Wie baue ich mein Haus? – Der Bauplatz

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Der erste Schritt zur Verwirklichung des Hausbauplanes ist die Wahl des Bauplatzes. Er ist zugleich der wichtigste Schritt, da mit dem Bauplatz eine Festlegung nicht nur auf eine bestimmte Gegend, sondern auch auf eine bestimmte Lage des Hauses im Gelände erfolgt, die wiederum für die Art des Hauses und des Gartens von ausschlaggebender Bedeutung ist. Was Wunder also, wenn die Wahl des Bauplatzes dem zukünftigen Bauherrn die ersten und ernstesten Kopfzerbrechen macht!

Welche Gesichtspunkte dienen als Anhalt für die Wahl eines guten Bauplatzes? Der Bauherr läßt sich meistens leiten durch Ankündigungen von Grundstücksgesellschaften, Erfahrungen bei gelegentlichen Ausflügen, Empfehlungen durch Freunde. Die Ankündigungen wirken vielleicht am eindringlichsten auf ihn ein, obgleich der Baulustige sich bewußt sein sollte, daß hier geschäftliches Werbebedürfnis waltet und zu anziehender Darstellung veranlaßt. Aber wie es nun der Fall zu sein pflegt: der Bauherr hat wenig Zeit und begrüßt überdies die Art, in der ihm hier das ganze Geschäft von der Grundstücksgesellschäft abschlußfertig vorbereitet wird. Denn die Gesellschaft macht, ordnet und regelt alles, er braucht nur zu unterschreiben.

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Wer sorgfältiger wählt, wird die Gegend, in der er sich gern ansiedeln möchte, wiederholt durchstreifen. Aber nicht jedes schöne Fleckchen Erde ist dort zu haben, er kann seinem Wünsche immer nur auf solche Grundstücke lenken, die als verkäuflich bezeichnet sind. Findet er ein solches, so wird er alle Umstände eingehend prüfen, den in Aussicht genommenen Platz zu verschiedenen Tageszeiten besichtigen, die Entfernung vom Bahnhof genau ausproben, die Natur des Platzes; die Wetterverhältnisse die Zugänglichkeit des zukünftigen Hauses, die Pflanzenwachstumsfrage beim Garten bedächtig prüfen und sich über alle diese wichtigen Dinge ein Sicheres Urteil zu bilden versuchen. Aber noch einige andere Fragen steigen auf, die beantwortet werden müssen, ehe weiter vorgegangen werden kann. Die erste ist: Ist die behördliche Ansiedlungserlaubnis erteilt, oder doch mit Sicherheit zu erwarten? Die nächsten sind: Ist Wasserleitung, Gas, Elektrizität vorhanden, ist Entwässerung, das heißt Sammelentfernung der Schmutzwässer bereits angelegt? Die Verneinung dieser oder jener Frage erschwert die Ansiedlung, ja macht sie unter Umständen zur Unmöglichkeit.

Nach amtlichen Vorschriften muß das Baugrundstück an einer fahrbaren Straße liegen. In Vororten von Städten darf im allgemeinen so lange nicht gebaut werden, als nicht ein Bebauungsplan vorliegt. Will jemand auf bebauungsplanlosem Gelände bauen, so bedarf er dazu einer besonderen Ansiedlungsgenehmigung durch die Kreisbehörde. Ob diese erteilt wird, hängt natürlich immer von den Umständen ah. Niemand sollte daher einen Bauplatz kaufen, ehe er bestimmt weiß, daß die Ansiedlungsgenehmigung erteilt werden wird. Die Genehmigung läßt sich meist durch Einreichung eines Vorentwurfes an die Behörde herbeiführen. Im übrigen wird jede solche Ansiedlung auf noch nicht erschlossenem Gelände Gegenstand einer besonderen vertraglichen Abmachung mit derjenigen Gemeinde sein, auf deren Gebiet der Bauplatz liegt. Diese wird dem Käufer die Bedingungen auflegen, unter denen er bauen darf; sie bestehen in besonderen Abgaben für später zu bauende Wege, unter Umständen auch der Abtretung eines Streifens Land für diese Wege, Entwässerungsgebühren usw.

