Textnachtrag zu: Türme und Tore von Flandern bis zum Baltikum

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Mit dem Ausbruch des 30jährigen Krieges hörte in unseren Landen die Renaissance auf. Deutschland war nach dem Kriege ein Friedhof. Es hatte den Anschluß an sein früheres Kunstschaffen verloren. Künstlerisches Wirken aus eigener Volkskraft war vor der Hand nicht mehr möglich.

Die religiösen Verfolgungen durch Philipp II. brachten einen Strom von Holländern nach Norddeutschland. Aber auch die Hugenottenkriege fielen in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts, So blieb auch französische Zuwanderung nicht aus. Die Fürsten nahmen die Verfolgten wegen ihres Wohlstandes und ihrer Fähigkeiten willig auf und erteilten den Künstlern aus ihren Reihen zahllose Aufträge. Die Blutverwandtschaft und die Verwandtschaft einiger Fürstenhäuser (Brandenburg und Anhalt) führten wohl mit zur Bevorzugung der Holländer. Ihre Spuren aus jener Zeit finden wir u. a. noch heute in der Holländischen Straße in Potsdam, in Stade, in Friedrichstadt a. d. Eider, in der St. Georger Kirche in Hamburg und in der Nikolaikirche in Schwerin. Während sich die norddeutschen Künstler dem holländischen Einfluß, seltener dem französischen ergaben, lehnte sich Süddeutschland mehr an Italien an. Überall war ein großer Wandel eingetreten. Das hatte notwendig so kommen müssen! Die Renaissance mit ihren antiken Formüberlieferungen band die Schaffenden doch so s’ehr an feste Regeln, daß phantasiebegabte Künstler in ihrer Entfaltung außerordentlich gehemmt waren. Wenn sie auch mit größerer Unbekümmertheit und Frische ihre Formelemente verarbeiteten als in der Renaissance des 19. Jahrhunderts, so blieben doch wertvolle Kräfte zur Unfruchtbarkeit verdammt. Als aber einmal um die Mitte des 17. Jahrhunderts der Damm durchbrochen war, entwickelte sich aus diesen gestauten Kräften ein überwältigender Reichtum. Der Barock ist auch für den Kirchenbau eine überaus produktive Zeit voll drängender und stürmender Kraft gewesen. Er war zugleich reich an Phantasie und Gefühl. Wenn auch ebenso wie in der Renaissance nicht immer neue Kirchen gebaut wurden, so wurden doch gerade die Helme nach Sturmoder Brandschäden oft zeitgemäß erneuert. Und wie Hamburg im Barock überhaupt seine große Baugeschichte erlebte, so erhielten aus gegebenen Notwendigkeiten fast alle seine Helme ein barockes Gesicht, auch die alte Nikolaikirche gehörte dazu. Die fremden Anleihen fielen auf fruchtbaren Boden. Künstler von Format, man denke an Sonnin, haben uns die herrlichsten, von deutschem Geiste getragenen Denkmäler geschaffen, Helme von strahlender, leuchtender Schönheit. Wir finden schwere und wuchtige Formen, aber auch solche von rokokohafter Zierlichkeit. Die horizontale Gliederung und der Wechsel von Arkadenkränzen oder Laternen mit Kuppeln, also der Wechsel von Baugliedern mit geraden und geschwungenen Linien, wird aufrechterhalten, meistens unter Wahrung der pyramidischen Spitze. Der Kreis wird lebendig, fängt an, sich zu dehnen und wird zum Oval. Die Kuppeln werden ebenfalls lebendig, weiten sich zu neuen, regelmäßigen, in der Ansicht jedoch schiefrunden Gebilden, zu Hauben-, Glocken-und Zwiebelformen.

Textnachträge:

Landschaft, Mensch und Bauwerk im niederdeutschen Raum
Sinn und Bedeutung der Türme und Tore
Vom Wesen und Aufbau des Turmhelms
Einfache Bedachungsformen der Türme
Die vierseitige Pyramide und der Kegel als Turmhelm
Der achtseitige pyramidische Helm und seine Verbindung mit dem Vierkantturm
Schmuckformen der Helmpyramide
Das achtseitige prismatische Bauglied als Träger der Pyramide
Die typischen Formen romanischer Turmhelme
Schrumpfformen des Helmes und das kreuzförmige Satteldach
Türme und Tore von Flandern bis zum Baltikum – Der Einfluß der Renaissance
Türme und Tore von Flandern bis zum Baltikum – Der Einfluß des Barock
Türme und Tore von Flandern bis zum Baltikum – Der Einfluß des Klassizismus
Türme und Tore von Flandern bis zum Baltikum – Einfluß der Gegenwart

aus dem Kunstmuseum Hamburg









































Bildverzeichnis:

Alt Gaarz
Altenbruch – St. Nicolai
Anklam
Antwerpen – Kathedralen
Braunschweig – St. Andreas Holzschnitt
Braunschweig – St. Andreas
Brügge – Belfried II
Brügge – Belfried
Danzig – St. Martin
Danzig – Stadtansicht
Delft – Oostpoort
Duderstadt – Westertor
Elbing – Marktor, links St. Nikolai
Eschwege – Gefangenenturm
Friedland – Anklamer Tor
Gent – Rabot
Gent – St. Niklaas, Belfort und St. Bavo
Groningen – Martiniturm
Halberstadt – Dom
Halberstadt – Liebfrauenkirche
Kolberg – Dom
Kortrijk – Belfried und St. Martin
Lübeck – Burgtor
Lübeck – Holstentor
Lübeck – St. Martin
Lüneburg – Am Sande mit Johanniskirche
Münster – Überwasserkirche
Neubrandenburg – Stargarder Tor
Nymwegen – St. Stefansturm
Osnabrück – St. Marien
Paderborn – St. Alexius und Dom
Pasewalk – Mühlentor
Reval – Olaikirche und Stadtbefestigung
Riga – Dom
Riga – St. Petri
Schobüll bei Husum
Soest (Westfalen) – St. Patrokli links St. Petri
Stralsund – St. Marien
Stralsund – St. Mikolai
Thorn – St. Johannis
Veurne (Flandern) – der Markt

aus dem Kunstmuseum Hamburg

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