Wie baue ich mein Haus? – Architekt und Unternehmer

aus dem Kunstmuseum Hamburg


Nachdem der Gedanke, sich ein Haus zu bauen, beim zukünftigen Hausherrn gereift ist, muß er sich nach dem Fachmann umsehen, der ihm seine Absichten in die Wirklichkeit umsetzen hilft.

Mit der Herstellung von Bauten beschäftigen sich Architekten, Baumeister, Bauunternehmer, Maurermeister, Baugeschäfte, Hochbaugesellschaften, „Ateliers für Architektur und Bauausführung“. An welche Stelle soll sich der Bauherr wenden?

In Deutschland gehen Begriffe wie Architekt, Baumeister, Baugeschäft noch vielfach durcheinander, und man wirft alle Kräfte, die bei der Herstellung von Bauten in Tätigkeit treten, in einen Topf. Die gerade bei uns noch vielfach vor kommende Vereinigung der Tätigkeit des Architekten mit der des Unternehmers von Bauten unterstützt diese Verwirrung, so daß schließlich kein Mensch mehr aus und ein weiß. Der Titel Architekt ist nicht geschützt. Bis vor wenigen Jahren war auch der Titel Baumeister ganz vogelfrei (neuerdings sind behördliche Beratungen im Gange, die Frage zu regeln). Architekt kann sich jeder nennen und nennt sich jeder, der irgendwie, sei es auch nur in der entferntesten Weise, mit dem Bauen zu tun hat. Ein Maurer- oder Zimmergeselle übernimmt eines Tages einen kleinen Bau und ist dann sofort Architekt. Ja, es gibt zahlreiche Beispiele, daß sich selbst gewesene Steinträger Architekt nennen, ganz zu schweigen von Grundstückshändlern, Leihgeldvermittlern, Schreibern auf Baustuben, Baugeldleihern und ähnlichen mit dem Bauen nur lose zusammenhängenden Berufsarten. Die bloße Bezeichnung als Architekt gibt dem Bauherrn also keinerlei Gewähr, daß er es mit jemand zu tun hat, der etwas vom Bauen versteht oder gar ein Haus entwerfen kann.

aus dem Kunstmuseum Hamburg

In der Regel treten heute bei der Errichtung eines Baues zwei verschiedene Kräfte in Tätigkeit; die eine macht den Entwurf, die andere führt die Bauarbeiten aus. Der Hersteiler des Entwurfes ist in des Wortes eigentlicher Bedeutung der Architekt. Die Ausführung der Bauarbeiten geschieht durch den Bauunternehmer. Der eine liefert also sozusagen den geistigen, der andere den gegenständlichen Inhalt des Hauses. Diese Arbeitsteilung ist seit geraumer Zeit üblich, sie hat sich eingestellt, nachdem bei der entwickelteren Technik ein gesteigertes Maß von wissenschaftlicher Bildung und künstlerischer Fähigkeit als erforderlich angesehen wurde. In früheren Jahrhunderten lagen beide Tätigkeiten wohl vielfach in einer Hand, wie es bei geringeren Bauaufgaben auch heute noch häufig ist (ebenso wie früher der Arzt auch gleichzeitig die Arznei verabreichte). Der Vorteil der Teilung ist offenkundig. Der Architekt kann sich ganz dem eigentlichen Wesen des Bauwerkes widmen, sein Augenmerk richtet sich allein auf die innerhalb der verfügbaren Kosten mögliche Gestaltung des Baues; der Unternehmer hingegen hat dann lediglich die Aufgabe, nach den mit aller künstlerischen Sorgfalt entworfenen Plänen des Architekten die Geschäfte der eigentlichen Bauausführung zu übernehmen. Jeder kann in seinem Arbeitsgebiet das Beste leisten. Die Begabung und die Neigung für beide Gebiete sind grundverschieden, und es dürfte kaum Vorkommen, daß sie in ein und demselben Kopf restlos vereinigt sind.

