die Geschichte des Mausergewehrs

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Gutachten

des Oberlandesgerichtsrats K. Schmoller über die Fragen, ob Wilhelm Mauser der eigentliche Erfinder des Mausergewehrs (Deutsches Infanteriegewehr M. 71) ist, oder ob dem Paul Mauser der überwiegende Anteil zukommt, oder ob die beiden Brüder gleichen Anteil an dem Erfinderruhm hatten.

Anläßlich des zwischen dem Geh. Kommerzienrat Dr. ing. Paul Mauser in Oberndorf und dessen Neffen Alfons Mauser, dem Sohne des im Jahre 1882 verstorbenen Wilhelm Mauser über obige Fragen ausgebrochenen Streits habe ich mich auf das seitens des Ersteren an den Herrn Oberlandesgerichtspräsidenten Staatsrat von Cronmüller gerichtete Ersuchen vom 12. Juli 1910 bereit erklärt, über die angeführten Fragen ein Gutachten zu erstatten. Nachdem mir mit Schreiben des Rechtsanwalts Dr. Kielmeyer vom 24. Januar 1912 die in diesem Schreiben bezeichneten Unterlagen hierzu mitgeteilt worden waren, habe ich dieselben einer Prüfung unterzogen, deren Ergebnis ich in folgendem niederlege.

Hierzu bemerke ich, daß ich meiner Beurteilung nur diejenigen Tatsachen zugrunde gelegt habe, welche aus den in Abschrift vorliegenden Briefen des Wilhelm Mauser enthalten sind oder welche sonst einwandfrei feststehen, wobei ich hervorheben möchte, daß ich meine militärische Ausbildung mit dem Gewehr M 71 erhalten und bei zahlreichen Übungen in der Reserve genügend Gelegenheit gehabt habe, mich auch mit der weiteren Entwicklung dieses Gewehrs vertraut zu machen. Obwohl ich in die Richtigkeit der weitergehenden Behauptungen des Paul Mauser keinerlei Zweifel setze, habe ich mich doch veranlaßt gesehen, diesen Behauptungen nur insoweit Bedeutung beizulegen, als ich die Richtigkeit derselben an Hand des übrigen mir vorliegenden Materials feststellen konnte. Denn nur ein auf diese Weise zustande gekommenes Gutachten scheint mir Anspruch darauf zu haben, auch von der anderen Seite als ein unparteiisches anerkannt zu werden.

Da für die Entscheidung der oben angeführten Fragen die geschichtliche Entwicklung des Mausergewehrs von sehr erheblicher Bedeutung ist, so soll zunächst diese Entwicklung geschildert werden.

