Runge und die Romantik – Zweiter Abschnitt

Textübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

„ Hast du nun Lust, durch die herrliche Erscheinung mit mir zu wandeln? “


Als er, wahrscheinlich im Jahre 1806, eine Farbentheorie aufzustellen sucht, schreibt er:

„Sehnsüchtig wird das Auge bald erfreut werden von der Gluth des Goldglanzes in Metallen, und im schwelgenden Genuss an saftigen Früchten, oder angezogen von der herrlichen saftigen Kühle eines sammtnen Gewandes, so wie von der lebendigen Bewegung der Blumenfarben;—wenn aber die erröhtendeWange, der brennende Mund, und die zarte Verfliessung des weissen Halses und Busens in dem Blitz des Auges dich mit einemmal ergreift und durchleuchtet, wohinein möchtest du dich lieber tauchen, als in die glühende Tiefe des Weins, dass die stillen Geister die Sprache in dieser klingenden Tiefe fänden und du dann heimisch in diesem Himmel Auge, Mund, Wange und Busen im süssem Gespräch belauschtest im Hinterhalte des sehnenden Herzens, dem das Leben und alle Himmel sich nur tiefer und tiefer entschliessen, je mehr du dich sehnst . . . „

An einer anderen Stelle schreibt er um dieselbe Zeit:

„Wenn du zuerst das Violette suchst, wirst du es bald in der zarten Helligkeit der Levkojen, bald in den dunkeln Schatten an den tiefen Veilchen entdecken, und der Sinn wird nicht wissen, welches er mehr liebt, denn bald leuchtet eine Farbe so schön in der Helligkeit, und bald zieht sie dich in die stille Tiefe zu sich. — Wenn so dich das Grün der Wiesen, die saftige Vegetation in dem thauigen Grase; und das zarte Weben eines jungen Buchenwaldes, wie die krystallene grüne Woge lockt: wann leuchtet es dir am schönsten entgegen, in der Helligkeit des Sonnenscheins, oder in der Stille des Schattens ?“

Zuletzt als Probe seines eindringenden Beobachtungsvermögens noch einige Sätze aus einem Bruchstück über die „Analogie der Farben und Töne“, die die neuschaffende Eigenart seines Farbensinnes so verheissungsvoll für die Zukunft zeigen:

„Wenn die Sonne roth untergeht, so sehen wir hinter uns, der Sonne gegenüber, dasselbe Roth, nur schwächer, auf beiden Seiten ist der Himmel grün, so wie er blau wäre, wenn die Sonne orange unterging. Der Sonnenstrahl setzt sich also in Contrast mit der Spannung der Luft . . . wie wenn man auf dem Rasen liegt, so, dass die Sonne uns nicht in die Augen scheint und man die Hand hinauf in die reine Luft hält, die beleuchtete Seite schön gelblich Orange wird, der Schatten aber ein eben so schönes bläuliches Violett . . .“

Aber nicht nur seine Sinne sättigt Runge in den Farbenwundern des Lichts. In dem Licht und den Farben findet sein Geist die höchsten Symbole des Daseins und des Lebens. Und gerade hierin hat sein Gefühl eine Intensität, sein Geist eine Schwungkraft, die das Dichtervermögen seiner Seele der künstlerischen Sehkraft seines Augennervs ebenbürtig an die Seite stellt. Auch hier ein paar Proben, von dem Geringsten und dem Nächstliegendsten zudem Grössten alles umfassend:

„Hast du nun Lust, durch die herrliche Erscheinung mit mir zu wandeln,“

schreibt er in einem Bruchstück einer Abhandlung über die Farbe, wahrscheinlich von 1806,

„und die Dinge zu schauen, die Gott gemacht hat, so wirst du hernach wissen, was du siehst, und auch das Licht in deinem Kämmerlein wird dir nicht vergebens leuchten, dass du nicht mit Freuden die Gegenwart deines Gottes fühltest.“

In einem Brief aus Wolgast, 1806 an einen jungen Prediger geschrieben, erreicht sein Lobgesang auf das Licht die erhabensten Höhen:

„Welch eine Riesengestalt ist die Sonne in ihrem Aufgang! Ihre Flügel reichen bis ans Ende der Welt, sie durchschauet mit ihren Augen die Tiefen wie ein Adler, und ihre Gedanken schweben in unendlicher Höhe; von Anfang ist sie gekommen, und ohne Ende ist ihr Flug. — Wir stehen und hören das Rauschen ihrer Flügel in unserer Blindheit und möchten ihre Gestalt erkennen. Sie fliegt in unaufhaltbarem Fluge dahin, uns aber übereilet der Tod. — O dass ich fliegen könnte mit dir, und sterben mit dir, und preisgeben meinen Leib und meine Seele, wie den Leib hat gegeben Jesus Christus für uns! . .“

In demselben Brief haben wir auch dieses tief symbolischreligiöse, hell durchleuchtete Wort von ihm: „Wer die Klarheit in sich hat, der gehöret dem Licht an, und wäre er verborgen am Rande der Schöpfung“, ein Trost für ihn in schweren Zeiten des Kampfes.

Runges Rede ist oft dunkel, er redet mit Zungen, die er oftmals selbst nicht deuten kann. Eben in diesem Brief aus Wolgast an den jungen Prediger sagt er: …

„Wodurch soll ich Ihnen, lieber Freund, mich verständlich machen, da mir der Verstand fehlt ?“

Runge ist in seiner Rede aber nicht dunkler als Novalis. Unter den nebelhaften Romantikern steht er eher als einer der klarsten, am meisten durchsichtigen Geister da, weil er die grosse Einfalt hat. Und haben wir erst das Losungswort seiner Gedanken, den Schlüssel, der uns die Tiefen seiner Symbolik aufschliesst, gefunden, dann erhellen sich auch die weiten Gegenden, die zuerst dunkel schienen. Der Schlüssel liegt in seinem schlichten, treuherzigen Christenglauben. „Es werde Licht!“ — dies Wort, das das Buch der Bücher, und das entsprechende Wort, das das geistvollste der vier Evangelien eröffnet:

„Im Anfang war das Wort . . . und das Wort war Gott; in ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen“ ,

dies ist das Losungswort für die Tiefen seines Geistes — für seine Licht- und Farbensymbolik — der Schlüssel zu dem lebenswarmen Lichtkern seines Wesens, der für ihn Leben und Kunst zur Anbetung macht.

Man trifft ohne Zweifel das Eigentümlichste in Runges Begabung, wenn man ihn ein Doppelgenie nennt, näher bestimmt: einen Dichtergeist in einem Malerauge. Sein künstlerisches Sehvermögen — d. h. die bildformende Kraft in ihm und der Farbensinn — ist die stärkste, eigentümlichste Seite seiner Begabung. Sie dient ihm zum Ausdruck des tiefsten Inhalts seines Lebens. Daher ist es aus seinem Innersten gesprochen, wenn er von dem Hauptwerk seines Lebens, „den Tageszeiten“, sagt:

„Hätte ich es sagen wollen, oder können, so hätte ich nicht nöthig, es zu mahlen.“

Diese Eigenart seines Genies gibt ihm seine einzige Stellung: Otto Runge ist das Auge der deutschen Frühromantik. Um diesen Mittelpunkt seines Wesens sammelt er die ganze Energie seiner Selbstbetrachtung und seines Forschungstriebs. Seine Forschungen, um zu einem tieferen Verständnis der Wunder der Farbe und der Malerei zu gelangen, machen ihn zum Mitarbeiter Goethes, und von diesem Punkte aus, wo ihre Forschung sich begegnet, zollt Goethe Runge die wärmste und rückhaltloseste Anerkennung: nennt ihn „einen genialen, geistreichen 1) Maler“.