Die zweite Fragengruppe, ob Wasser, Gas, Elektrizität vorhanden, ob das Grundstück an eine Entwässerungsanlage angeschlossen sei, ist nicht von so großer Wichtigkeit wie die erste, jedenfalls nicht von grundsätzlicher Bedeutung. Ein Bauplatz kann ohne diese öffentlichen Versorgungen sehr gut zu bebauen sein. Man kann sich alles Nötige selbst anlegen, und zwar, wenn es sich um ein größeres Haus handelt, ohne allzu hohe Kosten. Voraussetzung ist beim Fehlen einer öffentlichen Wasserleitung nur, daß überhaupt Wasser da und damit die Möglichkeit gegeben ist, einen Brunnen zu graben. Das muß durch Bohrversuche festgestellt werden. Bei Bauplätzen in Gegenden, für die noch kein Bebauungsplan aufgestellt ist, fehlt natürlich stets die öffentliche Versorgung mit Wasser, Gas und Elektrizität. Denn wo keine endgültigen Straßen vorhanden sind, sind auch die öffentlichen Versorgungsrohre nicht da, diese werden erst unter den endgültigen Straßenzügen angelegt. Straßenbau und Rohranlagen erfolgen aber in der Regel erst bei einer in Aussicht stehenden dichteren Bebauung.

Alle diese Fragen erledigen sich von selbst, wenn ein Bauplatz von einer Grundstücksgesellschaft erworben wird, die ihre Tätigkeit in der Regel damit beginnt, ein Gelände, das sie in ihren Besitz gebracht hat, aufzuschließen, das heißt Wege anzulegen, Gas, Wasser und Elektrizität heranzuführen und unter Umständen eine Entwässerungsanlage zu schaffen. Eine solche Aufschließung erfordert immer bedeutende Mittel und kann nur von großen Gesellschaften geleistet werden. Die Grundstücke, die dann angeboten werden, sind fertig zur sofortigen Bebauung, der Bauherr hat keinerlei Umstände, keinen Zeitaufwand, keine Sonderkosten zu bestreiten. Freilich sind die Grundstücke auch entsprechend teuer, denn alle der Gesellschaft entstandenen Unkosten werden auf die Einzelgrundstücke verteilt.

Trotz der unbestreitbaren Bequemlichkeiten des Baustellenkaufs von der Grundstücksgesellschaft braucht sich niemand abhalten zu lassen, unaufgeschlossenes Bauland zu kaufen. Die daraus erwachsende Arbeit sieht nach der Beschreibung häufig schwerer aus als sie ist. Wer schon vor dem Erwerb eines Bauplatzes einen im Hausbau erfahrenen Architekten heranzieht (wovon weiterhin noch die Rede sein wird), begibt sich auch in dieser Beziehung in sicheres Geleit und läuft keinerlei Gefahr. Der Vorteil beim Ankauf eines Bauplatzes auf unaufgeschlossenem Gelände liegt meistens in dessen großer Billigkeit. Der bekannte große Sprung im Preis vom Acker zum Bauland ist häufig bei solchen Grundstücken nicht gemacht. Der Bauherr kann sich also ein entsprechend größeres Grundstück zulegen, von dem er, wenn sich die Gegend entwickelt, später einen Teil mit Gewinn verkaufen kann.

Übrigens gibt es auch Fälle, in denen die von Gesellschaften angebotenen Bauplätze noch nicht ohne weiteres bebaubar sind. Es ist daher Vorsicht gerade nach dieser Richtung anzuraten.