Die Brüder Wilhelm (geb. 1834) und Paul (geb. 1838) Mauser sind die Söhne des in der Kgl. Gewehrfabrik Oberndorf angestellt gewesenen Büchsenmachermeisters Mauser; sie sind beide in Oberndorf geboren und je nach Besuch der dortigen Elementarschule im 14. Lebensjahre ebenfalls in die Gewehrfabrik eingetreten. Von den beiden Brüdern war nur Paul beim Militär; er wurde 1859 ausgehoben und als Artillerist zum Arsenal in Ltidwigsburg kommandiert, jedoch nach 6 Monaten wieder in die Gewehrfabrik beurlaubt. In der folgenden Zeit scheinen sich beide Brüder entsprechend dem damaligen Stand der Waffentechnik mit dem Gedanken der Hinterladung beschäftigt zu haben. Mit einer Eingabe vom 16. November 1860 schon hat Wilhelm Mauser dem König Wilhelm I. von Württemberg das Modell einer mit einer Hinterladevorrich-tung versehenen Kanone vorgelegt; beide Brüder haben später die Erfindung dieses Modells für sich in Anspruch genommen. Im Jahre 1866 will Paul Mauser das Selbstspannersystem bei den Hinterladegewehren erfunden und dadurch seinen Bruder Wilhelm zum gemeinschaftlichen weiteren Arbeiten an dieser Erfindung veranlaßt haben. Bei der württ. Regierung hatten sie indessen mit ihrer Erfindung keinen Erfolg. Daher übersandte am 8. Mai 1867 Wilhelm Mauser dem österr. Gesandten in Stuttgart nach vorausgegangener persönlicher Besprechung eine genaue Beschreibung „meines in Gemeinschaft mit meinem Bruder konstruierten Hinterladegewehrs“ mit der Bitte, es der österr. Regierung anzubieten. Infolge dieses Angebots wurden die Brüder Mauser mit dem Amerikaner Norris bekannt, der sie veranlaßte, Ende 1867 nach Lüttich überzusiedeln, wo sie in einer Versuchswerkstätte für Norris und die Gewehrfabrik Remington tätig waren. In dieser Zeit entstand der Einzellader (Hinterlader mit Selbstspannung und Zylinderverschluß) Mauser-Norris C 67/69, der von Norris zunächst in Amerika zum Patent angemeldet und dann auch in den anderen Staaten geschützt wurde. (Bezügl. dieses Gewehrs vergl. die Schrift von Korn „die Mauser-Gewehre“ S. 21). Im Anschluß an dieses Gewehr wurde ein weiteres verbessertes Modellgewehr hergestellt und an die Direktion der Militärschießschule in Spandau eingesandt. Von dieser wurde am 31. Oktober 1869 „Herrn Mauser“ nach Lüttich mitgeteilt, daß die Direktion der Zusendung des in Aussicht gestellten neuen Modells nebst Munition entgegensehe. Nachdem die Brüder Mauser Ende 1869 oder Anfang 1870 sich von Norris getrennt hatten, kehrten sie nach Oberndorf zurück und fingen dort ein eigenes Geschäft an. Im März 1870 haben sich die Brüder Mauser wieder an die Militärschießschule in Spandau gewendet; von dort wurde unter dem 31. März 1870 dem Wilhelm Mauser der Bescheid erteilt, daß seinem Anträge, ein neues Gewehrmodell vorlegen zu dürfen, nichts entgegenstehe, daß es aber genügen werde, wenn er das verbesserte Modell zur Prüfung einsende. Dies muß dann auch geschehen sein; denn am 30. April 1870 folgte eine Anfrage über die zur Füllung der eingesandten Patronen verwendeten Pulversorten.

Nachdem Wilhelm Mauser im April 1870 den ergebnislosen Versuch gemacht hat, das Gewehr dem bayr. Kriegsministerium anzubieten, hat er sich selbst nach Spandau begeben. Von dort schrieb er am 10. Mai 1870 (Briefe Bl. 4) an seinen Bruder Paul.

„Die ganze Sachlage ist für uns eine überaus günstige, denn so wie Herr Kalinowsky (der Direktor der Schießschule) heute mit mir sprach, haben wir alles Beste zu hoffen. Nicht nur er allein, sondern auch die maßgebenden Offiziere auf dem Kriegsministerium seien ganz für unser Gewehr. In der Einfachheit steht es einzig da von all den vielen Gewehren, welche sie haben“.

Am 25. Juni 1870 machte die Direktion der Militärschießschule Spandau dem Wilhelm Mauser „offiziell die Mitteilung, daß das Kriegsministerium die Genehmigung dazu erteilt habe, mit ihm wegen Lieferung eines neuen Gewehrmodells in Unterhandlung zu treten; er werde daher ersucht, das Gewehr nach den näheren Angaben eines vorausgegangenen (nicht vorliegenden) Schreibens herzustellen. Am 15. Oktober 1870 ersuchte das allgemeine Kriegsdepartement in Berlin den Wilhelm Mauser, das von der Militärschießschule bestellte „Modellgewehr der dritten Konstruktion“ sobald als möglich einzusenden.