Neben der Aufgabe, den Entwurf anzufertigen, muß dem Architekten aber unbedingt auch die Handhabe gegeben werden, die richtige Überführung des Entwurfes in die Wirklichkeit zu überwachen. Es stellt sich daher die Notwendigkeit heraus, ihm auch die Oberleitung über die Ausführung zu übertragen. Denn es trifft nicht zu, daß, wie es sich der Laie häufig vorstellt, der Bauentwurf im Maßstabe 1 :100 oder 1 :50 genüge, um den Bau danach von einem Unternehmer ausführen zu lassen. Vielmehr sind nicht nur ausführliche Verhandlungen über alle Baustoffe und die Ausführungsweisen zwischen Entwerfer und Ausführer nöjüg, sondern es müssen auch Einzelzeichnungen bis zur natürlichen Größe von den wichtigen Bauteilen angefertigt werden, und die Herstellung danach muß. ständig daraufhin überwacht werden, ob sie richtig, sachgemäß und gut erfolgt. Häufig muß die Wirkung eines Bauteiles sogar erst an besonderen Probestücken festgestellt werden. Würde die Ausführung nach den ersten Hausentwurfzeichnungen den verschiedenen Handwerkern überlassen, so würden sich sehr häufig mißverstandene Formen und Zusammenfügungen einfinden, die, ganz abgesehen von der Gediegenheit der Baustoffe und der Arbeit, ungemein störend wirken könnten. Der Bauentwurf mag so ausführlich sein wie er will, er klärt nie eine Sache restlos. Auch handelt es sich bei jeder Gestaltung um etwas allmählich Werdendes und sich Entwickelndes, bei dem jede schablonenhafte Handhabung ausgeschlossen wäre. Das hier und da bei Bauherren angetroffene Bestreben, den Architekten nur für den ersten Entwurf heranzuziehen, das Haus aber ohne seine Mitwirkung errichten zu lassen, beruht auf falschen Voraussetzungen und führt zu Fehlleistungen. Aber selbst, wenn der Bauherr sich mit den durch solches Vorgehen hervorgerufenen Mängeln abfinden wollte, der Architekt könnte niemals auf ähnliche Wünsche eingehen, denn er kann seinen Namen nicht an eine Sache heften, die hinter seinem Rücken mit Sicherheit abweichend ausgeführt, ja wahrscheinlich verpfuscht werden wird.

Auch für den Bauherrn ist es zweifellos das Vorteilhafteste, wenn er den Architekten über die Entwurfsanfertigung hinaus zur Seite hat. Denn der Architekt allein ist in der Lage, die Bauarbeiten, die nach seinen Entwürfen‘ hergestellt werden, fortlaufend auf die Güte des Baustoffes und die werkmäßige Richtigkeit zu überwachen. Der Bauherr selbst versteht nichts vom Bauen. Häufig macht ihn ein natürliches Mißtrauen gegen Geschäftsleute, vielleicht verstärkt durch allerhand aufgelesene Kenntnisse über bautechnische Einzelheiten, nur noch schwankender und ratloser. Hier ist ihm der Architekt, der ja an den Bauverträgen nicht kaufmännisch beteiligt ist, der Ratgeber, dem er unbedingt vertrauen kann.

