vom Kinde

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Gibt es eine tiefere Freude als die am Kinde? — Kennst du eine? — Ich nicht! — Es ist eine Freude dem Auge. Es ist eine Freude dem Ohre. Es ist eine Freude deinen liebkosenden Händen. Es ist eine Wohltat deinem Herzen. Ja, es rührt dich in deinem ganzen Wesen so an, daß du gar kein Wort dafür hast. Freilich gibt es auch keine tiefere Sorge. Der Sorgen sind mancherlei.

Ein Kind, das dir geboren wird, das sich entfaltet, hinwächst, wohin sein Innen will, bist du selbst, und es geht doch seinen Weg. Du fühlst dich für es verantwortlich und kannst doch nichts dazu tun, zu seinem Guten nicht und nicht zu seinem Schlimmen. Du setzt dich in ihm fort, und es tut doch nach seinem Willen. Welche Sorge sollte da größer sein?

Und sie hört nie auf. Du sorgst, bis es lebt. Du sorgst, ob es lebt. Du sorgst um seine Art, ob es eine gute sei. Du sorgst um seine Gesundheit. Du sorgst um seine Fehltritte. Du sorgst um seine Leistung. Du sorgst um seine Wahl. Du sorgst um sein Leben mehr als um dein eigenes. Du sorgst noch um seine Sorge. So tief, so endlos, so alles umfassend ist deine Sorge um dein Kind.

Aber so tief wirst du auch selber durch dein Kind. Deine Erfüllung mit Sorge um dein Kind ist dein heimlicher Wert, dein namenloser Lebenswert. Dein Wert ist dein wortloses Glück. Dein Glück ist deine wortlose Freude. Und wenn dann deine Sorge gar ihre Auflösung findet, dadurch, daß sie nicht vonnöten war, wenn sie ihre Stillung erfährt, dadurch, daß das wünschend und bangend Ersorgte in Erfüllung ging: wenn es lebt, tausend Wachstumsknospen an ihm aufspringen wie am Frühlingsbaum, seine gute Art auf geht wie aus dem Morgendunst der gute Tag, deine wortlose Freude ihre Krönung findet in der geradezu körperlich gefühlten Freude, deine Freude ihren Aufstieg antritt in das helle Licht des Bewußtseins vom Werte deines Kindes, ihren Eingang hält in das schimmernde Reich des Stolzes — welche Freude sollte da tiefer sein?

Du hörst auch andere Dinge über das Kind. Du hörst, es sei eine Last. Du hörst, es sei eine Verantwortungslosigkeit. Du hörst auch Gesünderes und Aufrechteres, hörst, es sei eine Gesinnungsfrage, hörst — und es ist selbstverständlich das Unwiderleglichste von dem, was du hörst — es sei eine völkische Pflicht, es sei eine Tat der Verantwortung, es sei eine Bekundung des Vertrauens.

Ich aber sage dir, daß es allein weise ist, daß du dein Kind hast aus keinem anderen Grunde als aus Liebe, und daß du dein Kind aus keinem andern Grunde liebst als aus Freude.

Siehe auch:
Voraussetzung zum Kind
Ebenbürtigkeit in der germanischen Ehe
Beethoven in Japan
Rebellion oder Aufbruch
Die Reichskleinodien
Ein indogermanisches Dokument
Alle Dinge sind in Ordnung gesetzt
Die ewigen Dinge sind da wo wir ihnen dienen
Lebensbaum und Weltbaum
Des Königs Richterspruch
Das Familienbild
Werden und Vergehen der Welt im arischen Mythus
Wie Loki und Heimdall um Freyjas Halsband kämpften
Ein Soldat erlebt einen Baum

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