Von Anfang Januar 1871 an scheint Wilhelm Mauser in Spandau gewesen zu sein; er hatte dort eine Anstellung in der Gewehrfabrik mit einem Taggeld von zuerst 2 und später 3 Taler. Am 4. Januar 1871 schrieb er von dort an Paul (Brief BL 6):

„Die Verbreitung unseres Gewehrs resp. die Erwerbung von Patenten in verschiedenen Staaten wird jetzt unsere erste Bedingung sein. Dazu braucht man allerdings Geld, aber ich denke auch solches zu bekommen; ich könnte hier in Spandau Geld genug haben. Wie ich zu meiner Befriedigung sehe, ist es auch Dir recht, wenn wir in unserer Sache freie Hand haben; jedenfalls kommt die Zeit, wo wir mit unserem ausgezeichneten Gewehr Geld verdienen können.“

Weiter am 30. Mai 1871 (Briefe BL 8):

„Alle Vorbereitungen gelten blos noch unserem Gewehre, da andere nicht mehr zugelassen werden. Vom Kriegsministerium liegt ausdrücklicher Befehl vor, die Versuche mit unserem Gewehr mit aller Energie zu betreiben. Wir dürfen uns aller Hoffnung hingeben, daß unsere Waffe die Deutsche wird, und dann wäre es schon des Erlebten wert. Mit Gottes Hilfe werden wir es auch noch vollends zu Ende bringen“.

Am 1. Juni 1871 (Briefe BL 11):

Wir haben zwei verschiedene Gewehre zu machen, eines mit der neuen Sicherheit, das andere mit der alten. Unser früheres Gewehr wird jetzt überhaupt in den Vordergrund gestellt.

Am 10. August 71 (Briefe BL 30):

Man beschäftigt sich eigentlich ausschließlich mit unserem Gewehr.

Am 13. August 1871 (Briefe BL 34):

Nach den Aussagen des Herrn Oberstleutnants dürfen wir sicher auf die Annahme unseres Gewehrs rechnen; denn er fragte mich, ob wir auch schon daran gedacht haben, welche Summe wir eigentlich im Falle der Annahme verlangen würden. Ich sagte ihm, daß wir eigentlich in der größten Besorgnis

für unsere Sache und in unserer Bescheidenheit nie über eine bestimmte Summe gesprochen haben. Er meinte dann, daß ich ihm doch ganz ungeniert unter vier Augen sagen dürfe, was ich eigentlich tun oder verlangen würde. Darauf antwortete ich ihm, daß ich glaube, auch der Meinung meines Bruders gerecht zu werden, wenn ich 60000 Thaler verlangen würde. Wie ich erkennen konnte, waren ihm diese nicht zu viel. In Betreff der Summe wirst Du mit mir übereinstimmen; denn haben wir einmal soviel, so können wir auch noch mehr verdienen, da ich Herrn Direktor sagte, daß wir uns jedenfalls an der Fabrikation beteiligen werden.

Am 14. August 1871 (Briefe Bl. 36):

Wir bekommen jedenfalls noch einige Gewehre in Auftrag. Nach der wirklichen Sachlage bleibt für unser Gewehr entschieden, d. h. mit noch ganz geringen Modifikationen.

Am 17. August 1871 (Briefe Bl. 38):

Es werden noch verschiedene Bestimmungen getroffen, welche ich abzuwarten habe. Wir müssen in möglichst kurzer Zeit noch ein Gewehr nach eben diesen Bestimmungen machen.

Am 19. August 1871 (Briefe Bl. 40):

Um das endgiltige Modell fertig zu bringen, werden noch verschiedene kleine Versuchsabänderungen gemacht, die ich hier in der Gewehrfabrik machen lassen kann.

Am 26. August 1871 erteilte die Militär-Schießschule dem „Büchsenmacher Herr Mauser“ den schriftlichen Auftrag, (Briefe Bl. 186), zwei Gewehre seines Systems herzustellen und zwar A. Erstes Gewehr Modell 9, B. Zweites Gewehr mit anderem Patronenlager und C zu dem Gewehr B noch eine zweite Hülse und Kammer. Hierbei wurden bezüglich der Ausführung der beiden Gewehre noch nähere Anweisungen erteilt. Zur Mitwirkung bei der Herstellung dieser Gewehre scheint Willi. M. von Mitte August bis Mitte November 1871 in Oberndorf gewesen zu sein. Am 11. November 1871 richtete der Direktor der Militär-Schießschule in Spandau an die „Gebrüder Mauser, Büchsenmacher in Oberndorf“ folgendes Schreiben:

Infolge des unlängst an den Unterzeichneten gerichteten Schreibens haben Sie sich allen Beschlüssen des Kgl. preußischen Kriegsministeriums bezüglich Gewährung einer Abfindungssumme für den Fall unterworfen, daß das von Ihnen vorgelegte Gewehrmodell für die preußische resp. deutsche Armee adoptiert wird. Das kgl. allgemeine Kriegsdepartement hat beschlossen, Ihnen in Erwägung aller obwaltenden Verhältnisse, sowie in besonderer Berücksichtigung des Umstandes, daß Sie in den letzten Jahren fast ausschließlich der Verbesserung Ihres in den hiesigen Versuchen befindlichen Gewehres sich zugewendet, Mühe und Kosten getragen haben, eine Entschädigung von 7000 bis 8000 Taler zu offerieren, auch darin gewilligt, daß die frühere festgesetzten Zahlungstermine geändert und die Auszahluug jener Summe eventuell erfolge, wenn die Versuche abgeschlossen sein werden und das Modell Allerhöchsten Orts bestätigt sein wird. Unterzeichneter ersucht Sie daher ergebenst, beifolgendes Abkommen unterzeichnen und baldmöglichst an mich zurücksenden zu wollen.

Welche Antwort die Gebrüder Mauser auf dieses Schreiben gegeben haben, ist aus dem vorliegenden Material nicht zu entnehmen. Von Mitte November 1871 an war Wilhelm M. wieder in Spandau; seine an den Bruder Paul gerichteten Briefe beginnen am 24. November. In dem ersten Briefe teilt er mit, daß der Herr Oberst sich über die beiden letzten Gewehre befriedigt geäußert habe, und daß in der Gewehrfabrik 20 solche Gewehre in Arbeit seien; deshalb sei seine Berufung nach Spandau so dringend geworden, es gebe noch Veränderung an dem Gewehre. Er fügte dann bei:

Am Montag ist Herr Oberst mit den Gewehren zum Kaiser beschieden; ob er seine endgiltige Sanktion erteilt, weiß ich natürlich nicht; aber die Annahme unseres Gewehrs ist gesichert. Ich glaube, daß es während meines Hierseins zu Ende geht, hoffe aber, daß Du auch dabei bist. Das Schloß mit der seitlichen Warze soll noch gemacht werden. Ich bitte Dich deshalb, es sogleich in Angriff zu nehmen, Bis Du dieses Schloß fertig hast, werden auch die 20 Gewehre zu den Versuchen kommen können, und da wäre es gut, wenn Du auch hier wärst. Bezüglich unserer Zukunft bin ich der Ansicht, uns womöglich auf eigene Füße zu stellen, und das können wir, wenn wir ein kleines Geschäft beginnen; jedenfalls bekommen wir auch eine Lieferung und hierzu den nötigen Vorschuß. Es war die Absicht, uns hier anzustellen.

Indem Schreiben vom 29. November 1871 (Briefe Bl. 51) bemerkt er:

„Ich hoffe, Dich bald hier zu sehen, und freue mich dessen sehr, glaube aber kaum, auf Weihnachten nach Hause zu kommen.“

Schreiben vom 18. Dezember 1871 (Briefe Bl. 72):

„Obwohl ich Dir erst gestern schrieb, so kann ich dennoch nicht unterlassen, Dir hiermit mitzuteilen,

daß S. Majestät der Kaiser die Annahme unseres Gewehrs sanktioniert hat. Am Samstag war Konferenz, in welcher Herr Oberst die Sache feierlich vortrug und jedes Kommissionsmitglied Unterzeichnete. Wir haben es, Gott sei Dank für seinen Beistand, zum glücklichen Ziele gebracht, sodaß wir das Bewußtsein haben, für unsere Familien eine bessere Zukunft zu haben.