In Deutschland seufzen wir unter der Höhe der Baulandpreise, die einmal ein Ergebnis der bisher geübten teuren Aufschließungsart und dann des vielgeschmähten Grundstückhandels ist. Gewöhnlich macht man für sie in erster Linie den Grundstückhandel verantwortlich, meist nicht mit voller Berechtigung. An und für sich betrachtet, ist das Geschäft bei weitem nicht so ertragreich, als der Laie annimmt. Bedeutenden Vermögensgewinn haben nur die bekannten Millionenbauern in der Nähe der Großstädte gemacht, deren ausgedehntes Ackerland plötzlich zu Bauland wurde. Der eigentliche Handel jedoch, der vielfach erst später einsetzt, kann nicht imrnej mit sicheren Erträgen rechnen. Um eine Verzinsung von 5v. H. herbeizuführen, die ja auch sonstige Kapitalanlagen bringen, müßte der Grund und Boden in 14 Jahren auf den doppelten, in 28 Jahren auf den vierfachen Preis steigen. Es gibt aber viele Grundstücksbesitzer, die ihr Bauland 14 Jahre in Händen haben, ohne daß eine Steigerung auf das Doppelte eingetreten ist. Wenn von Grundstückhandel die Rede ist, so führt der Gedankengang sofort auf die Bodenreform, die seit Jahrzehnten darauf hinarbeitet, den Boden dem preistreibenden Händlertum zu entziehen. Ohne auf ihre Lehre einzugehen, sei nur so viel gesagt, daß nach ihr der Boden nicht als Handelsware betrachtet werden darf, weil er etwas uns von der Natur nur einmal Gegebenes darstellt. Abhilfe ließe sich nur schaffen durch eine weitgehende städtische und staatliche Grundstückenteignung des für Bauland verwertbaren Bodens, um diesen dann gegen mäßige Abgaben der Allgemeinheit zuzuführen.

Um gerecht zu sein, darf nicht verschwiegen werden, daß der Baulandhandel gerade für die Besiedlung von Landhausgebieten seine großen Verdienste hat, indem die Grundstücksgesellschaften das nicht unbedeutende Wagnis unternommen haben, große Landflächen der Bebauung zuzuführen. Ohne solche großzügige Arbeit wären die Vororte um unsere Großstädte nicht in so großem Umfange emporgeblüht. Allerdings hätte diese Aufgabe auch ebensogut von Städten oder vom Staat gelöst werden können, wenn diese einen ähnlichen Unternehmungsgeist entfaltet hätten.

Von bedeutenderem Einflüsse auf die Höhe der Bauplatzpreise als der Grundstückhandel ist die Art, wie die Straßen angelegt und ausgebaut werden. Es ist schon früher darauf hingewiesen worden, daß die Gemeinden die Kosten für die sogenannte Aufschließung, das heißt für die Anlegung der Straßen, den Einbau der Zuführungsleitungen für Wasser, Gas, Elektrizität usw. den Grundstückbesitzern auflegen. Sie übernehmen später nur die Unterhaltung der Anlagen. Nun ist man aber in der Ausstattung und in der Breitenbemessung der Straßen meistens viel zu weit gegangen. Einmal sprach hier die großstädtische Gewohnheit mit, nur sehr breite und vorzüglich ausgestattete Straßen anzulegen. Sie führte zu Straßenbreiten von 15, 18, ja 20 m, und die allerbeste Art von Belag für den Fahrdamm und die Bürgersteige schien gerade gut genug. Da die Gemeinde diese Art von Straßen umsonst bekam, lag für sie keine Veranlassung vor, sich in den Vorschriften eine Beschränkung aufzulegen. Allerdings waren die Gemeinden in der Vorschrift der Straßenbreite nicht ganz frei, denn beispielsweise waren in Preußen durch eine Ministerialbestimmung aus dem Jahre 1876 für die Straßen ziemlich bedeutende Breiten vorgeschrieben. Diese Bestimmung ist inzwischen (1906) zurückgezogen worden. Es muß übrigens ohne weiteres zugegeben werden, daß keine Art von Straßen und Bürgersteigen billiger zu unterhalten ist, als die bestgebaute und daher kostspieligste. Die Unterhaltungskosten sind bei bester Art Kopfpflaster und plattenbelegten Bürgersteigen mit Granitbordschwellen bedeutend geringer als zum Beispiel bei einem einfachen Steinschlagwege. Aber trotz allem hat diese zu kostspielige Aufschließung geradezu Kulturhemmungen insofern erzeugt, als durch übertriebene Erhöhung der Grundstückpreise breiteren Schichten der Bevölkerung die Möglichkeit versagt wurde, im eigenen Hause zu wohnen. Diese Prachtstraßen in den Landhausvororten sind es nämlich, die die sogenannten Aufschließungskosten auf eine so gewaltige Höhe treiben, daß das Rohland. durch sie auf den drei- bis vierfachen Preis steigen kann.