Tieck am nächsten in seinem Ausgangspunkt als Romantiker, nach Goethe und Schelling neigend, durch wesentliche Fähigkeiten und Bestrebungen: in dieser zentralen Stellung steht Runge im Geistesleben seiner Zeit. Erst wenn der Geist und das Lebenswerk Runges dem Reichtum seiner Keime und der Fülle seines Inhaltes nach von der Geschichte gewürdigt sein wird, werden wir einen richtigeren und volleren Einblick in den keimenden Boden der deutschen Romantik gewinnen, oder um ein mehr romantisches Bild zu verwenden, das die romantische Zeit besser bezeichnet: Unter den Sternennebeln in der Milchstrasse der Romantiker hat Runges Geist einen der kräftigsten Kristallisationskerne.

1) In einem Brief an Steffens. Siehe „Goethe und die Romantik“, Briefe. Herausg. von Carl Schüddekopf und Oskar WalzeL Schriften der Goethe-Gesellschaft. 13. B. z86f.

Welchen Inhalt sollen wir in das Wort: die deutsche Romantik legen — diesen schwankenden Begriff mit dem schwer greifbaren Sinne ? Ein einzelnes Wort in einem Brief an den 25 jährigen Runge von seinem 30 jährigen Freunde Friedrich Perthes hat mir besser als ausführliche Entwicklungen den Begriff klargelegt.

Es war in Dresden. Runge hatte sich ein Jahr dort aufgehalten.

Seine heftige Liebe zu Pauline Bassenge hatte sein ganzes Wesen erschüttert. Die Geliebte aber war jung, im 17. Jahre, und noch nicht konfirmiert. Und ihr Vater hatte vorläufig die Annäherungen des jungen Künstlers zurückgewiesen. Was war natürlicher ? Aber die Strenge des Vaters machte Runge das Herz schwer, seine Gesundheit litt, und sein Bruder Daniel und die Freunde in Hamburg hatten Angst um ihn. Da schreibt Perthes, der um diese Zeit ihn besser als alle anderen verstand, einen Brief an ihn:

„Du bist ein zu Tüchtiger, Redlicher, als dass man bey dir vorsichtig zu seyn brauchte. Einem zarten Sinn, der einer unedlen Handlung nicht fähig ist, darf man schon etwas Keckes anrathen: Nimm dein Verhältniss romantischer!“

Die Liebe des jungen Malers mit ihrer gewaltsamen Spannung und ihrem heftigen Ausbruch scheint uns eher typisch zu sein für einen echten Romantiker — und Runges Freund Perthes ermuntert ihn im Gegenteil, das Verhältnis mehr romantisch zu nehmen. Er meint damit ohne Zweifel nach seiner ganzen Denkensart: mit mehr nüchterner Selbstbeherrschung, mit reiferer Überlegenheit. Der Begriff romantisch bezeichnet für die Menschen jenes Zeitalters — für den Kreis der Romantiker — nichts anderes, als das höchste Ideal des Zeitalters: das Ideal eines Menschenlebens, das von einer tiefen und echt poetischen Lebensauffassung durchgeistigt ist; ein Ideal von Geistesreife, Geistesmündigkeit und Geistesfreiheit.

So umfassend nach der einen Seite — so intensiv konzentriert auf der anderen. Den Begriff verstehen, heisst also die Zeit verstehen, ihre Geistestemperatur erkennen, den Hochdruck ihrer Geistesatmosphäre eben da messen, wo der Hochdruck der Zeit sein Zentrum hatte — in dem Kreise der „Romantiker“. Eben weil der Begriff diesen zugleich zentralen und umspannenden Sinn hat, ist es ein berechtigtes Wort vonTieck, wenn er später bei einem Rückblick behauptet:

„Das Wort Romantisch, das man so häufig gebrauchen hört, und oft in verkehrter Weise, hat viel Unheil angerichtet.“

Als die spezifisch romantischen Ideale von andern abgelöst wurden, und besonders als die romantische Periode in Misskredit kam, erhielt auch der Begriff romantisch einen neuen Sinn: er blieb nicht länger der höchste Ausdruck für das höchste, alles umspannende Ideal derZeit, sondern er wurde im Gegenteil der Ausdruck für die Einseitigkeiten der romantischen Periode. Wie aber die romantische Zeit ein gerechtes Urteil beanspruchen darf, so kann jede einzelne der leitenden Persönlichkeiten der romantischen Periode mit noch grösserem Recht fordern, dass sie nach ihrer Eigenart beurteilt werde, nach ihrer Fähigkeit, die romantischen Ideale ihrer Zeit zu persönlich selbständiger Kunst und zu persönlich durcharbeiteter Lebenskunst zu prägen.

Als Friedrich Schlegel 1803 und 1804 aus Paris die vier Hefte seiner Zeitschrift „Europa“ ausgab, meinten Daniel Runge und die Freunde in Hamburg mit Verwunderung „fast alle Umrisse der Gedanken“ Runges und ähnliche Ansichten über die Kunst wieder zu finden. Sie hatten, zu einem gewissen Grade, Recht. Mit nicht weniger Recht aber konnte Runge eine derartige Zusammenkoppelung zurückweisen und seine Selbständigkeit behaupten, vor allem im Verhältnis zu Friedrich Schlegel — das wird später klar werden — aber auch, mit grösserem Vorbehalt, zu Tieck: „Es ist mir wunderlich“, schreibt er seinem Bruder —

„dass du so schreibst, als wäre unter mir und Tieck sammt den Schlegel’n ordentlich ein Tractat da …Lieber, ich stehe weit mehr allein, als du glaubst, und muss mich gegen Freunde auch meiner Haut wehren.“ —

Mit Leichtigkeit lassen sich die gemeinschaftlichen Charakterzüge nachweisen, die Runges Gedanken mit den philosophischen und ästhetischen Grundanschauungen der leitenden Romantiker verbinden. Ja, selbst die Ausdrücke und die Temperatur der Gedanken sind manchmal dieselben: hier ist ein Geist und eine Zunge. Wichtiger aber und interessanter als die gemeinschaftlichen Charaktermerkmale nachzuweisen, ist es, die eigentümlichen Farbenbrechungen zu betrachten, die durch den selbständigen und persönlich ausgeprägten Geist Runges die gemeinschaftlichen Ansichten der Romantik annehmen. —

„Die französische Revolution, Fichtes Wissenschaftslehre und Goethes Wilhelm Meister sind die drei grössten Tendenzen des Zeitalters“, durch diese paradoxen Athenäums-Fragmente hat Friedrich Schlegel in zuverlässiger Weise den Barometerstand des romantischen Zeitalters abgelesen. Wir müssen nur „Wilhelm Meister“ erweitern, um den ganzen Goethe zu umfassen. Und in Goethe können wir den wesentlichen und typischen Ausdruck sehen für die mächtige Ausdehnung des deutschen Geistes, die uns zeigt, dass die Renaissance Dantes, Petrarcas, Shakespeares das deutsche Volk endlich erreicht hat und seinen Geist belebt. Und in Goethes Geist dürfen wir zugleich seine Anlagen und Interessen für die Naturforschung hervorheben, in dieser grossen, für die Naturwissenschaft grundlegenden Zeit 1), wo jede neue Entdeckung der Forschung unendliche Anregungen gibt.