Schreiben vom 28. Dezember 1871 (Briefe Bl. 92):

Es ist ein allerhöchster Erlaß ausgegeben worden, daß alle Beamten und Militärs, welche mit der Neubewaffnung oder mit den Versuchen zu tun haben, beeidigt werden, nichts auszusagen. Auch wir sollen beeidigt werden und vorderhand alles als Staatsgeheimnis betrachten. Herr Oberst teilte mir heute solches mit, mit der Frage, was wir tun wollten. Ich erwiderte, daß wir hierzu keinen Anstand nehmen werden, wenn die Entschädigung für unsere Erfindung eine andere werde, und wir bis zu dem Zeitpunkt, wo wir die definitive Annahme unseres Gewehrs erhalten, eine angemessene Entschädigung bekommen, um anständig leben zu können. Ich werde jedenfalls für jeden von uns 100 Taler im Monat verlangen. Zudem werde ich die Bedingung stellen, daß uns Arbeit zugesichert wird. Ferner habe ich angeführt, daß wir mit unserer Erfindung jetzt Geld verdienen könnten und wenn wir ausschließlich auf Deutschland angewiesen seien, uns eine bedeutend größere Summe zukommen müsse, als die bis jetzt zugemessene. Ein schönes Stück Geld könnten wir im Ausland verdienen, doch aber bringe ich gern dieses Opfer, wenn wir eine anständige Summe erhalten. Ich bitte Dich, lieber Paul, schreibe mir bald Deine Ansicht und Meinung, damit wir übereinstimmen.

Schreiben vom 29. Dezember 1871 (Briefe Bl. 95):

Wenn Du diese wenigen Zeilen erhältst, wird dieses Jahr bereits seinem Ende nahe sein. Was in vielen vorausgegangenen unser Streben war, wurde uns am Ende dieses Jahres noch zu teil. Wir wollen deshalb, ohne die vorausgegangenen zu vergessen, getrost in das neue Jahr eintreten. Bis jetzt haben wir stets die Erfahrung gemacht, daß die Vorsehung stets mit uns war, und was starke Menschen verhindern wollten, geschah dennoch. In diesem ferneren Vertrauen lasse uns eintreten in den bevorstehenden Zeitabschnitt, hoffend, daß wir auch in diesem dieses Vertrauen gerechtfertigt finden.

Schreiben vom 1. Januar 1872 (Briefe Bl. 97):

Bezüglich meiner Beeidigung teile ich Dir mit, daß dieselbe sich bloß erstreckt auf die hiesigen Vorgänge in Wort und Tat d. h. ich werde verpflichtet, nichts auszusagen, was auf der Schießschule in meiner Gegenwart gesprochen wird und in welcher Weise die Neubewaffnung durchgeführt wird. Dagegen bleibt uns für die Verwertung unseres Systems freie Hand; doch dürfen wir das, was sie hier in der Ausstattung für das Äußere des Gewehrs machen, bei unsern auswärts gehenden Gewehren nicht in Anwendung bringen. Auf dieses können wir sehr leicht eingehen. Ich für meinen Teil finde es vorteilhafter, wenn wir freie Hand behalten, und bin ich dafür, nach Tunlichkeit die Verbreitung zu fördern. Schreiben vom 27. Januar 1872 (Briefe Bl. 127):

Mein Gesuch um höhere Diäten ist vom Kriegsministerium bestätigt worden. Wenn die Gewehre einmal bei der Schießschule sind, gibt es viel zu tun, vielleicht ist es angenehm, wenn Du auch beigezogen werden kannst mit den gleichen Diäten wie ich.

Schreiben vom 29. Januar 1872 (Briefe Bl. 130):

Die Sache ist abgemacht und heißt unser Gewehr Modell 1871 wie das Dreys’sche Gewehr auch verschiedene Jahrgänge zur Bezeichnung erhalten hat. Unser Name wird dadurch nicht entzogen; denn diesen kann man überall lesen in der kleinsten Akte.

Zwischen dem 7. Februar und dem 15. April 1872 war dann auch Paul Mauser zur Mitwirkung bei den weiteren Schießversuchen in Spandau. Nachdem Wilhelm Mauser den Kronenorden 4. Klasse erhalten hatte, teilte er dies mit Schreiben vom 15. April seinem Bruder Paul mit und bemerkte dabei: ,,Die Reihe wird auch an Dich kommen, Herr Oberst wird darauf antragen“.