Aber abgesehen von den eigentlichen Ausführungs- und Überwachung Baustoffragen erfordert ja vor allem auch die Baukostenfrage eine ständige hohe Aufmerksamkeit. Die Arbeiten werden einzeln und an verschiedene Unternehmer nach und nach vergeben. Wer gibt dem Bauherrn Gewähr, daß er mit der Summe, die er sich gesetzt hat, schließlich auch wirklich auskommt? Auch hier, und hier erst recht, tritt der Architekt helfend ein. Um einen ganz sicheren Weg zu gehen, wird von ihm sogleich nach Fertigstellung des Kosten- Bauentwurfes ein genauer Kostenanschlag aufgestellt, der jede für den Bau nötige Arbeit und jede einzelne Lieferung aufführt. Er zerfällt in eine Massenberechnung, welche die Menge der zu liefernden Steine, des Sandes, des Kalkes, des Holzes und aller übrigen Baustoffe aufs genaueste feststellt, und in eine Kostenberechnung, welche die Preise für die Baustoffe und Arbeiten nennt. Die Kostenberechnung besteht aus einzelnen Abschnitten, die nach den verschiedenen handwerklichen Arbeiten gegliedert sind. Abschriften der einzelnen Abschnitte, auf denen die Preise ausgelassen sind, dienen zur Einholung der Angebote von den Unternehmern. Für jede Arbeit werden immer drei bis vier Angebote eingezogen. Nur einer der Bewerber kann die Arbeit erhalten: der Auftrag wird auf den fallen, der bei mäßigem Preis für die beste Arbeit Gewähr gibt. Es kommt nicht ausschließlich auf Billigkeit an, denn das unbedingt Billige erweist sich häufig gerade als das Unvorteilhafteste.

Die Vergebung wird nun hier und da Abweichungen von den ursprünglich vorgesehenen Kosten bringen. Eine große Schwierigkeit für die Preiseinhaltung liegt besonders in dem Umstande, daß zur Zeit, als der Anschlag aufgestellt wurde, die Einzelzeichnungen in größerem Maßstabe noch nicht alle angefertigt waren. Manches ändert sich also, einiges kommt hinzu, dies und jenes fällt weg. Hier ist der Punkt, wo sich die Entwurfsarbeit mit der Kostenfrage ständig und aufs innigste berührt. Der Architekt, der den Bau entworfen und genau berechnet hat, ist stets in der Lage, die Kostenfrage bis in alle Verzweigungen zu übersehen. Er hat es auch in der Hand, seine Teilentwürfe so einzurichten, daß die Ausführung im Rahmen der beabsichtigten Baukosten bleibt. Würde er der Aufgabe entbunden, sich um die Baukosten zu kümmern, so wäre Überschreitungen Tür und Tor geöffnet. Die von überängstlichen Bauherren manchmal gewünschte Teilung der Verantwortung, nach der der Architekt nur die Entwürfe anfertigen und ein anderer Beauftragter die Ausführung leiten soll, führt fast stets zu Mißerfolgen. Denn der Bauherr hat dann niemand, der für die Kosten einsteht. In diesem Falle zeichnet der Architekt, ohne sich vielleicht viel um die Kosten zu kümmern, zumal er sie ja auch gar nicht prüfen kann, der Bauleiter dagegen bestellt nach den Zeichnungen des Architekten und schiebt später jede der sich einstellenden Überschreitungen einfach darauf, daß die Zeichnungen des Architekten eine so teure Ausführung mit sich gebracht hätten. Also auch die Kostenfrage muß unbedingt unter die ständige Obhut des Architekten gestellt werden.

Schließlich fällt dem Architekten auch die Beobachtung der baupolizeilichen Bestimmungen und der Verkehr mit den Behörden zu. Es ist oft nicht einfach, sich durch die verwirrenden Vorschriften hindurchzufinden. Der Bauherr, der sich sachverständigen Rates entäußern wollte, würde auf einem so ungewohnten Gebiete wie der Baugesetzgebung leicht in allerhand Nöte geraten.

Hiernach ist der Architekt nicht nur der geistige Urheber des Entwurfes, sondern auch der fachmännische Beistand und Anwalt des Bauherrn in allen den Bau betreffenden Angelegenheiten. Als solcher steht er zum Bauherrn nicht in einem Geschäftsverhältnis, wie etwa der Bauunternehmer, sondern er nimmt eine ähnliche Stellung zu ihm ein, wie der Rechtsanwalt seinem Auftraggeber, oder der Arzt seinem Kranken gegenüber. Er gehört übrigens nach dem Gesetz, wie diese beiden, zu denjenigen Ständen, denen eine höhere Berufsauffassung zugesprochen wird, er ist nicht Gewerbetreibender, sondern ist gesetzlich ausdrücklich von diesem abgesondert. Wie der Arzt und der Rechtsanwalt erhält der Architekt daher auch seine Entlohnung nicht aus Unternehmer- und kaufmännischem Gewinn, sondern bezieht sie in der Form von Gebühren (Honorar).