Neuerdings haben sich die Ansichten über Straßen- Geländebreiten sowie das Siedlungswesen überhaupt grundsätzlich geändert. Die Straßen werden nach ihrer Bestimmung verschieden behandelt; nur sogenannte Durchgangs oder Verkehrstraßen werden breit angelegt und gut gepflastert, während der bei weitem größte Teil der Straßen als sogenannte Wohnstraßen mit einer ganz geringen Breite und einer billigen Befestigung ausgeführt werden kann. Eine Bresche in die üblichen Anschauungen hat hier die Kleinsiedlung gelegt, bei der die billigere Straßeanlage geradezu die Vorbedingung für die wirtschaftliche Lebensmöglichkeit ist. Die bisher, ausgeführten Beispiele von Kleinsiedlungen haben gezeigt, daß 4 bis 5 m breite Fahrdämme vollständig genügen, und daß die Bürgersteige in der einfachsten Weise befestigt werden können. Ja, in Kleinhaussiedlungen kann der Bürgersteig überhaupt wegfallen; der Fußgängerverkehr kann über den Fahrdamm geleitet werden, da die Straßen nur äußerst selten von Wagen befahren werden. Als Straßenbefestigung empfiehlt sich die billige Steinschlagstraße, die noch dazu den Vorzug hat, geringeres Geräusch zu verursachen. Bei einer nach solchen Gesichtspunkten getroffenen Aufschließung bleibt der Preis des Baulandes auf mäßiger Höhe, und wenn dann noch weitere baupolizeiliche Erleichterungen hinzukommen, beispielsweise die Zulassung von Reihenhäusern, die Vereinfachung der Bauweise, der Wegfall der Vorgärten, die Zulassung geringerer Maße für die Häuser, so ist mit einem Schlage die Möglichkeit des Wohnens im Einfamilienhause für ganz neue Vermögensklassen eröffnet. Statt der zehntausend Bevorzugten können dann hunderttausend weniger Bemittelte des Vorteils unbedingt gesunden Wohnens teilhaftig werden.

Abgesehen von den viel zu breiten und teuren Straßen hat sich auch die bisher übliche Gleichmäßigkeit der sogenannten offenen Bebauung als untunlich erwiesen. Erfahrungsgemäß macht sich in jeder Siedlung rasch das Bedürfnis nach Läden geltend, nach Werkstätten, nach Geschäftsstellen von Handwerkern, wie Schuhmachern, Bäckern, Schlächtern, Elektrikern, sowie nach Wohnungen für Kutscher, Wäscherinnen, Bahnbeamte usw. Für diese Bedürfnisse kann nur eine gemischte Bauweise sorgen. Da sich jeder Vorort zu einer selbständigen Siedlung entwickelt, so ist es das richtige, von vornherein eine Hauptstraße mit Geschäftshäusern (unten Läden, oben Wohnungen) anzulegen und hier geschlossene Häuserreihen zuzulassen. Daß auch an einzelnen Stellen unbedingt Reihenhausanlagen für kleinere Einfamilienhäuser gestattet werden sollten, ist schon weiter vorn betont worden. In einer solchen Bebauungsart wird die Zukunft der Vororte zu suchen sein. Es ist zu hoffen, daß bald ein vollständiger Umschwung im Siedlungswesen einsetzt, daß alle Hemmnisse der billigen Wohnungsherstellung durch Gesetz aus dem Wege geräumt werden, und daß eine neue, für das Volkswohl segensreiche Entwicklung rasche Fortschritte macht.