Am 20. April 1872 (Briefe Bl. 144) teilte Wilhelm M. mit, daß die Entscheidung über die Abfindung nun wirklich heran trete: er fügte bei: „Wünschenswert wäre es gewesen, wenn Du noch bei dieser Angelegenheit hier sein könntest. Nach einem mir von Herrn Oberst mitgeteilten Bericht soll nach allerhöchster Kabinettsordre vom 9. Dezember 1871 das neue Infanteriegewehr inkl. Munition als Staatsgeheimnis betrachtet werden, wir somit verpflichtet werden, unser System nicht weiter zu verbreiten, dabei uns aber keine größere Summe in Aussicht gestellt und von Seiten des Kriegsministeriums keine bestimmte Zusicherung auf Arbeit. Herr Oberst gab mir einen Revers mit, um solchen Dir zur Unterzeichnung zu schicken, konnte mich aber hierzu nicht entschließen, vielmehr entschloß ich mich nach reiflicher Überlegung, an Herrn Oberst zu schreiben und den Revers, der uns jeden Anspruch auf unser geistiges Eigentum ohne größere Entschädigung entzieht, wieder zurückzugeben ohne Unterschrift. Ich bin überzeugt, daß ich ganz in Deinem Sinne gehandelt habe, denn um diesen Preis auf alles verzichten, dazu konnte ich mich nicht entschließen“

Noch am 20. April 1872 übersandte Wilhelm seinem Bruder die Abschrift des an den Direktor der Militär-Schießschule Oberst von Kalinowsky gerichteten Schreibens (Briefe Bl. 147), in welchem er seinen ablehnenden Standpunkt auseinandersetzte und beifügte: ,,Ich glaube vollständig auch im Sinne meines Bruders zu handeln, und habe ich den mir gestern von Ihnen zugestellten Revers an denselben nicht abgesendet, sondern lege ihn anmit bis auf weitere Vereinbarungen bei“. Es scheinen dann weitere Verhandlungen stattgefunden zu haben; denn am 25. April 1872 schrieb Wilhelm an Paul (Briefe Bl. 152):

Anbei sende ich Dir dennoch den Revers zur Unterzeichnung, da das Ministerium voraussichtlich auf eine größere Summe eingehen wird und mir gesagt wurde, daß, wenn uns das Ministerium auch bezüglich der Arbeit keine Versprechungen mache, wir uns doch vollständig demselben anvertrauen dürften; es werde Sorge getragen werden, daß wir gegenüber andern Erfindern nicht nachstehen dürften. Mit der Zurücksendung des Reverses sollst Du mir eine vom Notar mit Siegel ausgefertigte Vollmacht zusenden, daß ich Deinerseits das Recht habe, die uns in den nächsten Tagen auszubezahlende Summe erheben zu können. Wie hoch sich die Barsumme beläuft, kann ich Dir nicht sagen.

Paul Mauser hat darauf den Revers unterzeichnet und die gewünschte Vollmacht auf seinen Bruder ausstellen lassen. Am 15. Mai 1872 (Schreiben Bl. 167) berichtete Wilhelm M. noch über die Vorführung des Gewehrs, welches an diesem Tage vor dem Kaiser stattgefunden hatte, und bemerkte hierüber:

Die Vorstellung vor dem Kaiser ging ohne alle Störung von statten und wurde von allen Seiten die größte Anerkennung ausgesprochen. Majestät war sehr freundlich, ebenso der Kronprinz und namentlich sprach Roon seinen Dank aus für das gute Gewehr, welches wir dem Vaterlande lieferten.

Damit war die Tätigkeit des Willi. M. auf der Militärschießschule zu Ende und das Mausergewehr als Infanteriegewehr M. 71 eingeführt. Von der Regierung erhielten die beiden Brüder zusammen eine Dotation von insgesamt 12000 Taler als Entschädigung und Abfindung für ihr Gewehr.

aus dem Kunstmuseum Hamburg

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