vom Deutschtum im Ausland

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Die südlichsten deutschen Schulen der Erde. I.

von Dr. Siegfried Benignus

Die südlichsten deutschen Schulen der Erde sind im Südteil des mittleren Chile, den Provinzen Llanquihue und Valdivia, sowie in dem grösstenteils zu Argentinien gehörigen Ostpatagonien anzutreffen. Konnten schon zwei der ersteren, diejenigen in den Städten Osorno und Valdivia, ihr fünfzigjähriges Bestehen feiern, so reicht die Gründung der letzteren erst ganz kurze Zeit zurück.

Aber auch in diesen beiden Landgebieten hat sich, wie allüberall, der alte Satz bewahrheitet, dass die Deutschen dem Deutschtum nur erhalten werden können, wenigstens doch noch in den ersten Generationen, wenn sie festgeschlossene Gemeinden bilden und eigene Schulen halten. Im Gegensatz zum Sohne Grossbritanniens fehlt leider selbst heutigen Tages noch des öftern dem einzelnen Deutschen im Ausland das stolze Selbstbewusstsein und der felsenfeste Rückhalt am Mutterland, um nicht gar bald ein Glied fremden Volksstammes zu werden.

Das 6000 Einwohner zählende Landstädtchen Osorno, im Departement der Provinz Llanquihue, darf sich rühmen, durch die am 22. Januar 1854 gegründete Escuela Alemana die älteste deutsche Schule in Chile, die Zweitälteste Südamerikas überhaupt zu besitzen. Nur die Germaniaschule in Buenos Aires ist wenige Jahre früher eröffnet worden

Die Väter deutscher Kolonisation in Chile, der Ingenieur und Oberstleutnant Bernard Philippi, der preussische Konsul Flindt, und der Kassierer Kindermann der Importfirma Huth & Co., hatten 1846 auf ihre grossen Ländereien etwas südlich des Valdiviaflusses, besonders auf das 30 Kilometer von Osorno entfernte Gut Bella Vista, zehn Familien und eine Anzahl junger Männer, meist aus Kurhessen, kommen lassen. Die trüben Zeiten politischer, wirtschaftlicher und sozialer Not der achtundvierziger Jahre in Deutschland, sowie die Propaganda der „Gesellschaft für nationale Auswanderung“ in Stuttgart und Berlin brachten seit 1849 einen grösseren Zuzug deutscher Auswanderer auch nach Osorno, einem alten, aber bedeutungslosen und verwahrlosten Flecken, und seiner Umgebung, Kleinbauern und Handwerker, doch auch wohlhabende und gebildete Männer. Da von einem eigentlichen Schulunterricht nicht die Rede sein konnte, so zwang schon das Gebot der Selbsterhaltung die deutschen Familien bald nach ihrer Ankunft zur Gründung einer deutschen Schule.

Dass diese sich aus kleinsten Anfängen zu entwickeln hatte, beweisen schon die geringen Einnahmen des ersten halben Jahres, 125 Pesos (ein Peso schwankend im Wert von 0,90 bis 1,40 Mark) und das Monatsgehalt des Lehrers, 15 Pesos. Noch 1864 musste sich der einzige Lehrer für den Unterricht von 85 Kindern mit 25 Pesos begnügen. Heute erhält der erste Lehrer oder Direktor, der auf die Dauer von sechs Jahren sich verpflichten muss, ein Höchstgehalt von 3180 Pesos, in der deutschen Schule zu Valdivia 4500 Pesos. Die allmähliche Vergrösserung der Schule, die bedeutenden Mehrausgaben der Lebensführung und der zunehmende Wohlstand der deutschen Ansiedler bedingten auch die Erhöhung der Gehälter. Die chilenische Regierung hat sich im ganzen durchaus nicht unfreundlich erwiesen. Bis heute gewährt sie einen Beitrag, der 1855 schon 144 Pesos betrug. 1873 erhielt die Schulgemeinde die Korporationsrechte und die Schule den Namen „Instituto Aleman de Osorno“.

