Wacholderdrossel

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Wacholderdrossel, Turdus piláris L.

Die Wacholderdrossel ist der eigentliche Krammetsvogel. Sie hält sich nicht nur im Winter in Flügen zusammen, sondern brütet auch in Kolonien vereint. Man darf gespannt sein, ob das nunmehr erfolgte gesetzliche Verbot des Dohnenstiegs eine Vermehrung dieses Vogels zur Folge hat. Man erkennt ihn schon aus großer Ferne an seiner schackernden Stimme, die er oft im Fluge oder doch im Auffliegen hören läßt. In der Nähe betrachtet, fällt seine schöne Färbung und Zeichnung auf. Angeblich ist der »Schacher“ erst seit 100 Jahren als Brutvogel in Deutschland von Osten eingewandert. Vielleicht hat man ihn früher nur übersehen, da die Astknorren ähnlichen Nester schwer zu finden sind.

Name: Von der bevorzugten Nahrung (Wacholderbeeren); „pilaris“ angeblich Übersetzung des griechischen „trichas“, haarig („pilus“ = Haar) von den Schnabelborsten (? ?), „pilaris“ heißt sonst „zum Ballspiel gehörig“, was hier keinen Sinn ergibt.

Vorkommen: Im Winter überall. Einzelne Brutkolonien in Deutschland, im Westen (Rhein) fast nur Wintergast. Artmerkmal: Brauner Rückensattel, grauer Bürzel.

Größe: Wie Schwarzamsel, Flügel 13,6—15,3 cm. Gewicht 87—140g.

Weibchen: Wie Männchen, etwas kleiner.

Junge: Gefleckt, mit singdrosselähnlicher Brustzeichnung.

Lockton: Schackernd „Tscha-tscha-tscha-tschack“, auch „zieh“ oder „cuih“.

Gesang: Ein zwitscherndes, schwatzendes Geplauder.

Eier: 4—6 (7), denen der Amsel ähnlich, noch variabler, April bis Juni [eine Brut?]*).

Nest: Außen Gras usw. mit Erde, innen Graspolster.

Nistplatz: Brütet auf Bäumen in Kolonien, meist hoch.

Nahrung: Regenwürmer, Erdlarven, Beeren.

Zug: Februar, März, April — Oktober, November, jedoch vielfach Stand- und Strichvogel.

Einzige einheimische Form der Verwandtschaftsgruppe Turdus Sócius, zu der als sehr seltene Irrgäste aus Asien Turdus ruficollis und atrogularis gehören.

*) Naumann behauptet zweimaliges Brüten im Mai und Juni, Rey, daß sie bei uns im Mai, in Lappland im Juni brüte. Von Thielemann in Thüringen gesammelte Eier, zurzeit in meinen Händen, wurden 1896 und 1897 schon am 26. April gefunden.

Text und Bild aus dem Buch: Die Singvögel der Heimat (1921), Author: Kleinschmidt, Otto.

Siehe auch:
Die Singvögel der Heimat – Einleitung
Haussperling
Feldsperling
Steinsperling
Heckenbraunelle
Edelfink
Bergfink
Kernbeißer
Grünling
Stieglitz
Erlenzeisig
Bluthänfling
Girlitz
Gimpel
Kreuzschnabel
Goldammer
Grauammer
Rohrammer
Feldlerche
Haubenlerche
Heidelerche
Baumpieper
Wiesenpieper
Brachpieper
Weiße Bachstelze
Gebirgsbachstelze
Schafstelze
Rauchschwalbe
Mehlschwalbe
Uferschwalbe
Mauer- oder Turmsegler
Seidenschwanz
Grauer Fliegenschnäpper
Trauerfliegenschnäpper
Zwerg-Fliegenschnäpper
Raubwürger
Schwarzstirn-Würger
Rotköpfiger Würger
Rotrückiger Würger
Steinschmätzer
Schwarzkehliger Wiesenschmätzer
Braunkehliger Wiesenschmätzer
Hausrotschwanz
Gartenrotschwanz
Blaukehlchen
Rotkehlchen
Nachtigall
Amsel
Wacholderdrossel
Misteldrossel
Rotdrossel
Singdrossel
Pirol
Star
Wasserschwätzer
Zaunkönig
Mönch-Grasmücke
Gartengrasmücke
Dorn-Grasmücke
Zaun-Grasmücke
Sperber-Grasmücke
Drossel-Rohrsänger
Teichrohrsänger
Getreide-Rohrsänger
Ufer-Rohrsänger
Seggen-Rohrsänger
Garten-Laubvogel
Heuschrecken-Rohrsänger
Weiden-Laubvogel
Fitis-Laubvogel
Wald-Laubvogel
Gemeines Goldhähnchen
Augenstreif Goldhähnchen
Kohlmeise
Blaumeise
Nonnenmeise
Weidenmeise
Tannenmeise
Haubenmeise
Schwanzmeise
Spechtmeise
Waldbaumläufer
Hausbaumläufer
Seltenere Arten und Ausnahme-Erscheinungen der deutschen Singvogelwelt.
Vogeleier Abbildungen
Schwebende Nestbauten
Rückblick auf das Singvogelleben in der Gesamtheit
Alle Singvögelabbildungen

Ein Ausspruch Kants über den ästhetischen Wert der Singvögel.

Die „Natur, die keinem Zwange künstlicher Regeln unterworfen ist,“ kann dem „Geschmacke für beständig Nahrung geben“. — „Selbst der Gesang der Vögel, den wir unter keine musikalische Regel bringen können, scheint mehr Freiheit und darum mehr für den Geschmack zu enthalten als selbst ein menschlicher Gesang, der nach allen Regeln der Tonkunst geführt wird; weil man des letztem, wenn er oft und lange Zeit wiederholt wird, weit eher überdrüssig wird. Allein hier vertauschen wir vermutlich unsere Teilnehmung an der Lustigkeit eines kleinen beliebten Tierchens mit der Schönheit seines Gesanges, der, wenn er vom Menschen (wie es mit dem Schlagen der Nachtigall bisweilen geschieht) ganz genau nachgeahmt wird, unserem Ohre ganz geschmacklos zu sein dünkt“

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