Gedichte zur Seeschlacht vor dem Skagerrak

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Aus „Gedichte zur Seeschlacht vor dem Skagerrak“, zusammengestellt vom Kommando der Hochseeflotte:

Derfflinger“ am Skagerrak.

Zu Gusow in heiliger Kirchengruft
Schläft Brandenburgs tapferster Degen;
Zuweilen, wenn nächtig die Glocke ruft,
Tut leise der Alte sich regen;
Man sieht einen Schimmel ihn dann sich zieh’n
Still aus seines Schlosses Stalle,
Der sprengt hinüber nach Fehrbellin
Ins Feld mit dem Feldmarschalle.*)

Doch diesmal ging weiter sein Geisterritt,
Es flogen des Rosses Hufen,
Vorbei an Stettin, um das er einst stritt,
An Rügens kreidigen Stufen,
Vorbei an dem Sund, vorbei an dem Belt,
Bis das Skagerrak er erreichte,
Wo feuriger Donner das Meer erhellt,
Wo Hornsriff das Land umdeichte.

Dort lag sein stolzkühnes Patenschiff
Mit Briten im wildesten Kampfe;
Ein Regen von Stahl es wütend umpfiff
Mit Schwaden von Pulverdampfe,

*) Nach einer alten, heut noch fortlebenden Dorfsage in Gusow.

Haushoch sprangen Säulen aus Wogengrund,
Es zitterten Luft rings und Himmel,
Doch furchtlos brach ein der „Eiserne Hund“*)
In der Seeschlacht grauses Gewimmel.

Er packte mit seinem Eisenzahn,
Was ihm kreuzte die jagdfrohe Fährte;
Breitseits die Geschütze machten ihm Bahn,
Wenn Beattys Geschwader ihm wehrte:
So pirschte er sich an die Kön’gin heran,
„Queen Mary“, die starke, die feine,
Der Feinde Schauschiff, das prahlend gewann
Für sich den Sieg schon alleine.

Er deckte sie mit den Granaten zu,
Durch Panzer und Schotten es dröhnte,
Ihr Riesenleib, erschreckt aus der Ruh,
Im Tode nun zuckte und stöhnte;
Hochauf schoß rötlicher Wolkenglanz,
Mittschiffs sich senkten die Masten,
Versank in der Flut und Glut des Brands
„Queen Mary“ mit Mannen und Lasten.

Doch „Derfflinger“ weiter nur drauf und dran,
Mit äußerster Kraft gefahren;
Es schürten das Feuer zur Weißglut an
Schweißtriefend der Heizer Scharen;
Auf seiner Brücke der Kommandant,
Der vom Sieg und Hurra umrauschte,
Als Führer des Kreuzergeschwaders stand,
Wie Hipper sein Flaggschiff tauschte.

*) „Eiserner Hund“ benannten die Engländer den „Derfflinger“.

Wohl spürte auch er manche Wunde in sich,
An Löchern und Ehrennarben,
Von seinen Helden doch keiner wich,
Viel lieber sie klaglos starben;
Sie taten oben und unten die Pflicht,
Am Rohr, an Maschinen, am Steuer
Und wie bei der Übung so ruhig und schlicht
Bedienten das Schiff sie und Feuer.

Da lachte dem Alten das Herze gar froh,
Wie er sah sein Schiff an der Spitze;
Er dachte des Tages von Rathenow,
Des Reiterstückleins voll Hitze,
Sein Name strahlte von Flankenwand,
Sein Ruhm stand in herrlicher Pflege,
Da rief er, als er im Nebel schwand:
„Hie Zollern guet allewege!“

Conrad Müller.

Text und Bild aus dem Buch: Die zwei weissen Völker! (The two white Nations!) Verfasser: Hase, Georg Oskar Immanuel von.

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Siehe auch:

Die zwei weissen Völker! (The two white Nations!)
Die Kieler Woche 1914
Erste Begegnungen mit englischen Seestreitkräften.
Die artilleristischen Grundlagen des Kampfes auf hoher See.
Der historische Wert persönlicher Darstellungen von Seegefechten.
An Bord des „Derfflinger“ während des Vormarsches nach dem Skagerrak.
Der erste Gefechtsabsehnitt der Skagerrak-Schlacht (5 Uhr 48 Minuten bis 6 Uhr 55 Minuten).
Der zweite Gefechtsabschnitt der Skagerrak-Schlacht (6 Uhr 55 Minuten bis 7 Uhr 5 Minuten).
Der dritte Gefechtsabschnitt der Skagerrak-Schlacht (7 Uhr 50 Minuten bis 9 Uhr 5 Minuten).
Der vierte Gefechtsabschnitt der Skagerrak-Schlacht. (9 Uhr 5 Minuten bis 9 Uhr 37 Minuten.)
Der fünfte Gefechtsabschnitt der Skagerrak-Schlacht (von 9 Uhr 37 Minuten bis 10 Uhr 35 Minuten) und die Nacht zum 1. Juni.
Betrachtungen über die Skagerrak-Schlacht.
Auszug aus den im Herbst 1918 im „London Magazine“ veröffentlichten Aufsätzen des englischen Marineministers Churchill.

2 Gedanken zu „Gedichte zur Seeschlacht vor dem Skagerrak

    1. hi,
      ich habe alle Teile gelesen und möchte nochmals Danke sagen!
      tolle Lektüre – schade, daß Kameras verboten waren, schade schade

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