In den Jahren 1905 und 1906 habe ich noch manche der Gründer und Förderer aus den ersten Jahren der Osornoer Schule angetroffen, oder doch deren Söhne: Aubel, Geisse, Günther, Buschmann, Schilling, Schenke, Wiederhold, Dr. med. Schürmann, Schott, Kraushaar, Matthei, Schmidt. Die Träger dieser Namen sind heute meist wohlhabend, manche reich zu nennen als Grundbesitzer, Kaufleute, Industrielle. Hochverdient um den Osornoer Schuldienst machten sich Pfarrer Renz, die Lehrer Herbeck, Erhardt, Heinrich.

Das Instituto Aleman de Osorno entspricht ungefähr einer besseren Volksschule in Deutschland und wird zurzeit von 280 Kindern, allermeist deutscher oder deutsch-chilenischer Abkunft besucht, die einschliesslich des Direktors von fünf in Deutschland seminaristisch gebildeten Lehrern, einer Lehrerin besonders für den weiblichen Handarbeitsunterricht und zwei chilenischen Lehrern unterrichtet werden. Ausserdem erteilt noch eine höher geprüfte deutsche Lehrerin Französisch und Englisch.

Wenn heute vor allem durch die deutschen Ansiedler das alte Osorno wieder zur blühenden, recht wohlhabenden Landstadt geworden ist und sich zum Zentrum einer Land- und Viehwirtschaft entwickelt hat, so verdanken die Deutschen ihre Erfolge in erster Linie der Tatsache, dass sie nicht im chilenischen Volkstum aufgegangen sind, sondern in schwerer Zeit die deutsche Schule gründeten und diese als die Pflegstätte deutscher Art und Weise durch fünf Jahrzehnte förderten. Zurzeit kann man in und um Osorno 1200 Deutschsprechende rechnen.

Die grösste deutsche Schule Chiles besteht in dem 140 Kilometer von Osorno entfernten, 18000 Einwohner — darunter 4500 Deutschsprechende — zählenden Valdivia, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, nahe der Mündung des Valdiviaflusses und neun Seemeilen vom Hafen Corral. Valdivia kann auf eine noch wechselvollere Geschichte als seine Nachbarstadt zurückblicken. Jedoch fanden die deutschen Ansiedler, deren erste Einwanderung bis 1859 andanerte, nur ein Dorf erbärmlicher Holzhütten und Strohdächer vor.

Dank hauptsächlich deutscher Arbeit und Intelligenz ist an Stelle des Schmutzhaufens eine hübsche Stadt — abgesehen von den noch von Schmutz starrenden Strassen — entstanden und zu einem wichtigen Mittelpunkt des Handels und der Industrie Chiles geworden.

Der intellektuelle Leiter der deutschen Ansiedelung Valdivias, Apotheker Carl Anwandter aus Luckenwalde bei Berlin, ist der Begründer der deutschen Schule. Mit reichen Kenntnissen und grossem pädagogischen Geschick ausgestattet, war er seit der Eröffnung am 1. Oktober 1858 bis 1876 unermüdlich als Direktor und Lehrer an seiner Lieblingsschöpfung, wohl der segensreichsten deutscher Art in Chile, ohne Entgelt tätig.

Dass Anwandter einem würdigen Pädagogen das bürdereiche Amt des Schuldirektors übertragen hat, davon konnte ich mich Mai 1905 überzeugen, als ich seinem Nachfolger Hermann Balde aus Wollstein in Posen, früherem Lehrer der evangelischen Schule in Triest, einen Besuch abstattete und die deutsche Schule besichtigte. Später bin ich noch manchesmal in nähere Berührung mit diesem tüchtigen Mann gekommen, der trotz grösster Widerwärtigkeiten und Anfeindungen immer ein Aufrechter geblieben ist, und der seine Schule mustergültig ausgebaut hat.

Im letzten Schuljahr wurden in acht Knaben- und sieben Mädchenklassen und einer Fortbildungsabteilung 422 Schüler unterrichtet mit Einschluss des Direktors von fünfzehn Lehrern und sechs Lehrerinnen mit deutscher oder chilenischer seminaristischer Vorbildung. Die Schule selbst dürfte den deutschen Mittelschulen gleichzustellen sein. Sie besitzt noch den Vorzug, unmittelbar für die staatlichen Lyceen vorbereiten zu dürfen.