Wenn wir den Schlegelschen Aphorismus so deuten, haben wir in der französischen Revolution, in Goethe, in Fichte (Schelling) summarisch die wesentlichen neuen, negativen und positiven, Bildungselemente, die auf verschiedene Weise die Persönlichkeiten der romantischen Zeit prägten. Ein Hass verband alle Romantiker, der Hass gegen die veraltete Zeit der „Aufklärung“ mit ihrer mechanischen Weltauffassung und encyclopädischen Weisheit, die die ewigen Wunder der Welt wie ein Wörterbuch behandelte. In Deutschland schlug die Revolution nach Innen. Die Ich-Philosophie Fichtes ist in ihrem souveränen Selbstgefühl—als radikal umwälzende und radikal neubildende Geistesmacht— radikaler als Rousseau, radikaler als die französische Revolution.

Selbst Runge — den Dichter-Maler, der nie ein philosophisches Buch gelesen hatte — erreichten die Gedankenkreise von Fichtes Ich-Philosophie. Eben dessen gedenkt er, als er in seiner treuherzigen Weise schreibt (an seinen Bruder 7. Nov. 1802):

„Selbst die Philosophen kommen dahin, dass man alles nur aus sich herausimaginirt.“

Und in dieser Philosophie findet er für seine eigene radikal-revolutionäre und souverän-neuschaffende Kunstauffassung eine Bestätigung. Niemand hat mit grösserem Selbstbewusstsein als Runge — in seiner künstlerischen Selbstentfaltung — für die Verwirklichung des romantischen Ideals gelebt, nach der sogenannten „Zentrums-Lehre“ Friedrich Schlegels, als eine unendliche Entfaltung gespannter Subjektivität und alles umspannender Universalität 2). Niemand hat mit grösserer Energie als Runge sich in revolutionäre Opposition gegen die überlieferten Kunstformen der Vorzeit gestellt, eine Zeit lang so radikal, dass er alle frühere Malerei von der Erde getilgt wünschte. Keiner hat im Gefühle eigener künstlerischer Schöpferkraft eine stärkere Empfindung von „dem Herzschlage der neuen Zeit“ gehabt. In seiner Seele fand der Zuruf Novalis den stärksten und vollsten Widerhall: „—Es sind die ersten Wehen2), setze sich jeder in Bereitschaft zur Geburt“ — zur Geburt einer neuen Welt, von dem erneuerten Christentum belebt. Hat irgend einer der Romantiker Ernst mit dem Gedanken Friedrich Schlegels und Schellings gemacht, eine neue Mythologie aus seinem eigenen und dem Weltbewusstsein des Zeitalters zu schaffen, so ist es Runge gewesen. Das grosse symbolische Naturepos, das Schelling (um 1800) in sich trug, hat Runge in den „Tageszeiten“ aus seinen individuellen Voraussetzungen sich als Hauptziel seines Künstlerlebens gesetzt.

Während der grundlegenden Entwicklungsjahre Runges war die Luft voll spezifisch „romantischer“ Gedanken, er atmete sie mit jedem Atemzuge ein. Zwischen den Freunden in Hamburg, unter geistesverwandten Buchhändlern, wie Perthes, Besser und Zimmer, erreichten ihn die neuen Gedanken so zu sagen mit jedem neuen Buch. Es waren aber Tieck und Steffens, die die intimsten und kräftigsten Gedankenvermittler für den jungen Runge wurden: die beiden Männer, denen Daniel Runge die hinterlassenen Schriften Otto Runges gewidmet hat, der eine das kräftigste Dichtervermögen der romantischen Blütezeit (jedenfalls nach dem Tode Novalis 3), der zweite der grösste Naturforscher der Romantiker, der begeisterte Mitarbeiter Schellings.

1) Vgl. Karl Lamprecht über „Die Naturwissenschaften in Deutschland um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert4* in Beilage zur Allgemeinen Zeitung 1907, No. 213.

2) Vgl. Marie Joachimi: Die Weltanschauung der deutschen Romantik. Jena und Leipzig 1905, S. 169 f. und S. 112, wo Fr. Schlegels 419. Athenäums-Fragment zitiert wird, besonders sein Ausdruck: „schlichthin unbegränzte Extension und Intension“. — 3) Novalis Schriften, herausg. von J. Minor. Eugen Diederichs, Jena 1907. Bd. II. S. 40 f.

Hier heisst es: „Die letzten Jahrzehnte des 18. und die ersten etwa noch des 19. Jahrhunderts sind Keim- und Wiegenjahre alles wissenschaftlich Grossen gewesen, das sich seitdem reicher, voller, klarer, verstandesmässiger entwickelt hat.“

Die erste persönliche Begegnung Runges mit Tieck fand im Spätherbst 1801 statt, wenige Monate, nachdem Runge sich in Dresden niedergelassen hatte. Durch seine Werke war Tieck Runge schon ein alter vertrauter Bekannter. Sternbalds Wanderungen — „Tiecks Lieblingskind“, war in seine Hände gefallen in einem entscheidenden Augenblick seines Lebens, eben, als er von dem Kontorstuhl erlöst wurde, um sich zum Künstler auszubilden. „Mich hat nie etwas so im Innersten u, 9 meiner Seele ergriffen, wie dies Buch“, heisst es in einem Brief von ihm an seinen Freund Besser. Tiecks künstlerische Gedanken fanden in diesem Augenblick in der Seele des jungen kongenialen Malers einen Boden, der für ihre Keimkraft nicht fruchtbarer sein konnte. Was Runge mit solch überwältigender Macht ergriff, waren zuerst und vor allem die hohen Gedanken von dem Künstlerberuf. Die tiefen Untertöne aus der Seele Wackenroders, die Orgcltöne: das Leben selbst eine anbetende Andacht in der Ausübung eines von Gott gegebenen Künstlerberufs.

