Rotrückiger Würger

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Rotrüdkiger Würger, Lanius collúrio L

Der überall gemeine rotrückige Würger heißt auch Neuntöter, weil man in der Nähe seiner Sitzplätze viele kleine Tiere, meist Frösche und Käfer, auf Dornen gespießt findet Er tut dies, um sie bequemer zerreißen zu können, namentlich aber auch deshalb, weil er nicht fressen kann, solange er ein Gewölle im Halse hat, das er erst auswürgen muß. Es sind hauptsächlich die harten Chitinteile von Käfern, die er wieder ausspeit. Wie alle Vögel ihre Vorratskammern zum Teil wieder vergessen, so findet man auch die Opfer des Würgers öfters eingetrocknet, ein Beweis, daß er nur auf kurze Zeit diese Vorräte aufspeichert. Seine Schädlichkeit wird sehr übertrieben, doch holt er zuweilen einen jungen Vogel nach dem andern aus dem Nest und ähnelt also in seinem Wesen mehr dem Raubwürger als den anderen Gattungsgenossen. Das vielbedauerte Fehlen von Büschen ist daher in manchen Landschaften gar kein Nachteil für die Vogelwelt, denn es hält die Würger fern. Eine Merkwürdigkeit ist es, daß fast jeder erwachsene Neuntöter ein paar Fadenwürmer unter der Kopfhaut im Genick hat.

Name: „Collurio“, griechischer Vogelname: Kollyrion oder Koryllion.

Vorkommen: Überall gemein, wo es Dorn- und Wildrosenbüsche gibt.

Artmerkmal: Männchen und Weibchen verschieden, beide mit rotbraunem Rücken.

Größe: Etwas über Sperlingsgröße, Flügel 8,9—10,0 cm. Gewicht (des Weibchens) 29—34,5 g.

Weibchen: Sehr verschieden vom Männchen, Schwanz, Rücken und Flügel braun, Kopf graubraun, Brustseiten u. Rücken dunkel gewellt.

Junge: Dem Weibchen ähnlich, noch mehr gewellt, auch auf dem Kopf.

Lockton: »Gäck gäck“ und „Kräw“.

Gesang: Leises Gezwitscher, zuweilen viele fremde Stimmen nachahmend.

Eier: 4—7, grünlich, gelblich oder rötlich mit einem Kranz violettgrauer und der Grundfarbe entsprechend grünlicher,bräunlicher oder rötlicher Flecken, Mai bis Juli, wohl nur eine Brut.

Nest: Wurzeln, Moos usw., innen (oft auch außen) Pflanzen wolle usw.

Nistplatz: Niedrig, in Dornbüschen, Hecken, selten etwas höher auf Bäumen.

Nahrung: Öfters junge Vögel, Mäuse, Frösche, doch meist Insekten, besonders Käfer.

Zug: (April) Mai — August, September.

Einzige deutsche Form der Verwandtschaftsgruppe Lanius Collurio.

Text und Bild aus dem Buch: Die Singvögel der Heimat (1921), Author: Kleinschmidt, Otto.

Siehe auch:
Die Singvögel der Heimat – Einleitung
Haussperling
Feldsperling
Steinsperling
Heckenbraunelle
Edelfink
Bergfink
Kernbeißer
Grünling
Stieglitz
Erlenzeisig
Bluthänfling
Girlitz
Gimpel
Kreuzschnabel
Goldammer
Grauammer
Rohrammer
Feldlerche
Haubenlerche
Heidelerche
Baumpieper
Wiesenpieper
Brachpieper
Weiße Bachstelze
Gebirgsbachstelze
Schafstelze
Rauchschwalbe
Mehlschwalbe
Uferschwalbe
Mauer- oder Turmsegler
Seidenschwanz
Grauer Fliegenschnäpper
Trauerfliegenschnäpper
Zwerg-Fliegenschnäpper
Raubwürger
Schwarzstirn-Würger
Rotköpfiger Würger
Rotrückiger Würger
Steinschmätzer
Schwarzkehliger Wiesenschmätzer
Braunkehliger Wiesenschmätzer
Hausrotschwanz
Gartenrotschwanz
Blaukehlchen
Rotkehlchen
Nachtigall
Amsel
Wacholderdrossel
Misteldrossel
Rotdrossel
Singdrossel
Pirol
Star
Wasserschwätzer
Zaunkönig
Mönch-Grasmücke
Gartengrasmücke
Dorn-Grasmücke
Zaun-Grasmücke
Sperber-Grasmücke
Drossel-Rohrsänger
Teichrohrsänger
Getreide-Rohrsänger
Ufer-Rohrsänger
Seggen-Rohrsänger
Garten-Laubvogel
Heuschrecken-Rohrsänger
Weiden-Laubvogel
Fitis-Laubvogel
Wald-Laubvogel
Gemeines Goldhähnchen
Augenstreif Goldhähnchen
Kohlmeise
Blaumeise
Nonnenmeise
Weidenmeise
Tannenmeise
Haubenmeise
Schwanzmeise
Spechtmeise
Waldbaumläufer
Hausbaumläufer
Seltenere Arten und Ausnahme-Erscheinungen der deutschen Singvogelwelt.
Vogeleier Abbildungen
Schwebende Nestbauten
Rückblick auf das Singvogelleben in der Gesamtheit
Alle Singvögelabbildungen

Ein Ausspruch Kants über den ästhetischen Wert der Singvögel.

Die „Natur, die keinem Zwange künstlicher Regeln unterworfen ist,“ kann dem „Geschmacke für beständig Nahrung geben“. — „Selbst der Gesang der Vögel, den wir unter keine musikalische Regel bringen können, scheint mehr Freiheit und darum mehr für den Geschmack zu enthalten als selbst ein menschlicher Gesang, der nach allen Regeln der Tonkunst geführt wird; weil man des letztem, wenn er oft und lange Zeit wiederholt wird, weit eher überdrüssig wird. Allein hier vertauschen wir vermutlich unsere Teilnehmung an der Lustigkeit eines kleinen beliebten Tierchens mit der Schönheit seines Gesanges, der, wenn er vom Menschen (wie es mit dem Schlagen der Nachtigall bisweilen geschieht) ganz genau nachgeahmt wird, unserem Ohre ganz geschmacklos zu sein dünkt“

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