Der Baulandpreis ist naturgemäß um so höher, in je geringerer Entfernung das Grundstück zur Stadt liegt. Viele können sich aber noch nicht an den Gedanken gewöhnen, nun auf einmal so weit draußen wohnen zu sollen; sie lassen sich in der nahen Vorstadt lieber in qualvoller Enge mit anderen zusammenpressen, als daß sie sich zum Entschluß völliger Freiheit aufraffen. Man sollte sich doch sagen, daß es, nachdem man einmal in der Vorortbahn sitzt, verhältnismäßig wenig ausmacht, ob die Bahnfahrt 10 Minuten länger dauert oder nicht. Wer 3 km von der Stadt entfernt nur einen kleinen Bauplatz von 800 qm erwerben kann, kann 15 km entfernt für dasselbe Geld vielleicht einen solchen von 5000 qm kaufen. Er wohnt dann wirklich ländlich, hat Ellenbogenfreiheit nach allen Richtungen und bleibt ungestört vom Nachbar.

Hat der zukünftige Bauherr schließlich den Vorort oder die Gegend gewählt, in der er sich ansiedeln will, so ist noch große Vorsicht beim Suchen des Fleckchens Boden nötig, auf den er sein Haus setzen will. Es ist ganz auffallend, mit welchen irrigen Vorstellungen die Wahl des Bauplatzes manchmal erfolgt. Irgendein Platz an irgendeiner Straße erfreut sich plötzlich der Vorliebe des Suchers. Vielleicht stehen ein paar schöne Bäume darauf, oder der Bauplatz liegt überhaupt mitten in einem wunderschönen Walde. Der Baulustige vergißt aber, daß er, um sein Haus unterzubringen, die schönen Bäume weghauen muß, und er denkt auch nicht daran, daß der ganze schöne Wald, in dem das Grundstück liegt, in fünf Jahren nicht mehr da sein wird, vielmehr dann Gebäude neben Gebäude steht. Dann ist nichts von der Waldeinsamkeit übrig geblieben, die ihn an seinem Bauplatz bestach. Solche Enttäuschungen kommen täglich vor, und sie sind unausbleiblich, wenn, wie es meist der Fall ist, durch-gehends kleine Bauplätze von etwa 1000 bis 1500 qm geschnitten sind. Das Haus selbst nimmt dann den Hauptteil des Grundstücks in Anspruch, besonders weil in der Regel ein Vorgarten von 4 bis 8 m Tiefe frei bleiben und links und rechts vom Hause sogenannte „Bauwiche“, das heißt unbebaute Streifen von meist 3 bis 4 m Breite, liegen gelassen werden müssen. Auf diesen drei Streifen teuren Landes können weder große Bäume stehen, noch brauchbare gärtnerische Anlagen geschaffen werden. Es ist dann nur möglich, hinter oder vor dem Hause noch ein kleines bescheidenes Gärtchen zu gewinnen. Und bei einem Waldgrundstück muß dazu notwendigerweise der dort bestehende Baumwuchs entfernt werden. Das ist das waldvertilgende Schicksal aller „Wald- und Gartenstädte“, wie die Grundstücksgesellschaften ihre Unternehmungen neuerdings mit Vorliebe nennen.

Es hat deshalb einen gewissen Vorzug, einen ,,übriggebliebenen“ Bauplatz statt eines solchen in einem unbebauten Gelände zu kaufen. Dann sind keinerlei schöne Träume mehr möglich, aber es folgen auch keine bitteren Enttäuschungen. Überdies kann man sich nach den beiden Nachbarn richten, man kann sein Haus so auf das Grundstück setzen und mit einem solchen Grundrisse versehen, daß die Nachbarhäuser möglichst wenig stören. Man arbeitet hier also innerhalb der Sicherheit, die gegebene Verhältnisse mit sich bringen.

