Trauerfliegenschnäpper

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Trauerfliegenschnäpper, Musciapa atricapilla L.

Auf dem Frühlingszuge ist der Trauerfliegenschnäpper, auch da, wo er sich nur einzeln zeigt, ein sehr auffälliger Vogel. Durch seine schwarzweiße Färbung und durch seine unruhigen Bewegungen macht sich das hübsche Vögelchen sofort bemerklich. Weit seltener sieht man es im Sommer, wo es sich in den Wald zurückzieht und wo das Männchen meist unsichtbar auf einem dürren Zweig über dem Laubdach des Waldes sein hübsches Liedchen singt. Auf dem Herbstzuge wird man sich vergeblich nach den schwarzen, alten Vögeln Umsehen. Aber sie sind nicht auf einem andern Weg nach Süden gezogen, sondern der schwarze Vogel legt in der Herbstmauser ein braunes Oewand an, in dem er den Weibchen und jungen Männchen ganz ähnlich ist. Man verwechselt die Art dann leicht mit der vorigen, die aber am Flügel nur etwas helle Säumung, keinen deutln chen hellen Spiegelfleck hat.

Name: Von der Färbung, „atricapillus“ = schwarzköpfig.

Vorkommen: Zur Zugzeit überall bemerklich, in manchen Jahren zahlreicher, zur Brutzeit im Laubwalde in den Baumkronen wenig sichtbar.

Artmerkmal: Ein weißer oder gelblichweißer Fleck im Flügel. Kehle ungestreift.

Größe: Erheblich kleiner als der vorige. Flügel 7,8—8,4 cm. Gewicht 10,0—13,6 g.

Weibchen: jüngeres Männchen und Herbstkleid: An Kopf und Rücken graubraun statt schwarz.

Junge: Hellfleckig wie bei voriger Art.

Lockton: „Bitt, bitt“ (oft mit schmatzendem „z“ oder „teck“). Gesang: Hell pfeifend „wutiwutiwutiwu“ usw.

Eier: 6—7, hellblau, Ende Mai bis Juni.

Nest: Halme, Gespinste, Pflanzenwolle usw.

Nistplatz: In Baumhöhlen, hoch, mit engem Eingang.

Nahrung: Insekten (kleine Käfer) und Beeren.

Zug: April, Mai — (Juli), August, September.

Realgattung Musdcapa Luctuósa (vom Trauergewand). Den seltenen Halsbandfliegenschnäpper, Musdcapa colláns, der sich fast nur durch ein weißes Halsband von atricapilla unterscheidet, müssen wir vorläufig wegen seiner Verbreitung von dieser ausschließen. Es ist indessen möglich, daß er dazu gehört.

Text und Bild aus dem Buch: Die Singvögel der Heimat (1921), Author: Kleinschmidt, Otto.

Siehe auch:
Die Singvögel der Heimat – Einleitung
Haussperling
Feldsperling
Steinsperling
Heckenbraunelle
Edelfink
Bergfink
Kernbeißer
Grünling
Stieglitz
Erlenzeisig
Bluthänfling
Girlitz
Gimpel
Kreuzschnabel
Goldammer
Grauammer
Rohrammer
Feldlerche
Haubenlerche
Heidelerche
Baumpieper
Wiesenpieper
Brachpieper
Weiße Bachstelze
Gebirgsbachstelze
Schafstelze
Rauchschwalbe
Mehlschwalbe
Uferschwalbe
Mauer- oder Turmsegler
Seidenschwanz
Grauer Fliegenschnäpper
Trauerfliegenschnäpper
Zwerg-Fliegenschnäpper
Raubwürger
Schwarzstirn-Würger
Rotköpfiger Würger
Rotrückiger Würger
Steinschmätzer
Schwarzkehliger Wiesenschmätzer
Braunkehliger Wiesenschmätzer
Hausrotschwanz
Gartenrotschwanz
Blaukehlchen
Rotkehlchen
Nachtigall
Amsel
Wacholderdrossel
Misteldrossel
Rotdrossel
Singdrossel
Pirol
Star
Wasserschwätzer
Zaunkönig
Mönch-Grasmücke
Gartengrasmücke
Dorn-Grasmücke
Zaun-Grasmücke
Sperber-Grasmücke
Drossel-Rohrsänger
Teichrohrsänger
Getreide-Rohrsänger
Ufer-Rohrsänger
Seggen-Rohrsänger
Garten-Laubvogel
Heuschrecken-Rohrsänger
Weiden-Laubvogel
Fitis-Laubvogel
Wald-Laubvogel
Gemeines Goldhähnchen
Augenstreif Goldhähnchen
Kohlmeise
Blaumeise
Nonnenmeise
Weidenmeise
Tannenmeise
Haubenmeise
Schwanzmeise
Spechtmeise
Waldbaumläufer
Hausbaumläufer
Seltenere Arten und Ausnahme-Erscheinungen der deutschen Singvogelwelt.
Vogeleier Abbildungen
Schwebende Nestbauten
Rückblick auf das Singvogelleben in der Gesamtheit
Alle Singvögelabbildungen

Ein Ausspruch Kants über den ästhetischen Wert der Singvögel.

Die „Natur, die keinem Zwange künstlicher Regeln unterworfen ist,“ kann dem „Geschmacke für beständig Nahrung geben“. — „Selbst der Gesang der Vögel, den wir unter keine musikalische Regel bringen können, scheint mehr Freiheit und darum mehr für den Geschmack zu enthalten als selbst ein menschlicher Gesang, der nach allen Regeln der Tonkunst geführt wird; weil man des letztem, wenn er oft und lange Zeit wiederholt wird, weit eher überdrüssig wird. Allein hier vertauschen wir vermutlich unsere Teilnehmung an der Lustigkeit eines kleinen beliebten Tierchens mit der Schönheit seines Gesanges, der, wenn er vom Menschen (wie es mit dem Schlagen der Nachtigall bisweilen geschieht) ganz genau nachgeahmt wird, unserem Ohre ganz geschmacklos zu sein dünkt“

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