Aber neben diesen allgemeinen Gedanken waren es auch mehr oder weniger direkt künstlerisch malerische Anregungen — vorläufig vielleicht unbewusst, aber mit keimender Kraft im Verborgenen — Gedanken, wie die in den Mund Albrecht Dürers gelegten 1):

„Glaubt Ihr nicht, dass es den künftigen Zeiten möglich seyn wird Sachen darzustellen, und Geschichten und Empfindungen auszudrücken auf eine Art von der wir jetzt nicht einmahl ei ne Vorstellung haben ?“

Oder wie die 2):

„Warum schweift Ihr immer in der weiten Ferne, und in einer staubbedeckten Vorzeit herum, uns zu ergötzen. Ist die Erde, wie sie jetzt ist keiner Darstellung mehr werth; und könnt’ Ihr die Vorwelt mahlen, wenn Ihr gleich noch so sehr wollt´ ?“

Oder Gedanken, wie sie Tieck Lucas von Leyden in den Mund gelegt 3) hat:

„Wir sind einmahl keine Italiener, und ein Italiener wird nimmermehr deutsch empfinden . . . Jedes Land hat seine eigene Kunst.“

Oder: 4) „Ich glaube . . . das sich Musik, Poesie und Mahlerei oft die Hand bieten, ja dass sie oft ein und dasselbe auf ihrem Wegen ausrichten können . . . Die Gemählde von Landschaften scheinen mir aber besonders dazu Veranlassung zu geben.“

Weiter Stimmungsakkorde wie der folgende: 5)

„Es wurde Abend, ein schöner Himmel erglänzte mit seinen wunderbaren, buntgefärbten Wolkenbildern über ihnen“

(und Rudolf sagt:)

„Meine Seele sollte sich an diesen grellen Farben ohne Zusammenhang, an diesen mit Gold ausgelegten Luftbildern ergötzen und genügen, ich würde da Handlung Leidenschaft, Composition und alles gern vermissen, wenn Ihr mir, wie die gütige Natur heute thut, so mit rosenrothem Schlüssel die Heimath aufschliessen könntet, wo die Ahndungen der Kindheit wohnen, das glänzende Land, wo in dem grünen, azurnen Meere die goldensten Träume schwimmen, wo Lichtgestalten zwischen feurigen Blumen gehn und uns die Hände reichen . . . o, mein Freund, wenn Ihr doch diese wunderliche Musik, die der Himmel heute dichtet, in Eure Mahlerei hineinlocken könntet! . .“

1) Ausgabe von 1798. I, 235. 2) Ausgabe von 1798. I, 112. 3) Ausgabe von 1798. I, 191. 4) Ausgabe von 1798. II, 173 f. 5) Ausgabe von 1798. 11,117.

Oder Gedanken, die das Kongenialste in Runges Seele treffen, seine einzigartige zarte Blumenliebe:

„Man könnte 1) sich … ein ganzes Gesprächstück von mancherlei Tönen (Musikinstrumenten) aussinnen,“

sagt der eine.

„Es kann seyn“,

antwortete der andere,

„von Blumen kann ich es mir gewissermassen vorstellen.“

Und der erste spinnt den Gedanken weiter:

„Ich hatte einmal Lust . . . aus Blumen ein Liebesstück und aus den Tönen der Instrumente … ein Geisterspiel zu formiren“.

Schon in Franz Sternbald’s Wanderungen, in diesem Wackenroder-Tieckschen weich-sentimentalen, phantastisch-romantischen Künstlerroman liegen Keime zu dem Lebenswerk Runges. Die beiden, Tieck und Runge, waren auf denselben Ton gestimmt schon von dem Augenblick an, als sie sich im Spätherbst 1801 zuerst begegneten. Im Frühling desselben Jahres war Novalis gestorben; Tieck war eben damit beschäftigt, seine hinterlassenen Schriften zu sammeln. Was Tieck Novalis gewesen war, wurde er nun Runge.

In einem Brief von Novalis 2) an Tieck heisst es:

„Deine Bekanntschaft hebt ein neues Buch in meinem Leben an. — An Dir hab’ ich so manches vereinigt gefunden — was ich bisher nur vereinzelt unter meinen Bekannten fand. — Wie meine Julie mir von allen das Beste zu besitzen scheint, so scheinst auch Du mir jeden in der Blüthe zu berühren und verwandt zu seyn . . . Noch hat mich keiner so leise und doch so überall angeregt wie Du. Jedes Wort von Dir versteh’ ich ganz . . . Nichts menschliches ist Dir fremd — Du nimmst an allem Theil — und breitest Dich leicht wie ein Duft gleich über alle Gegenstände und hängst am liebsten doch an Blumen.“

Otto Runge stand eben in der Blüte. Als Tieck ihn zum ersten Mal besuchte, hatte er schon den Entwurf zu der „Lehrstunde der Nachtigall“ fertig, wo er um ein Bild seiner Geliebten, als „Psyche“ auf das Flötenspiel eines Liebesgottes horchend, eine Arabeskenranke geflochten hat von Nachtigallengesang und den Genien der Lilie und der Rose, eine Komposition, die seine Liebespein und sein Liebesentzücken wie das Thema eines musikalischen Satzes variiert, in einer Bildersprache, die uns an die Züge der blauen Blume von Novalis erinnert.

1) Ausgabe von 1798. Bd. II. S. 82 f. — 2) Holtei, Briefe an L. Tieck, 1. B. S. 305.

Und vor dem „Triumph des Amor“, der ersten grösseren Komposition Runges, mit der er sich schon während seines Kopenhagener Aufenthaltes getragen hatte, der aber jetzt seine Liebe den Liebreiz der Reliefkunst Thorwaldsens verlieh ehe er noch die Kunst des grossen Bildhauers kennen konnte — vor diesem reizenden Bilde erkannte Tieck zuerst Runges schöpferisches Genie und mischte seinen Blumenstaub mit dem Geist Runges in dem heiligen Augenblick, als die Liebe die Blumenkrone seiner Seele entfaltet hatte.

Tieck fühlte, dass in diesem jungen Manne die Kraft zu einer neuen Kunst wohnte. Sie sprachen lange mit einander — die Gedanken, die in Runges Lebenswerk die Leitmotive wurden, klangen von dem einen zu dem andern hinüber; „wir standen noch lange bis im Dunkeln“, schreibt II, iu Runge von dieser Begegnung mit Tieck einem Freund, „und die einzelnen Worte tönten wie Accorde in dem Andern wieder . . .“

In demselben Brief schreibt er:

„Mir ist seit einigen Tagen alles gewesen, als wenn ich es noch nie so empfunden hätte, so im Zusammenhang, als wenn ich den Odem der Welt hörte“ ;

seine Schöpferkraft fühlte er aber noch von der Schwermut seiner Liebesangst gedämpft. Auch die Seele Tiecks war um diese Zeit auf dunkle Töne gestimmt. Viel Missgeschick war ihm begegnet, er fühlte sich krank und niedergedrückt — wie Runge in demselben Brief sagt:

„bey dem trüben Gedanken auf das Vergängliche verlässt ihn die süsse Lust des Lebens“.

Eben während dieser trüben Stimmung bekam er die Nachricht aus Berlin, dass seine Eltern gestorben seien.

Auch Runge wird von einem harten Schlage getroffen, der ihn für einige Zeit in die tiefste Schwermut versetzt: Bassenge verweigert ihm bis auf weiteres Zutritt zu seinem Hause.—

„Wenn ich auf mein Leben hinsehe, es liegt bitter und betrübt vor mir . . . Wo finde ich eine Seele, die für mich so leben möchte, wie ich für sie nur lebe ? . . . . Was ich bin und werden kann — dass ich diese wunde Stelle, wo alle Nerven der Seele bloss liegen, immer offen und reizbar erhalte, nur dadurch kann ich es seyn und werden . . .“

Er erzählt in seinen Briefen, wie er in schweren Stunden vor seiner, vor der „Lehrstunde der Nachtigall“ sitze, wie er im Geist schon alles gemacht sehe: die herrlichen Farben, womit er sie doch immer nur meine . . . nur sie wollte er immer ausdrücken . . . ihr Bild sei es, das er in jedem Eichenblatt malen möchte — in ihrer Liebe lebe er nur, dieser „Rose, Blume aller Blumen, Blüthe“, aus der seine Früchte herauswachsen sollen.

