Weiße Bachstelze

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Weiße Bachstelze, Motacilla*) álba (L.)

Zu den ersten wirklichen Frühlingsboten gehört die weiße Bachstelze, aber oft erscheinen die Hauptmassen erst lange, nachdem der erste Vorbote sich gezeigt hat, und im Spätfrühling weiß der Beobachter vielfach nicht, ob er Brutvögel, verspätete Ankömmlinge oder regelmäßige nordische Durchzügler vor sich hat. Der Zug dehnt sich vom Februar bis mindestens tief in den April hinein aus. Das Volk nennt die Bachstelze scherzhaft Ackermännchen, weil sie dem Pfluge folgt und sich auf die groben Erdschollen setzt, als wollte sie diese mit dem lebhaft bewegten Schwänze klein schlagen und so dem Landmann helfen.

Name: „Albus“ = weiß, wegen der weißen Unterseite.

Vorkommen: Überall ein gewöhnlicher Vogel.

Artmerkmal: Nur grau, schwarz und weiß.

Größe: Allbekannt. Flügel 8,5—9,5 cm.

Weibchen: Am Scheitel meist mehr.grau.

Herbstkleid: Nur ein schwarzer Halbmond um die weiße Kehle.

Junge: Noch weniger schwarz, mehr trübgrau.

Locktöne: „Züjit, ziuwiss, zississ, qui quiriri“.

Gesang: Ein hübsches plauderndes Gezwitscher in ruhigem Sitzen außerdem ein erregter Balzgesang unter lebhaftem Gebärden-, spiel oder in gesellschaftlichen abendlichen Rundflügen.

Eier: 5—5 (7), weißlich mit vielen Punkten, hellen Sperlingseiern ähnlich, April bis Juli, zwei Bruten.

Nest: Aus Wurzeln, Moos usw., innen Federn.

Nistplatz: ln Löchern von Mauern; Erdwänden, Kopfweiden und in anderen Schlupfwinkeln.

Nahrung: Insekten.

Zug: Von Februar, März an — Oktober. Selten überwinternd.

Realgattung Motacilla Alba, selten die der schwarzrückigen englischen Form higiibris etwas ähnliche Aberration cervicdlis mit halbschwarzem Rücken, auf die ich im Westen sehr zu achten bitte.

*) Die Bachstelzen sind durch ihren langen Schwanz, mit dem sie fortwährend wippende, gleichsam balanzierende Bewegungen ausführen, auffallend gekennzeichnet. „Motacilla“ ist vielfach bei Neubildung von Namen so aufgefaßt worden, als ob es „schwanzwippend“ hieße, was aber fraglich ist (vgl. „albicilla“ Weißschwanz).

Text und Bild aus dem Buch: Die Singvögel der Heimat (1921), Author: Kleinschmidt, Otto.

Siehe auch:
Die Singvögel der Heimat – Einleitung
Haussperling
Feldsperling
Steinsperling
Heckenbraunelle
Edelfink
Bergfink
Kernbeißer
Grünling
Stieglitz
Erlenzeisig
Bluthänfling
Girlitz
Gimpel
Kreuzschnabel
Goldammer
Grauammer
Rohrammer
Feldlerche
Haubenlerche
Heidelerche
Baumpieper
Wiesenpieper
Brachpieper
Weiße Bachstelze
Gebirgsbachstelze
Schafstelze
Rauchschwalbe
Mehlschwalbe
Uferschwalbe
Mauer- oder Turmsegler
Seidenschwanz
Grauer Fliegenschnäpper
Trauerfliegenschnäpper
Zwerg-Fliegenschnäpper
Raubwürger
Schwarzstirn-Würger
Rotköpfiger Würger
Rotrückiger Würger
Steinschmätzer
Schwarzkehliger Wiesenschmätzer
Braunkehliger Wiesenschmätzer
Hausrotschwanz
Gartenrotschwanz
Blaukehlchen
Rotkehlchen
Nachtigall
Amsel
Wacholderdrossel
Misteldrossel
Rotdrossel
Singdrossel
Pirol
Star
Wasserschwätzer
Zaunkönig
Mönch-Grasmücke
Gartengrasmücke
Dorn-Grasmücke
Zaun-Grasmücke
Sperber-Grasmücke
Drossel-Rohrsänger
Teichrohrsänger
Getreide-Rohrsänger
Ufer-Rohrsänger
Seggen-Rohrsänger
Garten-Laubvogel
Heuschrecken-Rohrsänger
Weiden-Laubvogel
Fitis-Laubvogel
Wald-Laubvogel
Gemeines Goldhähnchen
Augenstreif Goldhähnchen
Kohlmeise
Blaumeise
Nonnenmeise
Weidenmeise
Tannenmeise
Haubenmeise
Schwanzmeise
Spechtmeise
Waldbaumläufer
Hausbaumläufer
Seltenere Arten und Ausnahme-Erscheinungen der deutschen Singvogelwelt.
Vogeleier Abbildungen
Schwebende Nestbauten
Rückblick auf das Singvogelleben in der Gesamtheit
Alle Singvögelabbildungen

Ein Ausspruch Kants über den ästhetischen Wert der Singvögel.

Die „Natur, die keinem Zwange künstlicher Regeln unterworfen ist,“ kann dem „Geschmacke für beständig Nahrung geben“. — „Selbst der Gesang der Vögel, den wir unter keine musikalische Regel bringen können, scheint mehr Freiheit und darum mehr für den Geschmack zu enthalten als selbst ein menschlicher Gesang, der nach allen Regeln der Tonkunst geführt wird; weil man des letztem, wenn er oft und lange Zeit wiederholt wird, weit eher überdrüssig wird. Allein hier vertauschen wir vermutlich unsere Teilnehmung an der Lustigkeit eines kleinen beliebten Tierchens mit der Schönheit seines Gesanges, der, wenn er vom Menschen (wie es mit dem Schlagen der Nachtigall bisweilen geschieht) ganz genau nachgeahmt wird, unserem Ohre ganz geschmacklos zu sein dünkt“

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