Aber auch wer sich ein größeres Grundstück kaufen kann, bei dem er freien Spielraum hat, greift in der Wahl des Bauplatzes nur zu häufig fehl. Manchmal wird ein besonders billiger Preis, zu dem ein Bauplatz Angeboten wird, durch kostspielige Aufschüttungen, Futtermauern, schwierige Gründungsarbeiten dreifach wettgemacht. Ob der Baugrund gut oder schlecht sei, muß daher in jedem Falle festgestellt werden. Besonders beachtet sollte auch werden, ob Erde zu- oder abgefahren werden muß, um den Platz bebauungsfähig zu machen. Bekanntlich erwachsen hieraus oft hohe Kosten. Erdabfuhr oder -anfuhr sollte beim Bau eines Hauses überhaupt nach Möglichkeit vermieden werden, zumal gerade die Preise für Fuhren nach dem Kriege ungemein gewachsen sind. Bei einem gut gestalteten Bauplatz kann in der Regel alle aus der Ausschachtung der Baugrube gewonnene Erde auf dem Platz selbst verwendet werden, sei es durch Anlegung einer Terrasse, durch Aufschüttung des Gartens oder durch Höherlegung eines bestimmten Teilgartens. Oft ist der Bauplatz von der Art, daß die Wegeführung zum Hause sehr umständlich ist. Lange Fahrstraßen laufen aber immer sehr hoch in die Kosten. Häufig liegt das Grundstück so, daß es unmöglich ist, dem Hause eine günstige Lage zur Himmelsrichtung zu geben oder es vor Wind und Wetter zu schützen. Die Beurteilung des Bauplatzes vom Standpunkte der guten Besonnung und des Wetterschutzes ist die allerwichtigste, und sie sollte bei der Wahl in erster Linie maßgebend sein. Dabei ist nicht hur das zukünftige Haus, sondern auch der Garten zu berücksichtigen. Es macht einen gewaltigen Unterschied im Wachstum der Pflanzen aus, ob der Bauplatz an einem Abhang nach Süden oder an einem Abhang nach Norden liegt. Der Garten muß sich sowohl bequem an das Haus anfügen, als auch in sich gut gelegen sein. In einem Garten ohne genügende Besonnung wächst nichts. Das Landhaus ist ja ein Haus, bei dem die innige Beziehung zum Lande, das heißt zum umgebenden Garten, Bedingung ist. Es ist selbstverständlich, daß neben der Besonnung auch die Fruchtbarkeit des Bodens in Betracht zu ziehen ist, obgleich hier die gärtnerische Kunst in weitgehendem Maße nachhelfen kann.

Eine verhältnismäßig freie, unter Umständen aussichts- Bauplätze in reiche Lage ist der größte Vorzug, den ein Bauplatz haben reier Lage kann. Wo in der Größe Beschränkungen eintreten müssen, ist ein Eckbauplatz dem eingebauten vorzuziehen, denn hier kommt der freie Raum, den die Straße bietet, dem Hausbewohner zugute (Abb. 48), er hat Licht und Luft, die Nachbarhäuser rücken wenigstens nach zwei Seiten weg, ohne daß er dafür zu zahlen braucht. Die Mehrkosten, die aus der zweiseitigen Straßeneinzäunung und den gemeindlichen Anliegerbei trägen erwachsen, wiegen den Vorteil meistens reichlich auf. Noch mehr zu bevorzugen sind natürlich Bauplätze am Rande einer Freifläche, eines Wiesengrundes, am Ufer eines Sees, eines Flusses. Bauplätze in freier Lage an einem Südgehänge sind der Inbegriff der Schönheit, da dann auch noch der Garten die denkbar beste Besonnung erhält. Allerdings ist zu bemerken, daß die Aussicht gegen Süden wegen der Blendung der Sonne für den größten Teil des Tages nicht so anziehend ist, wie die Aussicht nach Norden, Osten oder Westen. Bei vollem Sonnenschein ist eine Aussicht nach Norden die klarste und genußreichste. Immerhin sind alle übrigen Vorteile der Lage eines Hauses an einem Südabhange so überwiegend, daß die Aussichtfrage nicht ausschlaggebend sein kann. Wassergrundstücke sind für die heiße Sommerbewohnung herrlich, in den übrigen Jahreszeiten bringt die Nähe des Wassers jedoch eine Steigerung des Feuchtigkeitsgehalts der Luft und dadurch eine Herabsetzung der Luftwärme mit sich, die der Gesundheit nicht förderlich ist.