Die Schwermut Tiecks, die um diese Zeit zu Weltschmerz neigte, steigerte die Schwermut Runges und stimmte sie auf einen tieferen Ton. Bald aber jauchzen alle Töne in Runges Seele auf. Das schwere und doch reiche Jahr 1802 war noch nicht zu Ende, als er die sicherste Hoffnung, die zuverlässigste Gewissheit hatte. Der ganze Himmel hängt ihm jetzt voller Geigen. Die Sonne seines Lebens bricht gewaltig hervor. Er hört eines Tages die Schöpfung von Haydn. „Grade so“, schreibt er seinem Bruder Daniel, „geht alles jetzt in grossen Massen in mir durcheinander“. Er fühlt jetzt Kräfte in sich, eine neue Kunst zu schaffen. Als er das erste glückliche Zusammensein mit seiner Braut erlebt hat, schreibt er an seine Mutter:

„Es ist alsdann deutlich zu fühlen, dass wieder die Welt mit etwas schwanger geht, dass die Gleichgültigkeit gegen das Tiefste, das im Menschen liegt, nicht bestehen wird, und wir etwas Herrliches zu erwarten haben. Ich weiss auch wohl, wie das Land aussehen wird, und hoffe es immer mehr in mir zu ergründen. Aus mir, aus dem, was Gott mir gegeben hat, ist mir alles gekommen; warum sollte ich nun nicht hoffen und fest glauben, dass das so fortgehen wird ? Man hat, dünkt mich, zu sehr auf die Autorität der Vorgänger gebaut, und wir haben den ewig quellenden Brunnen, den Hauch, den Gott uns eingeblasen, eben so wohl in uns wie sie; warum sollten wir also nicht auch directe auf uns Selbstvertrauen?“

„Mir ist der Mensch wie eine schöne Blume, die, wenn sie aufgeblüht in ihrer vollen Kraft steht, und die Sonne bescheint sie, nimmt sie den fruchtbaren Blüthenstaub auf, der in den Lüften zieht, und bringt dann Früchte; so ist es mit dem Menschen, dem zu der kräftigen vollen Zeit seines Lebens sich der Sinn erschliesst, der dann das himmlische Licht ergreift und aus allem Lebendigen um sich es zu verstehen sucht. In solchen Menschen vergeht das Leben nicht und die innere Lust und Jugend bleibt ihm ewiglich.“

Vom Sommer 1801 bis zum Frühjahr 1802 hielt sich Henrich Steffens abwechselnd in Tharandt und Dresden auf, in vertrautestem Umgang mit dem gleichaltrigen 28 jährigen Tieck, die schwärmerische Bewunderung seines Freundes für die Mystik Jakob Böhmes teilend. „Hier in Dresden“, erzählt er in seinen Erinnerungen 1), „lernte ich zuerst den ausgezeichneten, in vieler Rücksicht bedeutenden Dichter und Maler Runge kennen“.

Für die Erinnerung Steffens war dies Jahr eins der glücklichsten seines Lebens. Er hatte eben seine „Beiträge zur innern Naturgeschichte der Erde“ herausgegeben, ein „Buch“, sagt Haym 2), „wie es auch dem Begabtesten nur einmal, nur in der Blütezeit des Lebens zu gelingen pflegt.“ Durch dies Werk darf Steffens fast als der 3) Mitbegründer der Schellingschen Naturphisolophie betrachtet werden. Steffens4) sagt selbst in „Was ich erlebte“: „Was ich in dieser Schrift zu entwickeln suchte, bildete das Grundthema meines ganzen Lebens . .“ „Von meiner frühesten Kindheit an sprach mich die Natur selber als ein Lebendiges an. Sie schloss das Geheimniss eines tiefen Denkprozesses in sich. Sie musste aussprechen, nicht bloss was der Urheber der Natur dachte, auch was er mit dem Denken wollte . . .“ „Es zuerst ausgesprochen zu haben … dass die in uns mit Gott freie Persönlichkeit der verborgene Grund aller Natur -Entwickelung, der Endpunkt des ganzen Daseins ist, ward mir vergönnt.“ Und er schliesst sein Buch mit den Worten: „Wem die Natur vergönnte, in sich ihre Harmonie zu finden, — der trägt eine ganze, unendliche Welt in seinem Innern, — er ist die individuellste Schöpfung — und der geheiligste Priester der Natur.“ „In den innersten Tiefen unseres eigenen Geistes“ sucht Steffens als ein Vollbluts-Romantiker den Schlüssel zu den Geheimnissen der Natur.

Mehr brauchen wir nicht von Henrich Steffens zu hören, um zu verstehen, welche Bedeutung er schon um diese Zeit für Runges Lebenswerk gehabt hat, zwar wohl weniger durch persönliche Mitteilung, als indirekt durch Tiecks Vermittlung. Die Naturphilosophie Steffens’ — wie die Naturphilosophie der Alten — ist ja schon zum grossen Teil Dichtung und wird, durch Tiecks Geist hindurchgegangen, in noch höherem Grade Dichtung mit phantastischen Zutaten von Jakob Boehmes Mystik. Das Grundthema Steffens’ wird auch das romantische Grundthema in Runges künstlerischer Selbstentfaltung mit dem bewussten Ziel, eine neue Kunst zu schaffen, wie er diese Grundanschauung in einem Briefe an seinen Bruder Daniel den 7. November 1802 formt: „Jch fühle es ganz bestimmt, dass die Elemente der Kunst in den Elementen selbst nur zu finden sind, und dass sie da wieder müssen gesucht werden; die „Elemente selbst“ aber sind in uns, und aus unserm Innersten also soll und muss alles wieder hervorgehen.“

1)Was ich erlebte. IV. 415 h 2) Haym, 626. 3)Haym, 620. 4) Was ich erlebte. IV. 286 ff.

Als Henrich Steffens Tharandt und Dresden verliess, ging er nach Kopenhagen als Apostel für das Geistesleben der deutschen Romantik. Er war nur wenige Wochen dort gewesen, als er in Adam Oehlenschläger einen „jungen Heiden“ gewann, der sich Steffens und der neuen Lehre mit leidenschaftlicher Begeisterung anschloss. Nach einer flüchtigen Bekanntschaft ging der junge Dichter — „der Mann mit den verborgenen Talenten“, wie man ihn spottweise genannt hatte — zu Steffens in seine phantastisch-poetische Wohnung: Die „Aurora“ oder die „Morgenröte im Aufgang“ von Jakob Boehme mit der aufgehenden Sonne auf dem Titelblatt lag aufgeschlagen auf dem Tisch. Es war vormittags um 11 Uhr. Das Gespräch zwischen den beiden dauerte bis 3 Uhr nachts — 16 Stunden. Nach einem kurzen Schlaf in der Wohnung Steffens’ ging Oehlenschläger nach Hause und schrieb ein Gedicht, dessen Rhythmus eine innere Spannung hat, wie von dem raschen und warmen Pulsschlage des Gesprächs. Dies Gedicht war „Guldhornene“ (die goldnen Home), das der Poesie in den nordischen Ländern ein neues Zeitalter eröffnete. „Ich gab ihn sich selber,“ schreibt 1) Steffens, „er erkannte den eignen inneren Reichthum und ich erschrak fast, als die jugendliche frische Quelle mir gewaltsam entgegenströmte.“

1) Was ich erlebte, V. 26.

