das Stammwerk als Zulieferer der Lokomotivfabrik

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Unsere Stahl- und Walzwerke, die Gießereien, die Preß- und Schmiedewerkstätten hatten in der Entwicklung vieler Jahrzehnte die Erfahrungen gesammelt, die es ermöglichten, an zahlreiche Lokomotmotivbau- und Eisenbahnwerkstätten des In- und Auslandes den besten Werkstoff zu liefern.

Somit waren alle Grundlagen vorhanden, den Bau von Lokomotiven selbst aufzunehmen; es bedurfte nur noch eines äußeren Anlasses hierzu, den das Ende des Weltkrieges schon durch die Notwendigkeit gab. den freigewordenen Arbeitskräften Beschäftigung zu verschaffen. Die erste selbstgebaute Lokomotive verließ im Jahre 1919 unser Werk.

Es ist selbstverständlich, daß die Lokomotivfabrik, die ein Kunde unserer der Herstellung von Eisenbahnmaterial seit vielen Jahrzehnten gewidmeten Werksabteilungen wurde, auf die Entwicklung neuer Baustoffe und Arbeitsverfahren Einfluß nahm und von den anderen Abteilungen zu schöpferischer Arbeit auf ihrem engeren Arbeitsgebiet angeregt wurde. Eine wechselseitige Förderung gemeinsamer Ziele gereichte dem Stammwerk wie der Lokomotivfabrik zum Vorteil. Die gesteigerten Anforderungen an Baustähle für den Kesselbau konnten durch Kruppsche Sonderstähle, insbesondere den alterungsbeständigen Izett- (= Immer zähe) Stahl, erfüllt werden. Legierte Stähle wurden für hochbeanspruchte Teile nach sorgfältiger Prüfung ihrer Eigenschaften eingeführt. Die mustergültigen Laboratorien der Gußstahlfabrik leisteten dabei unschätzbare Dienste. Zur stürmischen Entwicklung der Schweißverfahren trugen unsere Versuchsanstalten, die über reiche Hilfsmittel und einen Stamm von Wissenschaftlern und Praktikern verfugen, wesentlich bei.

An die Genauigkeit der Herstellung der einzelnen Bauteile werden beute höchste Anforderungen gestellt, teils wegen der damit erreichbaren Verbesserung des Energieumsatzes in der Lokomotive, der Ruhe des Laufes bei höchsten Geschwindigkeiten und der gesteigerten Lebensdauer wuchtiger Teile, teils wegen des neuzeitlichen, auf dem Toleranzsystem aufgebauten Austauschbaues, der die Zusammensetzung der Lokomotive erleichtert und die Vorratshaltung verringert, da er die Auswechselung zahlreicher Teile von Lokomotiven gleicher oder ähnlicher Bauart unter sich ermöglicht. Solche Fertigungsgrundsätze verlangten die Errichtung besonderer Prüfstellen für Werkzeuge, Lehren und Fertigerzeugnisse. Die entsprechenden Einrichtungen der Lokomotivfabrik sind auf solcher Höhe, daß sie von anderen Abteilungen unseres Werkes mitbenutzt werden.

Durch die Entwicklung unseres Gesamtwerkes und durch gute Erfahrungen bedingt, ergibt sich so gleichzeitig eine Gemeinschaftsarbeit und eine Arbeitsteilung. Radsätze und Tragfedern mit Bunden werden von den Werkstätten des Stammwerkes an die Lokomotivfabrik im fertigen Zustande, ein Teil der Barrenrahmenwangeu vorgearbeilet, andere Bauelemente, wie Kümpelteile, Bleche, Walzeisen, Stahl- und Grauguß einschließlich der Dampfzylinder, Metallguß und Schmiedestücke, im rohen Zustande geliefert.

Krupp-Stähle für Lokomotivbau- und Eisenbahnwerkstätten

Edel- und Sonderstähle, unlegiert u. legiert, als Blöcke, Brammen, Knüppel, Stabstahl, Walzdraht, Bandstahl, Platinen, Bleche, Schmiedestücke, Formguß , Werkzeugstähle , Schnellarbeitsstähle, auch kobaltlegierte, Hartmetall „Widia“, Percit, Diaweld, Verdur und Carbon , Baustähle, unlegiert und legiert , Ventilkegelstähle , Sonderstähle für die Nitrierhärtung , Sonderstähle für nahtlos zu walzende Rohre , Alterungsbeständiger Izett-Stahl , Warmfeste und korrosionsbeständige Stähle • Nichtrostende und säurefeste Stähle • Hitzebeständige Legierungen • Federstähle aller Art und in jeder Form , Kugellager- und Kugelstahl , Walzdraht in Sonder- und Edelstahlqualitäten , Schweißdraht, Schweißelektroden , Bandstahl , Blanke Schrauben und Muttern , Halbblanke Schrauben und Muttern
Stahlguß für Lokomotivbau- und Eisenbahnwerkstätten