Die Berufspflichten des Architekten sind aus der Gebührenordnung des Verbandes Deutscher Architektenvereine im einzelnen ersichtlich; sie sollten jedoch auch noch vertraglich gesichert werden. Dabei ist folgendes festzulegen:

Der Architekt stellt den Hausentwurf nach den Wünschen des Bauherrn im Benehmen mit diesem her, er berechnet die Baukosten, übernimmt den Verkehr mit den Behörden, führt die baupolizeiliche Genehmigung des Entwurfes herbei, schreibt die Arbeiten unter den Handwerkern aus, verfaßt die Verträge über die Arbeiten und Lieferungen, bestimmt die Fristen, überwacht die Lieferungen nach Güte der Baustoffe und Ausführung, sorgt dafür, daß die verschiedenen Handwerker und Unternehmer gehörig Hand in Hand arbeiten, prüft deren Rechnungen, weist die Zahlungen beim Bauherrn an und beantragt die behördlichen Bauabnahmen. Schließlich stellt er die Gesamtabrechnung für den Bau auf und legt sie dem Bauherrn vor. Die Vertragsabschlüsse mit den Unternehmern werden durch die Unterschrift des Bauherrn herbeigeführt, der also in ein unmittelbares Rechtsverhältnis zu den einzelnen Lieferern und Handwerkern tritt. Der Architekt wahrt als Anwalt und Vertrauensmann des Bauherrn dessen Vorteil nach allen Richtungen hin und gegenüber allen bei der Bauausführung in Tätigkeit tretenden Stellen.

Da der Architekt keine Unternehmergeschäfte betreibt, steht er der Kostenfrage des Baues in einer unparteiischen Weise gegenüber. Er hat selbstverständlich die Pflicht, für den Bauherrn in allen Arbeitsvergebungen die günstigsten Preisstellungen zu erreichen. Die Bauhandwerker werden das natürliche Bestreben haben, ihn gut zu bedienen, um auch in ferneren Fällen von ihm herangezogen zu werden (er hat auch später noch Aufträge zu vergeben, der Bauherr aber baut in der Regel nur einmal), sie werden ihm daher günstige Bedingungen gewähren. Preisermäßigungen, Großverkaufspreise usw. kommen stets dem Bauherrn zugute. Der Architekt führt dem Bauherrn also außer den künstlerischen und technischen auch noch beträchtliche wirtschaftliche Vorteile zu.