Bis zum Jahre 1887 hatte die deutsche Kolonie Valdivias keinen Pfarrer, während schon frühzeitig in Osorno eine deutsch-evangelische Gemeinde sich bildete. Anwandter, der als preussischer Landtagsabgeordneter der freireligiösen Richtung angehörte, bestimmte in den Statuten der Valdivianer Schule ausdrücklich, dass keine Religion gelehrt würde, um freies Denken nicht etwa durch Orthodoxie zu hemmen. So steht auch heute noch unter den Unterrichtsfächern statt Religion der Ausdruck „Sittenlehre.“

Spät erst, 1870, ist es zur Gründung einer deutschen Schule in dem südwärts gelegenen Meereshafen Puerto Montt, der Hauptstadt der Provinz Llanquihue, gekommen. Schon 1852 hatten sich dort deutsche Ansiedler niedergelassen. Von dem chilenischen Ansiedelungskommissar Perez de Rosales, der den deutschen Ankömmlingen hilfreich zur Seite stand, ist dem chilenischen Lagerplatz, „Astillero de Meli pulli“ (Holzschlag der vier Hügel), zu Ehren des damaligen, den Deutschen recht freundlich gesinnten Präsidenten Manuel Montt, der Name Puerto Montt gegeben worden.

Obwohl der Hafen ganzen Flotten sicheren Ankergrund gewähren kann, ist doch die Entwicklung Puerto Montts langsam vor sich gegangen. Das mit Urwald und Seen bedeckte Hinterland konnte für nutzbringenden Handel aus Mangel an Arbeitskräften nicht erschlossen werden. Aber die Hauptgründe längeren Stillstandes, ja zeitweiligen Rückganges, sind wohl leider in den konfessionellen Gegensätzen der Deutschen selbst zu suchen.

So war es ein schweres Beginnen für den evangelischen Pfarrer Renz, der wie erwähnt, sich auch um die Osornoer Schule grosse Verdienste erworben hat, als er 1870 in einem gemieteten Lokale die deutsche Schule eröffnete und ein Jahr unentgeltlich unterrichtete. Als einer der treuesten und uneigennützigsten Förderer der deutschen Schule hat sich der hochgebildete Arzt Dr. Carl Marlin aus Jena bis zu seinem Tode 1907 erwiesen.

Als ich September 1906 das wunderschön am Hügelgelände aufgebaute, schmucke Puerto Montt (die reinlichste Stadt Chiles, die ich gesehen habe) aufsuchte, erklärte mir Dr. Martin hoffnungsfreudig, dass eine neue Blüte der Stadt beginnen müsse. Durch den endlichen Ausbau des Schienenstranges von Osorno nach Puerto Montt würde die Verbindung mit der Hauptstadt hergestellt. Kapitalkräftige Gesellschaften seien im Begriffe, das Hinterland zu erschliessen. Auch die Einrichtung regelmässig den Hafen anlaufender Dampfer aus Europa scheine gesichert. Ein grosses Feld der Betätigung für die deutschen Ansiedler könnte eröffnet werden. Zuzug von der alten Heimat sei zu erwarten. So müsste auch die deutsche Schule gewinnen. — Puerto Montt entwickelt sich wirklich in letzter Zeit, so dass man an das Wort des Optimisten Perez de Rosales vom Jahre 1863 erinnert wird: „In kurzem wird diese Niederlassung die Perle des Südens der Republik bilden.“

Gegenwärtig werden in der deutschen Schule 100 Kinder vom Direktor, dem tüchtigen Pfarrer Holler und vier Lehrern, sowie einer Lehrerin unterrichtet. Obwohl die Deutschen der Stadt nur ein Sechstel der Gesamtbevölkerung (5000 Einwohner) ausmachen, so ist deutscher Einfluss doch unschwer zu erkennen, da auch hier die bedeutendsten Geschäfte und die besten Grundstücke in der Umgebung in deutschen Händen sind.

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6 Gedanken zu „vom Deutschtum im Ausland

  1. Zur Erinnerung!

    Wenn wir wissen das wir nichts wissen wissen wir mehr als die meisten nicht wissen.

    Jene 12 Jahre, von 1933 – 1945 war das deutsche Volk bis zum 08. Mai 1949 wenigstens kurzfristig befreit! Damals, vor 1933 sowie heute ist das deutsche Volk an Ausplünderung, Betrug, Lügen, Kriminalität und schwerer politischer Verbrechen ausgesetzt! In etwa 70 % aller Deutschen schlummert, bzw. hat sich die jüdische Gier und ein bösartiger Partei-Mals Inszenierung den Einzug gehalten.

