern bereits im Jahre 1905 gesagt. Daß die Sozialdemokraten, einmal zur Macht gelangt, hundertfach brutaler sein würden als die Väter des Sozialistengesetzes habe ich im Jahre 1907 sozialdemokratischen Wählern gesagt. Ich habe es ihnen gesagt nicht aus politischer Erkenntnis heraus, (die hatte ich damals nicht und die habe ich heute nicht, weshalb ich mir mein Gefühl für den Menschen bewahren konnte), sondern ich habe es ihnen gesagt aus dem Gefühl heraus, daß die Sozialdemokratie ein Papsttum züchtete schlimmer als das der katholischen Kirche.

Und so ist es denn heute auch gekommen: Die Sozialdemokratie, die von sich behauptet, daß sie auf dem Boden der materialistischen Geschichtsauffassung stünde, ist völlig erblindet gegenüber dem gesetzmäßigen und folgerichtigen Gang der Entwicklungs-Geschichte. Die Sozialdemokratie glaubte, sie allein sei Die revolutionäre Partei: sie glaubte, nur sie vertrete die Interessen der Arbeiter; sie glaubte, sie sei das Höchste und das Ende aller politischen Entwicklung. Und doch erstand für Jeden, der sehen wollte, schon viele Jahre vor dem Kriege die Nachfolgerin der Sozialdemokratie; Die Kommunistische Partei. Heute schon ist darum auch die Sozialdemokratische Partei die Konservative Partei des Landes geworden, weil sie mit Staunen und Schrecken erkennt, daß sie von den Plänen links immer weiter auf die Plätze nach rechts gedrängt wird. Und wir müssen die Augen wohl auf halten, denn auch die Kommunistische Partei hat zur linken Seite schon ihre äußerst kräftige Nachfolgerin und es kann geschehen, daß die Kommunistische Partei, einmal zur Macht gelangt, die Anhänger ihrer nachfolgenden Partei vielleicht ebenso verfolgt, wie die Kommunisten heute von den Sozialdemokraten verfolgt werden. Ich stehe — um einen politischen Begriff beizubehalten — soweit links, daß mein Atem selbst jene Nachfolgerin noch nicht einmal berührt.

Nur Jemand, der vergißt, daß die Menschheit sich unausgesetzt weiter entwickelt und es in der Geschichte der Menschheit ebenso wenig einen Augenblick des Stillstandes gibt wie in der Natur, könnte darüber lächeln.

Aber bis zu welchem Zustand der Verkommenheit ist diese Partei herab gesunken, die Revolutionäre und Arbeiter, die nichts anderes verlangen als die Erfüllung dessen, was ihnen von den heutigen Regenten in der Zeit, als sie noch nicht regierten, tausendmal versprochen wurde, jagt wie die Tiere des Waldes, ja schlimmer, denn den Tieren des Waldes gibt man Schonzeit und verlangt ihnen gegenüber waidgerechtes Jagen. Wie verwahrlost ist diese Partei, die auf flüchtige Revolutionäre Kopfpreise von 10.000 und 30.000 Mark setzt. Nicht um das Volk vor ihnen zu schüren, sondern um sich an ihnen zu rächen und sie zu ermorden. Was darf man von dieser Partei wohl noch alles erwarten, deren Mitglieder Morde, gesetzliche Morde (sie nennen es: Todes-Urteile) an Revolutionären vollziehen lassen? In jenem Lande, wo seit 1848 und trotz Sozialisten-Gesetz kein Todes-Urteil an Revolutionären vollzogen worden ist? Was müssen ehrliche Arbeiter von dieser Partei halten, deren Führer allein in Baiern fünftausend Revolutionäre in die Gefängnisse stecken und Freiheits-Strafen in Höhe von fünfzehn und acht Jahren Zuchthaus vollstrecken lassen, zu der Partei, deren Gründer und Führer in der Schweiz und in England Asyl fanden und deren Führer heute in der brutalsten und verletzendsten Form die Auslieferung flüchtiger Revolutionäre, die im Auslande Schutz suchten und fanden, verlangen, um Rache, gemeine Rache an ihnen zu üben. Die Partei, die trotz der ungeheuerlichen Not des Volkes ungezählte Zehn-Millionen übrig hat, um eine grausame Rache an Revolutionären ausüben zu können, hat ihre Zersetzung und Auflösung damit angesagt. Und zu den vielen alten Lügen dieser Partei-Pfaffen kommen tausend neue Lügen: „Wir sind nicht die Regierung, die Regierung ist eine Koalition“. Gut, aber wenn die Partei-Pfaffen infolge dieser brutalen Rache, die unter ihrer stillschweigenden Zustimmung an den Revolutionären vollzogen wird, aus der Koalition, die an sich schon eine Schmach des sozialistischen Gedankens ist, austreten würden, dann wären die unerhörten Verbrechen an den Revolutionären nicht mehr möglich. Und Sozialdemokraten, die in ihrem Programm Abschaffung der Todesstrafe fordern, stimmen für die Vollstreckung der Todesstrafen. Aber wieder lügen sie. sie hätten nicht dafür gestimmt. Hätten sie dagegen gestimmt, so konnte der Mord an Revolutionären nicht …..      …..“

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