Siemens-Martinstahlguß, basisch und sauer , Bessemerstahlguß Elektrostahlguß , Molybdänstahlguß , Stahlguß aus nichtrostenden und hochhitzebeständigen Legierungen
Grauguß für Lokomotivbau- und Eisenbahnwerkstätten

Zylinderguß , Sternguß , Temperguß (Schwarzguß) , Hartguß Silizium-Eisenguß , Schleuderguß
Schwer- und Leichtmetallguß
Bleche und Blechteile für Lokomotivbau- und Eisenbahnwerkstätten

Grobbleche, unlegiert und legiert, basisch und sauer, roh gewalzt und bearbeitet , Lokomotivbarrenrahmen, roh und bearbeitet Feinbleche, unlegiert und legiert , Bleche aus nichtrostenden und hitzebeständigen Stählen , Gekümpelte und gepreßte Teile für Lokomotiven
Schmiedestücke für Lokomotivbau- und Eisenbahnwerkstätten

Schmiedestücke jeder Art, Form und Größe, roh und bearbeitet, unlegiert und legiert , Kurbelachsen , Gerade Lokomotiv-, Tender- und Wagenachsen , Treibkurbeln , Kuppelzapfen , Triebwerkgestänge , Motorwellen , Blindwellen , Kupplungen und Zugbaken , Hülsenpuffer , Gesenkschmiedestücke jeder Art
Radsätze für Lokomotivbau- und Eisenbahn Werkstätten

Radsätze für Lokomotiven, Tender und Wagen , Treib- und Kuppelzapfen, bearbeitet, Radkörper, Radreifen , Achsschenkel-Prägepolierapparate , Meßgeräte und Meßstände für Radsätze
Federnfür Lokomotivban- und Eisenbahnwerkstätten

Blattfedern , Blattfedern mit patentiertem Profil , Federbunde, nahtlos geschmiedet , Schneckenfedern , Schraubenfedern , Scheibenfedern , Hitzebeständige Federn , Ringfedern

























Bildverzeichnis:

Abstich eines Elektroofens
Aufpressen der Federbunde
Aufpressen der Räder auf die Achsen
Aufziehen der Reifen auf die Radsterne
Beschickmaschine für Siemens-Martin-Öfen
Biege- und Härtemaschinen für Federblätter
Blechwalzwerk
Gekümpelte und geschweißte Feuerbüchs- Wasserkammer
Herstellen von Barrenrahmen
Herstellen von Wickelfedern
Herstellung von Dampfzylindern
Hochofenwerk Essen-Borbeck
im Thomas-Stahlwerk
in der Reckschmiede
in der Stahlgießerei
Kupolofen
Lokomotivrad – Formerei
Pressen von Kesselteilen
Prüfen der Tragfedern
Radreifenwalzwerk
Radsatz auf dem Meßstand
Radsätze einer Schnellzuglokomotive
Radsterne vor den Glühofen in der Stahlgießerei
Schmieden von Lokomotiv- Treibstange
Schmieden von Lokomotivachsen
Tender-Drehgestell mit Blatt- und Wickelfedern

Text und Bild aus dem Buch: Krupp im Dienste der Dampflokomotive.

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Siehe auch:
Lokomotiven für die Deutsche Reichsbahn
Krupp-Lokomotiven im Bild
Von Kohle und Erz zur Lokomotive

Auch Interessant:
Architektur im Dritten Reich – Geleitwort
Architektur im Dritten Reich – Haben wir den Neuen Baustil?
Architektur im Dritten Reich – Von der internationalen Bautechnik zum nationalen Baustil
Architektur im Dritten Reich – Sinn und Unsinn der Neuen Sachlichkeit
Architektur im Dritten Reich – Wieder Schmuckverlangen in der Architektur
Architektur im Dritten Reich – Vom Geist der Tradition
Architektur im Dritten Reich – Baukunst oder Ingenieurkunst?
Architektur im Dritten Reich – Individualismus oder Kollektivismus in der Architektur?
Architektur im Dritten Reich – Die Flachbauwohnung als Ziel der Volkswohlfahrt
Architektur im Dritten Reich – Das Problem der Hochbauten
Architektur im Dritten Reich – Erfahrungen mit städtischen Siedlungsbauten
Architektur im Dritten Reich – Die Altstadt als Schutzgebiet

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.