Rauchschwalbe

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Rauchschwalbe, Chélidon rústica (L.)

Die Kuhställe der Dörfer sind das Lieblingsheim der Rauchschwalbe oder Dorfschwalbe. Der schöne Vogel zeigt uns, daß man sich die Dorfpoesie nicht durch das bißchen Stallgeruch, das ihr unvermeidlich anhaftet, stören lassen darf. Übrigens ist es ihm um die Stalluft so wenig zu tun wie um Schornsteinrauch, sondern es ist das fast stets offene Fenster, das ihm dort behagt, weil es ihm nicht den freien Aus-und Einflug verwehrt. Nimmt man hierauf Bedacht, d. h. hält man ein Fenster, etwa durch Entfernung einer Scheibe offen, so siedeln sich Rauchschwalben gern auch in anderen Räumen an. Beim Nestbau aus Stroh und Erde ist’s, als wären sie bei unsern Altvorderen gewissenhaft in die Lehre gegangen, so genau stimmt die Bereitung des Materials für ein Lehmhaus und für ein Schwalbennest überein. Nur daß bei letzterem die Außenseite so bleibt wie eine Lehmmauer vor dem Glätten, wenn noch Erdklumpen und Halme daran herabhängen.

Name: „Rauchschwalbe“, vom Brüten in altmodischen, unten weiten, oben pyramidal verengten Schornsteinen. Chelidon, griech. Schwalbe, „rustica“ = Landbewohnerin.

Vorkommen: Überall in den Dörfern gemein, besonders in Viehställen.

Artmerkmal: Langer, im Sitzen nicht gesenkter Schwanz, brauner Kehlfleck, Unterrücken blau wie die übrige Oberseite.

Größe: Allbekannt. Flügel 11,9—13,0 cm. Gewicht etwa 21 g.

Weibchen: Mit etwas kürzeren Schwanzspitzen als das Männchen.

Junge: Matter gefärbt und kurzschwänziger als die Alten.

Lockton: „Witt, ziwitt, widewidit“. Warnruf: „Bibist, bibist!“ Gesang: „Wirb wirb werb widewischit“, zuletzt „wid weid woid äzerr“ (übersetzt: Wollt Hemdchen nähen, hab‘ keinen Zwirn usw.).

Eier: 4—5 (6), meist länglich, weiß mit rost- oder dunkelbraunen Flecken, Mai — August, zwei Bruten.

Nest: Viertelskugel, oben offen, aus Erdklümpchen und Halmen.

Nistplatz: Bei uns fast immer im Innern von Ställen und anderen Gebäuden, zuweilen in bewohnten Zimmern.

Nahrung: Kleine Insekten.

Zug: Normal April — September, Oktober.

Einzige deutsche Form der bis in die neue Welt verbreiteten Realgattung Hirúndo*) Rustica. Unten rostrote Stücke sind nur eine Aberration.

*) Die Schwalben kennzeichnen sich durch ihre langen schmalen Flügel und den weiten Mund.

Text und Bild aus dem Buch: Die Singvögel der Heimat (1921), Author: Kleinschmidt, Otto.

Siehe auch:
Die Singvögel der Heimat – Einleitung
Haussperling
Feldsperling
Steinsperling
Heckenbraunelle
Edelfink
Bergfink
Kernbeißer
Grünling
Stieglitz
Erlenzeisig
Bluthänfling
Girlitz
Gimpel
Kreuzschnabel
Goldammer
Grauammer
Rohrammer
Feldlerche
Haubenlerche
Heidelerche
Baumpieper
Wiesenpieper
Brachpieper
Weiße Bachstelze
Gebirgsbachstelze
Schafstelze
Rauchschwalbe
Mehlschwalbe
Uferschwalbe
Mauer- oder Turmsegler
Seidenschwanz
Grauer Fliegenschnäpper
Trauerfliegenschnäpper
Zwerg-Fliegenschnäpper
Raubwürger
Schwarzstirn-Würger
Rotköpfiger Würger
Rotrückiger Würger
Steinschmätzer
Schwarzkehliger Wiesenschmätzer
Braunkehliger Wiesenschmätzer
Hausrotschwanz
Gartenrotschwanz
Blaukehlchen
Rotkehlchen
Nachtigall
Amsel
Wacholderdrossel
Misteldrossel
Rotdrossel
Singdrossel
Pirol
Star
Wasserschwätzer
Zaunkönig
Mönch-Grasmücke
Gartengrasmücke
Dorn-Grasmücke
Zaun-Grasmücke
Sperber-Grasmücke
Drossel-Rohrsänger
Teichrohrsänger
Getreide-Rohrsänger
Ufer-Rohrsänger
Seggen-Rohrsänger
Garten-Laubvogel
Heuschrecken-Rohrsänger
Weiden-Laubvogel
Fitis-Laubvogel
Wald-Laubvogel
Gemeines Goldhähnchen
Augenstreif Goldhähnchen
Kohlmeise
Blaumeise
Nonnenmeise
Weidenmeise
Tannenmeise
Haubenmeise
Schwanzmeise
Spechtmeise
Waldbaumläufer
Hausbaumläufer
Seltenere Arten und Ausnahme-Erscheinungen der deutschen Singvogelwelt.
Vogeleier Abbildungen
Schwebende Nestbauten
Rückblick auf das Singvogelleben in der Gesamtheit
Alle Singvögelabbildungen

Ein Ausspruch Kants über den ästhetischen Wert der Singvögel.

Die „Natur, die keinem Zwange künstlicher Regeln unterworfen ist,“ kann dem „Geschmacke für beständig Nahrung geben“. — „Selbst der Gesang der Vögel, den wir unter keine musikalische Regel bringen können, scheint mehr Freiheit und darum mehr für den Geschmack zu enthalten als selbst ein menschlicher Gesang, der nach allen Regeln der Tonkunst geführt wird; weil man des letztem, wenn er oft und lange Zeit wiederholt wird, weit eher überdrüssig wird. Allein hier vertauschen wir vermutlich unsere Teilnehmung an der Lustigkeit eines kleinen beliebten Tierchens mit der Schönheit seines Gesanges, der, wenn er vom Menschen (wie es mit dem Schlagen der Nachtigall bisweilen geschieht) ganz genau nachgeahmt wird, unserem Ohre ganz geschmacklos zu sein dünkt“

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