Bei den offensichtlichen Vorzügen, die ein Bauplatz in freier, landschaftlich schöner Lage vor andern voraus hat, ist es auffallend, wie wenig solche Bauplätze meistens noch geschätzt werden. Sie stehen zwar etwas höher im Preise als gewöhnliche Straßenbauplätze; würden aber ihre Vorteile und Annehmlichkeiten im vollen Maße gewürdigt, so müßte ein landschaftlich hervorragender Bauplatz einem gewöhnlichen gegenüber mit dem drei- oder vierfachen Preise bezahlt werden, so groß sind seine Annehmlichkeiten.

Um die Frage des Wetterschutzes zu beurteilen, ist eine genaue Kenntnis der Witterungsverhältnisse der Gegend nötig. Hierüber kann nur ein Ortsangesessener Auskunft geben. Die Richtung des Regens und des Windes, das Vorherrschen bestimmter Luftströmungen zu gewissen Jahreszeiten, das Auftreten von Schlagregen, Nebeln, Überschwemmungen muß genau bekannt sein, weil es nötig ist, in der Anlage des Hauses wie in seiner Bauart Rücksicht darauf zu nehmen. Auch die Höhe, in der das Grundwasser unter der Erdoberfläche auftritt, und der Umstand, ob der Grundwasserstand stetig oder wechselnd ist, spielen für die Anlage des Hauses eine große Rolle und müssen vor Ankauf des Grundstückes untersucht werden. Wechselnder Grundwasserstand ist gesundheitlich bedenklich, weil beim Zurücktreten des Wassers pflanzliche Bestandteile in Fäulnis geraten. Ist der Schutz vor Winden sicher ein erstrebenswertes Ziel, so muß doch auf der anderen Seite bedacht werden, daß eine vollständig windgeschützte Lage manchmal, besonders im Sommer, zu einer beklemmenden Stauung der Luft führen kann. Eine freie Lage gewährt die allseitige Umspülung des Hauses mit Luft und gehört zu den wichtigsten grundsätzlichen Erfordernissen, die an einen guten Bauplatz zu stellen sind. Wo Wetterschutz und Belüftung nicht sehr günstig liegen, kann übrigens eine vorsehende Gestaltung des Grundrisses immer noch manches retten.

Der Architekt tritt in der Regel erst ein, nachdem der Bauherr einen Platz gewählt hat, er hat also meistens mit dem zu rechnen, was nun einmal vorhanden ist. Viel besser wäre es, wenn der Bauherr den Architekten schon bei der Wahl des Bauplatzes zu Rate zöge. Denn wenn irgendwo, so ist hier die Erfahrung von Wichtigkeit. Der Bauherr baut in der Regel in seinem Leben nur einmal, dem Architekten sind Hunderte von Fällen durch die Hand gegangen. Er kann sofprt die Sachlage beurteilen, mit einem Blick übersehen, ob das Haus gut oder schlecht untergebracht werden kann, er kennt die Enttäuschungen, die vielfach später kommen und kann den Bauherrn vor ihnen bewahren. Der Architekt kann durch flüchtige Skizzen die Brauchbarkeit jedes einzelnen der in Wahl stehenden Bauplätze beleuchten und kann so die Frage der Geeignetheit vollständig klären. Gerade in diesem Zustande der Vorbereitungen ist sein Rat am wichtigsten, gerade hier wirtschaftlich am weittragendsten. Denn, nachdem einmal die große Ausgabe für einen mangelhaften. Bauplatz gemacht worden ist, wird der Bauherr selten Lust haben, den Fehler durch Wiederverkauf und Erwerb eines neuen Bauplatzes gutzumachen. Er wird die Unzuträglichkeiten in Kauf nehmen und sich mit saurer Miene mit dem einmal gemachten Fehler abfinden.

Text aus dem Buch: Wie baue ich mein Haus? Author: Muthesius, Hermann.

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Siehe auch:
Wie baue ich mein Haus? – Einleitung
Wie baue ich mein Haus? – Die Kostenfrage
Wie baue ich mein Haus? – Die laufenden Ausgaben
Wie baue ich mein Haus? – Das kleine Einfamilienhaus
Wie baue ich mein Haus? – Leben auf dem Lande und Verkehr nach der Stadt

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