Rotkehlchen

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Rotkehlchen, Erithacus rubécula (L.)

Wie ein Geistchen bewegt sich das Rotkehlchen im Schatten des Gebüsches, und koboldartig klingt sein Schniekem, wenn es abends zur Zeit, wo die andern Vögel schlafen gehn, erst recht zu ausgelassener Lebhaftigkeit erwacht. Es singt sogar noch gern zu später Zeit, und sein Lied paßt so recht zur feierlichen Abendstimmung. An schattige Gebüsche gewöhnt, fühlt es sich, wie kaum ein anderer Vogel, in menschlichen Wohnungen wohl und besucht im Winter freiwillig das Innere von Gebäuden, um dort nach Nahrung zu spähen. Früher wurde es in vielen Bauernstuben ungekäfigt überwintert. Es ist daher ein besonderer Liebling des Volkes. Die schönen großen Augen werden durch das umgebende Rot — eigentlich ist es ein bleiches Rostgelb — besonders ausdrucksvoll.

Name: „rubecula“ = verkleinernd von „rubeus“ = rot, also Rotchen*).

Vorkommen: Überall in Wäldern häufig. Auf dem Zug überall.

Artmerkmal: Gelbrote Kehle, Schwanz wie der Rücken gefärbt. Größe: Allbekannt, Flügel 6,9—7,5 cm. Gewicht 14,5—17 g.

Weibchen: Wie Männchen.

Junge: Gefleckt.

Lockton: „Schnick schnick schnick“ oder „Schnickerickick“.

Gesang: Feierlich fließend und flötend, von ganz eigenartigem Charakter und Wohllaut.

Eier: 5—6 (7, selbst 8), gelblich mit rotbraunen Wolken oder Flecken, (April), Mai bis Juli, zwei Bruten.

Nest: Aus Moos, innen Hälmchen usw., Haare und Federn.

Nistplatz: Meist am Boden, an den Böschungen der Waldwege usw.

Nahrung: Käferchen, Larven, Würmer, kleine Schnecken usw., oft Beeren, besonders gern Spindelbaumkerne (Rotkehlchenbrot)**).

Zug: März — September, Oktober, oft überwinternd.

Realgattung Erithacus Dándalus. Man hat die westdeutschen Brutvögel noch nicht genau genug auf ihre Identität mit rubecula untersucht.

*) Alter Name Rotbart, identisch (?) mit dem Eigennamen Robert, englisch Robin.

**) Die überwinternden Vögel fressen von den Überresten in den Futtergeschirren von Enten, Hunden und Katzen und in Gefangenschaft fast alle Speisen von des Menschen Tisch.

Text und Bild aus dem Buch: Die Singvögel der Heimat (1921), Author: Kleinschmidt, Otto.

Siehe auch:
Die Singvögel der Heimat – Einleitung
Haussperling
Feldsperling
Steinsperling
Heckenbraunelle
Edelfink
Bergfink
Kernbeißer
Grünling
Stieglitz
Erlenzeisig
Bluthänfling
Girlitz
Gimpel
Kreuzschnabel
Goldammer
Grauammer
Rohrammer
Feldlerche
Haubenlerche
Heidelerche
Baumpieper
Wiesenpieper
Brachpieper
Weiße Bachstelze
Gebirgsbachstelze
Schafstelze
Rauchschwalbe
Mehlschwalbe
Uferschwalbe
Mauer- oder Turmsegler
Seidenschwanz
Grauer Fliegenschnäpper
Trauerfliegenschnäpper
Zwerg-Fliegenschnäpper
Raubwürger
Schwarzstirn-Würger
Rotköpfiger Würger
Rotrückiger Würger
Steinschmätzer
Schwarzkehliger Wiesenschmätzer
Braunkehliger Wiesenschmätzer
Hausrotschwanz
Gartenrotschwanz
Blaukehlchen
Rotkehlchen
Nachtigall
Amsel
Wacholderdrossel
Misteldrossel
Rotdrossel
Singdrossel
Pirol
Star
Wasserschwätzer
Zaunkönig
Mönch-Grasmücke
Gartengrasmücke
Dorn-Grasmücke
Zaun-Grasmücke
Sperber-Grasmücke
Drossel-Rohrsänger
Teichrohrsänger
Getreide-Rohrsänger
Ufer-Rohrsänger
Seggen-Rohrsänger
Garten-Laubvogel
Heuschrecken-Rohrsänger
Weiden-Laubvogel
Fitis-Laubvogel
Wald-Laubvogel
Gemeines Goldhähnchen
Augenstreif Goldhähnchen
Kohlmeise
Blaumeise
Nonnenmeise
Weidenmeise
Tannenmeise
Haubenmeise
Schwanzmeise
Spechtmeise
Waldbaumläufer
Hausbaumläufer
Seltenere Arten und Ausnahme-Erscheinungen der deutschen Singvogelwelt.
Vogeleier Abbildungen
Schwebende Nestbauten
Rückblick auf das Singvogelleben in der Gesamtheit
Alle Singvögelabbildungen

Ein Ausspruch Kants über den ästhetischen Wert der Singvögel.

Die „Natur, die keinem Zwange künstlicher Regeln unterworfen ist,“ kann dem „Geschmacke für beständig Nahrung geben“. — „Selbst der Gesang der Vögel, den wir unter keine musikalische Regel bringen können, scheint mehr Freiheit und darum mehr für den Geschmack zu enthalten als selbst ein menschlicher Gesang, der nach allen Regeln der Tonkunst geführt wird; weil man des letztem, wenn er oft und lange Zeit wiederholt wird, weit eher überdrüssig wird. Allein hier vertauschen wir vermutlich unsere Teilnehmung an der Lustigkeit eines kleinen beliebten Tierchens mit der Schönheit seines Gesanges, der, wenn er vom Menschen (wie es mit dem Schlagen der Nachtigall bisweilen geschieht) ganz genau nachgeahmt wird, unserem Ohre ganz geschmacklos zu sein dünkt“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.