Im selben Jahre begegnen sich Tieck und Runge. Runge und Oehlenschläger haben in sich denselben Kristallisationskern, um sich aus dem Sternennebel der deutschen Romantik zu verdichten: Runge hätte in sich Kräfte gehabt, um etwas Ähnliches für die Malkunst Deutschlands zu werden, wie Oehlenschläger für die nordische Dichtkunst wurde. Man hat darauf aufmerksam gemacht, wie die Namenszüge des Jungen Dichters Adam Oehlenschläger sofort nach der Begegnung mit Henrich Steffens einen anderen Schwung bekommen, wir sehen, wie sein ganzes Wesen schwillt. Auch bei Runge bemerken wir dasselbe Schwellen und dasselbe Hervorquellen — nicht unmittelbar durch die Berührung mit dem Geiste Tiecks; seine Liebe ist es; sein Liebes-Glück nach dem Zweifel und Kampf, das sein Wesen schwellen lässt. Er strahlt vor Glück, auch die sehen es, die dessen U, iss Grund nicht kennen. Er schrieb an Daniel um Weihnachten 1802:

„Es weiss es niemand, und doch sagen die Leute alle zu mir: „Den sticht recht der Haber;“ ich kann mich nicht verbergen, ich trage ihr Herz in meinem Busen, wie kann’s da anders seyn ? Ich schmecke es bey jedem Worte, das ich spreche–.“ „Eben habe ich die Paersingen hören; sie hielt solange den vollen Ton an, und der Bennelli sang immer dazwischen; das heiss’ ich auf einem Goldgrund mahlen, und alles, was ich jetzt denke, ist mir immer so . . , Ich fühle, wie Alles bis in die innerste Tiefe hinein in mir auflebt; so ist die Erde in sich lebend und wie Blumen hüpfen die lustigen Töne aus der Tiefe: so das lustige Leben aus den Fingern eines Künstlers.“ —

In dieser Zeit, in dem Übermasse seines Glücks, dämmern die Tageszeiten in seiner Seele auf. In einem weiteren Brief an seinen Bruder schreibt er acht Tage später:

,,Es ist nicht möglich, dass ihr n, i8» es durch mein bischen Schreibens einseht, was ich mit dem „neuen Tage“ meyne; ich weiss es auch so deutlich noch nicht, aber ich werde es erfahren, das hoffe ich getrost.“

Die Liebe, die durch den Verlust bei Novalis die Schwermut der „Hymnen an die Nacht“ annahm, schlug bei Runge im Siegesglück in einen Jubelchor an „den Tag“ aus. Alles klärt sich für ihn in den nächsten Wochen. Alles sammelt sich zu seinem grossen Lebenswerk —: schon Ende Januar 1803 kann er in einem Briefe seinem Bruder „die vier Zeichnungen von den Tageszeiten einigermassen beschreiben“. Und zur selben Zeit, als er in seinem Glück die Ideen zu der grössten Komposition seines Lebens ausformt, denkt er an seine Zukunft, wie er sein „bürgerliches Leben“ praktisch zurechtlegen soll. Das Praktische und das Ideale schlingen sich bei ihm auf eine so anmutig naive Weise ineinander, dass man nicht leicht entdeckt, was das erste und was das zweite ist. In demselben Brief, in dem er zum ersten Mal die vier Zeichnungen beschreibt, sagt er:

„Du siehst wohl, dass, indem ich nur so leichte Decorationen machen wollte, ich wider Willen grade das grösste von Composition hervorgebracht habe, was ich noch gemacht; denn alle vier Bilder gehören genau zusammen und ich habe sie ganz bearbeitet wie eine Symphonie. Ich werde, da ich darin die vier Hauptideen und das Ganze habe, ohne Schwierigkeit die Verbindung durch leichte Arabesken bewürken können. Als Zimmerverzierung wird es eine etwas schwere Kost; das thut aber nichts, denn aus diesen Entwürfen lassen sich nachher mit Leichtigkeit sehr viele kleinere Sachen hervorbringen, und verständlich sind sie mehr, als ich anfangs selbst dachte–“

Er fängt mit einigen leichten Entwürfen zu Zimmerverzierungen an. Er endigt nicht, bevor er nicht seine ganze christliche Weltanschauung in diese Entwürfe hineingelegt hat. Er will eine Werkstatt wie die alten Künstlerwerkstätten der Renaissancezeit gründen, an die Stelle der Akademien der späteren Jahrhunderte. An Ideen fühlt er sich so reich, dass er sie

„sozusagen aus dem Aermel schütteln kann. Nun ist es auch gewiss,“

schreibt er seinem Vater aus Dresden am 13. Januar 1803,

„dass meine zwey Hände viel zu wenig sind, um alles auszuführen, was ich machen kann, aber noch gewisser, dass viele talentvolle Menschen in der Welt herumgehen, die nichts thun und nichts zu thun haben. Ich denke also darauf, diese Hände mir anzuschliessen …. Ich kenne viele junge Leute hier sowohl, wie in Kopenhagen und anderwärts . . . selbst einen meiner alten Lehrer, die mir die Sachen nach meiner Angabe und Zeichnung ausführen würden . . . auch ist grade in Hamburg eine neue Kunstschule im Werke, wo doch wieder Arbeiter erzogen werden, diese würden mir recht in die Hand wachsen, und wie ich dadurch denn wieder ihnen in ihrer inneren Erkenntniss der Kunst und ihrer eignen Fähigkeit förderlich werden könnte, so würde dieses eine Einrichtung- in der Weise wie einst die Schule Rafaels . . Es ist nun ganz in der Ordnung, dass, wenn ich nach Hamburg komme, ich von diesem Plane nichts verlauten lasse, sondern ich arbeite so bloss für mein Vergnügen und mahle für mich oder für ganz nahe Freunde ein Zimmer aus, dafürwollten wir schon sorgen, dass das Ding gefallen sollte, und die Leute gehörig reizen, dass sie so etwas auch für sich gemacht ‚wünschten; dazu hätte ich dann aber keine Zeit und thue es am Ende ihnen bloss zu Gefallen und Hesse es durch Andre ausführen und so wäre der Anfang gemacht. . .