Trotzdem man hiernach annehmen sollte, daß es kein Bauherr versäumen würde, sich die Hilfe des Architekten für seinen Bau zunutze zu machen, so kommt es nur allzu häufig vor, daß der Bauherr den Architekten vermeidet und sich lieber unmittelbar an ein Baugeschäft wendet. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Bauausführungen geht noch auf diesem Wege vor sich. Nicht allein, weil der Weg vielen einfacher erscheint, und weil häufig, wenn es sich um kleinere Aufgaben handelt, das Gefühl vorwaltet, daß einen Architekten anzunehmen eine überflüssige Ausgabe sei, sondern auch noch aus einem anderen Grunde: man glaubt, daß der Architekt zu sehr seinen Willen durchdrücke und nur darauf ausgehe, ein schönes Bauwerk zur Vermehrung seines eigenen Ruhmes hinzustellen. Solche und ähnliche Vorstellungen pflegen, wie schön erwähnt, überdies noch genährt zu werden durch die sich dem Bauherrn anbietenden Bauunternehmer. Es ist selbstverständlich, daß der Bauunternehmer lieber unmittelbar mit dem Bauherrn arbeitet als unter Aufsicht eines Architekten. Dafür ist der Grund noch nicht einmal so sehr in dem Gedanken zu suchen, daß dann die sachverständige Prüfung der Baustoffe, Arbeiten und Rechnungen unterbleibt, als vielmehr in einer Art künstlerischen Ehrgeizes, der gerade Maurermeistern und Unternehmern häufig eigen ist: sie möchten nicht lediglich als Geschäftsleute, sie möchten auch als Künstler gelten. Nun ist der Bauunternehmer in der Lage, viel stärker auf den Bauherrn einzuwirken als der Architekt, da er als Geschäftsmann sehr wohl unaufgefordert Besuche zur Erlangung eines Auftrages machen kann, was kein Architekt, der berufliches Ehrgefühl hat, jemals tun wird; er kann sich einem Bau lustigen ebensowenig anbieten wie ein Arzt, der erfahren hat, daß jemand krank ist, oder ein Rechtsanwalt, der einen Geschäftsmann vor Gericht vertreten möchte. Solche Werbebesuche benutzt der Bauunternehmer häufig dazu, dem Bauherrn klarzumachen, daß er den Architekten gut vermeiden könne. Am meisten pflegt der Grund zu ziehen, daß der Bauunternehmer oder das Baugeschäft den Entwurf, für den der Architekt doch Bezahlung fordere, umsonst liefere. Und so merkwürdig es klingen mag, dieser Grund schlägt in vielen Fällen durch. Gerade in Deutschland, und zwar im östlichen mehr als im westlichen, baut der Bauunternehmer noch in großem Umfange unmittelbar.

Bei unsern westlichen Nachbarvölkern, die über eine ältere Geschmacksüberlieferung verfügen, würde ein gebildeter Bauherr sich niemals für den Bau seines Hauses an das Baugeschäft wenden — ebensowenig, wie er, wenn er krank ist, den Heilgehilfen oder den Apotheker zu Rate zieht. Vermag jemand in einem Hause keinerlei geistige Leistung zu sehen, sondern nur eine Zusammenfügung von Steinen und Mörtel, für die ihm ein rein kaufmännisches Angebot in Ordnung zu sein scheint, so mag es für ihn ja passend sein, sich der Mithilfe des Architekten zu begeben. Schließlich erhält jeder das Haus, das er verdient. Aber die Ersparung der Kosten für den Entwurf ist auch dann noch eine Täuschung. Es ist gar nicht zutreffend, daß er vom Unternehmer den Entwurf umsonst bekommt. Niemand kann etwas umsonst liefern, am allerwenigsten wird dies ein Geschäftsmann tun. Zeichnerische Arbeiten können schon deshalb nicht umsonst geliefert werden, weil Unkosten damit verbunden sind und Hilfskräfte dazu gehören, die bezahlt werden müssen. Die Auslagen werden also auf eine Weise verrechnet, daß sie der Bauherr nicht merkt. Das ist ein vollständig selbstverständlicher Vorgang. Zutreffend ist vielleicht, daß der Bauunternehmer weniger Zeit für seinen Entwurf braucht als der Architekt. Das liegt aber nicht etwa daran, daß er geschickter im Entwerfen ist, sondern daran, daß der Architekt eine ganz andere Summe von Arbeit in den Entwurf hineinlegt. Die geistige Leistung ist das eigentliche Ziel für ihn, ihr wird er sich hingebend widmen, in ihr liegt seine Lebensaufgabe. Die des Bauunternehmers ist aber die geschäftliche Überführung des Entwurfes in die Wirklichkeit, für die ein rasch von ihm hingezeichneter Entwurf nur die Vorarbeit darstellt.