    „Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche. Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden, die Deutschen glauben sie. Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgen sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung, als ihre wirklichen Feinde.“ Napoleon
    Die DDR – Plünderung im Namen der Einigung // Doku
    Beutezug Ost – Die Treuhand und die Abwicklung der DDR
    Film von Herbert Klar und Ulrich Stoll

    Über zwei Jahrzehnte nach der deutschen Wiedervereinigung geht die ZDF-Dokumentation „Beutezug Ost“ der Frage nach: Wie konnte aus dem Wert der DDR-Betriebe, den der erste Treuhandpräsident Detlev Rohwedder auf 600 Milliarden D-Mark schätzte, ein Milliardendefizit werden? Die Treuhandanstalt, zuständig für die Privatisierung der DDR-Betriebe, hinterließ einen Schuldenberg von 250 Milliarden D-Mark (zirka 125 Milliarden Euro).

    „Das gesamte Industriekapital der DDR wurde mit einem Schlag vernichtet. Im Grunde genommen ist es eigentlich das größte Betrugskapitel in der Wirtschaftsgeschichte Deutschlands“. Der grüne Europaabgeordnete Werner Schulz findet deutliche Worte für die Arbeit der Treuhand.

    Als am 1. Juli 1990 die DDR-Mark im Verhältnis 1:1 und 1:2 in D-Mark umgetauscht wurde, vervielfachten sich die Lohn- und Herstellungskosten für die DDR-Betriebe. Mit der Währungsunion brach der Absatz selbst lukrativer Betriebe schlagartig ein. Edgar Most, der ehemalige Vizepräsident der DDR-Staatsbank, sieht in der D-Mark-Umstellung die Hauptursache für den Untergang der DDR-Industrie. Most und Bundesbankpräsident Pöhl warnten Kanzler Kohl vergeblich vor den Folgen der Währungsunion. Most weist die Behauptung zurück, die DDR-Wirtschaft sei ohnehin am Ende gewesen: „Erst mit der D-Mark-Einführung mit diesem falschen Umrechnungskurs waren wir endgültig pleite“, so der ehemalige Staatsbankier.

    „Alternativlos“ nennen die Treuhand-Verantwortlichen wie Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel das Vorgehen der Treuhandanstalt noch heute. Die Schwachstellen bei der Abwicklung der DDR-Wirtschaft zeigen Beispiele wie das Kühlschrankwerk DKK Scharfenstein. Obwohl DKK wettbewerbsfähige Produkte wie den ersten FCKW-freien Kühlschrank herstellte, gelang es der westdeutschen Konkurrenz, DKK zu zerschlagen.

    Als Birgit Breuel, Präsidentin der Treuhandanstalt, am 31. Dezember 1994 das Schild von der Fassade des Treuhandgebäudes in der Berliner Wilhelmstraße abschraubte, waren 8000 Staatsbetriebe an private Investoren oft unter Wert verkauft oder geschlossen. 2,5 Millionen DDR-Bürger hatten ihren Arbeitsplatz verloren.

  2. In etwa 70 % aller Deutschen schlummert, bzw. hat sich die jüdische Gier und ein bösartiger Partei-Mals Inszenierung den Einzug gehalten.

    …untermauer Deine Aussauge doch mal bitte. Ansonsten bleibt das für mich Sülze.

        1. Wer reitet 01:51 Uhr so spät durch Nacht und Wind, ist es der Willi Reichling in dritter Schicht mit meinem Spind?
          Wie ist das mit dem Respekt…? War da nicht etwas mit aufhetzen der schon länger dort lebenden gegen die Neubürger Deutsch, durch die Engländer? Da habe ich keinen Respekt, vor Zweibeinern die daneben stehen und beobachten wie sich zwei Parteien bekriegen um anschließend Kriegsbeute zu machen.

  3. Oh, war es doch schon so spät. Da habe ich wohl gegen das neue Kommentarausgangsspeergesetz verstoßen. Kommentieren von Artikeln im Internet von 8 – 20 Uhr, nur unter staatlicher Aufsicht.

    Gute Reise.

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