Und wenn ich nun diese Sachen ausführen lasse, kann ich an meinen grösseren Ideen ruhig und ohne Sorge fortarbeiten und es kommt bey dem ganzen Plan bloss darauf an, dass ich einige Jahre in Hamburg sitzen könne und nicht nöthig habe, davon zu leben, bis es erst zum guten Ten gehört, dass man von meinen Zimmerverzierungen haben muss, und kenne ich schon das Publicum, wie es in dieser Hinsicht angefasst werden muss, recht gut . . Ueber dieses nun ist das alles der grosse Plan, wie alles sich jetzt so fügen könnte, dass für mich und die Welt der grösste Nutzen vom meinen Arbeiten herauskäme.“

„Die Zimmerverzierungen,“ schreibt er seinem Bruder Daniel, „ja die sind bloss die Leimruthen, womit ich sie — aber in aller Ehrlichkeit — fangen will, dass sie nur erst glauben, es wären bloss die Zimmerverzierungen, hernach aber davon nicht wieder loskommen können . . .“

Durch die Anmut will er sie besiegen, dass er ihnen zuletzt den tiefsten Inhalt seiner Seele auszusprechen vermöge. Anfang März 1803 konnte Runge nach Ziebingen reisen, wo Tieck sich seit dem vorhergehenden Herbst niedergelassen hatte, um ihm die Zeichnungen der Tageszeiten — als vorläufige Entwürfe — zu zeigen. Von dieser Zusammenkunft erzählt er seinem Bruder:

„Wie ich in Ziebingen Tieck meine Zeichnungen zeigte, war er ganz bestürzt; er schwieg stille wohl eine Stunde, dann meynte er, es könne nie anders, nie deutlicher ausgesprochen werden, was er immer mit der neuen Kunst gemeynt habe 1); es hatte ihn aus der Fassung gesetzt, dass das, was er sich doch nie als Gestalt gedacht, wovon er nur den Zusammenhang geahnet, jetzt als Gestalt ihn immer von dem ersten zum letzten herumriss; wie nicht eine Idee ausgesprochen, sondern der Zusammenhang der Mathematik, Musik und Farben hier sichtbar in grossen Blumen, Figuren und Linien hingeschrieben stehe.“

Wir stehen hier bei einem Punkt in Runges und Tiecks Verhältnis, der uns an den innerlichen Zusammenhang zwischen Novalis und Tieck erinnert.

Wo Haym 2) von dem Verhältnis Tiecks zu Christentum und Glaube redet, und seine christliche Dichtung mit den „Geistlichen Liedern“ von Novalis vergleicht, sagt er:

„Novalis hat keinen Nachfolger und keinen Gleichen gefunden; denn soviel Innigkeit, wie er aufzubieten hatte, um den kritischen Verstand zu entwaffnen, ist Wenigen und zwar am wenigsten Tieck bescheert.“

1) Vgl. besonders sein Kapitel über „die Farben“ in Tiecks und Wackenroders „Phantasien über die Kunst“. — 2) Haym, 479.

Aber Runge und seine Bedeutung hat Haym nicht geahnt, in seinem 950 Seiten starken Werk: „Die romantische Schule. Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Geistes“ ist Runges Namen nicht einmal genannt. Runge war der Nachfolger Novalis’, nur dass seine Dichterseele andere Ausdrucksmittel für ihre Innigkeit hatte. Er besass dieselbe Fähigkeit zu voller Selbsthingebung, eine ähnliche, ja wohl gar eine noch grössere Ursprünglichkeit. In den Augen Runges fand Tieck denselben tiefen Grund wieder, wie in Wackenroders Kinderaugen und in dem dunkelglühenden Blick Novalis’, den der Schmerz nach innen geöffnet hatte. In solchen ganzen Seelen fand Tieck die Ruhe, die sein müder Gedanke, seine selbstbespiegelnde, selbstauflösende, selbstverzehrende Ironie so tief vermissten. Und seine Seele — voll „Sehnsucht 1) zum Religiösen“ klingt dermassen zusammen mit dem festen Glauben des jüngeren Freundes, dass Runge in Tieck den Fort-geschrittneren und Reiferen sieht. In Tiecks Schwermut, die seine Gedanken von dieser Welt gelöst hat, findet er einen Ausdruck christlicher Überlegenheit; in einem Briefe an einen Freund schreibt er am 4. Aug. 1802:

„Tieck ist doch weit reiner und besser als ich; die Liebe zu der Welt ist nicht so tief mehr in ihm, dass sie ihn so regiert, wie mich. Ich sehe es wohl ein, kann es ihm aber nicht nachmachen; ich bin in der Mitte des Lebens; die Gedanken, womit er sich trägt, verwerfen das nicht, aber setzen es herunter, worin ich mit voller Seele die Kunst sehen möchte. Ich werde es auch noch so machen, nur jetzt nicht —.“

In solchen Stimmungen, von Tieck angesteckt, konnte er sogar zur Besorgnis seiner Nächsten mit Äusserungen wie diesen kommen:

„Ich wollte, es wäre nicht nöthig,“

schreibt er am 10. Juli 1803,

„dass ich die Kunst treibe, denn wir sollen über die Kunst hinaus und man wird sie in der Ewigkeit nicht kennen.“

Aber dies war doch, wie er selbst in einem späteren Brief gesteht, nur

„ein vorübergehender Zweifel“ ;

er würde ja

„undankbar gegen Gott“

sein, wenn er an seiner Aufgabe in dieser Welt als Künstler zweifle. Für immer aber blieb die religiöse Grundstimmung seiner Seele; durch sein ganzes Leben hält er die Überzeugung fest, die er in einem Brief an seine Schwester am 3. Sept. 1802 ausspricht:

„Die Religion ist nicht die Kunst; die Religion ist die höchste Gabe Gottes; sie kann nur von der Kunst herrlicher und verständlicher ausgesprochen werden.“

In Friedrich Perthes Lebenserinnerungen heisst es von seinem verstorbenen Freunde:

„Mit dem feierlichsten Ernste konnte Runge aussprechen, dass dem Künstler, welcher dahin käme, die Kunst zur Religion zu machen, ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft werden müsse im Meere, da es am tiefsten sei.“

1) Tiecks Schriften, II. Band, S. LXXIII.

Wenn Runge, wie wir aus seinen Briefen klar herauslesen, sich nicht stärker von den Brüdern Schlegel angezogen fühlte, so hatte es mehrere Gründe. Der tiefste lag ohne Zweifel in ihrer ethisch-religiösen Lebensauffassung. Welchen Unterschied — von Gottesfurcht und Ernst—zeigt nicht schon Runges Kampf um sein Ideal der Liebe —

Runge schreibt seiner Schwester am 3. Sept. 1802:

„ . . das ist nun die so genannte neue Fancy oder Schule“(die romantische), „in welcher aber eben auch Böses und Gutes gesondert ist. Sie erkennen die Welt und die Natur, und die Guten unter ihnen erkennen die Offenbarung, so müssen sie sich trennen . .“ Seinem Bruder Daniel schreibt er am 23. März 1803, nach dem Besuch bei Tieck in Zicbingen: „In der Zeit liegt wohl eine grosse Geburt, und du hast wohl recht, die Schlegel sprechen die Zeit ganz aus, Schlechtes und Gutes, nämlich die Kraft, innerlich und äusserlich durch ein ander, gute und böse.“ Hier war es trotz aller gegenseitigen Sympathie — doch kein volles Zusammenklingen, wie zwischen Runge und Tieck. Mit ihren ausgeprägten ästhetischen Interessen hatten die Schlegel auch nicht dieselbe Naturanlage, um das Malerische in tiefer und echter Ursprünglichkeit aufzufassen wie Tieck, der Bruder des Bildhauers Friedrich Tieck und der Mutter des Kunsthistorikers Waagen, der Dichter mit dem innigen und umfassenden Naturgefühl, der das Wort „Waldeinsamkeit“ geschaffen hat. Steffens sagt in seinen Erinnerungen 1): „Friedrich Schlegel lebte ganz in der Geschichte. Die Natur war ihm völlig fremd, selbst der Sinn für schöne Gegenden schien den beiden Brüdern zu fehlen.“