Es gereicht also jedem Bauherrn zum eigensten Vorteil, sich für sein Haus der Beihilfe eines möglichst guten und im Hausbau erfahrenen Architekten zu bedienen. Gerade die Architektengebühren, die noch nicht so viel ausmachen wie eine gute Zimmerausstattung, werden sich für ihn am reichlichsten lohnen. Der Bau braucht durch sie gar nicht teurer zu werden, wahrscheinlich wird er beim Architekten billiger, denn gerade er ist in der Lage, durch Heranziehung des Wettbewerbes der verschiedenen Unternehmer, durch Inanspruchnahme der oben erwähnten entgegenkommenden Angebote, durch die genaue Überwachung aller geschäftlichen Einzelheiten dem Bauherrn Kosten zu sparen. Jeder erfahrene Geschäftsmann weiß, daß sich die auf solche Weise erreichten Vorteile unter Umständen höher belaufen als solche geringfügigen Ausgaben, wie sie durch die Gebühren des Architekten erwachsen.

Es ist ferner selbstverständlich, daß der Architekt seinen Entwurf ganz nach den Wünschen des Bauherrn einrichtet, hat er doch kein anderes Ziel als die Aufgabe, die ihm gestellt wird, so gut als möglich zu lösen. Die Wünsche des Bauherrn sind ihm für seine Arbeit dasselbe, was die körperliche Untersuchung für die Krankheitsfeststellung des Arztes ist. Wie dieser, so wird auch der gewissenhafte Architekt sein Verfahren auf eine sichere und sorgfältige Feststellung der Wirklichkeiten gründen und nicht ins Blaue hinein bauen. Jedes andere Handeln wäre widersinnig, und zwar schon vom rein fachlichen Standpunkte aus.

Da der Architekt neben seiner künstlerischen Tätigkeit die Verantwortung für bedeutende Werte und den Bauherrn verpflichtende Verträge übernimmt, da von ihm die Beurteilung der Güte von Arbeiten abhängt, die von großer wirtschaftlicher Bedeutung sind, so muß beim Bauherrn jedes Mißtrauen, jeder Schatten eines Verdachtes, daß er nicht nach rein sachlichen Gesichtspunkten urteile und handle, ausgeschlossen sein. Schon aus diesem Grunde ist es ratsam, daß der Bauherr die Vertrauenswürdigkeit zum ersten Grundsätze bei der Auswahl macht. Es entfallen dann jene Bewerber, die sofort auf der Bildfläche erscheinen, wenn der Bauherr die erste Auskunft von einer Grundstücksgesellschaft erbeten hat, und die schon fertige Pläne mitbringen, oder sich anbieten, ,,unverbindlich und kostenlos“ Entwürfe zu machen, oder die für eine nur ganz geringe Vergütung arbeiten wollen. Denn jeder kann sich denken, daß beim Bauen Quellen der Geldbereicherung fließen können, die den anscheinend so selbstlosen Mann viel höher entschädigen als den gewissenhaften Architekten die Sätze der Gebührenordnung. In der Tat wird hier ein trübes Kapitel berührt, über das manches zu sagen wäre; es braucht indes den Bauherrn nicht zu schrecken, der es vermeidet, den geordneten Weg zu verlassen, und der darauf verzichtet, durch besondere ihm entgegengebrachte Anerbieten noch außergewöhnlichen Nutzen zu ziehen. Aus angeblichen Vorteilen werden dann die Fallgruben, die das Bauen so oft zum Unheil machen können und den Bauherrn oft zur Verzweiflung bringen. Keine Tätigkeit ruft so viele und so schwierige Rechtstreitigkeiten hervor wie das Bauen. Es ist an und für sich schon ein so verwickeltes Geschäft, daß nur die reinlichste Handhabung Gewähr für den glatten Verlauf bietet.

Text aus dem Buch: Wie baue ich mein Haus? Author: Muthesius, Hermann.

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Siehe auch:
Wie baue ich mein Haus? – Einleitung
Wie baue ich mein Haus? – Die Kostenfrage
Wie baue ich mein Haus? – Die laufenden Ausgaben
Wie baue ich mein Haus? – Das kleine Einfamilienhaus
Wie baue ich mein Haus? – Leben auf dem Lande und Verkehr nach der Stadt
Wie baue ich mein Haus? – Der Bauplatz

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