Durch diese Charakteristik der Brüder Schlegel wird es uns klar, dass es in Friedrich Schlegels Naturbegrenzung begründet war, wenn eben er sich zum literarischen Führer des Nazarenentums entwickelte, dieser nach der Vorzeit und der katholischen Kirche gerichteten künstlerischen Sekte, wie denn auch sein Bruder Wilhelm Schlegel eine ausgesprochene predilection d’artiste für den Katholizismus zeigte. Runge blieb in tieferem Sinn Friedrich Schlegel immer ein Fremder. Als dieser im Frühsommer 1802 mit seiner Frau Dorothea Veit nach Paris ging, hatte Runge noch nicht die erste Idee zu seinen Tageszeiten entworfen, und die beiden sahen sich nie wieder. Was in Wackenroder-Tieck noch unentschieden und ungetrennt lag, teilte sich in Friedrich Schlegel (dem literarischen Führer der von derTradition stramm gebundenen Nazarener) und Otto Runge (dem zielbewussten Begründer einer selbständigunabhängigen und universellen neuen Kunst). Friedrich Schlegels ganzes Verhältnis zur bildenden Kunst ist eben stark literarisch, nicht wie z. B. das Rumohrs unmittelbar künstlerisch. Wir werden später sehen, wie Friedrich Schlegel in den Europa-Briefen, die doch eben „in Gedanken“ an seinen Freund Tieck geschrieben waren1), schon von Runges moderner Richtung abrückt.

„Ich habe keinen gefunden, der mich so ganz versteht, und den ich so wieder verstehe, wie Tieck“ ,

schreibt Runge seiner Mutter am 18. Dez. 1802.

„Und durch unsern Zusammenhang ist er zu meiner grossen Freude weit ruhiger und entschlossener in sich geworden, keine Kunst ergründen und begreifen zu lernen, die nicht in Gott und unserer geoffenbarten Religion kann gegründet seyn.“

Sein Christenglaube ist für Runge nicht nur das Band, das ihn am innigsten mit den Eltern und dem Geschwisterkreise verbindet, sondern auch der starke und sammelnde Mittelpunkt in seinem Leben, der mehreren von den leitenden Romantikern fehlte. Sein Glaube aber ruht ganz auf dem Zentralen des Christentums, erhaben über jede konfessionelle Einschränkung. Seine Denkart kommt klar zum Ausdruck in den Briefen an Pauline Bassenge, wo er mit liebevollem Ernst ihre Furcht zurückweist, dass er katholisch werde:

„.. man sagt sehr abgeschmackterweise, ich sey Katholisch; das ist nun aber heutzutage gleich der Fall, sobald man einen Menschen antrifft, der wahrhaft an der Religion hängt und es nicht verbergen mag und kann, wenn er darauf zu sprechen kommt, wieviel sie ihm ist . . Ich bin ein schwacher Mensch, aber Gottes Macht wohnt nicht in einem Tempel und seine Herrlichkeit kann nicht in ein System durch des Menschen Verstand gemacht, eingeschlossen werden .. „

1) Vgl. Brief von Fr. Schlegel, datiert Paris, 13. Sept. 1802, Holtei, Briefe an L. Tieck III, 324.

Selbst in unseren Tagen hat man bei Runge katholisierende Neigungen gewittert, zum Teil auf so losen und unhaltbaren Gründen, wie dem, dass Runge — der Norddeutsche — in dem Märchen „von dem Fischer un syner Fru“ die Frau zum Papst emporsteigen 1) lässt.–

Haym 2) schreibt von Novalis:

„Keinen Augenblick werden wir vergessen dürfen, dass dieser Mann, ungeachtet seiner intensiv poetischen Begabung, mit gesunden Sinnen, mit kräftigem Verstand, mit reinem Pflichtgefühl in der Wirklichkeit, in den prosaischen Anforderungen des Lebens stand. Er gehörte nicht zu jenen unseligen Naturen, die sich durch ihr Phantasieleben das gewöhnliche Leben verleiden oder zerstören ..“

Etwas ähnliches gilt in noch höherem Grade von Runge. Wie er sogar dazu bereit war, die Kunst vorläufig aufzugeben, um in Handelsgenossenschaft mit seinem Bruder Daniel zu treten, als es erforderlich wurde, so waren die praktischen Geschäfte seiner übrigen Brüder ihm auch nichts Gleichgültiges und Fremdes. Nach einer Reise in seine Heimatstadt Wolgast, die er aus Dresden mitten in seinem Liebeskampfe unternommen hatte, schrieb er seinem Bruder am 28. Juli 1802:

„Ich muss euch doch einiges von dem erzählen, was mir noch in Mecklenburg u. s. w. begegnet ist. Wir haben Neddemin, Davids vorige Pachtung, abliefern helfen, wobey ich der Secretair gewesen bin; auch haben ich und Karl taxirt, unter anderen den Honig . . . Hernach bin ich noch express nach Ramelow mit Karl gewesen, um die Erdbeeren und die Kirschen zu taxiren. Auch waren wir am letzten Tage noch alle drey zum Friedländer Pferdemarkt. Von Jacobs Schwiegervater habe ich den Auftrag hier 20—30 Schaafe zu kaufen; treibe ich die hin, so werde ich mich wohl in Berlin nicht lange aufhalten können, will mir aber dann von Schwester Helwig die fetten Schweine kaufen, da kann vielleicht auf dem Rückwege in Berlin was mit zu machen seyn. Unsre Schwester Hess mich bis Fürstenberg fahren, wo ich ihr noch drey Fässer Butter auf Lieferung verkauft habe.“

l) Vgl. Reinhold Steig (der übrigens Runges Bedeutung als Romantiker vollkommen zu würdigen weiss) in seiner Abhandlung „Zur Entstehungsgeschichte der Märchen und Sagen der Brüder Grimm“ in Brandls und Toblers Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Litteratur 107. Bd., Seite 280 (1901). Sogar in den norwegischen Volksmärchen, die allerdings keine romantisch-katholisierenden Tendenzen kennen, kommt öfters der Papst vor. In Ulrich Jahns Volksmärchen aus Pommern und Rügen (also eben aus Runges Gegend) 1891, 1. Band, No. 42, S. 228 ff. findet sich eine Redaktion des Märchens, wo die Frau auch verlangt, Papst zu werden. Vgl.weiter unten S. 52h 2) Haym, 353.

Ein Freund Runges, der ihm in den letzten Lebensjahren nahe stand 1), sagt von ihm: „an dem teilnehmenden und tüchtigen Manne und frohen Gesellschafter, der überall, besonders in mechanischen Dingen, gewandt war, hatte auch das bürgerliche Leben einen überaus willkommenen Genossen“.

Überhaupt scheinen die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts ganz besondere Bedingungen enthalten zu haben, um bei vielseitig begabten Naturen die höchst eigentümliche Vereinigung unendlich elastischer Phantasie mit einem lebhaften Wirklichkeitssinn zu entwickeln —

1) Johann Georg Rist’s Lebenserinnerungenc Herausgegeben von G. Poel, Gotha, Perthes 1880, II.Theil, S. 45. Lichtwark hat mich auf diese Quelle aufmerksam gemacht.

Text und Bild aus dem Buch: Runge und die Romantik (1909), Author: Aubert, Andreas von.

Siehe auch:
Runge und die Romantik – Erster Abschnitt

aus dem Kunstmuseum Hamburg

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